O-D-EX – Talents

Neuer Scheiß von Mark Ryan (hochgeschätzt als Teil von Marked Men, Mind Spiders und Radioactivity) und seiner aktuellen Band, dem Electro-/Synth Punk-Projekt O-D-EX (oder ist es neuerdings einfach Odex?). Nachdem jeweils ein vorangegangener Kurz- und Langspieler aus dem letzten Jahr noch eine eher kühle und minimalistische Synth Wave-Ästhetik versprühten, öffet das aus Ryan und Micah bestehende Duo ihren Sound wieder zu einer vergleichsweise warmen, melodischen und insgesamt greifbareren Richtung, die in der Tat ein bisschen klingt wie ein perfekter Mittelweg zwischen den erwähnten Vorgängern und den stärker Richtung Garage Punk tendierenden alten Mind Spiders-Platten.

Mr. [Redacted] / Lovebomb / TTTTurbo

Ich hab nicht so viel Zeit diese Woche, deshalb gibt’s hier anstelle von drei einzelnen Posts mal eine kleine Zusammenfassung der etwas quirligeren Releases mit unterschiedlich starker Eiermäßigkeitt, von denen mir diese Woche drei besonders herausstechen.
Zuerst wären da mal die vergleichsweise rohen Sounds von Mr. [Redacted] aus Athens, Georgia, die ganz rapide alternieren zwischen den Eckpunkten von einem Hard-/Art-/Weirdcore-Sound nicht ganz unähnlich zu so Bands wie Judy and The Jerks, Warm Bodies und Sniffany & The Nits einerseits, und den stärker Egg-orientierten Sounds etwa von Snooper, Print Head, Awful und den frühen Skull Cult.
Wer dagegen mehr an ultraklassischem Eggpunk-Territorium interessiert ist, dem wird sicher das neue Tape von Lovebomb aus Hildesheim (diese Woche sind ja echt mal ungewöhnlich viele Krautwürstle am Werk) viel Spaß bereiten, die hier ein dicht verpresstes Bündel von geradezu mustergültiger Eggpunk-Qualitätsware abliefert mit besonders starken Anklängen an Bands wie Prison Affair, Beer, Winky Frown, Molbo und Goblin Daycare.
Wenn euch das nicht schräg und Lo-Fi genug ist, dann versucht es mal mit den Leipzigern (schon wieder!) TTTTurbo, deren neues Tape in etwa das klangliche Äquivalent ist zu einem etwas zu oft weiterkopierten Dokument – unter einer dicken Schicht xerografisch verbrannter Pixel bleiben viele Details der Fantasie überlassen, aber auch mit all dem einkopierten Dreck bleibt es schwer, sich dem irrsinnig eingängigen Charme dieser verschleierten Rohdiamanten aus zuckerigem Bubblegum Pop zu entziehen.

Album-Stream →

Emmett O’Connor – 9 From The Warped Mind

Quirliger, moderat LoFi-mäßiger Spielzeug-Synth Punk kommt zu uns von Emmet O’Connor aus Cleveland, Ohio, der einigen vielleicht schon als Mitglied von Archie and the Bunkers und MK Ultras ein Begriff ist. Auf diesem neuen Solo-Langspieler kreiert der jetzt einen warmen, üppigen Sound mit minimalem Werkzeug, der hier sehr passgenau zu einer Form von exzellenten kleinen Power Pop-Juwelen modelliert wird und nicht selten an eine geringfügig sedierte, Schlafzimmer-geeignete Budget-Variante von Digital Leather’s eingängigsten Pop-Momenten erinnert.

Album-Stream →

Dark Thoughts – Highway To The End

Mann, es muss schon eine ganze Weile her sein, dass ich zuletzt von Dark Thoughts aus Philadelphia gehört habe, die seit vielen Jahren zu den ausgesprochen seltenen Bands gehören, die sich plausibel als „Pop Punk“ einordnen lassen ohne mich zu sofortiger Flucht zu veranlassen. Dark Thoughts haben den unmöglichen Trick immer noch drauf und alles was sie dafür brauchen ist einer der beherztesten und gleichzeitig doch relativ polierten Garage Punk-Sounds unserer Zeit, eine schnörkellose, entschlossene Performance und eine perfekte Trefferquote in Sachen des unverzüglich auf den Punkt kommenden Songhandwerks.

Album-Stream →

Ronny Spoiler – 1000 Tolle Sachen

Hochwertiger deutschsprachiger Garage Punk ist und war ja noch niemals eine Nische aus dem man mit besonders reichhaltiger Auswahl konfrontiert würde, aber dieser Typ (oder Band?) aus Ludwigsburg vollbringt dieses unwahrscheinliche Wunder mit Leichtigkeit auf seiner neuen (digitalen) 2-Track-Single, beide Songs für sich jeweils schon ein Instant-Hit und künftiger Genreklassiker. Der erste davon hat einerseits eine ganz subtil Egg-mäßige Qualität mit an Bord, obwohl mich die Gesangsharmonien und Gitarrenarbeit hingegen besonders and die jüngsten Veröffentlichungen der ganz und gar nicht eierigen Dumpies und Eye Ball erinnern. Der vergleichsweise melancholische zweite Track beinhaltet viele der gleichen Qualitäten, ruft mir aber besonders alte Marked Men und Radioactivity ins Gedächtnis. Ich mein’s ernst, so verdammt gut ist der Scheiß.

