Die Berliner Band schlägt genau die richtigen Saiten an in meinem neuralen Klangverarbeitungsapparat anlässlich ihrer Debüt-EP, auf der sie ausgesprochen schick eine sehr melodische und stark Song-basierte Geschmacksrichtung von Post Punk á la The Estranged, Daylight Robbery oder Sievehead mit einer angemessenen Dosis von Wipers-Action, einer Prise von Glam-durchtränktem '80er Goth-/Death Rock und obendrein einer ganzen Fülle von eingängigen Power Pop-Qualitäten vermengen.
Na das ist ja mal eine beeindruckend selbstsichere zweite EP von dieser Band aus Philadelphia, die jetzt auf einer netten rosa Kassette vom Spezialisten für moderat poppigen Punk Dead Broke Rekerds (wieder-)veröffentlicht wurde. Die präsentiert eine dichte Ladung von kalorienreichen Ohrwürmern, die eine Spur von '90er Indierockern á la Superchunk, Sebadoh, Seam und Superdrag mit einer ungleich höheren Dosis von gegenwärtigen Power Pop-Sensationen wie Teenage Tom Petties, Bad Sports, Teen Line, Night Court, Tommy And The Commies, Ex-Gold und Mr. Teenage verbindet und es sind dabei jederzeit ihre treffsicheren Songwriting-Skills die diese Tunes auf ein Niveau weit über'm Genredurchschnitt heben.
Die letzten paar Wochen hatten eine Fülle von starken 7"s und digitalen 2-Song-Veröffentlichungen auf Lager und ich bin schon wieder weiter im Rückstand mit der Bloggerei als geplant, weil diese Woche - neben meiner ständig unter Kapazität laufenden Birne - auch noch mit einen Familiären Notfall meine Aufmerksamkeit forderte, deshalb nehme ich mir mal die Freiheit, hier einfach die vier Stärksten davon zusammen in einem Post zu verbraten.
Die größte Überraschung davon war sicher die Debütsingle von Assembly, auf der die Band aus Atlanta ein breites, eklektizistisches Spektrum im Postcore, Noise- und Math Rock-Umfeld umspannt das von '90er und 2000er Dischord-mäßigen Sounds etwa von Faraquet, Bluetip und Q And Not U über weitere '90er Zeiterscheinungen wie Polvo, Braniac oderChavez hin zu mehr oder weniger aktuellen Noise Rock und Art Punk-Bands der Sorte Wax Chattels, Solderer, Body House, Haunted Horses reicht aber auch ganz besonders Spray Paint und den damit assoziierten späteren Acts Rider/Horse und During.
Die Australier Tee Vee Repairman - ja genau, win weiteres Projekt von Gee Tee's Ishka Edmeades - setzten ihrer noch recht kurzen aber brillianten Diskografie ein weiteres Sahnehäubchen drauf mit einer neuen 7", deren Songs man ohne Not als zwei ihrer Besten erachten darf von einer Band, deren schaffen jetzt schon nicht gerade arm an infektiösen Power Pop-Melodien war.
In eine verwandte Kerbe schlägt dann auch die neue 7" von Smirk (aka Nick Vicario von Public Eye, Crisis Man und Cemento), die auch ihn dabei dokumentiert wie er sein Songwriting-Handwerk verfeinert und erweitert, dabei an Orte geht, die wir bisher noch nicht von ihm gesehen haben. Domestic Dog verschweißt dabei Anarcho- und Post Punk-Elemente der alten Schule mit einer unerwarteten '77er Melodiösität und einer fast schon Television-mäßigen Weiträumigkeit. Jene zieht sich dann auch durch Manhunt in Paradise, das insgesamt ein bisschen klingt als wäre die jüngste Institute LP noch einen Schritt weiter gegangen in ihrer Art Punk-Eleganz.
Zu guter Letzt und in einem ziemlichen Kontrast zu den vorherigen Bands hier, haben wir noch ein Beispiel einer Band die uns schlicht und ergreifend mehr von ihrer gleichen alten Masche serviert, aber was für eine brilliante gleiche alte Masche das ist auf der neuen 7" der New Yorker Shop Talk, die mich bisher noch mit jeder Veröffentlichung weggeblasen haben und auch mit dem neuesten Kurzspieler kann man nichts falsch machen. Museum Of Sex ist ein weiteres Beispiel für makellosen '77-beeinflussten Punk mit diesem gewissen Dickies-Geschmack wohingegen das etwas filigraner gebaute Gaslight das Tempo etwas zurücknimmt und in einen ungleich melancholischeren Vibe getränkt ist, sowie einer zu gleichen Teilen Buzzcocks- und Replacements-mäßigen Qualität. Hammersong, nuff said.
