Nasti – Big Achievements

Nasti - Big Achievements

Ein bren­nen­des Ener­gie­bün­del aus räu­di­gem Hard­core­punk, einem gewis­sen Post­core-Anteil und einem herz­haf­ten Noise-Nach­bren­ner ist der erste Lang­spie­ler von Nasti aus Seat­tle. Im Bol­ler­mo­dus, der hier domi­niert, tre­ten sie schon sehr beacht­lich Popo. Aber die eigent­li­chen Glanz­stü­cke des Albums sind in mei­nen Augen die im Tempo gedros­sel­ten Songs Stale und Atro­phy, bei denen sich die Band sti­lis­tisch etwas wei­ter aus dem Fens­ter lehnt.



Album-Stream →

Luxury – Blue Wates /​ Two Swans

Luxury - Blue Wates / Two Swans

Schi­ckes Teil, die digi­tale Debütsin­gle von Luxury aus New­castle. Halb­wegs kon­ven­tio­nel­len, aber auch mehr als grund­so­li­den Post­punk kann man dar­auf ver­neh­men. In etwa das, was ich mir von der letz­ten Puri­tans 7″ gewünscht hätte.

Michael Beach – Gravity/​Repulsion

Michael Beach - Gravity/Repulsion

Ich bin gerade etwas über­wäl­tigt von emo­tio­na­len Kraft die­ser Platte. Von der ergrei­fen­den Melan­cho­lie, dem rei­nen, gro­ßen Herz die­ser Songs. Die­ses Jahr war nicht arm an guter Musik, aber es ist echt lange her, dass mich ein Album so bewegt hat. In Zei­ten des post­mo­der­nen, iro­nisch von sich selbst distan­zier­ten Rock’n’Rolls, des­sen Seele sich meist nur auf einer ver­schwur­bel­ten Meta­ebene offen­bart, ist der grund­ehr­li­che und voll­kom­men uniro­ni­sche, den­noch beschei­dene und nie­mals prä­ten­tiöse Indie Rock von Michael Beach ein uner­war­te­tes und wert­vol­les Geschenk. Musik, die in jeder Hin­sicht am Zeit­geist vor­bei geht, der das abso­lut bewusst und glei­cher­ma­ßen scheiß­egal ist.

Michael Beach kommt aus Mel­bourne und ist man­chen viel­leicht auch als Sän­ger und Gitar­rist der viel lau­te­ren Band Sho­vels bekannt. An die­ser Stelle ist er vor län­ge­rer Zeit schon mal mit sei­nem drit­ten Album Gol­den Theft auf­ge­fal­len, das schon einige große Momente hatte, aber auch sehr frag­men­tiert wirkte, unent­schlos­sen zwi­schen folk­i­gen Ame­ri­cana-Ein­flüs­sen und klas­si­schem Indie­rock oszil­lierte. Dass wir es mit einem begna­de­ten Song­wri­ter zu tun haben, mach­ten des­sen Höhe­punkte aber schon endrucks­voll klar.

Das neue Mini­al­bum Gravity/​Repulsion wirkt da mehr wie aus einem Guss und zele­briert eine Form von Indie­rock, die schon lange aus­ge­stor­ben scheint. Auf’s Wesent­li­che redu­ziert, auch in der Lauf­zeit. Gerade mal fünf Songs, plus drei instru­men­tale Inter­lu­des. Aber diese fünf Songs sind ein­fach bril­li­ant, gehö­ren in ihrer Besin­nung auf die klas­si­schen Song­wri­ting-Tugen­den zu den beein­dru­ckends­ten Stü­cken Musik, die mir die­ses Jahr begeg­net sind.

An irgend­et­was erin­nert mich das die ganze Zeit. Die Musik löst ein star­kes Deja Vu aus, zu einem Moment, den ich ein­fach nicht zu grei­fen ver­mag. Ich habe die letzte Stunde damit ver­bracht, danach zu suchen. Bin gedank­lich alles durch­ge­gan­gen, was mich musi­ka­lisch geprägt hat. Mein digi­ta­les Musik­ar­chiv sys­te­ma­tisch durch­fors­tet, auf der Suche nach der Platte, die irgend­wann etwas ähn­li­ches in mir aus­löste. Aber alles was ich finde, sind ein paar Bits and Pie­ces. Hier und da fin­det man eine vage Ver­wandt­schaft zu Uncle Tupelo, den spä­te­ren Repla­ce­ments, folkig ange­hauch­ten Power­pop­pern wie Buf­falo Tom oder den Lemon­heads. Fet­zen von Neil Young, Gui­ded by Voices oder 90er Dino­saur Jr, Anklänge an Bowie und Reed. Alles eher hin­kende Ver­glei­che und ich ver­su­che immer noch den Code zu kna­cken.

