Irgendwie scheinen die Kids ja wieder auf Shoegaze zu stehen in den letzten Jahren und doch passiert da irgendwie herzlich wenig, wofür ich mich begeistern kann in einem Umfeld, in dem die meisten Bands sich völlig damit zufrieden geben, ein austauschbares Bett aus leichter Ambient-Hintergrundberieselung zu erzeugen auf dem man zugegebenermaßen ganz gut einschlafen kann, dem es für andere Anlässe aber an Biss und Lärm mangelt und der die Songsubstanz, den Punk-Antrieb und die Energie früherer Generationen vermissen lässt. Mopar Stars aus Philadelphia sind da mal eine ganz andere Angelegenheit und eine durchweg erfreuliche Ausnahme, die den Geist etwa von Swervedriver, Pale Saints und frühen Catherine Wheel wiederbelebt und gleichzeitig die Klangpalette um Tugenden des eleganten Powerpop-Songwritings der '70er bis '80er Jahre erweitert, zu einem Resultat das mich besonders noch mal an das frühe Schaffen in den späten 80ern vom britischen Noise Pop-Act Mega City Four erinnert.
Nun, die zwei Vorabsingles TV DVD und Frontier Days haben ja schon mal einen durchschlagenden Job darin getan, mich neugierig auf die Debüt-EP einer Band aus irgendwo zu machen. Stellt sich heraus: Das waren noch nicht mal die stärksten Songs auf dieser Platte! Klar, der eierköpfige Post Punk des erst- und der psychedelische Garage Rock des letztgenannten Tracks sind für sich genommen schon Kanonen, aber noch immer noch nicht ganz auf einer Höhe mit dem fluffigen Power-/Fuzz Pop von Time To Spare, dem catchy Garage Punk-Vorschub von Funny Feeling und dem glitzernd-melancholischen Rausschmeißer Suggestions mit diesem gewissen Lost Sounds-Vibe. Nur verdammte Hits sind da drauf!
Schon lange kein Lebenszeichen mehr vernommen von den kanadischen Garage Punk-Überfliegern aus Halifax, Nova Scotia, deren letzte LP Tube Reducer jetzt schon fünf Jahre her ist. Nun waren Booji Boys schon immer eine Band die gerne ihren Sound mit jeder neuen Veröffentlichung ein bisschen aufschüttelte und dieses neue Dingens ist diesbezüglich keine Ausnahme. Am auffälligsten sind hier die mehrstimmigen Vocals, die ihren bewährten Mix aus Garage- und Fuzz Punk, Noise- und Power Pop stellenweise mit einem ganz neuen psychedelischen Glitzer ausstatten und einer fast schon British Invasion-artigen Aura, die im krönenden Abschluss Hotline voll zum tragen kommt. Verdammt, ich hoffe da kommt ziemlich bald mehr von auf uns zu!
Ein massiver Schatz der oldschooligen Power Pop-Exzellenz findet sich auf dieser jüngsten EP einer Band aus York, England, die hier übersolide Songwriting-Qualitäten und wohltemperierte, elegante Arrangements mit genau der richtigen Menge an Knusperfaktor und Antriebskraft ausbalanciert um immer geschmeidig vorwärts zu rollen. Was in den Händen vieler anderer Bands ein Rezept für Langeweile oder bestenfalls ein angenehmes Hintergrundgeräusch ergeben würde, transzendiert hier mit Leichtigkeit die mittelmäßigen Standards eines allgegenwärtigen Genres und demonstriert eindrucksvoll, wie auch dieser uralte Trick immer noch funktionieren kann, solang man ein Händchen für eingängige Melodien besitzt, etwas liebevolle Politur anwendet und die Details nicht vernachlässigt.
Die Leipziger Post-/Garage Punk-Szene erstaunt mich doch immer wieder, genauso wie es Autobahns schon vermochten anlässlich ihrer Split-EP mit den ebenfalls brillianten S.G.A.T.V.. Jetzt ist das Debütalbum der Band auf so etwa dreieinhalb üblich-verdächtigen Labels rund um den Globus erschienen und ist erneut ein Ding zum anbeißen! Direkt zu Beginn entfalltet sich schon eine gewisse Billiam-mäßige Qualität dieser Songs, moderat Egg-mäßige Garage Punk-Smasher die gleichermaßen auch Assoziationen erwecken zu so Hausnummern wie Tommy Coassack, Set-Top Box und den Eggpunk-Sensationen Snooper, Beer, Prison Affair oder Egg Idiot. Tellin' Ya transpontiert einige der besten Tendenzen jüngerer Vaguess-Veröffentlichungen in den hier schon reichlich erwähnten Eierkontext. Dabei operiert die Band durchweg als eine unverschämt tighte Einheit, die einerseits jederzeit sehr amtliche Stürme heraufzubeschwören versteht ohne dabei aber jemals ihre eiserne Kontrolle über den konstanten melodischen Druckausgleich zu verlieren, der seinen finalen Höhepunkt in der unverdünnten Noise Pop-Ekstase von Loss Of The Rights findet.
