Diese Band aus Sydney hat für uns eine fast schon peinliche Fülle an Hooks und Melodien auf Lager, die sie auf ihrer zweiten LP in eine Form von zeitloser Eleganz transformieren - belastungsfähiges Power Pop-Songwriting kleidet sich in den Tugenden von Byrds-inspiriertem, relaxtem Garage Rock und Jangle Pop, der die British Invasion und erste Welle britischer Psychedelia mit Löffeln gefressen hat - glitzernde Songjuwelen die teilweise so rüberkommen wie eine weniger Sarkasmus-getränkte Version der Soft Boys, eine stärker retro-mäßige Inkarnation von Guided By Voices oder die powerpoppigeren Bereiche der Bevis Frond-Galaxie. Genau so gut kann man sie aber auch einer Reihe jüngerer US-Bands gegenüberstellen wie The Resonars, White Fence, Honey Radar, Good Flying Birds, Chronophage, Violent Change, Scupper, Germ House oder Mo Troper, während stärker richtung Indie Rock tendierende Songs wie Winston ein kleines bisschen an die aus Hobart, Tasmanien agierenden Treehouse erinnern.
Eine unverschämt starke dreifach-Splitkassette bringt hier ein paar Bands zusammen, die man zukünftig definitiv im Blick behalten sollte. Answering Machines aus Chicago machen den Anfang mit einem beachtlichen Knall in der Form von eingängigen Pop-Tunes, welche die besten Qualitäten vereinen von den Fuzz Punk-Exzessen der frühen 2010er und Bands wie Wavves und No Age, mit dem kräftigen Power Pop etwa von Bad Sports, Warm Soda, Sonic Avenues oder Scupper, wobei die durchweg ausgebombte Ästhetik und Produktionswerte auch etwas rohere Vertreter des letztgenannten Spektrums wie Violent Change, The Wind-Ups, Famous Mammals, Honey Bucket, Germ House, Far Corners und vielleicht auch frühe Chronophage ins Gedächtnis rufen. Good Flying Birds aus Inadianapolis (die wohlbemerkt genau einen Tag zuvor bereits ein sehr beeindruckendes Debütalbum vorgelegt haben) präsentieren daraufhin drei neue Ohrwürmer, die irgendwo im Weißraum zwischen '80er Jangle Pop, C86-Popqualitäten und auch reichlich spätachtziger Sarah Records Indiepop-Vibes herumverkehrt. Abgerundet wird das Ding durch neue Songs von den Artrockern Soup Activists aus St. Louis, für die ich mich anfangs ja noch nicht so richtig erwärmen konnte und die ich auch jetzt noch am besten in kleinen Dosen genießen kann. Eine angemessen kleine Dosis ist das hier aber fraglos und ich muss dann auch zugeben, dass mir kaum ein besserer, entspannter Ausklang für dieses bemerkenswerte Album eingefallen wäre.
Krystian Quint mag am besten bekannt sein als ein Mitglied der Garagenpunks The Stools aus Detroit. Auf seinem ersten The Quitters-Album dreht sich der Wind jedoch in eine unerwartet melodisch-melancholische Richtung und die Platte alterniert weitgehend zwischen zwei Betriebsmodi. Einer davon versprüht den Flair von melodischen Garage Punk-Acts wie Sonic Avenues, Cheap Whine, Marked Men, Bad Sports, Sweet Reaper und aus jüngerer Zeit etwa auch Eye Ball oder The Dumpies. Die Kehrseite davon erinnert hingegen mehr an geringfügig emofizierten '90er Indie Rock á la frühe Superchunk, Archers of Loaf, Sebadoh, Lync und Seam aus der alten Schule, aber auch an jüngere Erscheinungen wie Tape/Off, Treehouse und Pardoner.
Ich gehe mal davon aus, dass jener Nick G. hinter dieser neuesten EP auf unserem Lieblings-Bullshitunternehmen Discontinuous Innovation inc. der gleiche ist, der uns im letzten Jahr bereits das zu wenig beachtete Post Punk-Highlight namens Broken verursacht hat. Sollte ich recht haben, dann hat sein Sound sich definitiv ein gutes Stück weiterentwickelt in eine melodischere Richtung, auf der ersten Veröffentlichung unter dem neuen Alias NRG, lässt aber dennoch wenig Zweifel daran, dass diese Songs dem gleichen Geist entsprungen sind. Neu sind hier unter anderem psychedelische Einflüsse und Elemente von melodischem Indie Rock. Weniger Criminal Code oder Sievehead diesmal, sondern jetzt deutlich näher an so geschätzten Post Punk-Phänomenen wie Marbled Eye, The Drin, Straw Man Army, Institute, Public Eye und Waste Man einerseits, aber ebenso lassen sich Gemeinsamkeiten feststellen mit gewissen Acts aus dem vergangenen Jahrzehnt á la The Gotobeds und Sleepies.
Lasst euch nicht vom ziemlich standardmäßigen Surf Rock des Openers täuschen, denn was darauf folgt ist um einiges Spannender: Zwei mühelos schreddernde Garage Punk-Perlen mit einem leichten '77er Einschlag, innen gefüllt mit griffigen Hooks und eine Oberfläche reich an melodisch funkelnden Texturen. Insgesamt erinnert mich das ein gutes Stück an frühe Vaguess oder das absolut freidrehende Wild Rose-Demo von 2017.
