Exquisite neue Qualitätsware der leicht abgespaceten Sorte gibt's auf der ersten EP dieser Band aus Singapur, deren Acid-getränkter Nebel aus Garage-, Post- und Synth Punk sich ein bisschen so anfühlt wie eine stärker angepisste Variante von so Bands wie Useless Eaters, Ex-Cult, Pow!, oder Mononegatives, abgerundet mit einer ausgesprochen räudigen Energie in einer Performance, die mich etwa an frühe Strange Attractor erinnert.
Eine ausgezeichnete zweite EP von dieser Band aus San Leandro, Kalifornien, die darauf eine unerwartet eingängige Mischung aus Post Punk und Postcore rausbläst, was einerseits auf so lärmige, unkonventionelle Punkbands der 80er zurück zu blicken scheint wie etwa Flipper, Really Red und frühe Saccharine Trust, aber ebenso gut in eine Reihe passt mit gegenwärtigen Acts wie The Unfit, Hood Rats und Lackey, wobei dann der Vokalist in gewisser Weise auch noch ein bisschen den inneren Jello Biafra zu channeln scheint, insbesondere in Sachen Sarkasmus und subversivem Storytelling. Oh und nicht zuletzt finden beide Männer Vermieter ganz super!
Eine sensationelle Debüt-EP von einer Band oder einem Projekt aus Lethbridge, Alberta, welche sechs perfekte Schläge aus einer Machart des Post Punk beherbergt, deren ohrenbetäubenden Wände aus Lärm und pulsierende elektrische Beats zeitweise so klingen als kollidiere eine seltsame Art Eggpunk-Big Black mit den mehr oder weniger psychedelischen Qualitäten von so Garage-Größen wie den frühen Useless Eaters, Pow! und Mononegatives - oder aber auch mit den vernebelten Punk-Experimenten von Métal Urbain / Dr. Mix and the Remix - in einer atemlosen Abfolge hochendzündlicher Banger. Darüber hinaus habe ich auch noch so 'ne leise Ahnung, dass auch Freunde von so abgespaceten Krawallmachern á la Corpus Earthling oder dem französischen Magier Pablo X dieser Band aus der Hand fressen werden.
Schon wieder eine starke Veröffentlichung von Ismatic Guru aus Buffaly, NY, die wenn ich das richtig sehe, mal eben die komplette bisherige Diskografie der Band enthält, aber das primäre Interesse gilt hier natürlich den fünf neuen Songs mit denen die LP beginnt - seht den Rest einfach als netten Bonus, falls ihr das Zeug noch nicht gehört habt. Das frühe Material der Band fand ich ja noch von etwas wechselhafter Güte aber die Qualitätskontrolle hat sich seitdem spürbar verschärft und insbesondere die dritte EP war diesbezüglich schon ein bemerkenswerter Quantensprung. Hier ist jetzt also ihr fünfter Kurzspieler und erneut übertrumpfen sie darauf alle Vorgänger, haben nie zuvor so unangestrengt und selbstbewusst geklungen in ihren Mutant-Funk Post Punk-Klangentwürfen, die man auch als eine seltsam Egg-ifizierte Fusion beschreiben könnte zwischen einer funky Version von Landowner, frühen Minutemen und vielleicht auch noch The Pop Group? Darüber hinaus kann ich mir vorstellen, das auch Bewunderer der Cartoon LP vom letzten Frühling da einen neuen Kick drin finden.
Die dritte EP dieser Band aus Brooklyn, New York ist mal zweifellos ihre ausgereifteste Veröffentlichung bislang und häit ohne Not eine heikle Balance zwischen vergleichsweise stumpfen und simplen Hardcorepunk-Smashern und ungleich filigraneren Postcore-Versatzstücken, die mir unter anderem so schräge Vögel wie Mystic Inane, Launcher oder Rolex ins Gedächtnis rufen und immer hat das reichlich heiße Kohlen unter'm Arsch, aufgeladen mit einem konstanten Grundpegel der Verunsicherung und Unberechenbarkeit.
Diese Band aus Montreal zählt Mitglieder von Puffer und Béton Armé zu den Ihren und präsentiert eine voll ausgeformte, elegante Vision auf ihrem zweiten Tape, nach einem bereits schon sehr ordentlichen, aber noch nicht so ausgefeilten 2023er Demo. Der Opener Insoutenable poltert los mit einer stark Radio Birdman- und New Christs-mäßigen Energie, die im weiteren Verlauf ergänzt wird mit relativ kontemporär klingenden Post Punk-Elementen á la The Estranged und Dead Finks, durchsetzt von einer ausgeschprochen folkigen Qualität. Ein weiteres Highlight ist Rien ne t'empêchera und kommt mir in etwa so vor wie eine perfekte Fusion aus einem oldschooligen Oi!-Singalong und schrammeligem Powerpop.
