Diese Band aus Maumee, Ohio hat eine gesalzene Ladung Synth-lastiger, powerpoppiger Garage Punk-Qualität für uns auf Lager in Form ihrer Debüt-LP, dessen saumäßig eingängige Pop-Nuggets durchweg durchzogen sind von einer nebeligen bis surrealen Atmosphäre und dabei ein ganz respektables Spektrum abdecken das sich von alten Lost Sounds, solo Jay Reatard oder Digital Leather über die Songexplosionen von King Tuff oder frühen Vaguess hin zu so aktuellen Zeiterscheinungen wie Monda, Booji Boys oder der phänomenalen Emmet O'Conner LP aus dem letzten Jahr erstreckt. Ein Dauerfeuer aus hartnäckigen Ohrwürmern deren potenziell überwältigender Hang zur Melancholie sich hier aber genauso häufig auch mit einer durchaus euphorisch zu nennenden Energie ausbalanciert.
Der Werdegang der New Yorker Band Shop Talk über die Jahre gehört fraglos zu den etwas unwahrscheinlicheren. Erstmals in meinen Radar gerieten die mit ihrer selbstbetitelten 2016er Mini-LP, die damals noch mit einem etwas zurückgelehnteren, seinerzeit recht gängigen Garage Punk-Sound aufwartete, irgendwo zwischen gleichen Teilen Gun Club und aktuelleren Acts der Zeit wie Woolen Men und Eddy Current Suppression Ring. Danach war dann erst mal sehr lang Funkstille, es dauerte geschlagene sieben Jahre bevor ihre nächste Veröffentlichung aufschlug - die unglaubliche 2023er EP The Offering mit einem komplett überholten und massiv gereiften Sound, geprägt von saumäßig eingängigen '77er Hooks wie man sie so eindringlich selten gehört hat jenseits der goldenen Ära von so Bands wie Dickies, Buzzcocks und Adverts. Das alleine wäre ja schon genug Substanz um die Band aus der Masse herausstechen zu lassen, aber das ist nur ein Teil des Appeals dieser Band und wäre nicht komplett ohne die gleichermaßen melodische wie elaborierte Gitarrenarbeit des Frontmannes Jon Garcia und seiner genauso bissigen wie auch beseelten Gesangsdarbietung. Eine explosive Formel, an die sich die Band seitdem weitgehend gehalten hat und auch ihr jüngst erschienener erster oder - je nachdem wie man Zählt - zweiter Langspieler klingt sowohl nach dem vorläufigen Hohepunkt als auch einer Rückschau auf ein Jahrzehnt des hochinfektiösen Songhandwerks, bestehend zur einen Hälfte aus exzellenten neuen Songs und zur anderen aus arschtretenden Neuaufnahmen einer Auswahl ihrer alten Hits, die teilweise bis zur eingangs erwähnten Debütplatte zurückreichen. Das Ergebnis ist nicht weniger als ein sofortiger Instant-Klassiker und gehört definitiv zum besten was ihr dieses Jahr zu hören bekommt im Bereich von geradlinigem aber elegantem Punkrock mit starker Songsubstanz und einer klaren Vision.
Der Nachfolger zur unglaublichen 2024er Gay Boredom LP dieser Band aus Astoria, Oregon erreicht nicht ganz den Level von Originalität und verspielter Kreativität des Vorgängers, wirkt irgendwie ein bisschen reservierter und nähert sich für meinen Geschmack manchmal etwas zu sehr einem ausgelatschten Pop Punk-Territorium an, aber es ist was es ist und das ist für sich genommen immer noch eine ausgesprochen erfreuliche Platte geworden, mit Songs die irgendwo zwischen solide und verdammt gut rangieren und immer noch ausreichend stilistische Breite abdecken. Also ja, das ist ein duchaus willkommener Nachfolger für eine Platte, die irgendwie auch schwer zu toppen ist und es wirkt irgendwie unfair, sie nicht nach ihren reichlich vorhandenen, eigenen Qualitäten zu beurteilen. Auch wenn wir wissen, dass die Band es eigentlich noch viel besser kann.
