Nach zwei schon sehr erfreulichen LPs in ’22/’23 trifft der dritte Langspieler dieser Band aus Hamilton, Ontario mal so richtig den Nagel auf den Kopf. Nach einem ironisch-metallischen Intro verströmt der Titelsong direkt mal spezielle Vibes á la MX-80, Chrome und Metal Urbain plus eine winzige Dosis Cramps. Im weiteren Verlauf bekommen wir durchweg Fuzz-/Garage-/Space Punk-Scheiß der ersten Wahl vorgesetzt, schräg genug um uns auf Trab zu halten aber gleichermaßen auch solide gebaut und ausgefuchst, mit dem nötigen Maß an zuckerhaltigem Ohrenschmaus obendrein, wie etwa in Corpus Earthling Meets The Counter Culture, in welchem einem bewährten und gut eingelatschten Punk-Standardriff die exzessive Fuzzpunk-Behandlung widerfährt. In anderen Momenten, besonders in den ersten paar Tracks, geht da so eine Art Hawkwind-machen-einen-auf-Hair-/Glam Metal-Schiene ab. Genauso gut kann man da drin aber auch die Fingerabdrücke eines diffusen Clusters aktueller Bands wiederfinden wie z.B. Zoids, Thee Hearses, Monoburro, Mononegatives, Mateo Manic oder Silicon Heartbeat.
Das ist ja mal wilder Scheiß von einer Band aus Tübingen. Halsbrecherisches Tempo trifft hier auf unverschämt griffige Hooks und Melodien und geht in einer rasiermesserscharfen Ästhetik auf, die sich ungemütlich verkantet zwischen den Klangwelten von gleichermaßen melodischen und exzentrischen Hardcore-Acts wie Hippyfuckers, Everyone Is Alone Sometimes, Pink Guitars einerseits, und stärker aus der Garage-/Eggpunk-Ecke kommenden Hi-Speed Punkattacken von so Bands wie The Gobs, Exwhite, Spewed Brain, Witch Piss oder 3D & The Holograms.
Brandon Monkey Fingers aus St. John’s, Kanada fühlen sich heutzutage irgendwie fehl am Platz an und ihr wisst ja, dass mich derartiger Scheiß magisch anzieht. Ihr Deütalbum bewegt sich in einem Klangspektrum irgendwo zwischen oldschooligem Fuzz Punk, ’80er und ’90er (Proto-) Grunge und Indie Rock, gewürzt mit subtilen Anklängen an den leicht sludgigen AmRep-Style Noise Rock. Vom alten Inventar könnte man z.B. U-Men und frühe Mudhoney zu den spirituellen Vorläufern zählen oder das rohere Ende des Sebadoh-Spektrums. In jüngerer Zeit wiederum würde ich etwa Dog Date und Hellco als mögliche Referenzen anführen, außerdem frühe Pale Angels oder vielleicht auch eine weniger euphorische, melodieverliebte Variante von California X. Darth Vader’s Boner hat einen Vibe nicht ganz unähnlich zu den Garage-/Noise Rock-Hybriden von The Cowboy und Flat Worms. H.M.P. klingt ein wenig als würden jüngere Noise Rocker wie Metz, John (timestwo), Greys oder Vangas mit psychedelischen Folk-Einflüssen á la Angst verquirlt. Norbit hingegen steuert mit so einiger Dinosaur Jr.- und Cloud Nothings-mäßiger Energie unter der Haube auf einen melodisches Finale á la ’90er Weezer zu.
Diese Band (oder Soloprojekt?) aus Chile hat da gerade mal eine arschtretende EP rausgehauen mit simpel-effektiven Garage Punk-Knallern die irgendwie prädestiniert wirken für einen Release auf Goodbye Boozy (ich sage nicht, dass es so passieren wird… nur dass es passieren sollte!), wo das Zeug sehr komfortabel seinen Platz finden würde zwischen so Krawallbands wie 208, Zoids und Silicon Heartbeat.
Was soll ich denn hier noch neues erzählen zu einer neuen Gobs-EP? Es sind halt die motherfuckin‘ Gobs! Wenig andere Bands haben ihre Formel für gleichermaßen dummen, überdrehten und abgefuzzten Lo-Fi Garage- und Synth Punk-Wahnsin perfektioniert wie diese Band aus Olympia, Washington. Die operieren weiterhin in ihrer ganz eigenen Gewichtsklasse.
