Der neueste Release auf dem konstant brillianten Total Punk-Sublabel Mind Meld ist erneut ein erstaunliches Unikat von den äußeren Rändern des erweiterten Garage Punk-Universums, erschaffen von einer Band aus Sydney, die unter anderem Mitglieder von Shrapnel, Gee Tee und Satanic Togas mit an Bord hat, wobei Schrapnel aber die offensichtliche Referenz hier sind angesichts dieser eleganten und vollendeten Kompositionen aus zeitlosem Art Rock, Jangle- und Power Pop mit vagen Echos etwa von The Soft Boys, The Bevis Frond, Television und nicht zuletzt auch von jüngeren Phänomenen wie z.B. Treehouse, Honey Radar, Good Flying Birds, Kitchen's Floor, Chronophage oder Violent Change.
Das Artwork scheint subtil auf etwas Dungeon-mäßiges hinzuweisen und zumindest im rifflastigen ersten Song erscheint das fast schon plausibel. Im weiteren Verlauf spielt sich die neueste EP der Spanier aber auf ihren vertrauten Sound aus verträumt-eierigem Noise Pop und Synth Punk ein, wie wir es von ihnen kennen und lieben, wenngleich auch mit ein paar unerwarteten Nuancen wie dem bereits erwähnten Opener, vereinzelt Emo-mäßigen Sprengseln, Spuren von geradlinigem, klassischem Indie Rock und Momenten, die eine Ästhetik zwischen der C86-Ära und frühem Shoegaze channeln wie etwa in El Valle De La Muerte und dem abschließenden Sesos En Bandeja.
Auf ihrem schätzungsweise hundertsten Release in nur drei kurzen Jahren hat diese Band irgendwo aus dem Bundesstaat Minnesota eine durchweg verzaubernde Klanglandschaft von zeitloser Coolness erschaffen, die Elemente aus relaxtem und schrammeligem, unverschämt eingängigem Noise Pop und Indie Rock mit einer winzigen Dosis Shoegaze und altertümlichem Sarah Records-Indie Pop kombiniert zu einem irre appetitlichen Resultat, das gelegentlich so rüberkommt wie ein Mix aus den powerpoppigen Ausläufern des Bevis Frond-Spektrums, Flying Saucer Attack, Guided By Voices in ihrer LoFi-Ära und vielleicht auch einem Hauch von Eric's Trip, Sebadoh und Archers Of Loaf? Außerdem hat's auch eine gewisse Qualität vom '80er Flying Nun Records-Umfeld wie The Clean und The Stones. Arbeiten wir uns langsam an aktuellere Referenzen heran, mag man auch Verwandtschaft erkennen zu den verschwommenen Klangskizzen von frühen Rat Columns oder The Molds, dem verträumten Indie Rock von Treehouse, den frühen Werken von Male Bonding und Wavves oder, erst kurzlich, der LoFi-Nebelfront der Italiener Purp und den hartnäckigen Indie Rock-/Noise Pop-Ohrwürmern von Vacation.
Der Nachfolger zum noch ziemlich inkonsistenten, etwas halbgaren 2022er Album dieser Band aus Richmond, Virginia ist im Vergleich mal ein ganz anderes Biest - ein hochentflammbares kleines Paket aus auschließlich zertifizierten Hits, die teilsweise auch im vergangenen Jahrzehnt ganz gut aufgehoben wären - Rearview zum Beispiel klingt ein bisschen nach einer Fusion aus dem melodischen Punkrock von Swearin' mit der Melancholie von Royal Headache. Die Platte zelebriert diesen Trick wiederholt und mit Würde, fest verankert in hochklassigem Songwriting-Handwerk, einer tighten, ultra-fokussierten Performance und nicht zuletzt den beseelten Vocals von Katie Bowles, die hier ohne viel Mühe so eine Art von Siouxsie-vs-Debbie-Schtick durchzieht an dem sich schon so viele Sängerinnen vor ihr versucht aber nicht immer mit Ruhm bekleckert haben. Ihr kauf ich das ab!
Irgendwie habe ich diese nette kleine EP einer Band aus Buffalo, New York wohl komplett übersehen, als sie bereits im Dezember erschienen ist. Die beginnt jedenfall mit mehr so einer Art Oi!-meets-Ramonescore-Vibe aber latscht sich dann komfortabel ein in ein Paar Stiefel aus melancholischem, powerpoppigem Garage Punk mit deutlichen Echos etwa von Red Dons, Radioactivity, Marked Men, Cheap Whine, Bad Sports, Sonic Avenues, Steve Adamyk Band oder den Franzosen Telecult - und ihr wisst alle, dass ich so einem Unterfangen niemals widerstehen kann.
