Die dritte EP dieser Band aus Stockholm macht unmittelbar mal einen ausgezeichneten Eindruck mit einem moderat exzentrischen und abwechslungsreichen Mix aus Garage-, Post-, Synth- und Art Punk der geringfügig Devo-mäßigen Machart, zu dessen Tugenden und Referenzen auch etwa das quirlige Chaos von Skull Cult und Jelly Belly gehört, die '80er Synth Punk-Flashbacks jüngerer Isotope Soap, etwas Psychedelia á la Mononegatives und die Unvorhersehbarkeit von Pressure Pin. Auch eine erfreuliche Überraschung: Der Bonus-Remix des pulsierenden Rausschmeißer-Tracks Wendy Got Balls, der tonnenweise von einem aus der Zeit gefallenen retro '80er 12" Disco Edit-Charme mitbringt.
Die vorherige LP dieser Band aus Cincinnati, Ohio, die obendrein einige Mitglieder von The Drin mit an Bord hat, war ja schon ein herausragendes, wenn auch nicht so wahnsinnig originelles Post Punk-Album, aber auf ihrem zweiten Langspieler erklimmt die Band nochmal ein ganz neues Level - alles an diesen Songs und Arrangements wirkt fokussierter, aufwendiger und bewusster konstruiert als zuvor. Das überwältigende Gedränge des Vorgängers weicht hier einer neuen Klarheit, präzisen Strukturen und einem bislang ungehörten Sinn für Melodie und Melancholie, insbesondere in Distant Dawn, Dependency und Nothing in None. Im großen und ganzen ist das hier ein ähnlicher Quantensprung wie das jüngste Marbled Eye-Album, auf dem sehr ähnlich eine bereits herausragende Band die Limitierungen ihres jeweiligen Genre-Umfelds transzendiert und genau deshalb fühlt es sich jetzt auch etwas billig und reduktiv an, Referenzen aufzuzählen aber um der Orientierung willen sag ich jetzt trotzdem mal so: Der Scheiß ist absolutes Pflichtprogram für Freunde von so Zeug wie den erwähnten Marbled Eye, Waste Man, Negative Gears, Rank/Xerox, Tube Alloys, Nag, VR Sex und Public Eye.
Na das ist ja mal ein bemerkenswerter Scheiß hier! Auf ihrer Debüt-EP kreieren diese Schweden eine Machart des monotonen oldschool Post Punk die zwar mal echt nichts neues erfindet, aber dafür ohne Mühe in allem brilliert, was diese Band anfasst in einer Ästhetik, die sich gleichermaßen geradlinig, elegant und meisterhaft vorangetrieben gibt. Das hat ein bisschen was von Wire, MX-80 und Crass bezüglich der alten Haudegen, und von Nag und Institute in jüngerer Zeit... und auch einen Hauch von The Estranged kann man dem letzten Track Empty & Blue bescheinigen. Ausgesprochen einfach gestrickt und so verdammt gut ist das!
Die sechs Songs auf der Debüt-LP dieser Band aus Leeds lassen sich reichlich Zeit um die Grooves und Texturen ihres kühl-analytischen Post Punk einwirken zu lassen in stetig ausufernden, leicht krautigen Endlosschleifen, die sie hier in eine spezielle Form gießen, welche mich einerseits an so Richtung Postcore und Noise Rock tendierende Acts wie John (timestwo), Metz, Cool Jerks und frühe Greys erinnert, gleichermaßen aber auch etwas von Post Punk-Bands á la Criminal Code und The Cowboy hat. Ganz besonders sehe ich da aber noch eine geistige Verwandtschaft zu der kürzlichen Machiavellian Art-LP, von der diese Songs sich in etwa als eine beschleunigte und entschlackte Variante begreifen lassen.
Der Nachfolger zur exzellenten, auf Automobile hyperfixierten EP aus dem letzten Dezember strafft und optimiert mal ganz deutlich das strukturelle Fundament der Songs dieser Punks aus Melbourne und diversifiziert gleichzeitig ihr musikalisches Spektrum, was in einem stärkeren Post Punk-Vibe resultiert und gleichsam auch klar ihrer lärmigsten und wuchtigsten Attacke bisher, selbst dann wenn sie wie in TV Screen zu einem midtempo Post Punk-Jam ansetzen, wohingegen der Rausschmeißer Tough Cunt noch einmal viel von der Hardcore-Energie mitbringt, die das frühere Schaffen der Band prägte. Wie auch immer, mich erinnert das an so viel großartiges aus dem letzten Jahrzehnt und mitunter an so Bands wie Romance, Vexx, Cel Ray, Gen Pop, Warp, Downtown Boys, Fugitive Bubble und Warm Bodies, um nur ein paar zu nennen... und vielleicht auch eine leise Ahnung von den alten australischen Noise Rock-/Post Punk-Haudegen Fungus Brains? Explosiver Scheiß ist das auf jeden Fall!
