Ah ja, Neutrals haben offenbar eine neue Schlagzeugerin Bassistin, aber ansonsten hat sich erwartungsgemäß nicht viel geändert bei dieser seltsam britisch klingenden Band aus Oakland, Kalifornien. Ihr bislang melodischstes und chilligstes Werk ist das geworden, das sich stärker dem Power Pop zuwendet als den Post Punk-Elementen die hier, wenngleich immer noch vorhanden, klar in den Hintergrund rücken. Was soll ich sagen… die Band hat einfach die hartnäckigen Songs und Melodien, die sich fies im Bewustsein verankern und nicht mehr weichen wollen. Neutrals bleiben ein einzigartiges Juwel im überschaubaren Kreis der Television Personalities und Mekons Tribut-zollenden Bands und neuerdings würde ich sagen, dass da auch noch ein kleines bisschen von The Wedding Present mit drin steckt ins Songs wie Stop The Bypass.
Weiß ja nicht ob ihr’s schon mitbekommen habt, aber diese chronisch unter’m Radar agierende Band aus Bristol hat zuletzt auf dem französischen Label SDZ Records eine Compilation-LP veröffentlicht, die sechs der sieben bisherigen Singles der Band vereint und außerdem auch drei neue Tracks mitbringt. Also der perfekte Einstieg für jene, die noch nicht unheilbar dieser Band verfallen sind! Aber wie auch immer, jetzt ist auch schon wieder die neueste in ihrer phänomenalen Reihe von digitalen Singles am Start und wie alles was die Band bisher angefasst hat, sind auch diese zwei Songs jetzt schon Instant-Klassiker des endlos charmanten Mekons-, Desperate Bicycles- und Television Personalities-getränkten oldschool DIY Punk von unverwechselbar britischer Prägung.
Die neueste in einem, um es mal ganz platt zu sagen, absolut undurchdringbaren Dickicht an Veröffentlichungen, die sich über die letzten paar Jahre auf der Bandcamp-Seite dieser Band akkumuliert haben, liefert ein farbenfrohes Spektakel kurzer und eingängiger Tunes mit einer maximalen Spielzeit von genau einer Minute. Vierzig Songs werden hier in deutlich unter einer halben Stunde abgefeuert irgendwo zwischen den Koordinaten von Garage Punk, Power Pop, oldschooligem Indie Rock und Fuzz Punk. Ziemlich eindeutig weht hier die Fahne alter DIY Punk- und Indie Rock-Helden wie den frühen Guided By Voices, Fastbacks und M.O.T.O, gleichermaßen bietet sich aber auch ein bunter Strauß jüngerer Bands als Vergleiche an, etwa Booji Boys, Print Head, Vaguess und Datenight.
Die neueste LP des Garage-/Synth-/Eggpunk-Bollwerks aus Sydney ist eigentlich mehr eine Sammlung diverser Krümel, Demos und Überreste, die über die Jahre auf dem Proberaumboden liegen geblieben sind. Aber meine Fresse… wenn das hier das B-Material dieser Band repräsentiert, dann lecke ich auch noch bereitwillig den C-Bodensatz vom leeren Fass auf. Das hier ist nämlich mal wieder eine brilliante Platte von Anfang bis Ende und Pflichtprogramm für Freunde der melodischen Fluffigkeit zwischen den Welten von Garage Punk, Fuzz- und Power Pop, all killer no filler!
Die Band aus Cincinnati, Ohio ist und bleibt ein rares, dem Zeitgeist trotzendes Juwel. Erneut liefern die hier einen makellosen Haufen neuer Banger die gleichermaßen catchy und kraftvoll nach vorne gehen, zu verorten zwischen den groben Hausnummern von Power Pop, Garage Punk, Noise Pop und oldschoolig-melodischem Indie Rock, übersprudelnd mit euphorischen Vibes die mit allen Mitteln unserer dunklen Timeline ins Gesicht spucken. Das geht jedes mal voll ins Schwarze, nicht zuletzt dank bemerkenswerter Kunstfertigkeit in der Kreation einfach-effektiv-eleganter, prefekt ausbalancierter und mit Schmackes performter kleiner Songperlen, die sie im finalen Schliff zu überlebensgroßem Cinemascope expandieren.
Noch eine überzeugende Ladung des stark Eggpunk-verwandten Garage- und Synthpunk-Lärms erreicht uns in der Form dieser knusprigen Split-Kassette zweier Bands aus Providence, Rhode Island. Jimsobbins sind ein Duo bestehend aus Adam und Lucy. Ist das der gleiche Adam, der auch bei Balloon Thief mitmischt? Plausibel aber unbestätigt. Stößt hingegen noch die Vokalistin Ella dazu, dann mutieren sie zum Trio Cindy7. Jimsobbins sind dabei die stärker nach typischer Eggpunk-Kost klingende Band und erinnert an so Zeug wie Daughter Bat and the Lip Stings, Gee Gee, Billiam and Toe Ring… plus ein scheppernder Hauch von Neo Neos in Leopard. Letztere Tendenz zieht sich auch durch die Seite von Cindy7 und bringt sogar noch mehr von diesem rumpeligen DIY-Charme mit, wobei im Opener Gonna Break durchaus auch ein bisschen oldschool No Wave-Energie ihr Werk tut, wohingegen die zwei abschließenden Songs mit einem zunehmenden Maß an chaotischem Hardcorepunk gewürzt sind.
