Garagenfreak Reckless Randy aus New Jersy fiel mir zum ersten mal so richtig mit der netten selbstbetitelten ’22er LP auf und hat daraufhin im letzten Jahr noch eine weitere ausgesprochen starke EP nachgeliefert. Auf dieser neuesten (mini-) LP legt er noch einmal ordentlich einen drauf und präsentiert uns seine fraglos ausgereifteste Veröffentlichung bisher. Am besten lässt sich jenes Wachstum anhand der handvoll Tracks illustrieren, die wir bereits von früher kennen und die hier rundum erneuert und kräftiger als je zuvor auf die Scheiße hauen. Ein hochdosierter Koffeinkick ist das aus extrem Ohrwurmverdächtigem Garage- und Synth Punk, der irgendwo zwischen den Klangparametern der frühen The Spits-Schule, Die TV (welcher offenbar auch schon mal für die Drums auf Randy’s früheren Veröffentlichungen verantwortlich zeichnete), Sick Thoughts, Buck Biloxi und Kid Chrome alterniert.
Was gibt es noch neues zu sagen über Pisse? Das schlechte Gewissen des deutschsprachigen DIY Punk hat mal wieder einen Batzen exzentrischer und wie immer ausgezeichneter neuer Songs in ihrer einzigartigen Fusion aus gleichermaßen angepisstem und quirligem Post-, Garage- und Synth Punk wie üblich ohne großes Getöse bei Bandcamp abgeladen und bald™ soll das ganze dann auch als LP via Phantom Records zu bekommen sein.
Die zweite EP dieses Berliner Duos knüpft genau an der Stelle an, wo ihr Vorgänger aufgehört hat, bringt aber auch ein paar graduelle Verfeinerungen mit in ihrer Zelebrierung des repetitiven Synth Punk, der einerseits einige der Kernzutaten von so alten Haudegen wie Screamers, Units, Visitors, Nervous Gender, Minimal Man und den unvermeidlichen DAF vereint und bis auf die Knochen herunterkocht, andererseits aber auch ein stark krautig-motorisches Fundament hat über welchem deutlich der Geist von Conny Plank schwebt. All das fließt hier zusammen zu einer seltsamen Art von Krautrock-Suicide aus einem alternativen Realitätszweig.
Nun, es gibt ja mal Bands mit arg unzuverlässiger Qualitätskontrolle aber auch solche, die weise den Verschnitt von ihren subszanzielleren Kreationen zu unterscheiden verstehen. Und dann ist da noch die seltene dritte Sorte, die eigentlich keine verfickte Qualitätskontrolle nötig hat, weil scheinbar irgendwie jedes Stück Scheiße das sie anfassen sich wundersam in Gold verwandelt. Diese neue Compilation gespeist aus dem Abfalleimer der Garage-/Synth-/Eggpunk-Institution aus Portland ist ein duchaus überzeugendes Argument dafür, dass es sich bei Cherry Cheeks um eine jener letztgenannten Bands handelt, denn was bei denen als Krümel und Überreste vom Tisch fällt, sollte so einige Acts noch locker vor Neid platzen lassen. Klar, das Gesamtergebnis ist ein gutes Stück schräger, fragmentierter und chaotischer als die regulären Releases, aber dabei auch kein bisschen weniger aufregend, abwechslungsreich und mitreißend!
Die Band aus Newcastle, Australien platziert vier ganz ausgezeichnet knallende Ladungen des vage Egg-mäßigen, Noise-lastigen Garage Punk von durchweg hohem Energielevel auf ihrer ersten EP, die definitiv einige nervöse Zuckungen bei denen hervorrufen wird, die bereits mit so Phänomenen wie etwa S.B.F., Kerozine, Factory City Children, Witch Piss, Cthtr, Feeding Tube, The Gobs oder Liquid Face vertraut sind… und dahinter braucht sich auch dieser Scheiß nicht verstecken!
Zwei junge Bands aus den Niederlanden, die beide bereits ihre Qualitäten im Laufe der vergangenen Monate unter Beweis gestellt haben, machen hier gemeinsame Sache auf einer netten Split-EP. Die Chaoten von Achterlicht aus Haarlem liefern dabei ziemlich routiniert zwei neue Egg-/Garage-/Synth Punk-Klopper ab. Schön das, aber No Brains aus Utrecht kommen daraufhin nochmal eine ganzes Nummer energischer rüber, wobei man ein Stück weit das Naked Raygun-mäßige Riffing der Debüt-LP gegen einen deutlich roheren Garage-Vibe eintauscht. Ich finde, auch das steht ihnen ausgesprochen gut.
Vorzügliche Lärmware hier, die irgendwo zwischen den groben Koordinaten von Noise-getränktem Post-, Garage- und Synth Punk ihr Unwesen treibt auf dem Langspieldebüt dieser Band aus Raleigh, North Carolina. Jederzeit grimmig und wütend aber gleichsam auch bis zum Bersten abgefüllt mit gefährlichen Hooks, erinnert mich das Zeug unter anderem äußerst positiv an so Kraftpakete á la Freak Genes, Isotope Soap, Broken Prayer, Powerplant, Kerozine, Cthtr, Beef und S.B.F..
Jau, es handelt sich in der Tat um eine weitere Gobs EP, die erneut alle diese Dinge tut die wir von einer neuen Gobs EP erwarten. Verschrobene Garage-, Fuzz- und Synth Punk-Ekstase eingehüllt in einen dichten Schleier aus Fuzz, Noise und perfekten LoFi-Produktionswerten, nie um eine hartnäckige Melodie verlegen. Wie ich bereits sagte, es sind halt die verfickten Gobs!
Ich muss schon sagen, es war bis jetzt eine durchweg vergnügliche Reise, das Wachstum von Billiam zu verfolgen wie er im Laufe weniger Jahre von einem schlabberigen Eggpunk-Act zu der mächtigen Garage-/Synth Punk-Institution wurde, als die wir ihn heute kennen, nachdem er mit so ziemlich jeder neuen Veröffentlichung sein Klangspektrum graduell verfeinert und erweitert hat. Die neueste EP setzt diesen Trend fort. Nicht nur ist diese Platte dichter vollgepackt mit eingängigen Hooks als je zuvor, auch die Performance ist die tighteste, die wir von ihm bisher gehört haben und die Songs und Arrangements haben ein ganz neues Level an Raffinesse, Eleganz und stilistischer Vielfalt erreicht in diesem endlosen Sturm von hinterhältigen Ohrwürmern.
Nun, die zwei Vorabsingles TV DVD und Frontier Days haben ja schon mal einen durchschlagenden Job darin getan, mich neugierig auf die Debüt-EP einer Band aus irgendwo zu machen. Stellt sich heraus: Das waren noch nicht mal die stärksten Songs auf dieser Platte! Klar, der eierköpfige Post Punk des erst- und der psychedelische Garage Rock des letztgenannten Tracks sind für sich genommen schon Kanonen, aber noch immer noch nicht ganz auf einer Höhe mit dem fluffigen Power-/Fuzz Pop von Time To Spare, dem catchy Garage Punk-Vorschub von Funny Feeling und dem glitzernd-melancholischen Rausschmeißer Suggestions mit diesem gewissen Lost Sounds-Vibe. Nur verdammte Hits sind da drauf!