Diese Band aus Budapest überraschte mich ganz unvorbereitet mit ihrem zotteligen 2022er Rohdiamanten von einer Debüt-EP. Hier gibt's jetzt den nicht weniger famosen Nachfolger zu bestaunen, auf dem sie ihren Sound subtil verfeinern ohne dabei irgendwas von ihrem ursprünglichen rohen Charme zu verlieren in ihrer ultra-schrammeligen Herangehensweise an melodischen DIY Punk und Indie Rock - eine Mischung die gekonnt ein Händchen für eingängige Hooks mit einer Atmosphäre des ungeklärten Dramas in ihren Kompositionen ausbalanciert. Letzteres erinnert mich besonders an so Bands wie Treehouse, Kitchen's Floor und City Yelps mit schwächeren Parallelen auch etwa zu frühen Tape/Off, Monda, Pardoner oder The Molds.
Der Sound dieser Band aus Ciudad López Mateos, Mexiko bleibt auch auf ihrem dritten Demo eine ausgesprochen eigenartige Mischung, selbst im von sich aus schon durchweg farbenfrohen Kontext der gegenwärtigen Eggpunk-Szene und fühlt sich dabei ein bisschen an wie ein Flashback zu den melodischeren Auswüchsen des Punk Rock-Spektrums der mittleren bis späten '80er - frühen Pop Punk-Artefakten, die noch nicht ihre rohe Energie aufgegeben hatten und hier jetzt eine schön angefuzzte LoFi-Spezialbehandlung verpasst bekommen, angereichert um eine maßvolle Dosis charmanter Synth-Action zu einem unwiderstehlichen, melodischen Zuckerrausch.
Diese Band aus Sydney hat für uns eine fast schon peinliche Fülle an Hooks und Melodien auf Lager, die sie auf ihrer zweiten LP in eine Form von zeitloser Eleganz transformieren - belastungsfähiges Power Pop-Songwriting kleidet sich in den Tugenden von Byrds-inspiriertem, relaxtem Garage Rock und Jangle Pop, der die British Invasion und erste Welle britischer Psychedelia mit Löffeln gefressen hat - glitzernde Songjuwelen die teilweise so rüberkommen wie eine weniger Sarkasmus-getränkte Version der Soft Boys, eine stärker retro-mäßige Inkarnation von Guided By Voices oder die powerpoppigeren Bereiche der Bevis Frond-Galaxie. Genau so gut kann man sie aber auch einer Reihe jüngerer US-Bands gegenüberstellen wie The Resonars, White Fence, Honey Radar, Good Flying Birds, Chronophage, Violent Change, Scupper, Germ House oder Mo Troper, während stärker richtung Indie Rock tendierende Songs wie Winston ein kleines bisschen an die aus Hobart, Tasmanien agierenden Treehouse erinnern.
Diese Band aus Montreal zählt Mitglieder von Puffer und Béton Armé zu den Ihren und präsentiert eine voll ausgeformte, elegante Vision auf ihrem zweiten Tape, nach einem bereits schon sehr ordentlichen, aber noch nicht so ausgefeilten 2023er Demo. Der Opener Insoutenable poltert los mit einer stark Radio Birdman- und New Christs-mäßigen Energie, die im weiteren Verlauf ergänzt wird mit relativ kontemporär klingenden Post Punk-Elementen á la The Estranged und Dead Finks, durchsetzt von einer ausgeschprochen folkigen Qualität. Ein weiteres Highlight ist Rien ne t'empêchera und kommt mir in etwa so vor wie eine perfekte Fusion aus einem oldschooligen Oi!-Singalong und schrammeligem Powerpop.
Eine unverschämt starke dreifach-Splitkassette bringt hier ein paar Bands zusammen, die man zukünftig definitiv im Blick behalten sollte. Answering Machines aus Chicago machen den Anfang mit einem beachtlichen Knall in der Form von eingängigen Pop-Tunes, welche die besten Qualitäten vereinen von den Fuzz Punk-Exzessen der frühen 2010er und Bands wie Wavves und No Age, mit dem kräftigen Power Pop etwa von Bad Sports, Warm Soda, Sonic Avenues oder Scupper, wobei die durchweg ausgebombte Ästhetik und Produktionswerte auch etwas rohere Vertreter des letztgenannten Spektrums wie Violent Change, The Wind-Ups, Famous Mammals, Honey Bucket, Germ House, Far Corners und vielleicht auch frühe Chronophage ins Gedächtnis rufen. Good Flying Birds aus Inadianapolis (die wohlbemerkt genau einen Tag zuvor bereits ein sehr beeindruckendes Debütalbum vorgelegt haben) präsentieren daraufhin drei neue Ohrwürmer, die irgendwo im Weißraum zwischen '80er Jangle Pop, C86-Popqualitäten und auch reichlich spätachtziger Sarah Records Indiepop-Vibes herumverkehrt. Abgerundet wird das Ding durch neue Songs von den Artrockern Soup Activists aus St. Louis, für die ich mich anfangs ja noch nicht so richtig erwärmen konnte und die ich auch jetzt noch am besten in kleinen Dosen genießen kann. Eine angemessen kleine Dosis ist das hier aber fraglos und ich muss dann auch zugeben, dass mir kaum ein besserer, entspannter Ausklang für dieses bemerkenswerte Album eingefallen wäre.