Yacht Fire – Yacht Fire

Die Band aus Portland entzückt auf ihrer Debüt-EP mit einem mühelos coolen Sound zwischen Garage- und Fuzz Punk, der sich abwechselt im Spektrum von melodischen Noise Pop-Songperlen die etwa an primitivere Varianten von frühen No Age, Terry Malts, Male Bonding, Why Bother?, The Wind Ups oder Deletions erinnern, sowie zwei noch mal deutlich simpler gestrickten Brocken die mich an Buck Biloxi, Lumpy and the Dumpers, Giorgio Murderer, Bart and the Brats und diesen Zhoop/Djinn/Feed/etc-Hansel denken lassen. Den Abschluss macht ein netter Akustik-Song, der sich ebenfalls keine Blöße gibt.

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The Unfit – Disconnected

Wo die durchschnittliche Band des 12XU-kompatiblen Spektrums doch eher dazu tendiert, ausgefeilter und feingeistiger zu werden bis sie anfängt zu saugen, scheinen The Unfit aus Seattle genau den umgekehrten Weg einzuschlagen und immer simpler und primitiver zu klingen bis sie vermutlich auch irgendwann ziemlich saugen werden. Aber aktuell sind sie davon noch weit entfernt und der Scheiß entfaltet seine Wirkung ganz vortrefflich, auch wenn – oder auch gerade weil – ihre fuzzigen Garage- und Post Punk-Tunes stellenweise auf ein geradezu Feedtime-mäßiges Level an monoton-repetitiver simplizität heruntergekocht werden.

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Time Room – Like A Dream?

Diese Band aus Minneapolis deckt ein interessantes Klangspektrum ab auf ihrer neuesten EP, von der kräftigen Fuzz Punk-Attacke in Like A Dream? über den Math- und Noise Rock-angehauchten Post Punk von Yeehaw! zum vergleichsweise geradeaus gehenden Garage Punk in Saved, woraufhin dann der abschließende Track 5678 unerwartet zu einer Art vernebelten Space Rock-Jam abdriftet. In unterschiedlichen Momenten erinnert mich das an einen recht vielseitigen Haufen von Bands wie etwa frühe Rolex, Cutie, Shark Toys, Reality Group, The Cowboy und Big Bopper.

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Scud – Brain

Der Nachfolger zur exzellenten, auf Automobile hyperfixierten EP aus dem letzten Dezember strafft und optimiert mal ganz deutlich das strukturelle Fundament der Songs dieser Punks aus Melbourne und diversifiziert gleichzeitig ihr musikalisches Spektrum, was in einem stärkeren Post Punk-Vibe resultiert und gleichsam auch klar ihrer lärmigsten und wuchtigsten Attacke bisher, selbst dann wenn sie wie in TV Screen zu einem midtempo Post Punk-Jam ansetzen, wohingegen der Rausschmeißer Tough Cunt noch einmal viel von der Hardcore-Energie mitbringt, die das frühere Schaffen der Band prägte. Wie auch immer, mich erinnert das an so viel großartiges aus dem letzten Jahrzehnt und mitunter an so Bands wie Romance, Vexx, Cel Ray, Gen Pop, Warp, Downtown Boys, Fugitive Bubble und Warm Bodies, um nur ein paar zu nennen… und vielleicht auch eine leise Ahnung von den alten australischen Noise Rock-/Post Punk-Haudegen Fungus Brains? Explosiver Scheiß ist das auf jeden Fall!

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The Shield – 24

Wow, ist das mal eine fantastische Debüt-EP von einer Band aus Philadelphia, die sich darauf mit einem erdigen, dissonanten und mittelgradig exzentrischen Mix aus Art- und Post Punk zu schaffen macht. Das monotone, no wave-mäßige Geschrammel des Openers The Shield lässt dabei an den Minimalismus von Shop Regulars oder Honey Bucket denken, während Green Man mehr von einem früh-’80er The Fall-Vibe mitbringt und weitere Ähnlichkeiten etwa zu den Stadtnachbarn Toe Ring und B.E.E.F. 39X hat. Die Bösen Grooves in Gangstalker hingegen halten eine empfindliche Balance aus Dissonanz und Eingängigkeit und channeln damit eine etwas stacheligere Inkarnation von Lithics, gekoppelt mit so einiger dissonanter Glenn Branca- und ’80er Sonic Youth-Gitarrentextur, wie wir sie vor nicht allzu langer Zeit etwa von Self Improvement gehört haben.

Beef – Il Manzo

Der Nachfolger zur tollen letztjährigen EP der Band aus Cincinnati, Ohio versucht gar nicht zu fixen was nicht kaputt ist und liefert stattdessen einfach kurzangebunden vier neue Schläge von dem gleichen großartigen Scheiß ab, der sich aus Elementen von Noise Rock, Post-, Garage- und Synth Punk zusammenfügt und mich auf die eine oder andere Art an so unterschiedliche Bands wie Busted Head Racket, Brandy, R.Clown, ISS, Spyroids and Knowso, De()t, Toy Brigade oder Nervous Tick and the Zipper Lips erinnert.