Auch wenn ich es immer noch nicht fertig gebracht habe, mich tiefer in die etwas einschüchternd massive Diskografie von Monda aus Totowa, New Jersey reinzuwühlen, muss ich ihnen dennoch zugute halten im Laufe dieses Jahres einen kräftigen Eindruck hinterlassen zu haben als eine sich konstant wandelnde und ruhelose kreative Gewalt. Wo die im Frühling erschienene LP Stiff Jumbo amtlich abgespackt seine schrille Fahne in den Wind hängte in der Form von kurzen Blitzen aus melodoischem Lärm und VIII in Sommer dann die klanglichen Parameter deutlich entpannte zu einer klassicheren Indie Rock-Ästhetik, begibt sich der neueste Langspieler in weiten Teilen in vergleichsweise, nu ja... benebelte Sphären würde ich mal sagen. Das ist ein ausgesprochen wolliges, ausgefranstes Bündel aus DIY-mäßigen Space-/Acid Punk-Exzentrizitäten, die in keinem Moment den kreativen Trieb, die menschliche Wärme, Neugier und Verwunderung verbergen kann hinter einer, zugegeben, ziemlich bekifften Fassade. Einerseits erinnert mich das stark an so Zeug wie Mononegatives, späte Useless Eaters, Pow! und einige der stärker Motorik-verschwurbelten Inkarnationen von The(e) O(h)Sees, wobei dann andererseits aber Songs wie I Alwys Have It Till I Need It, Chronic Embarrassment und Creek Time wiederum die gleichen melodischen oldschool Indie Rock- und Fuzz Punk-Qualitäten transportieren, die schon die beiden Vorgänger durchzogen.
Ihre im Frühling erschienene Split-EP mit The Dumpies war gekennzeichnet von einem bemerkenswerten Wachstum für beide Bands und nachdem The Dumpies bereits eine absolut brilliante LP nachgelegt haben, war es ja nur eine Frage der Zeit bis auch der andere Schuh bei uns einschlägt in Form eines neuen Night Court-Langspielers. Der macht auch noch mal ordentlich Bumms in einem großzügigen Kraftpaket aus 17 Songs von reinster Power Pop-Erhabenheit, zusammengehalten von vorzüglichem Songhandwerk und präsentiert in einem Klanggewand von wechselnder Intensität, das irgendwo zwischen melodischem Garage Punk und oldschooligem Indie Rock alterniert und mich an so hohe Kaliber wie Bed Wettin' Bad Boys, Radioactivity, Bad Sports, Tommy and the Commies, Datenight, Vacation, Teen Line und Cheap Whine erinnert.
The Dumpies aus Astoria, Oregon sind schon eine Weile unterwegs und waren von Anfang an eine durchweg liebenswerte Angelegenheit, aber haben meines Erachtens erst vor kurzem einen gewaltigen Qualitätssprung signalisiert in Sachen Energie, stilistischer Vielfalt und Songwriting-Potenzial mit ihren Songs auf der Split EP mit Night Court (von denen die meisten hier nochmal vertreten sind). Ein Versprechen, das sie ohne Zweifel einlösen auf dieser unglaublichen neuen LP, auf der sie endlose Iterationen durchspielen von Powerpop-infiziertem (Garage-)Punk, melacholischen Indierockern und auch zahlreichen Attacken von quergedachtem Hardcore Punk in einem einzigen, bemerkenswerten Ausbruch von ungezügelter Kreativität, krudem Humor und exzentrischen Fixierungen. Da ist nicht ein Partikel von Füllmaterial in diesen satten 19 Songs, von denen keiner sein Ziel verfehlt.
Ein massiver Schatz der oldschooligen Power Pop-Exzellenz findet sich auf dieser jüngsten EP einer Band aus York, England, die hier übersolide Songwriting-Qualitäten und wohltemperierte, elegante Arrangements mit genau der richtigen Menge an Knusperfaktor und Antriebskraft ausbalanciert um immer geschmeidig vorwärts zu rollen. Was in den Händen vieler anderer Bands ein Rezept für Langeweile oder bestenfalls ein angenehmes Hintergrundgeräusch ergeben würde, transzendiert hier mit Leichtigkeit die mittelmäßigen Standards eines allgegenwärtigen Genres und demonstriert eindrucksvoll, wie auch dieser uralte Trick immer noch funktionieren kann, solang man ein Händchen für eingängige Melodien besitzt, etwas liebevolle Politur anwendet und die Details nicht vernachlässigt.
Die Debüt-EP dieser Band aus Nottingham klingt angenehm aus der Zeit gefallen in der aktuellen Szene, channelt dabei eine Reihe von Strömungen aus dem Punk und Alternative Rock der mitt-'80er bis frühen '90er. Besonders stark fühle ich mich an Mega City Four erinnert mit weiteren Ähnlichkeiten etwa zu Moving Targets, späteren Naked Raygun und sogar etwas Hüsker Dü in ihrer mittleren Schaffensphase kann man da wiederfinden, all das verankert in einem soliden Felsen aus tadellosem Songhandwerk. Dazu hat das aber auch durchaus noch etwas von diversen Bands des vergangenen Jahrzehnts wie Pale Angels, Milk Music, Geronimo, Milked und California X.