Diese Band aus Evesham, New Jersey hat sich bereits eine sehr substanzielle Bandcamp-Diskografie aufgetürmt, aber verdammt, ist das das hier mal ein massiver Qualitätssprung auf ihrer neuesten LP. Darauf schichten sie eine dichte Wand aus eingängigem Noise Pop und Fuzz Punk auf, irgendwo zwischen so Acts der Nuller- bis 2010er Jahre á la Milk Music, Male Bonding und No Age einerseits und andererseits Dinosaur Jr. der goldenen Ära in den ’80ern, aber mit dem spezifischen Unterschied, dass hier wirklich jeder Song weniger die introvertierte Nasalität von J Mascis zu channeln scheint als das verzweifelte Geschrei Lou Barlows im wütenden Rauswerfer-Track der Bug LP, Don’t. Darüber hinaus geht da auch schon mal ein wenig frühe My Bloody Valentine-Action ab etwa in Boy Christening, wohingegen Mark Prindle einen Vibe von The Wedding Present mitbringt, die hier aber in eine ausgebombte Post Punk-Hölle tansplantiert werden.
Eine Band aus Madison, Wisconsin liefert hier eine restlos überzeugende dritte EP ab mit einem Sound von mitt-’80er bis früh-’90er melodischem Punk und Indie Rock der stark Dinosaur Jr., Superchunk, Jawbreaker, Archers Of Loaf und Sebadoh-informierten Machart – jener, die etwa zwei Jahrzehnte später auch noch mal ein kleines Revival erfahren hat mit so Bands wie California X, Kicking Spit, Happy Diving, Fins and ganz besonders Milk Music. Außerdem gibt es z.B. in Dust auch noch ein bisschen von einem Pitchfork / Drive Like Jehu-Vibe zu erkennen. Dieser Tage empfinde ich so etwas als zeitlos und altmodisch im positivsten Sinne und die konstante Qualität dieser Platte wird durchweg untermauert von ultrasolidem Songmaterial.
Der neueste Release auf dem konstant brillianten Total Punk-Sublabel Mind Meld ist erneut ein erstaunliches Unikat von den äußeren Rändern des erweiterten Garage Punk-Universums, erschaffen von einer Band aus Sydney, die unter anderem Mitglieder von Shrapnel, Gee Tee und Satanic Togas mit an Bord hat, wobei Schrapnel aber die offensichtliche Referenz hier sind angesichts dieser eleganten und vollendeten Kompositionen aus zeitlosem Art Rock, Jangle- und Power Pop mit vagen Echos etwa von The Soft Boys, The Bevis Frond, Television und nicht zuletzt auch von jüngeren Phänomenen wie z.B. Treehouse, Honey Radar, Good Flying Birds, Kitchen’s Floor, Chronophage oder Violent Change.
Die neueste Langspielkassette dieser New Yorker übertrifft mal jede Erwartung meinerseits und markiert einen riesigen Sprung vorwärts von ihrem schon saumäßig guten Vorgänger, der Fancy! EP aus dem Jahr 2022. Transportierte jene noch eine etwas schnuckelig anmutende powerpoppige und New Wave-ige Qualität, kommen die neuen Songs in gleichem Maße abstrakter und reifer daher. Weniger Television Personalities und mehr ’80er The Fall in ihrem repititiven Minimalismus, aber dennoch erscheint hier alles raffiniert und sorgfältig konstruiert und channelt dabei die Ästhetischen Eggpunkte von altem britischem DIY á la Desperate Bicycles, Membranes, Swell Maps oder den frühen Mekons. Gleichsam verbindet aber auch eine dichte tragende Schicht aus Melancholie einige zentrale Punkte dieser Platte und erinnert dabei an so einen gewissen Strang von australischen Bands wie Wireheads, Kitchen’s Floor und den getrageneren Momenten von Eddy Current Suppression Ring. Auch ein brauchbarer Referenzpunkt wäre dann noch eine weitere nicht so bekannte „famous“ Band – Famous Mammals aus Philadelphia – zusammen mit einem bunten Strauß weiterer schepperiger US-Post- und Art Punk-Acts wie etwa Society, Germ House, Spiral Rash und Toe Ring.
Die jüngste EP dieser Band aus Philadelphia entzückt mit fünf schön zurückgelehnten Perlen des geringfügig neben der Spur agierenden, schrammeligen Indie Rock und Slacker Punk, zu verorten irgendwo zwischen so Indierockern wie Treehouse, Kitchens Floor, Thigh Master oder aktuell auch den Ungarn Dehidratált Fejek auf der einen Seite der Gleichung – und den etwas exzentrischeren Sounds etwa von Damak, Honey Bucket, Germ House und Far Corners auf der anderen, wobei der Übersong Artifact ein bisschen so klingt wie die staubigen Acid-/Roots-/Garage Rock-Fusionen von Weak Signal vermischt mit dem eingängig-fuzzigen Garage Pop von The Wind Ups.
