Und hier kommt gleich noch so eine arschtretende 7" aus dem Hause Goodbye Boozy Records. Darauf lassen Autobahn aus Leipzig eine ausgesprochen oldschoolige Hardcore-Attacke vom Stapel, gefolgt von einem verwinkelten Garage Punk-Hit mit einer unterschwelligen Southern Rock-Kante. Und wo wir schon vom Süden reden: Letzteres ist genau die Garage-Subnische, die seit geraumer Zeit auch Elvis 2 für sich in Beschlag genommen haben und hier liefern zwei neue Songs der australischen Garage-/Fuzz Punk-Formation mehr von dem süchtig machenden Scheiß, der uns um Nachschub betteln ließ so ziemlich von dem Moment an, als ihre erste digitale Single bei Bandcamp auftauchte - eine Elvis 2-förmige Lücke im Herzen, in der auch nach der kürzlich erschienenen Debüt-LP noch reichlich Platz vorhanden ist.
Ich finde das ist mal absolut brillianter Scheiß, dieses Demo einer New Yorker Band. Die charmant rustikale Lo-Fi-Ästhetik der Aufnahmen vermag es dabei nicht im geringsten, die offensichtlichen Qualitäten ihrer so eingängigen wie auch schlagkräftigen Herangehensweise an Fuzz- und Garage Punk zu verschleiern, die eine starke Note von Wipers-meet-KBD-mäßigen Vibes verströmt und darüber hinaus etwas von einem Saints-, Buzzcocks- oder Dead Boys-Flair hat. Aber noch mehr passiert hier unter der Haube, schält sich z.B. bei näherer Betrachtung doch auch eine leichte Ahnung von Southern Rock heraus, wie wir sie neulich etwa auf der Elvis 2 LP gehort haben, während die kraftvolle, tighte Darietung und das angepisste Gebelle des Sängers mir australische Bands im Umfeld von Split System und Punter ins Gedächtnis rufen. In einigen Momenten könnte man auch plausible Vergleiche ziehen zu dem fieberhaften Post Punk von Nervosas oder dem roheren Ende des Booji Boys-Spektrums.
Der Garage Punk-Scherzbold Robbie Thunder aus Newcastle, Australien ist und bleibt eine durchweg charmante Angelegenheit auf seiner siebten LP in gerade mal etwas über zwei Jahren und mein lieber Herr Gesangsverein, hat er darauf einen neuen Level erreicht mit seinen ausgesprochen simpel gestrickten, minimalistischen und geringfüfig Ramones-ifizierten Punksmashern der Fuzz-intensiven Machart in einem konstanten Feuerwerk aus Hits. Wo frühere Veröffentlichungen sich streckenweise noch etwas eintönig und ermüdend anfühlen konnten, treffen diese zehn Songs eine perfekte Balance aus einem vertrauten Sound, ausreichend viel Abwechslung und bestechender Küze - die Laufzeit von knapp 15 Minuten erscheint mir als die perfekte Dauer für so einen knusprigen kleinen Kartoffelchip von einer Platte wie dieser.
Drei unglaubliche (und auch hier noch einmal vertretene) Tracks, die über die letzten anderthalb Jahre verteilt tröpfchenweise auf Bandcamp angesickert kamen, machten schon ausgesprochen hungrig auf mehr von dieser Band aus Melbourne und ich freue mich mitteilen zu dürfen dass ihre erste (mini-) LP den hohen Erwartungen mehr als gerecht wird. Was Steröid mit dem Metal der '80er Jahre tun, das zelebrieren Elvis 2 in ähnlicher Form mit '70er Hard- und Southern Rock plus verwandten Dad Rock-Vibes und transformiert den ganzen Salat in eine nur geringfügig Eierpunkige, maximal Fuzz-verseuchte Ästhetik aus ultraeingängigem Garage Punk und Power Pop mit einem ungewönlichen Händchen für infektiöse Gitarrenleads - eine unaufhaltsame Welle aus mitreißenden Riffs, widerstandsfähigen Hooks und hartnäckigen Ohrwürmern, die auf eine unwahrscheinliche Art einige der Tugenden von, sagen wir mal, den frühen Sheer Mag EPs mit jüngeren Garage Punk-Zeiterscheinungen á la Satanic Togas verbindet.
