Shrudd aus Louiseville, Kentucky sind schon ein paar Jahre unterwegs aber sind erst kürzlich auf kreatives Gold gestoßen mit den Bizarro und Microbiome EPs im letzten Jahr, wobei erstere sich eher mit Hardcore-verwandtem Lärm befasste und letztere stärker in der Garage-/Synthpunk-Ecke verankert war – eine Ästhetik, die auch auf der neuesten EP dominiert und auf welcher sie die stilistischen Schräg- und Verschrobenheiten noch mal deutlich erhöhen. Das Ergebnis hat eine stärkere Eggpunk-Energie und lässt mich gleichermaßen an Bands wie Prison Affair, Victor, Set-Top Box oder Paulo Vicious denken wie auch an gegenwärtige Acts aus der Synth-/Elektropunk-Ecke á la Isotope Soap, Freak Genes, Spyroids und Powerplant.
Goth-infizierter Synth Wave gehört ja mal nicht so zu den Genres, für die die ich mich leicht begeistern lasse, zu formelhaft und uninspiriert ist das meiste davon für meinen Geschmack. Die neueste LP von diesem Typen aus Zagreb, Kroatien, der bei mir vorletztes Jahr schon einen bleibenden Eindruck als Support von Nag hinterlassen hat, ist da aber eine erfreuliche Ausnahme. Es ist zwar nich so dass er darauf irgendwas bahnbrechend neues veranstalten würde, aber ungeachtet der simplen und zeitbewährten Essenz, sind diese Songs einfach mal wunderbar ausbalanciert und treffsicher arrangiert, zum Bersten vollgestopft mit eingängigen Hooks und Melodien, aufgeladen mit reichlich Energie und einem sehr vertrauten aber absolut effektivem Sinn für Melancholie. Vielleicht ist das nur meiner eigenen Neigung geschuldet, aber mehr als an typische Synthwave-Kost fühle ich mich hier an Punk-/Garage-relevante Acts erinnert wie Digital Leather (klar, der offensichtliche Vergleich), O-D-EX und ganz besonders die total einzigartige Sex Tourists LP von 2017.
Das zweite Tape dieser Band aus, ähm… Tokyo (?) transportiert durchweg soliden, einfachen wie wirkungsvollen Synth- und Post Punk mit Garagenzusatz, der mich ganz besonders an die Franzosen Catalogue und die Belgier Le Prince Harry denken lässt aber auch mit so Bands wie Spyroids, O-D-EX, Mind Spiders, Powerplant, Crime Wave und Liquid Face liegt man sicher nicht ganz falsch… oder eine ernstere Inkarnation der Freak Genes vielleicht? Wie auch immer, der Scheiß funktioniert!
Was soll ich denn hier noch neues erzählen zu einer neuen Gobs-EP? Es sind halt die motherfuckin‘ Gobs! Wenig andere Bands haben ihre Formel für gleichermaßen dummen, überdrehten und abgefuzzten Lo-Fi Garage- und Synth Punk-Wahnsin perfektioniert wie diese Band aus Olympia, Washington. Die operieren weiterhin in ihrer ganz eigenen Gewichtsklasse.
Die Debüt-EP dieser Eggpunk-Krieger aus Istanbul gehörte klar zu meinen Favoriten des Genres im letzten Jahr und ihre soeben erschienene erste Langspielkassette knüpft nahtlos an den bodenlosen Spaß des Vorgängers an. Will heißen: Unwiderstehlich catchy-quirlig-verschraubte Garage-/Synthpunk-Klopper in einem sehr ähnlichen Bewusstseinszustand zu so Hausnummern wie Prison Affair, Set-Top Box, Beer und Ghoulies! Alles daran klingt für mich nach Musik.
Lasst euch nicht täuschen von diesem fake-NTSC>PAL, denn in Wirklichkeit ist es nur Billiam in einem NTSC>PAL-Kostüm. Schöner Versuch, beiläufig Screamers zu erwähnen… nu ja, ich sag mal dafür lässt sich plausibel argumentieren aber letztendlich, wenn man mal von der Nebensächlichkeit nicht-vorhandener Gitarren auf dieser Platte absieht, kann Billiam auch hier gar nicht anders als nur wie er selbst zu klingen und selbstredend klingt der Scheiß einfach saumäßig gut.
Fantabulöses neues Garage-/Synth-/Elektropunk-Gedöns aus Graz, das mit minimalen Mitteln doch tatsächlich ein paar frische und bislang ungehörte Impulse in den ganzen Eggpunk-Clusterfuck einbringt. In einigen Momenten kann ich gar nicht anders, als den Scheiß hier auf den Namen Big Bl…Egg zu taufen! Dem zum Trotz gibt es hier aber gleichermaßen auch reichlich fluffige Popmelodien zu bestaunen. Dann wäre da noch die Sache mit dem Rausschmeißer-Track Freibad Fürstenwald, der… ähm, recherchiert das mal selber nach, oder noch besser, lasst es sein. Ist nichts für schwache Nerven.
Fünf ausgezeichnete neue Einschläge aus simpel-eingängig-minimalistischem Synth Punk setzt uns die neueste EP dieser Band aus Dallas vor. Wenngleich der Titel des Openers Q: Where? A: The Square klar auf Devo anspielt, würde ich aber sagen dass der Krempel viel stärkere Anklänge an so Underground-Acts der ’70er und ’80er á la Minimal Man, Nervous Gender, Screamers, Units, Primitive Calculators oder Visitors aufweist, während in der aktuellen Szene auch Vergleiche zu so Bands wie Victor, O-D-EX, Lost Packages und Freak Genes nicht komplett von der Hand zu weisen sind.
Die neueste LP des Garage-/Synth-/Eggpunk-Bollwerks aus Sydney ist eigentlich mehr eine Sammlung diverser Krümel, Demos und Überreste, die über die Jahre auf dem Proberaumboden liegen geblieben sind. Aber meine Fresse… wenn das hier das B-Material dieser Band repräsentiert, dann lecke ich auch noch bereitwillig den C-Bodensatz vom leeren Fass auf. Das hier ist nämlich mal wieder eine brilliante Platte von Anfang bis Ende und Pflichtprogramm für Freunde der melodischen Fluffigkeit zwischen den Welten von Garage Punk, Fuzz- und Power Pop, all killer no filler!
Schau mal einer an, der Londoner Garage-/Synthpunk-Spezi Tommy Cossack hat seine Machenschaften zur vollen Band expandiert und das Resultat klingt einfach nur brilliant und weitaus größer als jemals zuvor. Dabei entledigt sich der Krempel ein bisschen der Egg-mäßigen LoFi-Schrabbeligkeit zugunsten einer ausgesprochen potenten, dichten und fokussierten Attacke, ohne jemals die böse ansteckenden Hooks zu vernachlässigen in einer kompakten und durchweg spannenden halben Stunde aus atemloser Energie und Aufregung, die durchaus berechtigte Vergleiche zu Hausnummern wie Set-Top Box, Powerplant, Ausmuteants und Satanic Togas hervorruft.