The Wind-Ups – Confection

Immer eine arschtretende Angelegenheit, neues Material von Jake Sprecher (of Terry Malts fame…) und seinem aktuellen Projekt The Wind-Ups, das 2021 mit einem massiven Knall begann in Form der spektakulären Try Not To Think LP und sich seitdem nicht groß verändert, aber auch noch niemals enttäuscht hat – ein zuverlässig hoher Qualitätsstandard der sich auch durch den neuen Langspieler zieht und es weiterhin unmöglich macht, nicht unmittelbar verzaubert zu werden von diesen zeitlosen Garage Rock- und Bubblegum Pop-Melodien, verpresst zu einem wunderbar rustikalen und Fuzz-getränkten Klangbild aus angemessen durchgebranntem Noise Pop und Garage Punk.

Album-Stream →

Autos – Autos

Diese Band aus Santa Cruz, Kalifornien liefert sechs Perlen der oldschooligen Power Pop-Qualitätsware ab, die hier reibungslos eine alte Formel abspulen, die sich so eigentlich zu jedem beliebigen Zeitpunkt der vergangenen fünf Jahrzehnte ereignet haben könnte ohne aus dem historischen Rahmen zu fallen und deren weit über’m Durschschnitt agierende Songwriting-Kompetenz nicht ein einziges mal einknickt. Wie das so typisch ist in dem Genre, wird man das Gefühl nicht los, diese Songs schon vielmals zuvor gehort zu haben, aber das ist jetzt auch genau mal eines dieser Felder in denen ich mich durchaus komfortabel darin fühle, einen auf basic bitch zu machen und was wäre schon das Leben ohne jegliche Laster?

Album-Stream →

Psychic Armour – Pressure

Diese spektakläre Debüt-EP einer Band aus Montreal zieht hier einen wundersamen Trick ab und das absolut reibungslos und genau zum richtigen Zeitpunkt im kollektiven kulturellen Bewusstsein. Ultraeingängiger Punkrock, der einen Bogen spannt von klassischen ’80er Bands wie Hüsker Dü, Dinosaur Jr., Dag Nasty, Embrace, dem späteren Werk von Naked Raygun und Government Issue einerseits, hin zu lärmigen Punk- und Indie Rock-Bands des vergangenen Jahrzehnts wie etwa den frühen Milk Music, Kicking Spit, California X, Milked oder Happy Diving, wird hier fest verschweißt mit Riffs und Solos aus der ’80er Heavy Metal-Grabbelkiste, was – in Verbindung mit einer stark Dungeon-lastigen visuellen Asthetik – sicher unter anderem bei Freunden von Steröid oder Poison Ruïn auf einige gegenliebe stoßen wird, wobei sie aber im Vergleich insbesondere zum Schaffen letzterer Band eine ungleich weniger grimmige und ausgesprochen nahbare Variante abgeben.

Album-Stream →

Yacht Fire – Night Shift

Yacht Fire aus Portland haben bereits absolut gekillt mit ihrer letztjährigen Debüt-EP und ihrem gleichermaßen saucoolen, abgefuckten und ausgefuzzten Garage Punk, der zwischen maximal eingängigen und ungleich kantigeren Songs alternierte. Der kürzlich erschienene Nachfolger transportiert jetzt mehr von den gleichen Qualitäten während er subtil die bereits auf der ersten EP unterschwellig präsenten, folkigen Vibes ausbaut, ganz besonders in Run und Kiss Off, wohingegen Nod und Cigarettes ein passendes Gegengewicht liefern als rohe Detonationen des einfach gestríckten Fuzz Punk-Chaos‘ und das abschließende Werewolf perfekt die Mitte dazwischen trifft mit einem Hauch von Wipers und Dead Moon im Gepäck. Also erneut eine all-killer-no-filler-EP von einer Band, die man absolut im Auge behalten muss.

Album-Stream →

Eye Ball – Gull Songs

Eye Ball aus Toronto haben mich – und vermutlich auch sonst jeden der zugehört hat – hungrig nach mehr von ihrem Scheiß gemacht mit den zwei digitalen 2-Track-Singles im letzten Jahr, die nicht lange danach auch zu einer 4-Song-Kassette kompiliert wurden. Jetzt bekommen wir die erste volle LP an neuem Material vorgesetzt und einerseits sind Vergleiche zu so Bands wie Marked Men, Radioactivity, Sonic Avenues und vielleicht auch frühen Sweet Reaper noch durchaus zutreffend, aber da passiert noch so viel mehr unter einer im direkten Vergleich deutlich roheren, schmutzigeren Oberfläche, was sich in einer ungleich entschlosseneren Attacke entlädt. Keine Sorge, es sind immer noch reichlich Hooks und Melodien für alle vorhanden, die Platte ist randvoll mit Hits, aber es ist auch sofort klar dass da etwas unerwartetes brät wenn die Platte sofort mit der Tür ins Haus fällt in einem ziemlich Hardcore-lastigen Opener und im weiteren Verlauf häufig die Vibes von so Garage Punk-Acts des vergangenen Jahrzehnts wie Sauna Youth oder Tyvek zu channeln scheint. Der Doppelschlag aus Road Pig und Bruise for a Birthmark hingegen hat ein bisschen was von einer Cruelster-Energie und was gegenwärtige Bands angeht, musste ich immer wieder an The Dumpies denken. Hochkarätiger Scheiß, zweifellos.

Album-Stream →