Wo wir schon von Pyrex reden... diese Platte ist relativ nah an dem Sound, ich ursprünglich bezüglich ihrer neuen LP vermutet hätte. Relativ verwinkelter Post Punk, der ziemlich tief in Genre-Traditionen der vergangenen zwei Jahrzehnte verwurzelt scheint und nicht unähnlich klingt zu so Bands wie den frühen Marbled Eye, Rank Xerox, Institute, Bruised, Negative Gears, Tube Alloys, Public Interest, Corker, Sarcasm oder neulich auch NRG. Also klar, das hier schlägt keine allzu neuen Wege ein aber trifft dafür 100% ins Schwarze als ein sebstsicherer, überduchschnittlicher Genrebeitrag mit ultra-robuster, solide gebauter Songarchitektur und durchaus einiger stilistischer Vielfalt, was sich etwa im Elektro-lastigen Mittelteil und dem deutlich roheren, energischen dritten Akt äußert. Fraglos eines der mühelos funktionalsten Alben, die mir in letzter Zeit begegnet sind.
In jenen gewissen Post Punk-Spären, in denen es zum gewohnten Vorgehen gehört, dass Bands mit jeder Veröffentlichung etwas aufwändiger und polierter klingen, fallen Pyrex etwas aus dem Rahmen indem sie genau den umgekehrten Weg beschreiten mit ihrer zweiten LP, auf welcher - wenn man die soliden Produktionswerte mal außen vor lässt - sich ihre bislang rohesten und primitivsten Lärmattacken entladen. Der beste Vergleich der mir dazu gerade einfällt ist der dreckige Krach der frühen Nag, ein Rezept der schieren Überwältigung und verzweifelten Energie, das mit einem Minimum an musikalischer Substanz auskommt und was soll ich sagen... Die simple Formel macht maximal Bumm!
Was für eine schicke kleine Anomalie, die zweite EP von Forklift Rodeo aus Chicago. Darauf verquirlen sie einige Ladungen von wunderbar kaputtem Cowpunk mit leichten Spuren von klassischen, AmRep/Touch&Go-mäßigem Noise Rock und Postcore und zeitweilig auch einer gewissen Eggpunk-Qualität, wobei ich aber eher an frühe Skull Cult denke als an die inzwischen geringfügig kodifiziertere, aktuelle Welle des gepflegten Lo-Fi-Wahnsinns. Apropos Lo-Fi... das ist diese Platte definitiv nicht und die polierten Produktionswerte bewirken einen ungewohnten Glanz und eine klangliche Tranzparenz für ihre unvorhersehbaren, verworrenen Songkonstrukte, die es tatsächlich auch gar nicht nötig hätten, sich hinter einem schützenden Schleier aus Lärm und Dreck zu verstecken.
Hochwertiges neues Dungeon Punk-Material kommt da von einer mysteriösen Band, die aus irgendeinem unspezifizierten dunklen Wald in den vereinigten Staaten operiert. Ihre Herangehensweise an den ganzen "blackened" Punk-Komplex attackiert das Genre von einem stark Richtung Post Punk und Goth-/Death Rock tendierenden Winkel aus und verkleidet dabei ihre voll ausgeformten und durchdachten Songstrukturen in einer wunderbar abgefuckten LoFi-Ästhetik, die mich an einen kleinen Strauß halbwegs aktueller Genre-Vertreter wie etwa Conifère, Unsheather und Bloody Keep erinnert.
Die Debüt-EP dieser Band aus Portland ist stilistisch eine ziemlich gemischte, aber durchweg brilliante Tüte. Die ersten zwei Songs gehen in die Richtung von verwinkeltem Garage- und Post Punk, der eine delikate Balance hält zwischen dissonanten Texturen und supereingängigen Hooks wie man es so ähnlich schon von so Bands wie Reality Group, Print Head, frühen R.M.F.C., Exit Group and Beef gehört hat. Technology Discriminates Against The Poor klingt daraufhin ein bisschen nach einer krautigen Variante von Spray Paint kombiniert mit dem spacigen Garage Punk von Mononegatives oder späten Useless Eaters. False Reality erinnert mich am stärksten an den nicht weniger abgespaceten Garagenlärm von Pow!, während Identity einen catchy-quirligen Minimalismus so á la Busted Head Racket oder Daughter Bat and The Lip Stings versprüht. Beat Struggle taucht dann ganz ein in die motorisch-krautigen Vibes bevor die EP ihren angemessen wertigen Abschluss verpasst bekommt mit einer gelungenen Coverversion der alten Niederländer Ivy Green und den walzenden Grooves des Synth Punk-Schwelbrandes Conflict Driven Entertainment.
