Pressure Pin – Polyurethane

Wenn du dachtest, die 2022er EP dieser Band aus Montreal wäre schon reichlich schräg und total Banane gewesen, sagen Pressure Pin so: "Hold my Beer", denn das war alles noch gar nichts! Die zweite EP legt die Messlatte noch mal deutlich höher sowohl bezüglich aufwendiger Songkonstrukte als auch was freidrehendes Chaos und ungezügelte Kreativität angeht in einer Gesamtästhetik, die irgendwo im Nebel von Garage-, Synth-, Art und Eggpunk herumgurkt mit einem deutlichen Devocore-Einschlag, und es gleichsam voll darauf anlegt, alle Grenzen und Konventionen besagter Genres zu sprengen. Das ist genau jener eklektizistische "anything goes"-Ansatz der mich insbesondere an jüngere Werke von Trashdog und Checkpoint erinnert, aber wenn man das ganze mal auf seine grundlegenden Bauteile herunterbricht, kann man auch Parallelen zu zu den '90er Midi Pop-Exkursionen von Metdog erkennen, den Devo-ismen von Isotope Soap, der quirligen Freude von Snooper und den Garage-/Art Punk-Ohrwürmfabriken namens Smirk und Cherry Cheeks. Die Typen verbauen mehr Ideen und Inspiration in einen einzigen Song als viele andere Garagenbands für ein ganzes Album übrig haben.

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Munchkin Head – One Way Ticket To Pound Town

Eine weitere saustarke EP dieser komplett entgleisten Hair Punk / Egg Metal Combo aus Los Angeles, die hier weiter ihren Status zementiert als die übel hirngefickten bösen Cousins der Elektropunk-Bollwerke ISS und Heavy Metal, wenn sie ein weiteres mal ein von Grund auf absurdes musikalisches Konzept auf lyrische Ergüsse prallen lassen, die irgendwo im Spektrum von "Der Zensor war pinkeln" bis "Hat er das jetzt wirklich gesagt?" rangieren. Nach wie vor eine Explosion des dementen Chaos' und ein absurder, surrealer Spaß.

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Das Nest – The Nest

Die ruhelose Berliner Post Punk-Szene liefert hier mal wieder ein hochklassiges Artefakt ab, das mit einem Umweg über Spezialisten von Future Shock Recordings in Cincinnati, Ohio zurück zu uns findet. Darauf balanciert die Band durchweg meisterhaft dunkle Abgründe und atmosphärische Breite mit einer konzentrierten, punktgenauen Klangattacke. Einerseits trägt das ziemlich klar die Handschrift der Berliner Umfelds und von so Bands wie Pigeon, Glaas, Clock Of Time, Pretty Hurts, Kalte Hand und Liiek. Gleichsam spüre ich da drin aber auch eine klare Verwandtschaft zu so US-Bands wie Kaleidoscope, Straw Man Army und Fantasma, die kürzlich erschienene LP der britischen Punks Subdued, Negative Gears aus Sydney... und vielleicht ein Hauch von Criminal Code? Wie auch immer, das ist hochwirksamer Scheiß hier!

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The Shield – 24

Wow, ist das mal eine fantastische Debüt-EP von einer Band aus Philadelphia, die sich darauf mit einem erdigen, dissonanten und mittelgradig exzentrischen Mix aus Art- und Post Punk zu schaffen macht. Das monotone, no wave-mäßige Geschrammel des Openers The Shield lässt dabei an den Minimalismus von Shop Regulars oder Honey Bucket denken, während Green Man mehr von einem früh-'80er The Fall-Vibe mitbringt und weitere Ähnlichkeiten etwa zu den Stadtnachbarn Toe Ring und B.E.E.F. 39X hat. Die Bösen Grooves in Gangstalker hingegen halten eine empfindliche Balance aus Dissonanz und Eingängigkeit und channeln damit eine etwas stacheligere Inkarnation von Lithics, gekoppelt mit so einiger dissonanter Glenn Branca- und '80er Sonic Youth-Gitarrentextur, wie wir sie vor nicht allzu langer Zeit etwa von Self Improvement gehört haben.

Cold Summer – Altlasten

Diese Leipziger Band ließe sich recht einfach wegsortieren als ein weiteres Artefakt des deutssprachigen Post Punk irgendwo zwischen so Acts wie den frühen L'apell Du Vide, Hyäne, Kalte Hand und Die Wärme aber so naheliegend wie dieser Vergleich auf den ersten Blick wirken mag, sind hier bei genauerer Betrachtung doch noch ganz andere Unterströmungen zu erkennen, die weit über einen oberflächlichen Neuaufguss einer etablierten Formel hinaus gehen. Zum Beispiel sehe ich hier nicht weniger Parallelen zu einer Anzahl von internationalen Acts - Criminal Code drängen sich als erstes auf aber auch Negative Gears, Sievehead, aktuelle Longings und Pyrex erscheinen mir da nicht zu weit hergeholt.