Diese schicke Kassette auf Weather Vane Records von einer Band, die unter anderem Mitglieder mit Vintage Crop gemein hat, zieht mich sofort in ihren Bann mit einer absolut zeitlosen Spielart des eleganten, formvollendeten Power Pop, der sich insbesondere durch weit über’m Durchschnitt operierendes Songwriting-Handwerk absetzen kann. Denkt dabei mal an solch mehr oder weniger aktuelle Bands wie Bed Wettin‘ Bad Boys, Tommy and the Commies, Bad Sports, The Wind-Ups, Datenight, Ex-Gold, Vacation, Mr. Teenage, Yups, Frozen Teens… pick your poison! Auch wenn das ganze etwas einseitig beladen ist mit den meisten Hits auf der A-Seite und einem klaren Durchhänger in der zweiten Hälfte, schafft es das Album dennoch mit dem rausschmeißer Hold Music, sich zu einem glorreichen Finale aufzuschwingen wie eine zwischendrin ähnlich richtungslos dahin dümpelnde Twin Peaks Staffel 2. Guter Trick!
Nach ihrem ausufernden, zwei Stunden laufenden Lo-Fi Garage-/Post-/Eggpunk-Monolithen Prawn Static For Porn Addicts im letzten Jahr kehrt die Band aus Moffat Beach, Australien zurück mit einem Bündel von im direkten Vergleich fast schon mittel- bis hochfidelig klingenden Singles und EPs. Alle drei davon untermauern meine Einschätzung von damals, dass diese elektrischen Schalentiere einfach arschtretende Songs aus dem Ärmel schütteln, die sich eigentlich gar nicht in so einem Nebel aus LoFi-Dreck verstecken müssen um ihre Wirkung zu tun. Nu ja, aber ich mag das ja in ungewaschen und zottelig und hier treffen sie die Produktionsmittel betreffend überwiegend einen durchaus gangbaren Mittelweg. Knorke!
Zwei neue Veröffentlichungen sind hier diese Woche reingerollt, die mit ganz unverblümt oldschooliger Ästherik hantieren und beide überzeugen auf etwas unterschiedliche Art und Weise. No Brains aus dem niederländischen Utrecht präsentieren eine kompromisslos geradeaus gehende Mischung aus zeitlosem Garage Punk und vage KBD- und Hardcore-verwandten Geräuschkulissen der frühen ’80er Jahre. Das bewerte ich mit 0/10 Sternchen für Originalität und 20/10 Sternchen für unnachgiebigen Druck und Energie. Ergibt gemittelt 10/10 Punkte. Du siehst das anders? Pfft, die Mathematik gibt mir Recht. Komm drauf klar. Ebenfalls reichlich Garage-Action hat die brandneue EP der Kalifornier The Celebrities aus dem US-Garagenbollwerk Total Punk Records im Gepäck, wenn auch mit einem stärkeren Powerpop- und ’77-Vibe. Etwas relaxter im Tempo, ist das nichts desto trotz ein Bündel einwandfrei spaßiger Tunes mit einer starken Dead Boys-meet-Dickies-Energie unter der Haube, ein exquisiter Zuckerrausch der sich, zugegeben, manchmal ganz schön käsig zu werden traut aber dankenswerterweis wird das jederzeit mit meisterlich gearbeiteten Wänden aus Fuzz gekontert. Ich geb dem 11/10 Punkte für den Glamour und die Starpower. Tja, Mathe halt. Kannste nix machen.
Schön, diese Engelsstimme wieder singen zu hören! Erst vor wenigen Wochen meldete sich Shogun, der den meisten hier wohl als das Frontmann-Nervenbündel von Royal Headache bekannt sein dürfte, mit der Debüt-EP von Finnoguns Wake eindrucksvoll zurück, einem Duo, das er zusammen mit Finn Berzin gegründet hat (vergessen wir dabei aber auch nicht die tolle 2018er Shogun and the Sheets 7″). Jetzt gibt es ohne allzu große Vorwarnung noch die erste EP einer weiteren neuen Band von ihm hinterhergeschoben, auf der sie vom Songmaterial her dem alten Royal Headache-Vibe ziemlich nahe kommen, wenngleich sie sich dabei ein gutes stück weit vom sägenden Garage-Sound weg, hin zu einer etwas polierteren Ästhetik zwischen den Parametern von geradlinigem, melodischen Punkrock, Noise- und Power Pop bewegen und obendrein mit einem unerwarteten Leatherface-Einschlag aufwarten. Geil!