Auf ihrem schätzungsweise hundertsten Release in nur drei kurzen Jahren hat diese Band irgendwo aus dem Bundesstaat Minnesota eine durchweg verzaubernde Klanglandschaft von zeitloser Coolness erschaffen, die Elemente aus relaxtem und schrammeligem, unverschämt eingängigem Noise Pop und Indie Rock mit einer winzigen Dosis Shoegaze und altertümlichem Sarah Records-Indie Pop kombiniert zu einem irre appetitlichen Resultat, das gelegentlich so rüberkommt wie ein Mix aus den powerpoppigen Ausläufern des Bevis Frond-Spektrums, Flying Saucer Attack, Guided By Voices in ihrer LoFi-Ära und vielleicht auch einem Hauch von Eric’s Trip, Sebadoh und Archers Of Loaf? Außerdem hat’s auch eine gewisse Qualität vom ’80er Flying Nun Records-Umfeld wie The Clean und The Stones. Arbeiten wir uns langsam an aktuellere Referenzen heran, mag man auch Verwandtschaft erkennen zu den verschwommenen Klangskizzen von frühen Rat Columns oder The Molds, dem verträumten Indie Rock von Treehouse, den frühen Werken von Male Bonding und Wavves oder, erst kurzlich, der LoFi-Nebelfront der Italiener Purp und den hartnäckigen Indie Rock-/Noise Pop-Ohrwürmern von Vacation.
Der Nachfolger zum noch ziemlich inkonsistenten, etwas halbgaren 2022er Album dieser Band aus Richmond, Virginia ist im Vergleich mal ein ganz anderes Biest – ein hochentflammbares kleines Paket aus auschließlich zertifizierten Hits, die teilsweise auch im vergangenen Jahrzehnt ganz gut aufgehoben wären – Rearview zum Beispiel klingt ein bisschen nach einer Fusion aus dem melodischen Punkrock von Swearin‘ mit der Melancholie von Royal Headache. Die Platte zelebriert diesen Trick wiederholt und mit Würde, fest verankert in hochklassigem Songwriting-Handwerk, einer tighten, ultra-fokussierten Performance und nicht zuletzt den beseelten Vocals von Katie Bowles, die hier ohne viel Mühe so eine Art von Siouxsie-vs-Debbie-Schtick durchzieht an dem sich schon so viele Sängerinnen vor ihr versucht aber nicht immer mit Ruhm bekleckert haben. Ihr kauf ich das ab!
Diese Band aus Budapest überraschte mich ganz unvorbereitet mit ihrem zotteligen 2022er Rohdiamanten von einer Debüt-EP. Hier gibt’s jetzt den nicht weniger famosen Nachfolger zu bestaunen, auf dem sie ihren Sound subtil verfeinern ohne dabei irgendwas von ihrem ursprünglichen rohen Charme zu verlieren in ihrer ultra-schrammeligen Herangehensweise an melodischen DIY Punk und Indie Rock – eine Mischung die gekonnt ein Händchen für eingängige Hooks mit einer Atmosphäre des ungeklärten Dramas in ihren Kompositionen ausbalanciert. Letzteres erinnert mich besonders an so Bands wie Treehouse, Kitchen’s Floor und City Yelps mit schwächeren Parallelen auch etwa zu frühen Tape/Off, Monda, Pardoner oder The Molds.
Diese Band aus Sydney hat für uns eine fast schon peinliche Fülle an Hooks und Melodien auf Lager, die sie auf ihrer zweiten LP in eine Form von zeitloser Eleganz transformieren – belastungsfähiges Power Pop-Songwriting kleidet sich in den Tugenden von Byrds-inspiriertem, relaxtem Garage Rock und Jangle Pop, der die British Invasion und erste Welle britischer Psychedelia mit Löffeln gefressen hat – glitzernde Songjuwelen die teilweise so rüberkommen wie eine weniger Sarkasmus-getränkte Version der Soft Boys, eine stärker retro-mäßige Inkarnation von Guided By Voices oder die powerpoppigeren Bereiche der Bevis Frond-Galaxie. Genau so gut kann man sie aber auch einer Reihe jüngerer US-Bands gegenüberstellen wie The Resonars, White Fence, Honey Radar, Good Flying Birds, Chronophage, Violent Change, Scupper, Germ House oder Mo Troper, während stärker richtung Indie Rock tendierende Songs wie Winston ein kleines bisschen an die aus Hobart, Tasmanien agierenden Treehouse erinnern.
Eine unverschämt starke dreifach-Splitkassette bringt hier ein paar Bands zusammen, die man zukünftig definitiv im Blick behalten sollte. Answering Machines aus Chicago machen den Anfang mit einem beachtlichen Knall in der Form von eingängigen Pop-Tunes, welche die besten Qualitäten vereinen von den Fuzz Punk-Exzessen der frühen 2010er und Bands wie Wavves und No Age, mit dem kräftigen Power Pop etwa von Bad Sports, Warm Soda, Sonic Avenues oder Scupper, wobei die durchweg ausgebombte Ästhetik und Produktionswerte auch etwas rohere Vertreter des letztgenannten Spektrums wie Violent Change, The Wind-Ups, Famous Mammals, Honey Bucket, Germ House, Far Corners und vielleicht auch frühe Chronophage ins Gedächtnis rufen. Good Flying Birds aus Inadianapolis (die wohlbemerkt genau einen Tag zuvor bereits ein sehr beeindruckendes Debütalbum vorgelegt haben) präsentieren daraufhin drei neue Ohrwürmer, die irgendwo im Weißraum zwischen ’80er Jangle Pop, C86-Popqualitäten und auch reichlich spätachtziger Sarah Records Indiepop-Vibes herumverkehrt. Abgerundet wird das Ding durch neue Songs von den Artrockern Soup Activists aus St. Louis, für die ich mich anfangs ja noch nicht so richtig erwärmen konnte und die ich auch jetzt noch am besten in kleinen Dosen genießen kann. Eine angemessen kleine Dosis ist das hier aber fraglos und ich muss dann auch zugeben, dass mir kaum ein besserer, entspannter Ausklang für dieses bemerkenswerte Album eingefallen wäre.