Nun, es gibt ja mal Bands mit arg unzuverlässiger Qualitätskontrolle aber auch solche, die weise den Verschnitt von ihren subszanzielleren Kreationen zu unterscheiden verstehen. Und dann ist da noch die seltene dritte Sorte, die eigentlich keine verfickte Qualitätskontrolle nötig hat, weil scheinbar irgendwie jedes Stück Scheiße das sie anfassen sich wundersam in Gold verwandelt. Diese neue Compilation gespeist aus dem Abfalleimer der Garage-/Synth-/Eggpunk-Institution aus Portland ist ein duchaus überzeugendes Argument dafür, dass es sich bei Cherry Cheeks um eine jener letztgenannten Bands handelt, denn was bei denen als Krümel und Überreste vom Tisch fällt, sollte so einige Acts noch locker vor Neid platzen lassen. Klar, das Gesamtergebnis ist ein gutes Stück schräger, fragmentierter und chaotischer als die regulären Releases, aber dabei auch kein bisschen weniger aufregend, abwechslungsreich und mitreißend!
Die Band aus Newcastle, Australien platziert vier ganz ausgezeichnet knallende Ladungen des vage Egg-mäßigen, Noise-lastigen Garage Punk von durchweg hohem Energielevel auf ihrer ersten EP, die definitiv einige nervöse Zuckungen bei denen hervorrufen wird, die bereits mit so Phänomenen wie etwa S.B.F., Kerozine, Factory City Children, Witch Piss, Cthtr, Feeding Tube, The Gobs oder Liquid Face vertraut sind... und dahinter braucht sich auch dieser Scheiß nicht verstecken!
Zwei junge Bands aus den Niederlanden, die beide bereits ihre Qualitäten im Laufe der vergangenen Monate unter Beweis gestellt haben, machen hier gemeinsame Sache auf einer netten Split-EP. Die Chaoten von Achterlicht aus Haarlem liefern dabei ziemlich routiniert zwei neue Egg-/Garage-/Synth Punk-Klopper ab. Schön das, aber No Brains aus Utrecht kommen daraufhin nochmal eine ganzes Nummer energischer rüber, wobei man ein Stück weit das Naked Raygun-mäßige Riffing der Debüt-LP gegen einen deutlich roheren Garage-Vibe eintauscht. Ich finde, auch das steht ihnen ausgesprochen gut.
Vorzügliche Lärmware hier, die irgendwo zwischen den groben Koordinaten von Noise-getränktem Post-, Garage- und Synth Punk ihr Unwesen treibt auf dem Langspieldebüt dieser Band aus Raleigh, North Carolina. Jederzeit grimmig und wütend aber gleichsam auch bis zum Bersten abgefüllt mit gefährlichen Hooks, erinnert mich das Zeug unter anderem äußerst positiv an so Kraftpakete á la Freak Genes, Isotope Soap, Broken Prayer, Powerplant, Kerozine, Cthtr, Beef und S.B.F..
Jau, es handelt sich in der Tat um eine weitere Gobs EP, die erneut alle diese Dinge tut die wir von einer neuen Gobs EP erwarten. Verschrobene Garage-, Fuzz- und Synth Punk-Ekstase eingehüllt in einen dichten Schleier aus Fuzz, Noise und perfekten LoFi-Produktionswerten, nie um eine hartnäckige Melodie verlegen. Wie ich bereits sagte, es sind halt die verfickten Gobs!
Ich muss schon sagen, es war bis jetzt eine durchweg vergnügliche Reise, das Wachstum von Billiam zu verfolgen wie er im Laufe weniger Jahre von einem schlabberigen Eggpunk-Act zu der mächtigen Garage-/Synth Punk-Institution wurde, als die wir ihn heute kennen, nachdem er mit so ziemlich jeder neuen Veröffentlichung sein Klangspektrum graduell verfeinert und erweitert hat. Die neueste EP setzt diesen Trend fort. Nicht nur ist diese Platte dichter vollgepackt mit eingängigen Hooks als je zuvor, auch die Performance ist die tighteste, die wir von ihm bisher gehört haben und die Songs und Arrangements haben ein ganz neues Level an Raffinesse, Eleganz und stilistischer Vielfalt erreicht in diesem endlosen Sturm von hinterhältigen Ohrwürmern.