Ich bilde mir gerne ein dass ich eigentlich eher wenig anfällig für rasende Fanboy-ismen bin und versuche die wenn's geht zu vermeiden hier, aber das dies ist eine der wenigen Angelegenheiten wo ich meine Euphorie nicht zurückhalten kann angesichts einer neuen LP von einer einmaligen Band, die bereits solch massive Schockwellen durch das Garage Punk-Umfeld verursacht hat und die Messlatte siginfikant erhöht hat was catchy Popmelodien mit einem tiefen und einzigartigen Sinn für Melancholie betrifft... und all das, nachdem Jeff Burke und Mark Ryan sich zuvor schon als unbezahlbare Garage Punk-Lichtgestalten mit dem Genre-Bollwerk The Marked Men etabliert hatten. Ohne Umschweife behauptet sich der eröffnende Titelsong als ein weiterer Instant-Klassiker der unverwechselbaren Radioactivity-Schule und Watch Me Bleed führt den vertrauten Vibe nahtlos fort, bevor This One Time zum ersten mal das Tempo empfindlich drosselt und damit darauf einstimmt, was in weiten Teilen dieser Platte folgen wird, auf der die Band mehr als je zuvor ihren Sound in entspanntere, geradezu klassich powerpoppige Bahnen lenkt, ein Vibe der in Teilen sicher jenen schon bekannt vorkommen wird, die mit Jeff Burke's Material auf den beiden Lost Balloons-Alben vertraut sind, aber insbesondere in der ersten Hälfte sind auch reichlich energischer rockende Momente vertreten, um auch alle Fans der ersten beiden LPs erneut zu verzaubern. Nun, für die meisten geringeren Punkbands wäre es generell eine schlechte Idee und eine hochdosierte Schlaftablette, mehr als die Hälfte eines Albums im Midtempo-Bereich anzusiedeln. Damit sowas funktioniert braucht es wahrlich überlegene Fähigkeiten in Sachen Songwriting und Arrangement und was soll ich sagen... macht Bekanntschaft mit Jeff Burke, einem der brilliantesten Songwriter der gegenwärtigen Punkszene, dessen unfehlbares Handwerk noch nie versagt hat und es auch hier nicht tut auf der vielleicht stärksten Radioactivity-Platte bisher. Aber ganz ehrlich, in einer so perfekten Diskografie ist es eigentlich kompletter Unsinn, einen Favoriten zu wählen.
Das ist mal ein irsinnig beeindruckendes Debüt dieser von Tokyo aus agierenden Band, die darauf einen perfekten Sturm entfesselt aus melodischem und gleichermaßen antriebsstarkem Noise Pop und Garage Punk mit einer unberechenbar freidrehenden kreativen Energie in seinem Kern, wo keine zwei Songs sich allzu sehr ähneln und das Ganze dennoch wie aus einem Guss erscheint wenn sie sich durch neun Instanzen von eingängigem Lärm iterieren, der so ungefähr zwischen den straighteren Klängen etwa von Dark Thoughts, Sonic Avenues, Bad Sports oder frühen Terry Malts einerseits alterniert, und den deutlich abgefahrer agierenden melodischen Attacken wie wir sie zuletzt etwa von Eye Ball und The Dumpies gehört haben.
Eine irrsinnig gute Debüt-EP von einer Londoner Band und die Frontsau ist niemand geringeres als Chubby - genau, der Typ von Chubby and the Gang - dessen Gesang hier noch am ehesten an die rustikale Oi!-Ästhetik seiner alten Band erinnern mag, die - obgleich immer noch wie ein subtiles Hintergrundbrummen unterschwellig vorhanden - sich hier deutlich zurückhält zugunsten eines etwas feiner geschliffenen und strahlenden, jedoch keineswegs weniger kräftigen Sounds, der rüberkommt wie eine ultrakompakte Kapsel aus diversen Großartigkeiten der melodischen Punk, Power- und Noise Pop-Welt, von klassischen Hüsker Dü-Vibes über die unmittelbare Catchyness der Noise Popper Terry Malts und den jüngsten Dumpies- und Eye Ball-LPs, bis hin zu der tiefen Melancholie von Leatherface oder (Royal Headache-) Shogun's noch halbwegs aktuellen Projekten Antenna und Finnoguns Wake. Potenter Scheiß, bitte mehr davon!
Keine Ahnung was dieses mysteriöse Attribut namens Motorcycle ausmachen soll... ist das wenn man zwei Räder und 'nen Motor hat und Benzin säuft? Wie auch immer, ich kann mit hoher Sicherheit sagen, dass mir Heather The Jerk-Platten besser gefallen wenn sie ordentlich Motorcycle sind als wenn das nicht der Fall ist und die neue EP war da der fehlende Datenpunkt um das abschließend festzustellen. Das sind ein paar wunderbar fuzzversiffte, Bubblegum-infizierte Garage Punk- und Noise Pop-Perlen die für mich ein bisschen nach einer Verquickung von der einzigen relevanten Pop Punk-Band der Welt - Fastbacks natürlich! - und den '80er Noise-/Fuzz Pop-Meisterwerken der frühen The Primitives-Singles klingen und es hilft nicht zuletzt doch auch sehr, dass hier ein absolut makelloses Bündel neuer Songs angetrieben wird von der hartnäckigsten Performance, die wir von Heather The Jerk bislang zu hören bekamen.