Diese Band aus Evesham, New Jersey hat sich bereits eine sehr substanzielle Bandcamp-Diskografie aufgetürmt, aber verdammt, ist das das hier mal ein massiver Qualitätssprung auf ihrer neuesten LP. Darauf schichten sie eine dichte Wand aus eingängigem Noise Pop und Fuzz Punk auf, irgendwo zwischen so Acts der Nuller- bis 2010er Jahre á la Milk Music, Male Bonding und No Age einerseits und andererseits Dinosaur Jr. der goldenen Ära in den '80ern, aber mit dem spezifischen Unterschied, dass hier wirklich jeder Song weniger die introvertierte Nasalität von J Mascis zu channeln scheint als das verzweifelte Geschrei Lou Barlows im wütenden Rauswerfer-Track der Bug LP, Don't. Darüber hinaus geht da auch schon mal ein wenig frühe My Bloody Valentine-Action ab etwa in Boy Christening, wohingegen Mark Prindle einen Vibe von The Wedding Present mitbringt, die hier aber in eine ausgebombte Post Punk-Hölle tansplantiert werden.
Ooo-kay, das hier soll also das neue Projekt von einem alten britisch-amerikanischen Sack sein aber ehrlich gesagt bin ich ziemlich skeptisch, dass man irgendetwas von dem glauben schenken sollte, was auf ihrer Bandcamp-Seite geschrieben steht. Aber wie auch immer, der Krempel schreddert ausgezeichnet. Das ist ein schön noise-verseuchtes, abgefuzztes Konzentrat aus Garage- und Post Punk mit einem subtilen Zusatz von '90er Indie Rock und altem britischen DIY. Freunde von noch gar nicht so uralten Bands wie Shark Toys, Tyvek, Parquet Courts oder frühen Cloud Nothings werden dem bestimmt nicht abgeneigt sein.
Diese zweite EP von Esmé Newman aka Glitter On The Mattress aus Gateshead, England besticht mit vier perfekt überzuckerten Häppchen aus oldschooligem Noise-/Indie-/Fuzz Pop, die eigentlich nur ein bisschen Bandrauschen bräuchten um mich davon zu überzeigen, es handele sich um ein vergessenes Artefakt der '80er Kassettenkultur. Gleichsam hat das aber auch einiges gemeinsam mit Bands der vergangenen zwei Jahrzehnte wie Feature, UV-TV, Private Lives, Slowcoaches, Star Party, frühe Vivian Girls oder neulich auch das indonesische Wunder Crayon Cats. Keine Frage, unprätentiöser, fuzziger DIY Pop ist auch in dieser Ära bei bester Gesundheit.
Die neueste LP von so einem Typen aus Elkhard, Indiana serviert eine ausgesprochen altehrwürdige, simple Formel in durchgehend hochwertig abgefuckter Ausführung, die sich irgendwo zwischen den Welten von Garage- und Hardcore Punk aufhäit und obendrei ein paar KBD-mäßige Exzentrizitäten an Bord hat plus Sprengsel von Synth-/Electro Punk etwa in Vacant. Der simple Trick, die Sinne mit einer dicken Patina aus überbelichtetem Noise und Fuzz zu überladen geht hier super auf und dass dann noch so unerwertet eingängige, hochentflammbare Ohrwürmer wie Not A Toy mit an Bord sind schadet dabei sicher auch nicht. Macht zusammen zwanzig Minuten von geringfügig Lumpy & The Dumpers-mäßigem Chaos, das gleichsam aber auch eine gewisse Verwandtschaft hat zu aktuelleren Bands wie Small Portions, Yacht Fire, Dick Hick, Power Shovel und Delta 8.
Dieses nette neue Tape von so 'nem Vogel aus Liecester, UK sagt mir ganz unverschämt zu mit seiner komplett ausgebrannten Klangästhetik, die hektisch pendelt zwischen schön rumpeligen Hardcoreparts und stärker Richtung Garage tendierendem Fuzz Punk, was fast schon so einen alten Lumpy and the Dumpers-Vibe heraufbeschwört. Musik in meinen Ohren!
Was dieser Typ aus Chico, Kalifornien auf seiner Debüt-EP abzieht lässt sich am besten beschreiben als ein angenehm antiquiert wirkender Ausbruch des melodischen Lärms, bestehend einerseits aus dem Fuzz Punk von Bands der späten Nullerjahre und frühen 2010er wie z.B. Wavves, Male Bonding und frühe Terry Malts, aber gleichermaßen auch durchtränkt von einer gewissen Art der Surf-infizierten Psychedelia ungefähr aus der gleichen Ära, nicht unähnlich zu Bands wie Crystal Stilts oder Fresh & Onlys.