Johnny Skin – Johnny Skin

Vom neuesten Bündel an Releases auf Inscrutable Records hat ja mal klar die Evinspragg-Platte die meiste Aufmerksamkeit abbekommen - teils aus durchaus gerechtfertigten Gründen, teils aus eher ärgerlichem Drama-induziertem Anlass. Aber wenn ich ehrlich sein soll beißt jene Platte dann doch etwas mehr ab als sie zu schlucken vermag und versandet nach ihrem spektakulären Start mehr oder weniger auf halber Strecke. Nein, mich zieht es dann doch eher zu den anderen beiden Veröffentlichungen des Labels, zu denen auch das Langspieldebüt von Johnny Skin gehört. Der kreiert darauf eine verträumte und supereingängige Melange, welche die überlebensgroße Melancholie und Sehnsucht von '50er-'60er Bubblegum Pop-Balladen in eine minimalistische Ästhetik aus vintage elektronischen LoFi-Drumbeats und Synths transportiert, die fraglos unvermeidliche Vergleiche zu Suicide und Métal Urbain hervorrufen wird, im stetigen Wechsel mit ungleich lärmigeren und dissonant No Wave-igen Nummern, die mehr mit so alten Synth Punk-Pionieren á la Primitive Calculators und Nervous Gender gemein haben und mit dem experimentell-psychedelischen Krach etwa von Theoretical Girls, Chrome oder MX-80.

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Flower Power / Mother Nature / Cheap Heat / Dart

Es waren schon wieder zwei ausgesprochen produktive Wochen für mehr oder weniger Hardcore-mäßigen Lärm und deshalb sind in diesem Post gleich noch mal vier besonders erwähnenswerte Exponate versammelt, die einen Bogen spannen vom oldschoolig-garagigen Ende des Spektrums hin zu ganz unverblümt Metal-verseuchten Randgebieten. Als erstes hätten wir da mal das neue Tape von Flower Power aus Dublin, Irland, die darauf fünf kraftvolle Einschläge aus schön rohem LoFi-Krawall verursachen, der scheinbar mit einem Bein in der Tradition von so unkonventionellen Hardcore-Acts wie z. B den frühen Flipper, Broken Talent, Noxious Fumes stehen oder - in etwas jüngerer Zeit - Soupcans, Stinkhole oder Vulture Shit, und mit dem anderen Bein in alten KBD-Artefakten der Marke Mentally Ill, Endtables und Executives in einer stimmigen Verschmelzung von Hardcore-Energie und Garage Punk-Drive. Eine ungleich grimmigere Stimmung strahlen dann die Songs von Mother Nature aus Leeds, England ab, deren Punkgeschosse so einiges von einem Post Punk-, Death Rock- und Noise Rock-Vibe beinhalten, was mich unter anderem ein wenig an Acrylics, frühe Bad Breeding und die Australier Arse erinnert. Cheap Heat aus Schenectady, New York schlugen hier bereits ordentlich ein mit ihrem ausgezeichneten 2022er Demo und auf ihrer neuesten EP nehmen sie die Stränge an der gleichen Stelle wieder auf einem Sound, der von einer Hardcore-Basis aus sich großzügig durch Jahrzehnte von Motörpunk, Sleaze Rock und Speed Metal plündert. Die resultierende Gesamtästhetik ist nicht ganz unähnlich zu so Bands wie Cülo, Cement Shoes, Tarantüla und Polute. Zu guter Letzt wäre dann noch die Metal-lastigste Band im Pack zu nennen, nämlich Dart aus Oulu, Finnland, die hier einen weiteren Eintrag in den relativ jungen Kanon von Bands ausmacht, die erfolgreich die Kombination von Punk und Metal zu rehabilitieren verstehen indem sie im Metal den Punk erkennen und herausarbeiten, anstatt unsubtil dem Punk einen generischen Metal-Anstrich zu verleihen, wie es sonst leider meistens der Fall ist. Das Resultat ist wie ihr euch denken könnt durchzogen von einem starken NWOBHM-Vibe und sollte oldschool Metalheads gleichermaßen ansprechen wie auch Freunde aktueller Punk-Acts wie etwa Poison Ruïn, Punter, Ninth Circle, Polute, Hög und Steröid.