Nun, die zwei Vorabsingles TV DVD und Frontier Days haben ja schon mal einen durchschlagenden Job darin getan, mich neugierig auf die Debüt-EP einer Band aus irgendwo zu machen. Stellt sich heraus: Das waren noch nicht mal die stärksten Songs auf dieser Platte! Klar, der eierköpfige Post Punk des erst- und der psychedelische Garage Rock des letztgenannten Tracks sind für sich genommen schon Kanonen, aber noch immer noch nicht ganz auf einer Höhe mit dem fluffigen Power-/Fuzz Pop von Time To Spare, dem catchy Garage Punk-Vorschub von Funny Feeling und dem glitzernd-melancholischen Rausschmeißer Suggestions mit diesem gewissen Lost Sounds-Vibe. Nur verdammte Hits sind da drauf!
Die Nachfolge-LP zu dem sperrigen Brocken von einem über zwei Stunden, 89 Tracks langen 2023er Machwerk Prawn Static For Porn Addicts von Electric Prawns 2 aus Moffat Beach, Australien fällt zwar schon ungleich kompakter ausm hat aber für aktuelle Garage-/Eggpunk-Verhältnisse immer noch großzügige fünfzehn freimütig Genre-Hopping betreibende Songs unter der Haube, die erneut die ungezügelte kreative Triebkraft dieser Band unter Beweis stellen. Der Opener Reflection glitzert mit einem familiären Vibe aus neonfarbener Psychedelia, den man so ähnlich auch bei so Bands wie Mononegatives oder Pow wiederfinden mag, oder vielleicht hat's auch einen Hauch von Isotope Soap? Was folgt ist ein endloses Feuerwerk aus all-killer-no-filler-Songkanonen von beachtlicher stilistischer Vielfalt, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten an so verschiedene Bands wie Ghoulies, Billiam, Nick Normal, Alien Nosejob, Erik Nervous oder Busted Head Racket zu erinnern vermögen, um nur eine Handvoll zu nennen. Das allerbeste sparen sie sich aber bis zum Schluss auf in Form des Rausschmeißer-Tracks Who I Am, der eindrucksvoll das Breitwand-Drama etwa von Wipers' Youth Of America oder God's Garage-One Hit Wonder My Pal herunterkondensiert zu einer ultrakompakten Hook-Orgie á la Split System. Holy shit, was ging denn da ab?
Nachdem eine Handvoll jüngerer Releases von Spaniens bester Eggpunk-/Noise Pop-Hausnummer Beta Máximo sich vor allem mit etwas gemächlicheren Sounds befasst hat, schraubt die neueste EP das Tempo wieder empfindlich höher und weiß das in vergangenen Exkursionen gelernte tadellos anzuwenden zum Vorteil ihrer bislang wohl stärksten Veröffentlichung, die durchweg nur Hits an Bord hat, verankert in einfachem aber ausgesprochen robustem Songhandwerk als unerschütterliches Fundament.
Kitchen People aus Melbourne sind schon ähnlich alt wie dieses Blog und auch wenn es eine Weile gedauert hat, bis sie zu der explosiven Garage Punk-Gewalt mutierten als die wir sie jetzt kennen, war die 2020er EP Planet Earth doch fraglos ein kreativer Quantensprung für die Band und auch diese neueste EP ist jetzt nicht weniger als brilliant! Rückblickend mal auch kein Wunder, sind hier doch Leute am Werk die unter anderem auch mitverantwordlich waren für so Bands wie Ghoulies, Pleasants, Aborted Tortoise und Dr. Sure's Unusual Practice, die allesamt durchaus auch geeignete Referenzen darstellen um den Sound dieser quirligen Ausbrüche von moderat Egg-mäßigem Garage-, Post- und Synth Punk zu umschreiben, vielleicht noch unter weiterer Zuhilfenahme von so weiteren einschlägigen Hausnummern wie Ausmuteants, Checkpoint und Research Reactor Corp..