Die neueste in einem, um es mal ganz platt zu sagen, absolut undurchdringbaren Dickicht an Veröffentlichungen, die sich über die letzten paar Jahre auf der Bandcamp-Seite dieser Band akkumuliert haben, liefert ein farbenfrohes Spektakel kurzer und eingängiger Tunes mit einer maximalen Spielzeit von genau einer Minute. Vierzig Songs werden hier in deutlich unter einer halben Stunde abgefeuert irgendwo zwischen den Koordinaten von Garage Punk, Power Pop, oldschooligem Indie Rock und Fuzz Punk. Ziemlich eindeutig weht hier die Fahne alter DIY Punk- und Indie Rock-Helden wie den frühen Guided By Voices, Fastbacks und M.O.T.O, gleichermaßen bietet sich aber auch ein bunter Strauß jüngerer Bands als Vergleiche an, etwa Booji Boys, Print Head, Vaguess und Datenight.
Die neueste LP des Garage-/Synth-/Eggpunk-Bollwerks aus Sydney ist eigentlich mehr eine Sammlung diverser Krümel, Demos und Überreste, die über die Jahre auf dem Proberaumboden liegen geblieben sind. Aber meine Fresse… wenn das hier das B-Material dieser Band repräsentiert, dann lecke ich auch noch bereitwillig den C-Bodensatz vom leeren Fass auf. Das hier ist nämlich mal wieder eine brilliante Platte von Anfang bis Ende und Pflichtprogramm für Freunde der melodischen Fluffigkeit zwischen den Welten von Garage Punk, Fuzz- und Power Pop, all killer no filler!
Wo ich gerade schon Deluxe Bias erwähnte… hier ist die neueste Kassette von vernachlässigbarer Spielzeit auf jenem genau auf diese eine Sache spezialisierten Label aus Wyoming. Ein weiterer komplett gegen die Wand gefahrener Anschlag auf die Sinne der irgendwo an der Grenze zwischen ultra-rohem Lo-Fi Fuzz-, Garage- und Egpunk operiert. Die sich daraus entfaltende, prächtig funkelnde Unzucht könnte man halbwegs plausibel als eine absurde Mischung etwa aus Print Head, Warm Bodies, Snooper und Fugitive Bubble beschreiben.
Saustarkes Debüt von dieser Band aus Athens, Georgia, die darauf eine Salve abgefuzzter Projektile an der Schnittstelle zwischen gleichermaßén Hardcore- und KBD-lastigem Garage Punk abfeuert. Einersatz erinnert das manchmal an den Output von so Noise-geladenen Bands á la Lumpy and the Dumpers, Soupcans und Black Button, würde andererseits aber auch nahtlos in das Programm der LoFi-Spezialisierten Kassettenlabels Impotent Fetus und Deluxe Bias passen und zu Bands wie Septic Yanks, C-Krit, frühen Electric Chair, Exxxon und Motor Corp, deren scheppernd-chaotischer Energie sie doch recht nahe kommen.
Zwei neue Veröffentlichungen sind hier diese Woche reingerollt, die mit ganz unverblümt oldschooliger Ästherik hantieren und beide überzeugen auf etwas unterschiedliche Art und Weise. No Brains aus dem niederländischen Utrecht präsentieren eine kompromisslos geradeaus gehende Mischung aus zeitlosem Garage Punk und vage KBD- und Hardcore-verwandten Geräuschkulissen der frühen ’80er Jahre. Das bewerte ich mit 0/10 Sternchen für Originalität und 20/10 Sternchen für unnachgiebigen Druck und Energie. Ergibt gemittelt 10/10 Punkte. Du siehst das anders? Pfft, die Mathematik gibt mir Recht. Komm drauf klar. Ebenfalls reichlich Garage-Action hat die brandneue EP der Kalifornier The Celebrities aus dem US-Garagenbollwerk Total Punk Records im Gepäck, wenn auch mit einem stärkeren Powerpop- und ’77-Vibe. Etwas relaxter im Tempo, ist das nichts desto trotz ein Bündel einwandfrei spaßiger Tunes mit einer starken Dead Boys-meet-Dickies-Energie unter der Haube, ein exquisiter Zuckerrausch der sich, zugegeben, manchmal ganz schön käsig zu werden traut aber dankenswerterweis wird das jederzeit mit meisterlich gearbeiteten Wänden aus Fuzz gekontert. Ich geb dem 11/10 Punkte für den Glamour und die Starpower. Tja, Mathe halt. Kannste nix machen.