Hier kommt noch ein würdiger kleiner Eintrag in die Annalen des zeitgenössischen Eggpunk, der auf den ersten Blick vielleicht etwas zu simpel und konventionell wirken mag, bei genauerer Betrachtung aber eine unerwartet dichte Substanz offenbart. Der Krempel hat für mich etwas von einer Kreuzung aus dem quirligen Klugscheißer-Post Punk von Landowner mit den schnörkellosen Punk-Miniaturen jenes Typen, der unter anderem als Zhoop/Nightman/Brundle/RONi/etc. bekannt ist, genetisch adaptiert um in den unwahrscheinlichen Verhältnissen eines stark Egg-versifften Umfelds zu überleben.
Nun, ich bin sicher die göttlichen Overlords des Dungeon Punk-Genres bedürfen hier inzwischen keiner besonderen Einführung mehr. Die Songs ihrer neuesten EP lassen klar ein Bestreben erkennen, die Klangpalette und die Grenzen ihres ureigenen Subgenres auszuweiten, was in einem ganz geringfügig gedämpft klingenden Gesamtbild resultiert, das einige von den melodisch-hymnischen Kampfschreien gegen ungleich melancholischere Post Punk-Vibes eintauscht etwa in Songs wie Attrition und Sanctuary. Insgesamt also eine Platte, die etwas weniger vollgepackt ist mit offensichtlichen Hits, wenngleich auch Execute und der Titeltrack Confrere zukünftig ganz bestimmt hoch unter den definitiven Publikumsfavoriten rangieren werden. Und überhaupt, macht euch jetzt keine allzu großen Sorgen um die Band, denn alles hier hat die von ihnen gewohnte Klasse und genau wie bei vergangenen Releases, wachsen einem auch diese Songs ausgesprochen schnell ans Herz.
Die arschtretende neue EP dieser Band aus Sydney liefert Qualitätsware in Sachen kratzbürstigen Punkrocks, der Elemente aus Wipers-artigem Post Punk, ausgefuzztem Garage Punk, etwas Raketengetriebenem, Hot Snakes-infiziertem Postcore und einer leichten Spur von klassischem australischen First-Wave-Punk zu einem Gesamtwerk verwebt, dessen spezifische Qualitäten mich an ein absolut hochkarätiges Bündel aus Female-Fronted Punk-Angelegenheiten dieses und des vergangenen Jahrzehnts erinnert, das unter anderem die unbändigen kreativen Energien von so Bands wie Vexx, Fugitive Bubble, Warp, Dots, Gen Pop, Warm Bodies und Skin Tags beinhaltet.
Eine zweite saustarke EP dieser verdächtig nach Berlin klingenden aber in Augsburg ansässigen Band liefert vier perfekt ausbalancierte, elegante Schübe von Post Punk, der die Genre-typische Formel aus Tod und Verderben zu würzen versteht mit einer guten Dosis von Estranged-mäßiger Melodieverliebtheit, der außerdem durchweg sehr elegant die gängigen Tropes, Konventionen und Möglichkeiten des Genres ausreizt und sich gleichzeitig hartnäckig gegen die Grenzen und Limitierungen von selbigem stemmt. Wie schon bei der ersten EP führt hier kein Weg vorbei an Vergleichen zu einem Strauß von vorwiegend Berliner Bands wie etwa Pigeon, Glaas, frühe Diät und Pretty Hurts, sowie deutssprachige Acts im Fahrwasser von Die Wärme, Hyäne, Maske, Die Verlierer und L’appel Du Vide und nicht zuletzt auch internationalen Schwergewichten wie Rank/Xerox, Criminal Code, Sievehead und den bereits erwähnten The Estranged.
Ein unglaublich starkes Debüt kommt hier von einer New Yorker Band angerollt, die darauf irgendwo zwischen den groben Parametern von Hardcore, Fuzz-, Art- und Post Punk pendelt. Nicht zuletzt wegen dem ausgesprochen psychedelischen Synth-Einsatz hier fühle ich mich besonders an noch so eine New Yorker Gruppe erinnert, nämlich an die Halluzinogenen Cowpunk-Albträume von Murderer. In einigen der freundlicheren Momente hingegen hat das unbestreitbar eine ähnliche Qualität zu gewissen Fuzz Punk-Acts des vergangenen Jahrzehntes á la Feature und Slowcoaches.
Nachdem bereits ihre vielversprechende Debüt-EP im letzten Jahr ein paar Wellen geschlagen hat, kommt die Band aus Madrid jetzt mit einem noch mal deutlich stärkeren Nachfolger um die Ecke. Los geht’s mit zwei simplen und unverdünnten Punkattacken in einer Art Hardcore-meets-Post Punk-Modus, gefolgt vom ultramelodischem Fuzz Punk in Quiero Ser Olvidado und zu guter Letzt dem krönenden Rausschmißer La Luz, einem perfekten Beispiel für antriebsstarken Post Punk, der grob in den oldschooligen Sphären von Criminal Code und Sievehead operiert. Mehr davon, bitte!
