Cosme – Demo No. 3

Der Sound dieser Band aus Ciudad López Mateos, Mexiko bleibt auch auf ihrem dritten Demo eine ausgesprochen eigenartige Mischung, selbst im von sich aus schon durchweg farbenfrohen Kontext der gegenwärtigen Eggpunk-Szene und fühlt sich dabei ein bisschen an wie ein Flashback zu den melodischeren Auswüchsen des Punk Rock-Spektrums der mittleren bis späten ’80er – frühen Pop Punk-Artefakten, die noch nicht ihre rohe Energie aufgegeben hatten und hier jetzt eine schön angefuzzte LoFi-Spezialbehandlung verpasst bekommen, angereichert um eine maßvolle Dosis charmanter Synth-Action zu einem unwiderstehlichen, melodischen Zuckerrausch.

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Shrapnel – Sedan Crater

Diese Band aus Sydney hat für uns eine fast schon peinliche Fülle an Hooks und Melodien auf Lager, die sie auf ihrer zweiten LP in eine Form von zeitloser Eleganz transformieren – belastungsfähiges Power Pop-Songwriting kleidet sich in den Tugenden von Byrds-inspiriertem, relaxtem Garage Rock und Jangle Pop, der die British Invasion und erste Welle britischer Psychedelia mit Löffeln gefressen hat – glitzernde Songjuwelen die teilweise so rüberkommen wie eine weniger Sarkasmus-getränkte Version der Soft Boys, eine stärker retro-mäßige Inkarnation von Guided By Voices oder die powerpoppigeren Bereiche der Bevis Frond-Galaxie. Genau so gut kann man sie aber auch einer Reihe jüngerer US-Bands gegenüberstellen wie The Resonars, White Fence, Honey Radar, Good Flying Birds, Chronophage, Violent Change, Scupper, Germ House oder Mo Troper, während stärker richtung Indie Rock tendierende Songs wie Winston ein kleines bisschen an die aus Hobart, Tasmanien agierenden Treehouse erinnern.

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Spleen – II

Diese Band aus Montreal zählt Mitglieder von Puffer und Béton Armé zu den Ihren und präsentiert eine voll ausgeformte, elegante Vision auf ihrem zweiten Tape, nach einem bereits schon sehr ordentlichen, aber noch nicht so ausgefeilten 2023er Demo. Der Opener Insoutenable poltert los mit einer stark Radio Birdman- und New Christs-mäßigen Energie, die im weiteren Verlauf ergänzt wird mit relativ kontemporär klingenden Post Punk-Elementen á la The Estranged und Dead Finks, durchsetzt von einer ausgeschprochen folkigen Qualität. Ein weiteres Highlight ist Rien ne t’empêchera und kommt mir in etwa so vor wie eine perfekte Fusion aus einem oldschooligen Oi!-Singalong und schrammeligem Powerpop.

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Answering Machines / Good Flying Birds / Soup Activists – Star Charms

Eine unverschämt starke dreifach-Splitkassette bringt hier ein paar Bands zusammen, die man zukünftig definitiv im Blick behalten sollte. Answering Machines aus Chicago machen den Anfang mit einem beachtlichen Knall in der Form von eingängigen Pop-Tunes, welche die besten Qualitäten vereinen von den Fuzz Punk-Exzessen der frühen 2010er und Bands wie Wavves und No Age, mit dem kräftigen Power Pop etwa von Bad Sports, Warm Soda, Sonic Avenues oder Scupper, wobei die durchweg ausgebombte Ästhetik und Produktionswerte auch etwas rohere Vertreter des letztgenannten Spektrums wie Violent Change, The Wind-Ups, Famous Mammals, Honey Bucket, Germ House, Far Corners und vielleicht auch frühe Chronophage ins Gedächtnis rufen.
Good Flying Birds aus Inadianapolis (die wohlbemerkt genau einen Tag zuvor bereits ein sehr beeindruckendes Debütalbum vorgelegt haben) präsentieren daraufhin drei neue Ohrwürmer, die irgendwo im Weißraum zwischen ’80er Jangle Pop, C86-Popqualitäten und auch reichlich spätachtziger Sarah Records Indiepop-Vibes herumverkehrt.
Abgerundet wird das Ding durch neue Songs von den Artrockern Soup Activists aus St. Louis, für die ich mich anfangs ja noch nicht so richtig erwärmen konnte und die ich auch jetzt noch am besten in kleinen Dosen genießen kann. Eine angemessen kleine Dosis ist das hier aber fraglos und ich muss dann auch zugeben, dass mir kaum ein besserer, entspannter Ausklang für dieses bemerkenswerte Album eingefallen wäre.