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Jëg Hüsker – My Dawn

Nach der schon äußerst neugierig machenden Teaser-EP von einigen Wochen bekommen wir jetzt endlich das Langspieldebüt der Dungeon Punk-Zauberer aus Karlsruhe in voller Länge zu hören und meine Fresse, fegt das mal alles weg! Die Mischung aus Neuaufnahmen von Songs, die bereits vom letztjährigen Demo geläufig sind und absolut ebenbürtigem neuem Material wird hier zu einem atemlosen Ritt verwebt, dessen maximal schmuddelige und verhallte, zwischen lo- mid-fi rangierende Produktion, die ein bisschen so klingt als hätte man Dreck in irgendeinem Parkhaus aufgenommen, hier einfach so perfekt sitzt wie Arsch auf Eimer. Da gibt es tonnenweise funkelnder Psychedelia zu verorten im Opener Locket, simple und primitive Protopunk-Energie in Tear It Up, während Songs wie As Loud As Me und My Dawn mit unerwartet melodischen Lichtblitzen daherkommen, was im letzteren Fall durchaus etwas an die frühen The Men erinnern mag. Den Kontrast dazu setzen die beiden Hardcore-meets-Motörpunk-Attacken in Give Me Beat und All This Heat sowie die oldschool Sabbath-Überreste, die sie etwa in Suppression mit einer guten Ladung an Space Rock-Exzess á la späte Destruction Unit verschweißen. Die Dungeon Punk-Hymne Fomo Boy hat natürlich immer noch die gleiche Zerstörungskraft wie wir sie auf dem Demo erlebt haben und der darauf folgende neue Track Inte Mer Hem folgt ganz nahtlos in dessen Fußstapfen. Fickt mich, geht die Scheiße ab!

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Orchid Club – Orchid Club

Die Debüt-EP der Band aus Minneapolis betritt die Bühne mit einer bereits voll ausgeformten und realisierten Vision, die liebevoll gewisse Stränge des unkonventionellen ’80er bis ’90er US Postcore und -punk aufgreift und wiederaufleben lässt. Lap It Up tritt die Sache los mit so einer Art von ’90er AmRep-meets-Touch&Go-Flickenteppich, der aber dann plötzlich eine Wendung nimmt zu stärker Dischord-mäßigen Soundscapes, die insbesondere Rites Of Spring und frühe Nation Of Ulysses ins Gedächtnis rufen. Über Untitled / Back Inside schwebt klar der Geist etwa von Mission Of Burma, Wipers, Moving Targets und Volcano Suns mit einem subtilen Unterton von Bitch Magnet, bevor das ganze wiederum nahtlos in einer Orgie des Angst- und Dinosaur Jr.-mäßigen, leicht folkigen Geschrammels aufgeht. Freak Disease sitzt dann irgendwo zwischen den Stühlen von grunge-lastigem ’90er Alternative Rock (oder fast schon: Cock Rock) und gewissen Postcore-Stilblüten, die man sonst irgendwo am langsameren Ende der Output-Skala von so Bands wie Drive Like Jehu, Jawbox oder 90er Gray Matter erwarten würde. Life Takes Time hat wieder diesen starken Burma-Vibe aber ich kann gleichzeitig auch nicht anders, als mich an so Zeug wie Really Red und frühe Saccharine Trust erinnert zu fühlen.

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Rider/Horse – Matted

Was vor ein paar Jahren zuerst seinen Lauf nahm als ein Duo angeführt von Spray Paint’s Corey Plump, ist jetzt zu einem vollen Band-Lineup angewachsen und markiert einen weiteren Schritt der New Yorker zu einer etwas luftigeren und organischen Klangästhetik, die auch mehr noch als die zwei bisherigen Platten an Plump’s alte Band erinnern, besonders an die elektro-lastige späte Phase. Dabei bleibt es aber keineswegs bei einem faulen Aufguss vergangener Zeiten, sondern sein patentiert dissonantes Gitarrenspiel vermengt sich hier auf eine einzigartig natürliche Art mit einer Fülle an sowohl organischen als auch elektronischen Sounds zu einer Ästhetik, die einerseits starke Industrial-Vibes versprüht, dabei aber paradoxerweise auch immer eine erstaunlich warme und verspielte Qualität aufweist.

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Gay Cum Daddies – Parrots Realm

Selbst im Angesicht von so ziemlich allem was jenes lose Musiker-Kollektiv rund um das New Yorker Label Decoherence Records bislang so verbrochen hat, stachen Gay Cum Daddies immer noch deutlich heraus als besonders sprachlos machende Botschafter des Chaos und Unheils. In gewisser Art und Weise ist die neueste LP jetzt auch fast genau das, was man von dieser Band inzwischen erwarten kann, nämlich einen sperrigen Bastard des No Wave-verseuchten Lärms, der jedoch aller chaotischen Kakophonie zum Trotz keineswegs nach reinem Zufallsprinzip klingt. Nein, mehr als je zuvor erscheint mir die Band auf dieser Platte jederzeit hundertprozentig in Kontrolle ihrer unkonventionellen Klangkonstrukte und positiv nervtötenden Jams, die niemals auch nur den geringsten Zweifel daran aufkommen lassen, dass diese Typen einen Masterplan haben. Sicher, einen sehr seltsamen, verschlungenen und verschlüsselten Plan, aber nichtsdestotrotz einen Plan. Hat man sich erstmal daran gewöhnt, kommt es einem vor wie das unerhörteste, schockierendste Ding wenn in Ribboning Boulder Hands Over Data doch tatsächlich mal ein erkennbarer 4/4-Takt vorherrscht, für 30 Sekunden oder so…

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