Electric Prawns 2 – Rock and Roll’s Greatest Hits

Die Nachfolge-LP zu dem sperrigen Brocken von einem über zwei Stunden, 89 Tracks langen 2023er Machwerk Prawn Static For Porn Addicts von Electric Prawns 2 aus Moffat Beach, Australien fällt zwar schon ungleich kompakter ausm hat aber für aktuelle Garage-/Eggpunk-Verhältnisse immer noch großzügige fünfzehn freimütig Genre-Hopping betreibende Songs unter der Haube, die erneut die ungezügelte kreative Triebkraft dieser Band unter Beweis stellen. Der Opener Reflection glitzert mit einem familiären Vibe aus neonfarbener Psychedelia, den man so ähnlich auch bei so Bands wie Mononegatives oder Pow wiederfinden mag, oder vielleicht hat’s auch einen Hauch von Isotope Soap? Was folgt ist ein endloses Feuerwerk aus all-killer-no-filler-Songkanonen von beachtlicher stilistischer Vielfalt, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten an so verschiedene Bands wie Ghoulies, Billiam, Nick Normal, Alien Nosejob, Erik Nervous oder Busted Head Racket zu erinnern vermögen, um nur eine Handvoll zu nennen. Das allerbeste sparen sie sich aber bis zum Schluss auf in Form des Rausschmeißer-Tracks Who I Am, der eindrucksvoll das Breitwand-Drama etwa von Wipers‘ Youth Of America oder God’s Garage-One Hit Wonder My Pal herunterkondensiert zu einer ultrakompakten Hook-Orgie á la Split System. Holy shit, was ging denn da ab?

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Beta Máximo – Ataque Frontal

Nachdem eine Handvoll jüngerer Releases von Spaniens bester Eggpunk-/Noise Pop-Hausnummer Beta Máximo sich vor allem mit etwas gemächlicheren Sounds befasst hat, schraubt die neueste EP das Tempo wieder empfindlich höher und weiß das in vergangenen Exkursionen gelernte tadellos anzuwenden zum Vorteil ihrer bislang wohl stärksten Veröffentlichung, die durchweg nur Hits an Bord hat, verankert in einfachem aber ausgesprochen robustem Songhandwerk als unerschütterliches Fundament.

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Kitchen People – EP ’24

Kitchen People aus Melbourne sind schon ähnlich alt wie dieses Blog und auch wenn es eine Weile gedauert hat, bis sie zu der explosiven Garage Punk-Gewalt mutierten als die wir sie jetzt kennen, war die 2020er EP Planet Earth doch fraglos ein kreativer Quantensprung für die Band und auch diese neueste EP ist jetzt nicht weniger als brilliant! Rückblickend mal auch kein Wunder, sind hier doch Leute am Werk die unter anderem auch mitverantwordlich waren für so Bands wie Ghoulies, Pleasants, Aborted Tortoise und Dr. Sure’s Unusual Practice, die allesamt durchaus auch geeignete Referenzen darstellen um den Sound dieser quirligen Ausbrüche von moderat Egg-mäßigem Garage-, Post- und Synth Punk zu umschreiben, vielleicht noch unter weiterer Zuhilfenahme von so weiteren einschlägigen Hausnummern wie Ausmuteants, Checkpoint und Research Reactor Corp..

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Cool Sorcery – Terra Invaders

Die neueste LP von Brasiliens marktführendem Erzeuger der verschroben-hyperaktiven Garage-/Synth-/Eggpunk-Vorzugsware geht mal durchaus ein paar Risiken ein und besteht zum großen Teil aus Kollaborationen mit diversen Egg-affinen Akteuren rund um den Globus – oder dem Kosmos, wenn man denn das Konzept etwas zu ernst nehmen möchte. Ich denke ja mal, dass so Hausnummern wie Tombeau, Billiam und Goblin Daycare hier keine Vorstellung mehr nötig haben, oder? Nicht alles funktioniet hier – besonders die R’n’B-Schlaftabletten She’s Kinda Cute and OMG They Look So Bad haben vor allem den Effekt einer unnötigen Vollbremsung, die das ansonsten starke Momentum der Platte ungefragt unterbricht – aber wenn der Krempel einschlägt, dann richtig und stellenweise nähert sich das ganze dem kreativen Chaos und Eklektizismus eines Trashdog oder Checkpoint an. Und überhaupt bevorzuge ich ja mal eine Platte mit Ideen, Ambition und ein paar Fehlzündungen gegenüber einer, die es gar nicht erst versucht.