Eins der bestgehüteten Geheimnisse der gegenwärtigen australischen Garage Punk-Szene demonstriert erneut sein göttliches Potenzial in Form zweier digitaler Singles oder insgesamt drei neuen Tracks, wovon jeder seinen ganz eigenen Vibe mitbringt. I Wanna Be Your Simp wartet mit einer stark psychedelischen Geschmacksnote auf, nicht ganz unähnlich zu Bands wie Mononegatives, Zoids, Corpus Earthling und frühen Useless Eaters, kombiniert mit dem eingängigen Garage Pop von, sagen wir mal, Set-Top Box, Gee Tee und verwandtem Krempel. Prawn Party plündert sich dann durch einen ganz anderen Ort und eine andere Ära, hat vor allem etwas von der gegennwärtigen Welle von prä-'77 New York-Revivalismen á la Peace de Résistance, Jean Mignon und der jüngsten Institute LP, aber es lassen sich vielleicht auch Spuren von The Drin-mäßigen Kraut-Versatzstücken und dem griffigen Garage Rock diverser Alien Nosejob-Inkarnationen darin wiederfinden. TV Screen verwandelt dann erneut wundersam seine Gestalt und bringt einerseits den schrammeligen Power Pop der frühen neuseeländischen Flying Nun-Ära und so Bands wie The Clean und The Stones auf, erinnert andererseits aber auch stark an so britische DIY (Post-) Punk-Pioniere wie Mekons und Television Personalities.
Ah ja, Neutrals haben offenbar eine neue Schlagzeugerin Bassistin, aber ansonsten hat sich erwartungsgemäß nicht viel geändert bei dieser seltsam britisch klingenden Band aus Oakland, Kalifornien. Ihr bislang melodischstes und chilligstes Werk ist das geworden, das sich stärker dem Power Pop zuwendet als den Post Punk-Elementen die hier, wenngleich immer noch vorhanden, klar in den Hintergrund rücken. Was soll ich sagen... die Band hat einfach die hartnäckigen Songs und Melodien, die sich fies im Bewustsein verankern und nicht mehr weichen wollen. Neutrals bleiben ein einzigartiges Juwel im überschaubaren Kreis der Television Personalities und Mekons Tribut-zollenden Bands und neuerdings würde ich sagen, dass da auch noch ein kleines bisschen von The Wedding Present mit drin steckt ins Songs wie Stop The Bypass.
Weiß ja nicht ob ihr's schon mitbekommen habt, aber diese chronisch unter'm Radar agierende Band aus Bristol hat zuletzt auf dem französischen Label SDZ Records eine Compilation-LP veröffentlicht, die sechs der sieben bisherigen Singles der Band vereint und außerdem auch drei neue Tracks mitbringt. Also der perfekte Einstieg für jene, die noch nicht unheilbar dieser Band verfallen sind! Aber wie auch immer, jetzt ist auch schon wieder die neueste in ihrer phänomenalen Reihe von digitalen Singles am Start und wie alles was die Band bisher angefasst hat, sind auch diese zwei Songs jetzt schon Instant-Klassiker des endlos charmanten Mekons-, Desperate Bicycles- und Television Personalities-getränkten oldschool DIY Punk von unverwechselbar britischer Prägung.
Die neueste in einem, um es mal ganz platt zu sagen, absolut undurchdringbaren Dickicht an Veröffentlichungen, die sich über die letzten paar Jahre auf der Bandcamp-Seite dieser Band akkumuliert haben, liefert ein farbenfrohes Spektakel kurzer und eingängiger Tunes mit einer maximalen Spielzeit von genau einer Minute. Vierzig Songs werden hier in deutlich unter einer halben Stunde abgefeuert irgendwo zwischen den Koordinaten von Garage Punk, Power Pop, oldschooligem Indie Rock und Fuzz Punk. Ziemlich eindeutig weht hier die Fahne alter DIY Punk- und Indie Rock-Helden wie den frühen Guided By Voices, Fastbacks und M.O.T.O, gleichermaßen bietet sich aber auch ein bunter Strauß jüngerer Bands als Vergleiche an, etwa Booji Boys, Print Head, Vaguess und Datenight.
Die neueste LP des Garage-/Synth-/Eggpunk-Bollwerks aus Sydney ist eigentlich mehr eine Sammlung diverser Krümel, Demos und Überreste, die über die Jahre auf dem Proberaumboden liegen geblieben sind. Aber meine Fresse... wenn das hier das B-Material dieser Band repräsentiert, dann lecke ich auch noch bereitwillig den C-Bodensatz vom leeren Fass auf. Das hier ist nämlich mal wieder eine brilliante Platte von Anfang bis Ende und Pflichtprogramm für Freunde der melodischen Fluffigkeit zwischen den Welten von Garage Punk, Fuzz- und Power Pop, all killer no filler!