Dad Joke – How Many Songs Can You Handle This Night

Diese Kroatier brauchten nicht lange um mich vorbehaltlos für ihre Sache zu gewinnen angesichts ihrer spaßigen Garage Punk-Mischung aus cowpunkigen X (US) und Gun Club-Vibes, Angst-artigen Folk Punk einsprengseln und tonnenweise von Minutemen-mäßigen, freidrehenden funky Post Punk-Schrägheiten, die mich an eine Reihe gegenwärtiger Acts erinner wie Ismatic Guru, Patti, Tyvek, Print Head und Shark Toys, während der quasi-Theme Song Dad Joke sich ein bisschen nach einem Zeisprung zu alten DIY-Briten á la Mekons, Television Personalities und Desperate Bicycles anfühlt.

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Negative Outlook – Negative Outlook

Ooo-kay, das hier soll also das neue Projekt von einem alten britisch-amerikanischen Sack sein aber ehrlich gesagt bin ich ziemlich skeptisch, dass man irgendetwas von dem glauben schenken sollte, was auf ihrer Bandcamp-Seite geschrieben steht. Aber wie auch immer, der Krempel schreddert ausgezeichnet. Das ist ein schön noise-verseuchtes, abgefuzztes Konzentrat aus Garage- und Post Punk mit einem subtilen Zusatz von '90er Indie Rock und altem britischen DIY. Freunde von noch gar nicht so uralten Bands wie Shark Toys, Tyvek, Parquet Courts oder frühen Cloud Nothings werden dem bestimmt nicht abgeneigt sein.

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Snooper – Unknown Caller

Für mich kann es niemals genug Snooper auf der Welt geben und entsprechend ist auch diese neue Tour-EP eine willkommene Erscheinung, auch wenn die sich ein bisschen nach einer Mogelpackung anfühlt, die nur zu grob 60% aus neuen Songs besteht und der Rest lässt sich eher als verzichtbare Experimente und Interludes klassifizieren. Die zwei "richtigen" neuen Songs sind jedoch mal wieder 'ne Bombe, angetrieben von elektrischen Beats ein bisschen so, wie wir es schon mal im Song "Subdivision" von ihrer 2022er EP Town Topic gehört haben, allerdings ist der Energielevel hier ungleich höher und fast schon brutal im direkten Vergleich, verschiebt ihren Sound näher an ein ausgesprochenes Elektropunk-Territorium, wobei die Songs aber erneut ziemlich klassisches und ausgezeichnetes Snooper-Material sind. Wenn die Chaot*innen sich jetzt noch dazu aufraffen könnten, auf ihrer übernächsten EU-Tour auch mal hier im Westen zu spielen, würde mich das durchaus glücklich machen. Es leben nämlich auch Eggpunks in anderen Städten als Berlin.

20 Minutes – Sucks

Na das ist mal hochkarätiger Scheiß, die zweite LP von dieser Band aus dem kleinen Städtchen Domodossola in Piemont, Italien. Darauf kreieren die einen absolut mitreißenden, hochenergetischen Sound zwischen den Eckpunkten von Garage- und Art Punk, der gleichermaßen Inspiration zu ziehen scheint aus alten KBD-mäßigen Artefakten wie auch aus dem Schaffen ungleich verkopfterer Post Punk-Acts wie Mission Of Burma, Moving Targets und Volcano Suns, zusammengehalten von den Schrauben und Nieten ultrasolider Songkonstruktion. Darüber hinaus gibt es in Songs wie Ping Pong, Punching Me und Licking Nipples auch noch ein paar unerwartete Hardcore-Ausbrüche zu bewundern. Muss schon sagen, falls die Typen tatsächlich dem Titel gemäß total saugen, dann saugen sie genau richtig für meine abnormalen Vorlieben!

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Nourishment – Coiled Cross

Das passiert mir immer wieder: Da hab ich mir vor so zwei Wochen doch ein Loch in den Bauch gefreut anlässlich einer neuen Nourishment EP, nur um dann kein Bookmark zu setzen und die Sache in der unnachgiebigen Flut an Veröffentlichungen der letzten Wochen aus dem Auge zu verlieren. Nu ja, jetzt fällt mir das Ding wieder ein und die Klangparameter darauf unterscheiden sich nicht allzu sehr vom Erstling dieser Blackened-/Dungeon Punk-Band von unspezifischer US-Herkunft, wenn auch die Produktionswerte hier moderat erhöht wurden. Wie zuvor schon begeistert die Platte mit einem eigentümlichen Spin auf das Genre, der sich großzügig an Einflüssen aus düster Goth-lastigem Post Punk und oldschooligem Death Rock bedient.