Reuben Sawyer ist jetzt schon eine ganze Weile unterwegs mit verschiedenen Bands und Projekten in einem recht breiten Genre-Spektrum, schlug aber erstmals richtig ein im 12XU-Universum im vorletzten Jahr mit Demons Obey, seiner dritten LP unter dem Anytime Cowboy-alias - eine seltsame Kreatur von einer Platte, die Elemente von bluesigem, Jangle-beeinflusstem Cowpunk und Garage Pop auf eine geradezu surreal entrückte Klangwelt treffen ließen, geerdet in Sawyer's fast schon verstörend ruhiger Gesangsdarbietung. Seine neueste LP verfeinert diese Rezeptur zu seiner reifsten Leistung bisher, auf der seine zuvor noch etwas zerrissen und fragmentarisch daherkommende Vision deutlich entrümpelt daherkommt und sich zu einer unerwartet kohärenten Klanglandschaft konsolidiert, in der seine gleichermaßen kauzigen, melodischen und melancholischen Kompositionen - zusammengehalten von überragenden Songwriting-Skills - leuchten und glitzern wie noch nie zuvor.
Zulo aus Rosario, Argentinien haben bereits eine respektable Reihe an LPs und EPs akkumuliert mit einem wandlungsfähigen Sound zwischen den Eckpunkten von fuzzy-psychedelischem Garage Punk, Noise- und Power Pop, aber noch nie zuvor haben ihre Songs ein solch konsistent hohes Niveau erreicht wie auf ihrem neuesten Langspieler, auf dem sie noch mehr als zuvor ihre abgespaceten Tendenzen zu Schau stellen und ihre eingängigen Tunes in einem psychedelischen Nebel verhüllen, der an einigen Stellen ebenso an alte Haudegen wie Telescopes, Spacemen 3 oder Flying Saucer Attack erinnern mag wie auch an jüngere Phänomene wie Honey Radar, Far Corners, Germ House oder Violent Change.
Hier hätten wir also die Debüt-EP einer Berliner Band, die sich unter anderem Mitglieder mit Les Lullies und Slander Tongue teilt und hier selbstbewust und fachmännisch vier makellose Songs aus Jangle-angehauchter Power Pop-Eleganz abliefert. Power Pop ist ja echt mal ein Genre das mit der Güte des Songwritings steht oder fällt und diese Leute bringen einfach alles an den Start was es dazu braucht... die Songs, die Arrangements, die Performances... alles ist hier stimmig!
Sex Mex waren eine echte Konstante in den letzten paar Jahren und eine Bank, wenn es um einfach gestrickten, melodischen Fuzz- und Garage Punk geht, der sich nicht weit aus dem Fenster seiner zeitbewährten Gewinnerformel hinauslehnt aber auch noch nie enttäuscht hat, immer auf Kurs gehalten von der Qualität des Songmaterials und zweifellos handelt es sich bei der neuesten EP um eins der stärksten Bündel, die sie bislang auf uns losgelassen haben - erneut ein schnörkelloser Leckerbissen des Synth-veredelten, euphorischen Garage Pop.
Neues Futter für warmherzige Eierköpfe kommt zu uns von einem (vermutlich) in Providence, Rhode Island ansässigen Typen oder vielleicht auch einem Duo, das hier eine Handvoll fluffiger und zuckersüßer Power Pop-Hymnen erster Güte abliefert in einem unprätentiösen Eggpunk-Kostüm, nicht unähnlich zu so Vertretern wie Gonk, Power Pants, Gee Tee, Music For Microwaves, 1-800 Mikey oder Rude Television. Die Hauptattraktion ist hier aber nicht so sehr der Sound sondern viel mehr das starke Songmaterial selbst in all seinem tadel- und schnörkellosen Pop-Glanz.
Die Berliner Band schlägt genau die richtigen Saiten an in meinem neuralen Klangverarbeitungsapparat anlässlich ihrer Debüt-EP, auf der sie ausgesprochen schick eine sehr melodische und stark Song-basierte Geschmacksrichtung von Post Punk á la The Estranged, Daylight Robbery oder Sievehead mit einer angemessenen Dosis von Wipers-Action, einer Prise von Glam-durchtränktem '80er Goth-/Death Rock und obendrein einer ganzen Fülle von eingängigen Power Pop-Qualitäten vermengen.
Na das ist ja mal eine beeindruckend selbstsichere zweite EP von dieser Band aus Philadelphia, die jetzt auf einer netten rosa Kassette vom Spezialisten für moderat poppigen Punk Dead Broke Rekerds (wieder-)veröffentlicht wurde. Die präsentiert eine dichte Ladung von kalorienreichen Ohrwürmern, die eine Spur von '90er Indierockern á la Superchunk, Sebadoh, Seam und Superdrag mit einer ungleich höheren Dosis von gegenwärtigen Power Pop-Sensationen wie Teenage Tom Petties, Bad Sports, Teen Line, Night Court, Tommy And The Commies, Ex-Gold und Mr. Teenage verbindet und es sind dabei jederzeit ihre treffsicheren Songwriting-Skills die diese Tunes auf ein Niveau weit über'm Genredurchschnitt heben.