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Molbo – Mol-Bot

Zwar etwas verspätet, aber Molbo aus Oslo haben dann letztendlich ja doch noch mal ganz schön Wellen geschlagen mit ihren 2023/'04er EPs nachdem jene gemeinsam von Erste Theke Tonträger auf Vinyl wiederveröffentlicht wurden. Insgesamt hat sich ihr Sound seitdem nicht allzu sehr verändert, aber dennoch ist ein stetiger Feinschliff zu erkennen auf ihrer neuesten EP, die ihren Style zu einem robusteren, konsistenteren Gesamtbild konsolidiert. Wie gewohnt verwebt das Zeug die Stränge von Garage-, Post- und Egg Punk, Death Rock und Dungeon Punk zu einem ganz schön einfallsreichen und wunderbar unförmigen Genre-Bastard und festigt damit ihre eigene kleine Nische in der gegenwärtigen Egg-/Dungeon-Landschaft.

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Fugitive Bubble – What Will Happen If We Stop?

Die Band aus Olympia, Washington war schon immer eine aufregende Achterbahnfahrt mit ihren zwei vergangenen EPs und einem Langspieler, allesamt erschienen auf der immer exzellenten Kassettenschmiede Impotent Fetus. Nach einer Wiederveröffentlichung des ersten Albums auf Vinyl via Sorry State Records, ist nun auch dessen Nachfolger wieder bei dem Punkbollwerk aus Raleigh, North Carolina erschienen und wie es zu erwarten war bleibt ihre hyperaktive Mischung aus Art- und Garage Punk, Hard- und Postcore eine spannende und überwältigende Attacke auf die Sinne. Gleichermaßen unvorhersehbar, schlau konzipiert und abwechslungsreich, erinnert mich das vereinzelt mal an etwas unkonventionellere alte Punk- und Hardcore-Hausnummern wie Tragic Mulatto (ganz besonders in Failed Experiment), Really Red und Saccharine Trust einerseits, aber nicht weniger auch an jüngere Phänomene wie Mystic Inane, Warm Bodies, Launcher, Vexx, Rolex, Cucuy oder Big Bopper.

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Mr. Piss – Mr. Piss

Ein würdiger neuer Eintrag in die Piss Bands-Tabelle aus dem See/Saw Discord kommt zu uns von einem Typen oder einer Band aus Raleigh, North Carolina, der hier eine durchweg spßige Mixtur aus Noise Rock und Garage Punk generiert mit hämmernd Big Black-mäßigen Drum Machine-Beats, wobei ich aber sagen würde dass - obwohl auch hier einiger halbwegs nach Albini klingender Gitarrenlärm vertreten ist - mich der allgemeine Vibe am meisten an die alten Londoner Haudegen von World Domination Enterprises erinnert und, im geringeren Maße, deren britische Kollegen The Membranes, die im Laufe der '80er Jahre auch mal eine klanglich stark verwandte Phase durchlaufen haben, wohingegen die am stärksten Richtung Garage Punk tendierenden Tracks wie Meat Tenderizer an die ungleich minimalistischeren Prototypen von Métal Urbain / Dr. Mix and the Remix erinnern und darüber hat das Ganze häüfig auch ein bisschen was von Scratch Acid oder Brainiac. Also ja, guter Scheiß ist das!

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Dad Joke – How Many Songs Can You Handle This Night

Diese Kroatier brauchten nicht lange um mich vorbehaltlos für ihre Sache zu gewinnen angesichts ihrer spaßigen Garage Punk-Mischung aus cowpunkigen X (US) und Gun Club-Vibes, Angst-artigen Folk Punk einsprengseln und tonnenweise von Minutemen-mäßigen, freidrehenden funky Post Punk-Schrägheiten, die mich an eine Reihe gegenwärtiger Acts erinner wie Ismatic Guru, Patti, Tyvek, Print Head und Shark Toys, während der quasi-Theme Song Dad Joke sich ein bisschen nach einem Zeisprung zu alten DIY-Briten á la Mekons, Television Personalities und Desperate Bicycles anfühlt.

