Eine durchweg gelungene EP ist da von einer Londoner Band auf dem pariser Label Le Turc Mechanique aufgepoppt. Zu hören gibt's elektrifizierten und durchaus vielseitigen Post Punk mit angenehmer Noise-Kante, starken Songfundamenten und bittersüßen, eingängigen Melodien.
Ich hatte ja meine Vorbehalte, aber auf dem zweiten Album der gerade ziemlich gehypten Band aus Bristol kommt ihre unverschämt vorwärts schiebende Mischung aus Postpunk/-core und Noise Rock keineswegs verwässert rüber, sondern Idles klingen hier einfach noch viel mehr nach sich selbst als schon auf ihrem grandiosen Debüt. Das gleiche gilt für den Gesang von Frontmann Joe Talbot, der dem vormals noch etwas im Zaum gehaltenen inneren Springteufel ungezügelt freien Lauf lässt. Wie ein endlos agitierter (oder man könnte auch sagen: unglaublich britischer) Seelenverwandter von Protomartyr's Joe Casey spuckt er hässliche Realitäten auf den Boden, die aus seinem Mund wie sinistere Abzählreime klingen. Und zwar von der Sorte, an deren Ende unvermeidlich jemand weinend nach Hause läuft. Eine passende Untermalung für's neue Zeitalter der Bullies.
...und gleich noch mal betrübliches Zeug, diesmal aus der zuverlässigen Berliner Szene. Hyäne ließen ja bereits mit einer ziemlich guten 7" und ein paar Demosongs gespannt aufhorchen. Via Static Age Musik ist jetzt der erste Langspieler zu bekommen. Darauf hat ihre relativ trockene und triste Spielart von Post Punk einiges an Feinschliff erfahren, kommt noch mal eine ganze Nummer stimmiger rüber. Des öfteren klingen sie dabei nach einer Schnittmenge der Berliner Nachbarn AUS und Pretty Hurts. Vorzüglicher Scheiß.
Fünf neue, wunderbare Unfälle gibt's auf der aktuellen EP der neuseeländischen Avantgarde-Punks, deren kühner Dilettantismus mir immer wieder von neuem die Kinnlade gen Boden fallen lässt. Subtil ist das nicht, aber dafür laut und abgefuckt. Etwa so als hätten sich frühe Half Japanese mal ein Stimmgerät gekauft. Was will man denn mehr?
Eine sehr gelungene Splitscheibe zweier Bands, die jeweils irgendwo zwischen den Eckpfeilern Noise, Post Punk und ein wenig Garagezeug agieren. Dass Nag aus Decatur, Georgia ordentlich die Scheiße lostreten können, haben sie ja schon mit mehreren EPs bewiesen. Gänzlich unbekannt waren mir hingegen Lip aus Baltimore, die ihrem Krawall eine dezent psychedelischen Note verpassen. Eine überaus erfreuliche Überraschung.
Hochpotenter Scheiß, was dieses Trio aus Minneapolis auf ihrem bereits dritten Langspieler veranstaltet. Melodische Fragmente und shoegazige Texturen kollidieren mit dissonantem Lärm. Wuchtig nach vorne gehender Post Punk á la Lié, Death Stuff, Shit Giver oder Dasher trifft auf den Fuzz Punk/Noise Pop etwa von Slowcoaches oder UV-TV, Noise Rock der Marke USA Nails oder Batpiss. Unvorhersehbar, eigenwillig und doch erstaunlich homogen, absolut eigenständig kommt diese wilde Mixtur rüber.
Straight nach vorne gehendes (Post-)Punkgedöns auf dem zweiten Langspieler der Band aus San Sebastián, Spanien. Das erinnert mal an eine trübseligere Variante der Red Dons, Short Days oder Telecult, im Tempo gedrosselte Nervosas, an The Estranged oder einen Hauch von Criminal Code.
Auf ihrem neuesten Kurzspieler beweist die Post Punk/Goth/Dark Punk-Formation aus Philadelphia einmal mehr, dass sie in ihrem Genre-Umfeld ganz vorne dabei ist. Besonders herausstechend sind diesmal die etwas getrageneren Highlights Bull's Blood und Golden Calf. Was bei weniger guten Bands meistens eher einschläfernd wirkt, entfaltet hier seine volle Wirkung und zeigt ein starkes Wachstum in seinem sauber konstruierten Songwriting.
Das ausgezeichnete zweite Album der Post-/Artpunker aus Portland ist noch gar nicht so richtig verarbeitet, da schiebt die Band auch schon einen neuen Siebenzöller hinterher, der mit Leichtigkeit an dessen Brillianz anknüpft.
Derzeit kann man sagen, dass gefühlte 80% aller guten Bands aus dem Post-, Garagepunk und Hardcore-Spektrum früher oder später im Katalog von Erste Theke Tonträger auftauchen. Jetzt sind Patti aus Oakland an der Reihe, die vor nicht allzu langer Zeit ja schon mit ihrer ersten EP sehr zu gefallen wussten. Auch der neueste Kurzspieler der Band hält was er verspricht. An ihrem hyperaktiven und reichlich angeschrägten Postpunk hab ich mich noch lange nicht sattgehört.