Eine sensationelle neue Split-LP liefert uns endlich neues Material von zwei Bands aus Los Angeles, die sich von Anfang an jeweils den gängigen Regeln und Konventionen des Hardcore Punk verweigert haben. Von beiden hat man, abgesehen von jeweils einem halbgebackenen Promo-Tape in 2022, auch schon länger nichts „offizielles“ mehr gehört, was diese Platte natürlich umso erfreulicher macht.
Rolex agieren hier mit der gewohnten Wucht in ihren unvorhersehbaren und unglaublich erfinderischen Postcore-Attacken, die einerseits Echos jüngerer Bands beinhalten wie z.B. Mystic Inane, Big Bopper, Brandy, Launcher und frühe Patti, andererseits aber auch klar in der Schuld stehen von alten Größen wie etwa Minutemen, Dicks and frühe Saccharine Trust (deren erstes Album Surviving You, Always verdammt noch mal endlich wiederveröffentlicht gehört… ein kriminell vernachlässigter Klassiker des frühen Postcore, seiner Zeit um Jahre voraus wenn ihr mich fragt). Dazu kommen noch vereinzelte Spuren von Cowpunk und ein konstanter Lumpy and the Dumpers-mäßiger Chaos-Faktor, der hier in einer total entgleisten Vocal-Performance gechannelt wird. Das Resultat ist pure Glückseligkeit und lässt keinen Zweifel daran, dass Rolex nach wie vor eine unverzichtbare Institution ihres speziellen Subgenres sind.
Die Seite von Grimly Forming bläst dann zu einer ungleich roheren, aber keineswegs weniger schlauen und unkonventionellen Attacke auf die Sinne, die unnachgiebige Wucht mit reichlich ausgeklügelten Konstruktionen ausbalanciert und einer großzügigen Dosis von garagigen Untertönen, die jederzeit für ordentlich Spaß und Antrieb sorgen.
Aus der Rubrik „Poison Ruïn und die Nachwirkungen“: Unsheather aus Bellingham, Washington gehen die Ästhetik von endlosem Kampf, schwerer Rüstung und stumpfen Waffen aus einem stärkeren Hardcore-Blickwinkel an – weniger episch, stattdessen schön primitiv und unpoliert, was vermutlich auch eine weise Strategie ist in dieser immer noch ganz frühen Phase der sich langsam entfaltenden Dungeon Punk-Saga, die sicher noch ein Weilchen brauchen wird bevor die derzeitig unangefochtenen Overlords des Genres einen würdigen Herausforderer finden. Bis dahin freue ich mich über jedes bisschen an grimmig-mittelalterlichem, leidenschaftlich die Axt schwingendem Spaß und dafür sind Unsheather eine ganz vorzügliche Wahl!
Diese Band aus Los Angeles tritt selbstbewust einen ordentlichen Sturm los unter Verwendung von relativ ökonomischen Mitteln. Die fünf Geschosse dieser EP klingen ein bisschen so wie ich es mir vorstellen würde, wenn man eine primitivere Variante der erdigen, noise-lastigen Post-/Garage Punk-Hybriden von The Cowboy und Flat Worms mit einer ordentlichen Ladung von Gun Club- und Feedtime-inspiriertem Blues- und Cowpunk fusioniert. Das Resultat, wie ihr es euch wohl schon gedacht habt, fügt den genannten Genres absolut nichts neues hinzu aber nutzt die vorhandenen Ressourcen effizient um kein einziges mal sein Ziel zu verfehlen.
Negative Gears aus Sydney haben sich gute fünf Jahre Zeit gelassen mit dem Nachfolger zu ihrer ausgezeichneten 2019er EP, auf dem sie sich jetzt in einer noch mal deutlich dunkleren, eiskalten Vision präsentieren, eingehüllt in bemerkenswert gereifte und ausgefeilte Kompositionen und Arrangements. Vergleiche zu so US-Bands wie den frühen Institute, Rank/Xerox, Criminal Code and Nag sind immer noch halbwegs richtig, aber ganz besonders meine ich diesmal eine starke Seelenverwandtschaft zu dem in Berlin lebenden Duo Dead Finks und dessen Vorläufer, der neuseeländischen Band Trust Punks zu erkennen. Songs wie Pills und der Opener Negative Gear beinhalten wiederum einige der Kennzeichen von einschlägigen britischen Hausnummern wie Girls In Synthesis und Sievehead, während in ruhigeren Momenten wie Ants und Zoned durchaus einiges von der Melancholie und Eleganz der letzten Marbled Eye- oder Tube Alloys LPs mitschwingt.