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Krystian Quint & The Quitters

Krystian Quint mag am besten bekannt sein als ein Mitglied der Garagenpunks The Stools aus Detroit. Auf seinem ersten The Quitters-Album dreht sich der Wind jedoch in eine unerwartet melodisch-melancholische Richtung und die Platte alterniert weitgehend zwischen zwei Betriebsmodi. Einer davon versprüht den Flair von melodischen Garage Punk-Acts wie Sonic Avenues, Cheap Whine, Marked Men, Bad Sports, Sweet Reaper und aus jüngerer Zeit etwa auch Eye Ball oder The Dumpies. Die Kehrseite davon erinnert hingegen mehr an geringfügig emofizierten ’90er Indie Rock á la frühe Superchunk, Archers of Loaf, Sebadoh, Lync und Seam aus der alten Schule, aber auch an jüngere Erscheinungen wie Tape/Off, Treehouse und Pardoner.

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Six Short Ones

Die Zeit zwischen den Jahren ist ja was Punk Rock angeht üblicherweise eher von den unscheinbaren, obskuren Perlen, Fetzen und Krümeln geprägt und das ist auch diesen Winter nicht viel anders. Hier ist deshalb ein kleiner Roundup von einigen dieser kurzspielenden Leckerbissen, die sich in den letzten Wochen angesammelt haben.

Die Londoner Rifle haben ja schon mit zwei exzellenten EPs bezaubert und ihre neueste ist auch wieder eine Wucht zwischen den Welten von Garage Punk, Postcore und altem KBD-Lärm, der an dabei an so unterschiedliche Bands erinnert wie Ascot Stabber, frühe Golden Pelicans, Mystic Inane, Launcher und Rolex.
Raya aus Madrid, deren Debüt-EP mich vor ein paar Monaten schon durchaus zu beeindrucken wusste, haben jetzt eine weitere 2-Track Single raus und ratet mal was: Jau, das ist erneut eine respektabler Knall aus verschrobenem Garage-/Eggpunk, der am meisten an andere spanische Bands wie Pringue, Finale und Prison Affair erinnert, aber auch an internationale Bands wie Beer, Set-Top Box und Gremlin.
Vacation aus Cincinnati haben sich ja schon lange als eine wahre Schatztruhe der geballten Songkraft in einem Gewand von Power Pop, oldschooligem Indie Rock, Garage Punk und Fuzz Pop bewiesen und ihr Song auf einer neuen Splitsingle ist erneut ein hochkalibriges Geschoss in ihrem Arsenal. Der andere Song kommt von den Post Punkern Whippets aus Madison, Wisconsin und ist aber auch verdammt gut, erinnert mich dabei stark an die Kanadier Dead Cells oder die kürzlich erschienene Psychbike LP.
Noch ein hochklassiges Glitzerstück ist die neue 7″ der Pleasants aus Perth, Australien, auf der sie zwei Explosionen aus einfach gestricktem, aber trittsicherem Power Pop abliefern, die Freunde etwa von Teen Line, Bad Sports, Tommy and the Commies, Mr. Teenage oder Corner Boys sich keinesfalle entgehen lassen sollten.
Und wo wir schon von eingängigem Songmaterial sprechen, davon git es auch zwei mal Nachschub auf der Debüt-7″ der Engländer Cream Soda, raus auf Spinout Nuggets. Darauf gibt es ein etwa gleiches Maß von sowohl an Buzzcocks- als auch Television Personalities erinnernden Vibes zu spüren, oder alternativ bieten sich als hinkende Vergleiche noch alte US Underground-Acts á la Broken Talent an oder auch aktuellere Schrammelbands wie The Suburban Homes aus UK, Australiens Nasty Party und das frühe Zeug der Kanadier Neutrals.
Zu guter Letzt ist auch noch etwas aus dem Metal-infizierten Camp zu vermelden von Ninth Circle aus Austin. Es waren zuletzt ein paar interessante Jahre für so einen alten Pimmel wie mich, der noch die unsägliche Metalcore-Ära der späten ’90er bis ’00er mit ihrer peinlichen Inszenierung des hypermaskulinen Kasperletheaters mitansehen musste und eigentlich dachte, dass die Kombination aus Punk und Metal jetzt für immer verb(r)annt wäre. Aber allem zum Trotz sitz ich jetzt hier in den wilden Zwanzigern und finde regelmäßig Gefallen an mehr oder weniger Metal-mäßigen Platten, auf denen keineswegs immer nur Poison Ruïn draufstehen muss! So lange wie ich den Metal-Industriekomplex jetzt ignoriert habe, fällt es mir aber schwer da spezifischeres zu nennen, also belasse ich es dabei dass diese zwei Songs ganz wunderschön auf die Scheiße hauen und das ist eh alles, was man darüber wissen muss.