Ich poste ja eher selten solche Compilations hier weil, ganz ehrlich, die meisten davon doch eine eher durchwachsene Angelegenheit darstellen, aber für diese hier mache ich doch gerne mal eine Ausnahme, wurde sie doch kuratiert von niemand geringerem als see/saw's Evan Minsker und wie daraus im Vorfeld schon zu erwarten war, it das hier qualitativ doch einige Stockwerke über der durchschnittlichen "Schickt mir euren unveröffentlichten Krempel für einen guten Zweck"-Compilation zu verorten, mit einer ultradicht geschichteten Tracklist die sich liest wie ein who is who des aktuellen, internationalen Punkuntergrunds. Das, sowie die Tatsache dass deine 10$-oder-mehr-Spende jenen zugute kommt, die in der Feuerkatastrophe von Los Angeles ihr Hab und Gut und Dach über'm Kopf verloren haben. Klingt nach 'nem Deal, oder?
Hey, habt ihr alle schon gehört vom tragischen Tod des Eggpunk? Ja sicher, habt ihr, aber es scheint dass Butter Swamp aus Appalachia, Virginia das Memo noch nicht bekommen haben. Ey ihr, habt ihr es nicht gehört? Es schickt sich seit letzter Woche nicht mehr für Punks, solche Musik zu machen! Ach je, ich schätze mal unser Ex-Lumpy wird sich dann doch noch etwas länger mit den Zombies seiner eigenen fernen Vergangenheit arrangieren müssen und diese EP wird er dann vermutlich nicht so toll finden. Aber was mich angeht... ich mag meinen Punk am liebsten schön tot und verrottet. Möge er noch tausend Tode sterben, so lange ich noch atme!
Manche Bands machen meinen unbezahlten Job als Blogger ziemlich einfach, wie etwa diese Londoner. Die Sache ist nämlich, nu ja... Band existiert weil Typ mag Suicide, so einfach verhält sich das. Und jetzt wo Alan Vega schon fast ein volles Jahrzehnt nicht mehr unter uns weilt, breche ich dankbar das Brot mit jedem kompetenten Ersatzpriester, der das unheilige Feuer am brennen hält. Und was jene angeht, kann man sicher schlechteres wählen als diese rundum adäquate Gedenkzeremonie.
Auf ihrer neuesten und - soweit ich weiß - einzigen 7" bisher, geht die sporadisch aktive Post Punk/-core Supergroup ein bisschen lärmiger und roher zur Sache als wir es im Schnitt von ihnen gewohnt sind und ich sag mal das passt mir ganz wunderbar in den Tee. Die A-Seite kommt dabei etwa so rüber wie ein verschollener Wipers-Outtake, performt von einer Fusion aus Scratch Acid und Feedtime, während die B-Seite eine überaus kompetente Coverversion eines ausgesprochen ikonischen Songs von Strike Under ist. Da gibt's einfach nichts zu kritisieren an dieser perfekten kleinen Punksingle!
Ihr habt alle noch zu wenig Ehrfurcht erwiesen vor der mächtigen zwinkernden Schmollfresse! Auf ihrer iii-ten EP treibt die Band aus Ottawa, Ontario erneut einen musikalischen Aufwand, der weit über das hinausgeht, was man von einer durchschnittlichen Eggpunk-Platte zu erwarten hätte. Ist es ihre stärkste bisher? Ihre schwächste? Ich hab keine Ahnung und es ist mir auch scheißegal, denn saumäßig gut ist bisher alles gewesen, was die so abliefern. Wie gewohnt, eine unheimlich kreative EP von der Band. Schwer zu empfehlen für Fans von: Winky Frown. Und auch alle anderen, die mein dummes Gewäsch hier lesen.