Seltsam, dass ich diese offenbar das ganze Jahr über Halloween zelebrierende Band erst mit ihrer letztjährigen Chumpire 247 EP zum ersten mal wahrgenommen hab... nu ja, besser spät als nie würde ich sagen. Der neueste Kurzspieler legt da noch mal ordentlich einen drauf mit einem noch runderen Stapel neuer Songs die irgendwie nach einer ausgesprochen absurden Kreatur aus klassischen Spits, Why Bother?, Trauma Harness, Woolen Men im Power Pop-Modus und vielleicht sogar einem Hauch von Hüsker Dü klingen. Verücktes deformiertes Ding das, aber wunderlicher Weise kann es laufen und sogar singen, unfallfrei und ohne abstützen auf seinen drei ungleich langen Beinen stehen bleiben.
Ich war noch nicht so ganz überzeugt von der Vorabsingle Hariry Man mit ihren bluesigen Hard-/Dad Rock-Vibes aber verdammt, wird diese neue LP der Band aus Moffat Beach, Australien mal nicht nur mit jedem Song stärker (obendrein funktioniert Hairy Man auch viel besser im Album-Kontext als auf sich alleine gestellt), sondern hat auch mitunter einiges von ihrem stärksten Material an Bord. Die folgenden Songs Beef und Fire haben ordentlich was von einem oldschool Useless Eaters oder Pow!-Feel, während Out Of Touch dann graduell den psychedelischen Nebelfaktor erhöht wie wir es so am ähnlichsten bisher auf ihrer vorangegangenen Perspex LP gehört haben, bevor sich im ersten Teil von Hell letztendlich die Schleusentore der überfließenden, catchy-as-fuck Garage Punk-/Fuzz Pop-Glückseligkeit öffnen wie sie es früher oder später ganz unfehlbar auf jeder Electric Prawns 2-Platte tun. Der zweite Zirkel der Hölle (oder handelt es sich eigentlich um zwei Songs, beide Hell betitelt?) schleppt all das genannte mit und verbindet es mit einem leicht campy angehauchten Goth-Unterton nicht unähnlich zu jüngeren Power Plant-Veröffentlichungen. Weitere nennenswerte Highlights sind der Knall aus ultraklassischem Aussie-Rock'n'Roll namens Piece Of Me und der gleichermaßen melodische wie auch Blues-getränkte Bubbelgum-Vibe von Waste. Alles zusammen mag ganz plausibel mal als ihre beste Platte bisher durchgehen. Wer hätte es gedacht, es ist stellt sich selbst für diese Band als gar nicht die schlechteste Idee heraus, eine LP von gewöhnlicher Laufzeit aufzunehmen.
Die zweite LP von Yuasa-Exide aus Minnesota beginnt mit einem kräftigen Beben aus Fuzz-geladenem, melodischem Midtempo-Punk, der in etwa eine Mischung aus Guided By Voices in ihrer Mid-Fi-Ära und dem powerpoppigeren Ende des Bevis Frond-Spektrums channelt, ebenso eine vage Spur von Eric's Trip oder der klassischen Dinosaur Jr.-Ära obendrein im Opener The Picture You Painted, nur um in folgenden Tracks zunehmend und mit voller Absicht den klanglichen Unterbau zu destabilisieren. Ihre Songs und Arrangements irgendwo zwischen den Stühlen von '80er-'90er Indie- und College Rock, Flying Nun Records-mäßiger Psychedelia und fleißigem C86-Geschrammel gewinnen dabei eine zunehmend rumpelige, surreal vernebelte Qualität, immer in akuter Gefahr beim kleinsten Widerstand in sich zusammenzufallen. Wundersam aber, dass das drohende Damoklesschwert niemals zuschlägt und die Songs jederzeit ihr fragiles Gleichgewicht aufrecht erhalten. Diese unheimliche Fähigkeit stach schon auf dem Vorgänger Hyper At The Gates Of Dawn als ihre spezielle Superkraft hervor und kommt hier sogar noch stärker zum tragen - eine rare Qualität, die ich zuvor etwa in den jetzt auch schon wieder über ein Jahrzehnt alten, frühen Werken von Rat Columns und The Molds wiederfinde und vielleicht auch in den vergleichsweise straighten Psych Pop-Nuggets auf Blank Realm's 2014er LP Grassed In, mit denen sich dann wiederum der Kreis zu den zuvor erwähnten Flying Nun-Vibes schließt.
Seit ich irgendwann im letzten Jahr zum ersten mal meine Nase in die einschüchternd massive Discografie von Monda aus New Jersey gesteckt habe hat sich die Band wiederholt als einer der nicht nur produktivsten sondern auch konsistentesten Lieferanten von catchy abgefuzzten Leckerbissen bewiesen, die sich irgendwo zwischen den Eckpunkten von Garage Punk, oldschooligem Indie Rock, Noise- und Power Pop bewegen. Auch lässt sich schwer übersehen, dass sie sehr gerne die Tapete wechseln und die Einrichtung neu arrangieren zwischen den Veröffentlichungen um die Sache frisch und spannend zu halten, was sich unter anderem auch schon mal in einem ausgeprägt psychedelisch-spacerockigen Abstecher in ihrem Schaffen rund um die 2024er Ponderous Leviathan LP niederschlug. Auf ihrem neuesten Album besinnen sie sich hingegen wieder ein gutes Stück weit auf die ihre Basics zurück und treffen wie gewohnt jederzeit den Nagel auf den Kopf, wie sie hier eine Fülle sowohl von '50er bis '60er Bubblegum Pop-Vibes als auch '80er Art-/Indie Pop-Artefakte der Flying Nun und Sarah Records-Schule und diverse Schrammelartefakte der C86-Ära channeln in einem makellosen Bündel ausgesprochen simpler und liebevoll gefertigter Songs, die niemals ihre Wirkung verfehlen.
