Nourishment – Coiled Cross

Das passiert mir immer wieder: Da hab ich mir vor so zwei Wochen doch ein Loch in den Bauch gefreut anlässlich einer neuen Nourishment EP, nur um dann kein Bookmark zu setzen und die Sache in der unnachgiebigen Flut an Veröffentlichungen der letzten Wochen aus dem Auge zu verlieren. Nu ja, jetzt fällt mir das Ding wieder ein und die Klangparameter darauf unterscheiden sich nicht allzu sehr vom Erstling dieser Blackened-/Dungeon Punk-Band von unspezifischer US-Herkunft, wenn auch die Produktionswerte hier moderat erhöht wurden. Wie zuvor schon begeistert die Platte mit einem eigentümlichen Spin auf das Genre, der sich großzügig an Einflüssen aus düster Goth-lastigem Post Punk und oldschooligem Death Rock bedient.

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Nourishment – Nourishment

Hochwertiges neues Dungeon Punk-Material kommt da von einer mysteriösen Band, die aus irgendeinem unspezifizierten dunklen Wald in den vereinigten Staaten operiert. Ihre Herangehensweise an den ganzen „blackened“ Punk-Komplex attackiert das Genre von einem stark Richtung Post Punk und Goth-/Death Rock tendierenden Winkel aus und verkleidet dabei ihre voll ausgeformten und durchdachten Songstrukturen in einer wunderbar abgefuckten LoFi-Ästhetik, die mich an einen kleinen Strauß halbwegs aktueller Genre-Vertreter wie etwa Conifère, Unsheather und Bloody Keep erinnert.

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Cryptic Rot – Demo

Das exzellente 2-Song-Demo dieser Band aus Philadelphia macht mich jetzt schon süchtig nach mehr. Head Full Of Glue ist ein wunderbar stacheliger Klumpen des Dungeon-mäßigen Blackened Hardcore-Lärms mit vagen Ähnlichkeiten zu Bands wie Piss Wizard, Dick Hick und Jëg Hüsker, verpackt unter einer dicken Schicht des weißen Rauschens. Der zweite Track Stone Fruit ist sogar noch besser – ein vergleichsweise klarer Sound spült hier noch viel mehr beunruhigendes an die Oberfläche in einem post-punkigen Klangbild, das ganz ohne Not die ästhetischen Grundparameter von Egg- und Dungeon Punk zu einer funktionstüchtigen Einheit verwebt. Unter anderem bin ich mir sicher, dass etwa Freunde der zuletzt bei ETT erschienenen Molbo-Compilation auch hier dran ihren Spaß haben.

Dick Hick – Evil Music !!!

Horror-/Dungeon-affiner Garage Punk aus Houston. Ausgebombt, moderig riechend und ausgesprochen grob, erinnert mich dieser Scheiß an so Größen wie frühe Strange Attractor, Neo Neos, Lumpy & The Dumpers, Stinkhole und Research Reactor Corp. Alles davon klingt wie Musik in meine Ohren, auf jeden Fall mehr als was du vermutlich gerade hörst.

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Conifère – L’Imp​ô​t du Sang

Ein hochwertiges Dungeon-Artefakt kommt da angerollt von einer Band aus Montreal, die hier einen unglaublichen Sprung vorwärts macht von ihrem noch stärker in einem oldschooligen Black Metal-Purismus verankerten ersten Tape hin zu einem stärker Punk-lastigen, ambitionierten Unterfangen, das auch sehr putzig in eine Reihe passt mit jüngeren Erscheinungen der primär schwarzmetalligen Unterkategorie des Dungeon Punk-Umfelds, insbesondere der jüngsten Bloody Keep LP und weiteren Bands wie Warlock Corpse oder den blackened Synth Punks Dr​ý​sildj​ö​full, wobei Conifère ihren epischen Kreuzzügen aber ein ganz eigenes Geschmäckle verpassen in der Form von spät-’90er Post- und Emocore-Unterströmungen, von denen diese Kassette durchzogen ist.

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Jëg Hüsker – My Dawn

Nach der schon äußerst neugierig machenden Teaser-EP von einigen Wochen bekommen wir jetzt endlich das Langspieldebüt der Dungeon Punk-Zauberer aus Karlsruhe in voller Länge zu hören und meine Fresse, fegt das mal alles weg! Die Mischung aus Neuaufnahmen von Songs, die bereits vom letztjährigen Demo geläufig sind und absolut ebenbürtigem neuem Material wird hier zu einem atemlosen Ritt verwebt, dessen maximal schmuddelige und verhallte, zwischen lo- mid-fi rangierende Produktion, die ein bisschen so klingt als hätte man Dreck in irgendeinem Parkhaus aufgenommen, hier einfach so perfekt sitzt wie Arsch auf Eimer. Da gibt es tonnenweise funkelnder Psychedelia zu verorten im Opener Locket, simple und primitive Protopunk-Energie in Tear It Up, während Songs wie As Loud As Me und My Dawn mit unerwartet melodischen Lichtblitzen daherkommen, was im letzteren Fall durchaus etwas an die frühen The Men erinnern mag. Den Kontrast dazu setzen die beiden Hardcore-meets-Motörpunk-Attacken in Give Me Beat und All This Heat sowie die oldschool Sabbath-Überreste, die sie etwa in Suppression mit einer guten Ladung an Space Rock-Exzess á la späte Destruction Unit verschweißen. Die Dungeon Punk-Hymne Fomo Boy hat natürlich immer noch die gleiche Zerstörungskraft wie wir sie auf dem Demo erlebt haben und der darauf folgende neue Track Inte Mer Hem folgt ganz nahtlos in dessen Fußstapfen. Fickt mich, geht die Scheiße ab!