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Toy Brigade – Demo

Hier hätten wir mal einen weiteren Schwall von ausgezeichnetem Garage- und Synth Punk von noch einer weiteren Band aus Melbourne, die – trotz einiger gemeinsamer Parameter – ein gutes Stück herzhafter auf die Kacke haut als der durchschnittliche Eggpunk-Act. Am meisten erinnert mich das hier an so Bands wie Quitter, Beef, Busted Head Racket und Broken Prayer, plus in einigen Momenten an diesen Typen, den man unter anderem als Djinn/Zhoop/Nightman/Brundle/RONi, etc kennt.

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Showroom Dummies – Showroom Dummies

Die jüngste EP dieser Band aus dem kanadischen Winnipeg erfreut mit vier exzellenten Sprengungen nahe dem roheren Ende des Garage-/Fuzz-/Synth Punk-Spektrums, verschönert durch eine komplett irre und entgleiste Gesangsperformance. Das ist mal eine sichere Wette als potenter Crowdpleaser-Rundumschlag für Freunde von so Zeug á la The Gobs, 3D and the Holograms, Ghoulies, Daughter Bat and the Lip Stings und Factory City Children, gipfelt letztendlich in einer wuchtigen Hardcore-Entladung die dann wiederum Vergleiche zu so Bands wie Witch Piss, Spewed Brain and Geoduck Diodes assoziiert.

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.cum – .cum

Eine glorreiche Debütsingle hat da eine nebulöse Band aus nirgendwo in die endlose Leere des Internets gefeuert, bestehend aus zwei unbestreitbar leckeren Synth Punk-Ohrwürmern die einerseits etwas klingen wie ein Throwback in die 2000er Indie Rock Ära (erinnert ihr euch noch, als Pitchfork mal Relevanz hatte?), andererseits aber auch an jüngere Garage Punk-Phänomene erinnert wie Cherry Cheeks, Ope oder Smirk, mit einer abschließenden Glasur aus der Digital Leather-Grabbelkiste. Was gibt’s daran nicht zu mögen?

Autobahns – First LP!

Die Leipziger Post-/Garage Punk-Szene erstaunt mich doch immer wieder, genauso wie es Autobahns schon vermochten anlässlich ihrer Split-EP mit den ebenfalls brillianten S.G.A.T.V.. Jetzt ist das Debütalbum der Band auf so etwa dreieinhalb üblich-verdächtigen Labels rund um den Globus erschienen und ist erneut ein Ding zum anbeißen! Direkt zu Beginn entfalltet sich schon eine gewisse Billiam-mäßige Qualität dieser Songs, moderat Egg-mäßige Garage Punk-Smasher die gleichermaßen auch Assoziationen erwecken zu so Hausnummern wie Tommy Coassack, Set-Top Box und den Eggpunk-Sensationen Snooper, Beer, Prison Affair oder Egg Idiot. Tellin‘ Ya transpontiert einige der besten Tendenzen jüngerer Vaguess-Veröffentlichungen in den hier schon reichlich erwähnten Eierkontext. Dabei operiert die Band durchweg als eine unverschämt tighte Einheit, die einerseits jederzeit sehr amtliche Stürme heraufzubeschwören versteht ohne dabei aber jemals ihre eiserne Kontrolle über den konstanten melodischen Druckausgleich zu verlieren, der seinen finalen Höhepunkt in der unverdünnten Noise Pop-Ekstase von Loss Of The Rights findet.

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Virtual Combat – Death Machine

Die Band aus Sydney ließ kürzlich schon gespannt aufhorchen mit zwei starken EPs und dieser neue Kurzspieler zeigt sie in ihrer besten Form bislang. Dabei operiert die Band in einer goldenen Zone zwischen Garage-, Synth-, Post- und Psych Punk und spannt damit einen Bogen von schrägen Tellerrand-Acs wie Die TV und DBR, über den Garage-Primitivismus etwa von Buck Biloxi, Giorgio Murderer bis hin zu den abgespaced psychedelischen Trips von Zoids, Mononegatives, Mateo Manic, Silicon Heartbeat, Pow!, Cthtr und sogar einer leisen Ahnung von Electric Prawns 2 und ihrem monumentalen ’23er Album Prawn Static For Porn Addicts.

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Five Bucks – Go Skate / H82W8

Diese Band aus Varese, Italien lässt auf ein sehr spaßiges Demo vom vorletzten Jahr eine noch deutlich geilere 2-Track-Single folgen. Go Skate beschwört eine pulsierende Elektropunk-Ästhetik herauf nicht unähnlich etwa zu Spyroids, Freak Genes, O-D-EX oder der jüngsten Shrudd EP. H82W8 hat dann mehr von einem fluffigen Garage Pop-Vibe so grob im Fahrwasser von Slimex, Daughter Bat and the Lip Stings, Ghoulies, Gee Tee und Busted Head Racket, neben noch vielen anderen.