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The Carp – Knock Your Block Off

Lange erwartet, ist hier endlich das Debütalbum der Art Punks The Carp aus Cleveland, Ohio, einer Band bestehend aus Leuten unter anderem mit Verbindungen zu Perverts Again, Knowso und Cruelster. Die meisten der Songs sind schon vom 2022er Demo geläufig, werden her aber mit deutlich polierteren Produktionswerten und angemessener Wucht präsentiert, wobei ihr Sound es sich irgendwo in der Lücke zwischen den Klangparametern von Knowso und Cruelster breit macht und die elaborierten und rigiden Strukturen ersterer mit dem Spaß und der Energie letzterer kombiniert und obendrein gibt's in The Old Ways noch einen Hauch von Cowpunk á la Murderer zu bestaunen.

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Beef – Il Manzo

Der Nachfolger zur tollen letztjährigen EP der Band aus Cincinnati, Ohio versucht gar nicht zu fixen was nicht kaputt ist und liefert stattdessen einfach kurzangebunden vier neue Schläge von dem gleichen großartigen Scheiß ab, der sich aus Elementen von Noise Rock, Post-, Garage- und Synth Punk zusammenfügt und mich auf die eine oder andere Art an so unterschiedliche Bands wie Busted Head Racket, Brandy, R.Clown, ISS, Spyroids and Knowso, De()t, Toy Brigade oder Nervous Tick and the Zipper Lips erinnert.

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The Hammer Party – Fever Dreams

Ziemlich genau sechs jahre nach ihrer Debüt-EP bekommen wir endlich neuen Scheiß von The Hammer Party aus Houston zu hören, der jetzt leider auch ihren Schwanengesang darstellt. Oder genauer gesagt, hat sich die Band wohl schon vor einigen Jahren aufgelöst und das hier sind ihre letzten Aufnahmen, die jetzt neu gemischt ihren Weg auf Bandcamp gefunden haben und eine Band auf der Höhe ihres Schaffens dokumentieren. Ihre Songs haben darauf stark an einer erdigen und düsteren Qualität zugelegt, einer ganz neuen Öl- und Dreckschicht die besonders stark bei jenen Songs auffällt, die bereits auf ihrer ersten LP vertreten waren. Ebenso wenig fehlt es hier an kraftvollem Antrieb und fesselnden Hooks, wozu beispielhaft mal der Doppelschlag von Antidepressants und E.M.B.R.Y.O. dienen mag, in welchen ein volles Maß an folkigem Geschrammel die Basis bildet für eine beeindruckende Explosion eingängiger Melodien. Wie schon zuvor finde ich darin eine ähnliche melancholische Qualität zu so Bands aus dem Mothers Milk/Wymyns Prysyn/Uniform-Umfeld, aber in anderen Momenten erscheinen mir auch Vergleiche zu Sievehead oder frühen Low Life nicht ganz abwegig.

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Pisse – Dubai

Was gibt es noch neues zu sagen über Pisse? Das schlechte Gewissen des deutschsprachigen DIY Punk hat mal wieder einen Batzen exzentrischer und wie immer ausgezeichneter neuer Songs in ihrer einzigartigen Fusion aus gleichermaßen angepisstem und quirligem Post-, Garage- und Synth Punk wie üblich ohne großes Getöse bei Bandcamp abgeladen und bald™ soll das ganze dann auch als LP via Phantom Records zu bekommen sein.

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Lohn Der Angst – Untergang Vom Untergang

Die zweite EP dieses Berliner Duos knüpft genau an der Stelle an, wo ihr Vorgänger aufgehört hat, bringt aber auch ein paar graduelle Verfeinerungen mit in ihrer Zelebrierung des repetitiven Synth Punk, der einerseits einige der Kernzutaten von so alten Haudegen wie Screamers, Units, Visitors, Nervous Gender, Minimal Man und den unvermeidlichen DAF vereint und bis auf die Knochen herunterkocht, andererseits aber auch ein stark krautig-motorisches Fundament hat über welchem deutlich der Geist von Conny Plank schwebt. All das fließt hier zusammen zu einer seltsamen Art von Krautrock-Suicide aus einem alternativen Realitätszweig.

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