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Poison Ruïn – Confrere

Nun, ich bin sicher die göttlichen Overlords des Dungeon Punk-Genres bedürfen hier inzwischen keiner besonderen Einführung mehr. Die Songs ihrer neuesten EP lassen klar ein Bestreben erkennen, die Klangpalette und die Grenzen ihres ureigenen Subgenres auszuweiten, was in einem ganz geringfügig gedämpft klingenden Gesamtbild resultiert, das einige von den melodisch-hymnischen Kampfschreien gegen ungleich melancholischere Post Punk-Vibes eintauscht etwa in Songs wie Attrition und Sanctuary. Insgesamt also eine Platte, die etwas weniger vollgepackt ist mit offensichtlichen Hits, wenngleich auch Execute und der Titeltrack Confrere zukünftig ganz bestimmt hoch unter den definitiven Publikumsfavoriten rangieren werden. Und überhaupt, macht euch jetzt keine allzu großen Sorgen um die Band, denn alles hier hat die von ihnen gewohnte Klasse und genau wie bei vergangenen Releases, wachsen einem auch diese Songs ausgesprochen schnell ans Herz.

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Unsheather – Demo

Aus der Rubrik „Poison Ruïn und die Nachwirkungen“: Unsheather aus Bellingham, Washington gehen die Ästhetik von endlosem Kampf, schwerer Rüstung und stumpfen Waffen aus einem stärkeren Hardcore-Blickwinkel an – weniger episch, stattdessen schön primitiv und unpoliert, was vermutlich auch eine weise Strategie ist in dieser immer noch ganz frühen Phase der sich langsam entfaltenden Dungeon Punk-Saga, die sicher noch ein Weilchen brauchen wird bevor die derzeitig unangefochtenen Overlords des Genres einen würdigen Herausforderer finden. Bis dahin freue ich mich über jedes bisschen an grimmig-mittelalterlichem, leidenschaftlich die Axt schwingendem Spaß und dafür sind Unsheather eine ganz vorzügliche Wahl!

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Shament – Shament

‚Ne spielend artschtretende Debüt-EP kommt von dieser Band aus Oslo, die hier ein Spektrum abdeckt vom sägenden Hardcore Punk des Openers Ritalinbjørner hin zum fuzz-beladenen, halsbrecherischen Garage Punk von Laserkrieg, durch den eine ähnliche Energie fließt zu so Bands wie The Gobs, Kid Chrome und S.B.F.. Stygg Bebi tritt dann einen leicht Dungeon-mäßigen Eggpunk-meets-Deathrock-Vibe vom Stapel, der mich z.B. an Powerplant, Kerozine und die ebenfalls aus Norwegen kommenden Molbo erinnert. Letztere Tendenz findet dann ihren Höhepunkt im abschließenden Track Shament, einer griffigen Hymne aus purer Goth-angehauchter Post Punk-Zuckerwatte mit einem gewissen Black Metal-Anstrich im Finale. Fickt mich, ist das mal starkes Zeug!

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Criminal – Duke Of Oi!

Ohne Zweifel, das ist mal absolut ernstgemeinter Oi!-Scheiß hier, könnte aber gleichzeitig kaum weiter von den etablierten Konventionen des besagten Genres entfernt sein und bedeutet auch für die Band eine scharfe Abkehr von ihrem (meines Erachtens wenig bemerkenswerten) früheren Output. Vielmehr tut sich diese Platte für mich als eine willkommene Ergänzung im noch sehr jungen und diffusen Dungeon Punk-Kanon hervor, ein bisschen so wie eine simplifizierte Inkarnation von Poison Ruïn klingen könnte, die den Post Punk-Faktor links liegen lässt und stattdessen mit Schmackes die Oi!-Kanone betätigt. Dazu kommt dann noch ein Sänger, der so eine Art True Metal Frankie Stubbs-Klon aus einer alternativen Realitätsebene zu channeln scheint und fertig ist ein neues Bündel an beherzten Kampfhymnen über das zerschlagen erdrückender Ungerechtigkeiten aus gerechtem Zorn und mit primitiven, stumpfen Waffen.