Köln's inzwischen schon ziemlich alteingesessene Art Punk-Institution Tics lässt mal wieder von sich hören und ihre neueste 7" auf dem lokalen Label Mörtelsounds präsentiert die Band in ihrer fokussiertesten und griffigsten Inkarnation seit einer guten Weile. Alle beweglichen Teile greifen hier nahtloser ineinander als je zuvor, wobei der Opener Clad Faun stiilistisch wohl noch am nähesten am Minutemen- und Gang Of Four-informierten Post Punk ihres frühen Schaffens gelagert ist. Gleichzeitig öffnen sie hier sich aber zunehmend auch einer Reihe von Einflüssen, von denen ich nicht wenige im Dischord-Universum der '90er verorten würde, und zwar einerseits dessen melodischere Auswüchse á la Fire Party und Autoclave, aber im weiteren Verlauf haben da sicherlich auch viele der "typischeren" Acts á la Jawbox, Hoover, Smart Went Crazy, Bluetip and Kerosene 454 Spuren hinterlassen, gemeinsam mit weiteren Kolossen der '90er wie Polvo, Unwound und Chavez. Gleichermaßen meine ich jedoch auch Echos jüngerer Ereignisse wahrzunehmen, etwa von australischen und neuseeländischen Bands wie Die! Die! Die!, Batpiss und Bench Press sowie auch von US-Bands der Marke Stuck oder Rip Room.
Punk mit Gaming-Hyperfixierung ist ja nicht so der große Indikator für Kreativität und künstlerischen Wert, aber die zweite EP dieser Band aus Fresno, Kalifornien widersetzt sich dankenswerter Weise der allgemeinen Tendenz solcher Musikware zu zahnlosen, abgedroschenen Chiptune-Sounds. Stattdessen liefern die hier ein paar ausgesprochen schmackhafte Häppchen aus fuzzigem LoFi-Elektropunk mit ordentlich Beißkraft ab, die mich abwechselnd mal an so Zeug erinnern wie S.B.F., ISIS, Exit Mould, Penance Hall, Kerozine, Giorgio Murderer oder auch die stärker elektrolastigen Projekte dieses Zhoop/Djinn/etc.-Typen: Nightman und Brundle.
Ein bezaubernd seltsames kleines Biest, die zweite EP dieser Band aus Florida, die sich in etwa so ausläuft wie eine Verquirlung früher Siouxie, B-52s und Delta Five, transformiert in so eine Art schepperiger Urinals-Ästhetik, garniert mit einer ordentlichen Menge an verspieltem Eggpunk-Hirnfick. Als weiterer Vergleich fällt mir da spontan außerdem noch der grandiose LoFi-Art Punk von den New Yorkern Exo ein.
Eine unverschämt starke dreifach-Splitkassette bringt hier ein paar Bands zusammen, die man zukünftig definitiv im Blick behalten sollte. Answering Machines aus Chicago machen den Anfang mit einem beachtlichen Knall in der Form von eingängigen Pop-Tunes, welche die besten Qualitäten vereinen von den Fuzz Punk-Exzessen der frühen 2010er und Bands wie Wavves und No Age, mit dem kräftigen Power Pop etwa von Bad Sports, Warm Soda, Sonic Avenues oder Scupper, wobei die durchweg ausgebombte Ästhetik und Produktionswerte auch etwas rohere Vertreter des letztgenannten Spektrums wie Violent Change, The Wind-Ups, Famous Mammals, Honey Bucket, Germ House, Far Corners und vielleicht auch frühe Chronophage ins Gedächtnis rufen. Good Flying Birds aus Inadianapolis (die wohlbemerkt genau einen Tag zuvor bereits ein sehr beeindruckendes Debütalbum vorgelegt haben) präsentieren daraufhin drei neue Ohrwürmer, die irgendwo im Weißraum zwischen '80er Jangle Pop, C86-Popqualitäten und auch reichlich spätachtziger Sarah Records Indiepop-Vibes herumverkehrt. Abgerundet wird das Ding durch neue Songs von den Artrockern Soup Activists aus St. Louis, für die ich mich anfangs ja noch nicht so richtig erwärmen konnte und die ich auch jetzt noch am besten in kleinen Dosen genießen kann. Eine angemessen kleine Dosis ist das hier aber fraglos und ich muss dann auch zugeben, dass mir kaum ein besserer, entspannter Ausklang für dieses bemerkenswerte Album eingefallen wäre.