Gripper aus Philadelphia haben da ja mal eine ganz vorzügliche Debüt-EP kreiert, die auf gewisse Art den unverblümt Hard-rockigen Spaß und die Power Pop-Hooks der frühen Sheer Mag Singles channelt, dabei aber weitgehend deren Southern Rock-Schnörkel umgeht und alle Basics perfekt auf der Reihe hat in einem tadellosen Bündel von zwei unverschämt infektiösen Power Pop-Juwelen und zwei ebenbürtig schreddernden, angemessen schmierigen Garage Punk-Sprengsätzen.
Catchy Garage Punk Shit erster Güte aus Sydney, der sich in vier Songs durch recht vielfältige Styles durchplündert. POSIWID und der Opener What A Time To Be Alive kommen dabei rüber wie ein Mix aus dem fuzzigen Power Pop von Sex Mex und der quirligen Egg-/Synthpunk-Action der Ghoulies, wohingegen der Synth-/Electro Punk von The Game an alte Digital Leather-Schinken erinnert sowie jüngere Zeiterscheinungen á la Spyroids und O-D-Ex. Der Rausschmeißer-Track B-52's Tattoo könnte darauf auch der unbändigen Fantasie der texanischen Garage Punk-Exzentriker Trashdog ensprungen sein. Oh und war da nicht noch so eine Hundeband? Ja stimmt, ich denke an Melbourne's wunderbar trashige Garage-/Synth Punk-Explosion Metdog!
Neuer Scheiß von Mark Ryan (hochgeschätzt als Teil von Marked Men, Mind Spiders und Radioactivity) und seiner aktuellen Band, dem Electro-/Synth Punk-Projekt O-D-EX (oder ist es neuerdings einfach Odex?). Nachdem jeweils ein vorangegangener Kurz- und Langspieler aus dem letzten Jahr noch eine eher kühle und minimalistische Synth Wave-Ästhetik versprühten, öffet das aus Ryan und Micah bestehende Duo ihren Sound wieder zu einer vergleichsweise warmen, melodischen und insgesamt greifbareren Richtung, die in der Tat ein bisschen klingt wie ein perfekter Mittelweg zwischen den erwähnten Vorgängern und den stärker Richtung Garage Punk tendierenden alten Mind Spiders-Platten.
Ich hab nicht so viel Zeit diese Woche, deshalb gibt's hier anstelle von drei einzelnen Posts mal eine kleine Zusammenfassung der etwas quirligeren Releases mit unterschiedlich starker Eiermäßigkeitt, von denen mir diese Woche drei besonders herausstechen. Zuerst wären da mal die vergleichsweise rohen Sounds von Mr. [Redacted] aus Athens, Georgia, die ganz rapide alternieren zwischen den Eckpunkten von einem Hard-/Art-/Weirdcore-Sound nicht ganz unähnlich zu so Bands wie Judy and The Jerks, Warm Bodies und Sniffany & The Nits einerseits, und den stärker Egg-orientierten Sounds etwa von Snooper, Print Head, Awful und den frühen Skull Cult. Wer dagegen mehr an ultraklassischem Eggpunk-Territorium interessiert ist, dem wird sicher das neue Tape von Lovebomb aus Hildesheim (diese Woche sind ja echt mal ungewöhnlich viele Krautwürstle am Werk) viel Spaß bereiten, die hier ein dicht verpresstes Bündel von geradezu mustergültiger Eggpunk-Qualitätsware abliefert mit besonders starken Anklängen an Bands wie Prison Affair, Beer, Winky Frown, Molbo und Goblin Daycare. Wenn euch das nicht schräg und Lo-Fi genug ist, dann versucht es mal mit den Leipzigern (schon wieder!) TTTTurbo, deren neues Tape in etwa das klangliche Äquivalent ist zu einem etwas zu oft weiterkopierten Dokument - unter einer dicken Schicht xerografisch verbrannter Pixel bleiben viele Details der Fantasie überlassen, aber auch mit all dem einkopierten Dreck bleibt es schwer, sich dem irrsinnig eingängigen Charme dieser verschleierten Rohdiamanten aus zuckerigem Bubblegum Pop zu entziehen.
Quirliger, moderat LoFi-mäßiger Spielzeug-Synth Punk kommt zu uns von Emmet O'Connor aus Cleveland, Ohio, der einigen vielleicht schon als Mitglied von Archie and the Bunkers und MK Ultras ein Begriff ist. Auf diesem neuen Solo-Langspieler kreiert der jetzt einen warmen, üppigen Sound mit minimalem Werkzeug, der hier sehr passgenau zu einer Form von exzellenten kleinen Power Pop-Juwelen modelliert wird und nicht selten an eine geringfügig sedierte, Schlafzimmer-geeignete Budget-Variante von Digital Leather's eingängigsten Pop-Momenten erinnert.
Mann, es muss schon eine ganze Weile her sein, dass ich zuletzt von Dark Thoughts aus Philadelphia gehört habe, die seit vielen Jahren zu den ausgesprochen seltenen Bands gehören, die sich plausibel als "Pop Punk" einordnen lassen ohne mich zu sofortiger Flucht zu veranlassen. Dark Thoughts haben den unmöglichen Trick immer noch drauf und alles was sie dafür brauchen ist einer der beherztesten und gleichzeitig doch relativ polierten Garage Punk-Sounds unserer Zeit, eine schnörkellose, entschlossene Performance und eine perfekte Trefferquote in Sachen des unverzüglich auf den Punkt kommenden Songhandwerks.