Aber viel­leicht ist es genau die­ses Gefühl, das diese Songs trans­por­tie­ren. Der Gedanke, etwas altes, etwas lieb­ge­won­ne­nes ver­lo­ren zu haben. Und ums ver­re­cken nicht zu wis­sen, was es ist. Plötz­lich ist da eine Melo­die in dei­nem Kopf. Oder ein ver­schwom­me­nes Bild, ein Zitat oder ein­fach eine selt­sam bekannte, aber nicht defi­nier­bare Emo­tion. Ganz klar zapft es dein Unter­be­wusst­sein an. Aus uner­klär­li­chen Grün­den fühlst du eine Eupho­rie, einen Schmerz, wirst ruhig oder auf­ge­wühlt. Nicht von unge­fähr han­delt der viel­leicht schönste Song von Freund­schaft und Ver­gäng­lich­keit. Lang­fris­tig ver­ges­sen wir alles. Auch ohne den gro­ßen Aha-Moment bin ich dank­bar, dass die Musik mit einen ver­ges­se­nen Teil mei­ner Per­son reso­niert. Mit Sicher­heit die schönste Platte die­ses Jah­res.



Album-Stream →

Upper Wilds – Guitar Module 2017

Upper Wilds - Guitar Module 2017

Das lau­teste Popal­bum die­ses Jah­res kommt von einem New Yor­ker Pro­jekt. Dahin­ter steckt nie­mand weni­ger als Dan Friel, einst­mals Sän­ger, Gitar­rist und Elek­tro­schrau­ber bei den Psych­de­lic-Synth-Noi­se­pop­pern Parts & Labor. Gui­tar Module 2017 hat er noch im Allein­gang ein­ge­spielt, aber inzwi­schen sind Upper Wilds eine rich­tige Band. Hier mach Friel so ziem­lich alles, wofür man P&L in der Ver­gan­gen­heit lieb­ge­won­nen hatte, nur viel mehr davon. Der Lärm der frü­hen Alben trifft auf die eupho­ri­schen Melo­dien und den Psy­che­de­li­schen Unter­ton der letz­ten zwei Lang­spie­ler. Zu den über­le­bens­gro­ßen, fast schon ins absurde über­höh­ten Gitar­ren­wän­den gesel­len sich hier ebenso derbe ver­zerrte Drum-Sam­ples und über­haupt sind Upper Wilds noch viel, viel lau­ter als Parts & Labor es jemals waren. Men­schen die weder Lärm noch Melo­dien mögen, rate ich nach­drück­lich vom Genuss die­ser Platte ab.



Album-Stream →

Powerplant – Dog Sees Ghosts

Powerplant - Dog Sees Ghosts

Schöne Debüt-EP einer Lon­do­ner Band, die dar­auf einen ange­nehm kaput­ten, halb­wegs pri­mi­ti­ven Garage-/Syn­th­punk-Hybri­den fabri­ziert. Das klingt etwas nach einer Mischung aus Digi­tal Lea­ther und Aus­mu­te­ants, ver­fei­nert (oder eher: ver­grö­bert) mit einer Spur von Gior­gio Mur­de­rer.



Album-Stream →

Tongue Party & USA Nails – Split 7″

Tongue Party & USA Nails - Split 7"

Eigent­lich bin ich ja kein gro­ßer Freund die­ser Spiel­art von Noise Rock, die sich über­wie­gend aus dem stark begrenz­ten Pool von aus­ge­lutsch­ten Sludge- und Stoner-Riffs bedient. Eine beson­ders ener­gi­sche Per­for­mance kann aber so eini­ges wett­ma­chen und Tongue Party aus Min­nea­po­lis wis­sen eine sol­che zu lie­fern. Ganz nett, das.
Abso­lut über­ra­gend finde ich hin­ge­gen die bei­den neuen Songs der Lon­do­ner USA Nails. Die zei­gen eine Band, die sich nach drei Alben immer noch kon­stant wei­ter­ent­wi­ckelt und neue Ideen in ihre Musik ein­bringt; beide Songs klin­gen wie­der mal etwas anders, als man es bis­her von der Band kannte. In I am the Things I Buy fin­det man hin­ter der Nebel­wand aus Noise ein unge­wohnt melo­di­sches Fun­da­ment vor; I am not the Things I Buy spielt dann äußerst geschickt mit Ele­men­ten von Math Rock und ver­schwur­bel­ten Post­punk-Groo­ves.


Album-Stream →

Splutter – Songs From The Cultural Gulag

Splutter - Songs From The Cultural Gulag

Das Demo der Band aus Man­ches­ter hat ja schon sehr ordent­lich in die Scheiße gehauen, auf der neuen digi­ta­len Sin­gle hat ihr Sound aus Fuzz und Garage aber noch eini­ges an Kon­tur und Druck gewon­nen. So ähn­lich würde ich mir eine tech­nisch etwas ver­sier­tere Vari­ante von Lumpy and the Dum­pers vor­stel­len.

No Sister – Romantic Notion

The Second Floor erscheint am 14. Novem­ber.