Seltsam, dass ich diese offenbar das ganze Jahr über Halloween zelebrierende Band erst mit ihrer letztjährigen Chumpire 247 EP zum ersten mal wahrgenommen hab... nu ja, besser spät als nie würde ich sagen. Der neueste Kurzspieler legt da noch mal ordentlich einen drauf mit einem noch runderen Stapel neuer Songs die irgendwie nach einer ausgesprochen absurden Kreatur aus klassischen Spits, Why Bother?, Trauma Harness, Woolen Men im Power Pop-Modus und vielleicht sogar einem Hauch von Hüsker Dü klingen. Verücktes deformiertes Ding das, aber wunderlicher Weise kann es laufen und sogar singen, unfallfrei und ohne abstützen auf seinen drei ungleich langen Beinen stehen bleiben.
Ich war noch nicht so ganz überzeugt von der Vorabsingle Hariry Man mit ihren bluesigen Hard-/Dad Rock-Vibes aber verdammt, wird diese neue LP der Band aus Moffat Beach, Australien mal nicht nur mit jedem Song stärker (obendrein funktioniert Hairy Man auch viel besser im Album-Kontext als auf sich alleine gestellt), sondern hat auch mitunter einiges von ihrem stärksten Material an Bord. Die folgenden Songs Beef und Fire haben ordentlich was von einem oldschool Useless Eaters oder Pow!-Feel, während Out Of Touch dann graduell den psychedelischen Nebelfaktor erhöht wie wir es so am ähnlichsten bisher auf ihrer vorangegangenen Perspex LP gehört haben, bevor sich im ersten Teil von Hell letztendlich die Schleusentore der überfließenden, catchy-as-fuck Garage Punk-/Fuzz Pop-Glückseligkeit öffnen wie sie es früher oder später ganz unfehlbar auf jeder Electric Prawns 2-Platte tun. Der zweite Zirkel der Hölle (oder handelt es sich eigentlich um zwei Songs, beide Hell betitelt?) schleppt all das genannte mit und verbindet es mit einem leicht campy angehauchten Goth-Unterton nicht unähnlich zu jüngeren Power Plant-Veröffentlichungen. Weitere nennenswerte Highlights sind der Knall aus ultraklassischem Aussie-Rock'n'Roll namens Piece Of Me und der gleichermaßen melodische wie auch Blues-getränkte Bubbelgum-Vibe von Waste. Alles zusammen mag ganz plausibel mal als ihre beste Platte bisher durchgehen. Wer hätte es gedacht, es ist stellt sich selbst für diese Band als gar nicht die schlechteste Idee heraus, eine LP von gewöhnlicher Laufzeit aufzunehmen.
Die zweite LP von Yuasa-Exide aus Minnesota beginnt mit einem kräftigen Beben aus Fuzz-geladenem, melodischem Midtempo-Punk, der in etwa eine Mischung aus Guided By Voices in ihrer Mid-Fi-Ära und dem powerpoppigeren Ende des Bevis Frond-Spektrums channelt, ebenso eine vage Spur von Eric's Trip oder der klassischen Dinosaur Jr.-Ära obendrein im Opener The Picture You Painted, nur um in folgenden Tracks zunehmend und mit voller Absicht den klanglichen Unterbau zu destabilisieren. Ihre Songs und Arrangements irgendwo zwischen den Stühlen von '80er-'90er Indie- und College Rock, Flying Nun Records-mäßiger Psychedelia und fleißigem C86-Geschrammel gewinnen dabei eine zunehmend rumpelige, surreal vernebelte Qualität, immer in akuter Gefahr beim kleinsten Widerstand in sich zusammenzufallen. Wundersam aber, dass das drohende Damoklesschwert niemals zuschlägt und die Songs jederzeit ihr fragiles Gleichgewicht aufrecht erhalten. Diese unheimliche Fähigkeit stach schon auf dem Vorgänger Hyper At The Gates Of Dawn als ihre spezielle Superkraft hervor und kommt hier sogar noch stärker zum tragen - eine rare Qualität, die ich zuvor etwa in den jetzt auch schon wieder über ein Jahrzehnt alten, frühen Werken von Rat Columns und The Molds wiederfinde und vielleicht auch in den vergleichsweise straighten Psych Pop-Nuggets auf Blank Realm's 2014er LP Grassed In, mit denen sich dann wiederum der Kreis zu den zuvor erwähnten Flying Nun-Vibes schließt.