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Motorbike – Kick It Over

Hatte ihre 2023er Debüt-LP noch mehr den Charakter einer bunt gemischten Tüte voll unterschiedlicher Styles und Geschmäcker, kommt das neue Album deutlich homogener daher von dieser Band aus Cincinnati, Ohio, in der unter anderem Mitglieder von The Drin, The Serfs, Vacation und Crime Of Passing mitmischen. Der rote Faden hier ist ein vergleichsweise schmieriger, hardrockiger Garage Punk-Sound, der vereinzelt auch mal die Grenzen zum Dungeon- und Motörpunk-Territorium ankratzt und starke Parallelen zu so Bands wie Cement Shoes, Golden Pelicans, Cheap Heat, Pïss Bäth oder auch einer Reihe von australischen und neuseeländischen Bands wie Hög, Polute, Split System aufweist, oder vielleicht auch zu Alien Nosejob's Sleaze Rock-LP Stained Glass vor geraumer Zeit. Dennoch ist hier noch reichlich Raum für Nuancen und Abwechslung. Currency hat einen starken Feel von klassischen Saints, Radio Birdman und Scientists während Afraid Of Guns antriebsstarke Power Pop-Harmonien mit psychedelischen Obertönen und Texturen anreichert. Und wo wir schon bei letzteren sind: Im krautig-abgespaceten Gears Never Dry werden mal die Connections zu The Drin ziemlich offensichtlich. Quite Nice und im etwas geringeren Maße What Have I Done versprühen einen vernebelten, leicht Cowpunk-mäßigen Heartland Rock-Vibe, Nie Wrócimy hat ein bisschen von einer MX-80 Proto-/Art Punk-Energie und dann wären noch die vier Bonus Tracks der digitalen Ausgabe nicht zu unterschlagen, unter denen etwa die power-poppigsten Songs des Albums - Error und Flowers - sowie das stark Wire-infizierte Ffion besonderer Erwähnung wert sind.

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Nylon – Inflatable World

Nach einer kurzen, auf ihrer ersten EP dokumentierten Experimentierphase kam diese Band aus New Jersey mal so richtig in die Gänge auf einer Split-EP mit Operants und nachfolgend einer weiteren starken 2-Track Single. Ihr neuester Kurzspieler erhöht die Messlatte ein weiteres mal für ihren Mix aus Garage Punk und verwinkeltem Post Punk mit Egg-Zusatz, der hier so selbstbewusst und mühelos rüberkommt wie nie zuvor und an solche Boten des verspulten Chaos erinnert wie etwa Skull Cult, Pressure Pin, Trashdog, Checkpoint, Patti, Titanium Exposé, Reality Group, Big Bopper oder Belly Jelly.

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Rhoads – Idiopathic

Diese Band aus Thunder Bay, Ontario liefert hier eine durch und durch überzeugende Debüt-EP ab, auf der sie einen substanziellen Garage-Vibe mit Postcore der alten Drive Like Jehu/Hot Snakes-Schule vermischen zu einem explosiven Resultat, das mich etwa an die großartigen Wymyns Prysyn erinnert neben einer Reihe weiterer, unterschiedlich stark verwandter Phänomene á la Rifle, Dollhouse, The Hammer Party, Mutual Jerk, Postman, Nag und Kids Of Zoo.

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Z.O.L. – Zwei Oktaven Langsamer

Die Leipziger Szene schlägt mal wieder zu mit diesem netten kleinen Tape voll mit zeitlos-rumpeligem DIY Punk, der in etwa die Klangästhetik von S.Y.P.H. zu channeln scheint aber den Krempel erfolgreich in einen kontemporären Kontext verfrachtet, nicht ganz unähnlich zu so Zeug wie Narkose, Maske, Die Verlierer oder sehr frühen Pisse. Ganz unerwartet ist da aber auch noch eine leichte Unterströmung von The Gun Club vorhanden, die sich in so Songs wie Relax Like A Puu und ganz besonders Copy Man zeigt und dessen unerwartetem Slide Guitar-Einsatz.

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Snarewaves – Str8 From The Basement

Eine neue kurzspielende Dosis des klanggewordenen Wahnsins kommt hier mal wieder von dieser Ein-Mann-Band aus Lansing, Michigan und wer hätte es gedacht: Es ist erneut eine ganz entzückende Attacke aus chaotischem Synth-/Elektro-/Sample Punk der so stark durch den LoFi-Fleischwolf gedreht wurde, dass ich etwa im Opening Track nicht so genau weiß ob ich da jetzt eine Gitarre höre oder einen ramponierten Synth. Hochwertiges Futter also für Freunde von ähnlich verstörenden Geräuschen im Fahrwasser von Beef, ISS, Heavy Metal, Klint, Spyroids, R. Clown oder Kerozine.

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