Es hat ein paar Jahre gedauert nach dem starken 2019er Demo aber zu guter Letzt ist doch tatsächlich mal die Debüt-LP von den Berlinern Benzin am Start und wird den hohen Erwartungen mehr als gerecht, wobei sich ihr zuvor stärker Garage-orientierter Sound sich jetzt mehr von einem Post Punk-Vibe zulegt während das Tempo sich zunehmend Richtung Hardcore bewegt. Der Scheiß hier umfasst so einige Tendenzen anderer Berliner Bands wie Rogue, DBR, Tanning Bats, Ponys auf Pump, Cold Leather, eine Synth-lose Variante von Gym Tonic oder auch die erste Puff! 7" lässt grüßen. Gleichsam lasse ich aber auch Vergleiche zu der Leipziger Szene gelten und Bands wie Ambulanz, Lassie, Onyon und Laugh Box... oder, wo wir eh schon von den Sachsen reden, würde ich sagen ein bisschen Pisse ist da auch drin. Aber die Einflüsse gehen über den Tellerrand der deutschen Szene hinaus - nicht zuletzt ist da auch ein starker Vibe von Surfbrett-schwingenden, frühen Westküsten-Punks á la Agent Orange, Germs und Adoloscents zu erkennen in Kombination mit jüngeren Erscheinungen der Sorte Warm Bodies, Warp, Judy and the Jerks, Vexx oder Itchy and the Nits.
Hier gibt's Nachschub von diesem "echte belgische Punk" an dem absolut nicht ein Typ aus Montreal oder ein New Yorker beteiligt sind, isch schwör ey. Musikalisch ihr ausgereiftester Output bisher, verschmilzt das die freimütig propagierten '80er Europunk-Einflüsse mit gleichen Teilen von Oi! und Post Punk, leichten Spuren von Death Rock aus der selben Ära. Aus jüngerer Zeit könnte man sie auch als einen extra primitiven und melodischeren Abkömmling des US Post Punk-Bollwerks Institute beschreiben, von denen - so habe ich gehört - auch jemand definitiv nicht in dieser Band mitspielt, versprochen!
Diese Band aus Minneapolis deckt ein interessantes Klangspektrum ab auf ihrer neuesten EP, von der kräftigen Fuzz Punk-Attacke in Like A Dream? über den Math- und Noise Rock-angehauchten Post Punk von Yeehaw! zum vergleichsweise geradeaus gehenden Garage Punk in Saved, woraufhin dann der abschließende Track 5678 unerwartet zu einer Art vernebelten Space Rock-Jam abdriftet. In unterschiedlichen Momenten erinnert mich das an einen recht vielseitigen Haufen von Bands wie etwa frühe Rolex, Cutie, Shark Toys, Reality Group, The Cowboy und Big Bopper.
Nach ihrem phänomenalen Debütalbum in 2020 und einer ungleich grimmigeren zweiten LP in 2022 liefert das New Yorker Duo jetzt etwas ab, für das mir das Wort Meisterwerk nicht zu weit gegriffen erscheint. Hier ist erneut eine absolut singuläre Vision am Werk, die sich einerseits im Rahmen von kontemporärem Post Punk und Postcore bewegt und sich gleichermaßen aber anschickt, dessen Grenzen und Limitierungen zu sprengen. Die Lyrics sind so unverblümt politisch wie auch emotional und introspektiv - desillusioniert aber dennoch immer mit einem Funken der Hoffnung... also kurz gesagt: Sie reflektieren die mentale Last die es mit sich bringt, mit offenen Augen durch eine Ära zu gehen in der die Menschheit mit einer Unzahl globaler und lokaler Krisen konfrontiert ist und gleichzeitig systemisch unfähig oder unwillig erscheint, einen nachhaltigen und praktikablen Weg für die Zukunft einzuschlagen; in der westliche Gesellschaften kollektiv den Kopf in den Sand stecken und globale Eliten allzu willig sind, jeglicher Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft zugunsten kurzsichtiger Anhäufung von Reichtümern eine Absage zu erteilen. Yo, der ganz alltägliche Zustand also. Aber nun gibt es großspurige politische Statements heute ja wie Sand am Meer und nichts hiervon wäre einer besonderen Erwähnung wert, wenn nicht die Musik so verdammt brilliant wäre, die hier erneut die Vielschichtigkeit der beiden Vorgänger aufweist mit filigranen Arrangements und dichter Atmosphäre, was sie hier letztendlich zur absoluten Perfektion verfeinern. Für mich fuhlt sich das an als hätte man den Geist der ersten Emocore-Welle - noch unbelastet von den Tropes, Klischees und Konventionen späterer Jahre - in die Gegenwart transportiert, mit einer einzigartig eigenen Stimme und ausgesprochen unvoreingenommen in seiner Vorstellung davon, was Punk Rock in 2024 sein und tun kann.
Die Debüt-Langspielkassette dieser Band aus Greater Sudbury, Ontario liefert auf den ersten Blick relativ konventionelle aber ebenso auch durchweg solide konstruierte, effektive Post Punk-Smasher mit leichten Anarcho- und Death Rock-Anleihen, wobei als offensichtlichste Vergleiche mal wieder so bekannte Größen herhalten müssen wie Criminal Code, Sievehead, Schedule 1, die lokalen Stadtnachbarn Kommissars und etwas aktueller auch Negative Gears. Aber dann ist da wiederum auch eine besonders verblüffende Änlichkeit festzustellen zu Dead Cells aus Vancouver, die 2018 eine saugute LP auf Erste Theke raus hatten und deren Lead Singer hier zum verwechseln ähnlich klingt... oder es ist sogar der gleiche Typ, ich hab echt keinen blassen Schimmer.