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Negative Outlook – Negative Outlook

Ooo-kay, das hier soll also das neue Projekt von einem alten britisch-amerikanischen Sack sein aber ehrlich gesagt bin ich ziemlich skeptisch, dass man irgendetwas von dem glauben schenken sollte, was auf ihrer Bandcamp-Seite geschrieben steht. Aber wie auch immer, der Krempel schreddert ausgezeichnet. Das ist ein schön noise-verseuchtes, abgefuzztes Konzentrat aus Garage- und Post Punk mit einem subtilen Zusatz von '90er Indie Rock und altem britischen DIY. Freunde von noch gar nicht so uralten Bands wie Shark Toys, Tyvek, Parquet Courts oder frühen Cloud Nothings werden dem bestimmt nicht abgeneigt sein.

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Snooper – Unknown Caller

Für mich kann es niemals genug Snooper auf der Welt geben und entsprechend ist auch diese neue Tour-EP eine willkommene Erscheinung, auch wenn die sich ein bisschen nach einer Mogelpackung anfühlt, die nur zu grob 60% aus neuen Songs besteht und der Rest lässt sich eher als verzichtbare Experimente und Interludes klassifizieren. Die zwei "richtigen" neuen Songs sind jedoch mal wieder 'ne Bombe, angetrieben von elektrischen Beats ein bisschen so, wie wir es schon mal im Song "Subdivision" von ihrer 2022er EP Town Topic gehört haben, allerdings ist der Energielevel hier ungleich höher und fast schon brutal im direkten Vergleich, verschiebt ihren Sound näher an ein ausgesprochenes Elektropunk-Territorium, wobei die Songs aber erneut ziemlich klassisches und ausgezeichnetes Snooper-Material sind. Wenn die Chaot*innen sich jetzt noch dazu aufraffen könnten, auf ihrer übernächsten EU-Tour auch mal hier im Westen zu spielen, würde mich das durchaus glücklich machen. Es leben nämlich auch Eggpunks in anderen Städten als Berlin.

20 Minutes – Sucks

Na das ist mal hochkarätiger Scheiß, die zweite LP von dieser Band aus dem kleinen Städtchen Domodossola in Piemont, Italien. Darauf kreieren die einen absolut mitreißenden, hochenergetischen Sound zwischen den Eckpunkten von Garage- und Art Punk, der gleichermaßen Inspiration zu ziehen scheint aus alten KBD-mäßigen Artefakten wie auch aus dem Schaffen ungleich verkopfterer Post Punk-Acts wie Mission Of Burma, Moving Targets und Volcano Suns, zusammengehalten von den Schrauben und Nieten ultrasolider Songkonstruktion. Darüber hinaus gibt es in Songs wie Ping Pong, Punching Me und Licking Nipples auch noch ein paar unerwartete Hardcore-Ausbrüche zu bewundern. Muss schon sagen, falls die Typen tatsächlich dem Titel gemäß total saugen, dann saugen sie genau richtig für meine abnormalen Vorlieben!

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Nourishment – Coiled Cross

Das passiert mir immer wieder: Da hab ich mir vor so zwei Wochen doch ein Loch in den Bauch gefreut anlässlich einer neuen Nourishment EP, nur um dann kein Bookmark zu setzen und die Sache in der unnachgiebigen Flut an Veröffentlichungen der letzten Wochen aus dem Auge zu verlieren. Nu ja, jetzt fällt mir das Ding wieder ein und die Klangparameter darauf unterscheiden sich nicht allzu sehr vom Erstling dieser Blackened-/Dungeon Punk-Band von unspezifischer US-Herkunft, wenn auch die Produktionswerte hier moderat erhöht wurden. Wie zuvor schon begeistert die Platte mit einem eigentümlichen Spin auf das Genre, der sich großzügig an Einflüssen aus düster Goth-lastigem Post Punk und oldschooligem Death Rock bedient.

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