So, das war dann vermutlich mal alles für dieses Jahr und ich nehme mir wie üblich so zwei oder drei Wochen Urlaub vom Blog. Wir hören uns dann wieder in jener deprimierenden, brennenden Mülltonne, die das Jahr 2025 zu werden verspricht..

Rude Television – Disconnect

Keine unangenehmen Überraschungen hier, die neueste EP der Band aus West Palm Beach, Florida ist erneut ein kräftiges Geschoss aus catchy Egg-mäßiger Garage Punk-Exzellenz und eine alternativlose Maßnahme für Freunde von ählichem Scheiß á la Gee Tee, Erik Nervous, Set-Top Box, Satanic Togas, Power Pants oder Tommy Cossack & The Degenerators. Rat Bastard wird als zukünftiger Genre-Klassiker in die Geschichte eingehen, wenn ihr mich fragt. Aber mich fragt ja keiner.

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Eye Ball – Rubber Hammers

Diese Band unbestimmter Herkunft hat sich bisher schon immer angenehm kurz gefasst und Teil drei in einer Serie von digitalen 2-Track Singles hält weiter an dieser Tugend fest, begeistert dabei erneut mit zwei perfekt ausgeführten kleinen Detonationen des unverschämt eingängigen Garage Punks, die sich Freunde von so Zeug im Fahrwasser von Marked Men, Radioactivity, Sonic Avenues, Cheap Whine and frühen Sweet Reaper keinesfalls entgehen lassen sollten.

Bad Shout – Volatile

Bad Shout aus Cardiff konnten bereits eine vielversprechende Debüt-EP im letzten Jahr verzeichnen und einen noch etwas stärkeren Nachfolger dieses Jahr im Sommer, aber für mein Empfinden taten sie sich schwer damit, dem müßigen Status als „durchaus nett, aber noch nicht ganz da“ zu entkommen. Nu ja, was soll ich sagen… mit der neuesten EP ist die Band aber mal sowas von angekommen, auf welcher sie gekonnt zwischen ordentlich eingelaufenem, bluesigem oldschool Garage Punk, Hardcore-Ausbrüchen und powerpoppigen Ohrwürmern mit ’77er Vibe, leichten Spuren von Dickies alternieren.

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Night Court – $hit Machine

Ihre im Frühling erschienene Split-EP mit The Dumpies war gekennzeichnet von einem bemerkenswerten Wachstum für beide Bands und nachdem The Dumpies bereits eine absolut brilliante LP nachgelegt haben, war es ja nur eine Frage der Zeit bis auch der andere Schuh bei uns einschlägt in Form eines neuen Night Court-Langspielers. Der macht auch noch mal ordentlich Bumms in einem großzügigen Kraftpaket aus 17 Songs von reinster Power Pop-Erhabenheit, zusammengehalten von vorzüglichem Songhandwerk und präsentiert in einem Klanggewand von wechselnder Intensität, das irgendwo zwischen melodischem Garage Punk und oldschooligem Indie Rock alterniert und mich an so hohe Kaliber wie Bed Wettin‘ Bad Boys, Radioactivity, Bad Sports, Tommy and the Commies, Datenight, Vacation, Teen Line und Cheap Whine erinnert.

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