Wenn du dachtest, die 2022er EP dieser Band aus Montreal wäre schon reichlich schräg und total Banane gewesen, sagen Pressure Pin so: "Hold my Beer", denn das war alles noch gar nichts! Die zweite EP legt die Messlatte noch mal deutlich höher sowohl bezüglich aufwendiger Songkonstrukte als auch was freidrehendes Chaos und ungezügelte Kreativität angeht in einer Gesamtästhetik, die irgendwo im Nebel von Garage-, Synth-, Art und Eggpunk herumgurkt mit einem deutlichen Devocore-Einschlag, und es gleichsam voll darauf anlegt, alle Grenzen und Konventionen besagter Genres zu sprengen. Das ist genau jener eklektizistische "anything goes"-Ansatz der mich insbesondere an jüngere Werke von Trashdog und Checkpoint erinnert, aber wenn man das ganze mal auf seine grundlegenden Bauteile herunterbricht, kann man auch Parallelen zu zu den '90er Midi Pop-Exkursionen von Metdog erkennen, den Devo-ismen von Isotope Soap, der quirligen Freude von Snooper und den Garage-/Art Punk-Ohrwürmfabriken namens Smirk und Cherry Cheeks. Die Typen verbauen mehr Ideen und Inspiration in einen einzigen Song als viele andere Garagenbands für ein ganzes Album übrig haben.
Eine weitere saustarke EP dieser komplett entgleisten Hair Punk / Egg Metal Combo aus Los Angeles, die hier weiter ihren Status zementiert als die übel hirngefickten bösen Cousins der Elektropunk-Bollwerke ISS und Heavy Metal, wenn sie ein weiteres mal ein von Grund auf absurdes musikalisches Konzept auf lyrische Ergüsse prallen lassen, die irgendwo im Spektrum von "Der Zensor war pinkeln" bis "Hat er das jetzt wirklich gesagt?" rangieren. Nach wie vor eine Explosion des dementen Chaos' und ein absurder, surrealer Spaß.
Die ruhelose Berliner Post Punk-Szene liefert hier mal wieder ein hochklassiges Artefakt ab, das mit einem Umweg über Spezialisten von Future Shock Recordings in Cincinnati, Ohio zurück zu uns findet. Darauf balanciert die Band durchweg meisterhaft dunkle Abgründe und atmosphärische Breite mit einer konzentrierten, punktgenauen Klangattacke. Einerseits trägt das ziemlich klar die Handschrift der Berliner Umfelds und von so Bands wie Pigeon, Glaas, Clock Of Time, Pretty Hurts, Kalte Hand und Liiek. Gleichsam spüre ich da drin aber auch eine klare Verwandtschaft zu so US-Bands wie Kaleidoscope, Straw Man Army und Fantasma, die kürzlich erschienene LP der britischen Punks Subdued, Negative Gears aus Sydney... und vielleicht ein Hauch von Criminal Code? Wie auch immer, das ist hochwirksamer Scheiß hier!
Wow, ist das mal eine fantastische Debüt-EP von einer Band aus Philadelphia, die sich darauf mit einem erdigen, dissonanten und mittelgradig exzentrischen Mix aus Art- und Post Punk zu schaffen macht. Das monotone, no wave-mäßige Geschrammel des Openers The Shield lässt dabei an den Minimalismus von Shop Regulars oder Honey Bucket denken, während Green Man mehr von einem früh-'80er The Fall-Vibe mitbringt und weitere Ähnlichkeiten etwa zu den Stadtnachbarn Toe Ring und B.E.E.F. 39X hat. Die Bösen Grooves in Gangstalker hingegen halten eine empfindliche Balance aus Dissonanz und Eingängigkeit und channeln damit eine etwas stacheligere Inkarnation von Lithics, gekoppelt mit so einiger dissonanter Glenn Branca- und '80er Sonic Youth-Gitarrentextur, wie wir sie vor nicht allzu langer Zeit etwa von Self Improvement gehört haben.
Diese Leipziger Band ließe sich recht einfach wegsortieren als ein weiteres Artefakt des deutssprachigen Post Punk irgendwo zwischen so Acts wie den frühen L'apell Du Vide, Hyäne, Kalte Hand und Die Wärme aber so naheliegend wie dieser Vergleich auf den ersten Blick wirken mag, sind hier bei genauerer Betrachtung doch noch ganz andere Unterströmungen zu erkennen, die weit über einen oberflächlichen Neuaufguss einer etablierten Formel hinaus gehen. Zum Beispiel sehe ich hier nicht weniger Parallelen zu einer Anzahl von internationalen Acts - Criminal Code drängen sich als erstes auf aber auch Negative Gears, Sievehead, aktuelle Longings und Pyrex erscheinen mir da nicht zu weit hergeholt.