Die dritte EP dieser Band aus Stockholm macht unmittelbar mal einen ausgezeichneten Eindruck mit einem moderat exzentrischen und abwechslungsreichen Mix aus Garage-, Post-, Synth- und Art Punk der geringfügig Devo-mäßigen Machart, zu dessen Tugenden und Referenzen auch etwa das quirlige Chaos von Skull Cult und Jelly Belly gehört, die '80er Synth Punk-Flashbacks jüngerer Isotope Soap, etwas Psychedelia á la Mononegatives und die Unvorhersehbarkeit von Pressure Pin. Auch eine erfreuliche Überraschung: Der Bonus-Remix des pulsierenden Rausschmeißer-Tracks Wendy Got Balls, der tonnenweise von einem aus der Zeit gefallenen retro '80er 12" Disco Edit-Charme mitbringt.
Die vorherige LP dieser Band aus Cincinnati, Ohio, die obendrein einige Mitglieder von The Drin mit an Bord hat, war ja schon ein herausragendes, wenn auch nicht so wahnsinnig originelles Post Punk-Album, aber auf ihrem zweiten Langspieler erklimmt die Band nochmal ein ganz neues Level - alles an diesen Songs und Arrangements wirkt fokussierter, aufwendiger und bewusster konstruiert als zuvor. Das überwältigende Gedränge des Vorgängers weicht hier einer neuen Klarheit, präzisen Strukturen und einem bislang ungehörten Sinn für Melodie und Melancholie, insbesondere in Distant Dawn, Dependency und Nothing in None. Im großen und ganzen ist das hier ein ähnlicher Quantensprung wie das jüngste Marbled Eye-Album, auf dem sehr ähnlich eine bereits herausragende Band die Limitierungen ihres jeweiligen Genre-Umfelds transzendiert und genau deshalb fühlt es sich jetzt auch etwas billig und reduktiv an, Referenzen aufzuzählen aber um der Orientierung willen sag ich jetzt trotzdem mal so: Der Scheiß ist absolutes Pflichtprogram für Freunde von so Zeug wie den erwähnten Marbled Eye, Waste Man, Negative Gears, Rank/Xerox, Tube Alloys, Nag, VR Sex und Public Eye.
Na das ist ja mal ein bemerkenswerter Scheiß hier! Auf ihrer Debüt-EP kreieren diese Schweden eine Machart des monotonen oldschool Post Punk die zwar mal echt nichts neues erfindet, aber dafür ohne Mühe in allem brilliert, was diese Band anfasst in einer Ästhetik, die sich gleichermaßen geradlinig, elegant und meisterhaft vorangetrieben gibt. Das hat ein bisschen was von Wire, MX-80 und Crass bezüglich der alten Haudegen, und von Nag und Institute in jüngerer Zeit... und auch einen Hauch von The Estranged kann man dem letzten Track Empty & Blue bescheinigen. Ausgesprochen einfach gestrickt und so verdammt gut ist das!
Die sechs Songs auf der Debüt-LP dieser Band aus Leeds lassen sich reichlich Zeit um die Grooves und Texturen ihres kühl-analytischen Post Punk einwirken zu lassen in stetig ausufernden, leicht krautigen Endlosschleifen, die sie hier in eine spezielle Form gießen, welche mich einerseits an so Richtung Postcore und Noise Rock tendierende Acts wie John (timestwo), Metz, Cool Jerks und frühe Greys erinnert, gleichermaßen aber auch etwas von Post Punk-Bands á la Criminal Code und The Cowboy hat. Ganz besonders sehe ich da aber noch eine geistige Verwandtschaft zu der kürzlichen Machiavellian Art-LP, von der diese Songs sich in etwa als eine beschleunigte und entschlackte Variante begreifen lassen.
Der Nachfolger zur exzellenten, auf Automobile hyperfixierten EP aus dem letzten Dezember strafft und optimiert mal ganz deutlich das strukturelle Fundament der Songs dieser Punks aus Melbourne und diversifiziert gleichzeitig ihr musikalisches Spektrum, was in einem stärkeren Post Punk-Vibe resultiert und gleichsam auch klar ihrer lärmigsten und wuchtigsten Attacke bisher, selbst dann wenn sie wie in TV Screen zu einem midtempo Post Punk-Jam ansetzen, wohingegen der Rausschmeißer Tough Cunt noch einmal viel von der Hardcore-Energie mitbringt, die das frühere Schaffen der Band prägte. Wie auch immer, mich erinnert das an so viel großartiges aus dem letzten Jahrzehnt und mitunter an so Bands wie Romance, Vexx, Cel Ray, Gen Pop, Warp, Downtown Boys, Fugitive Bubble und Warm Bodies, um nur ein paar zu nennen... und vielleicht auch eine leise Ahnung von den alten australischen Noise Rock-/Post Punk-Haudegen Fungus Brains? Explosiver Scheiß ist das auf jeden Fall!