Rifle – Rifle

Alles was diese Londoner bisher angefasst haben war schon von Anfang an überragend und das hat sich auch auf ihrem neuesten Langspieler nicht geändert, auch wenn sie seitdem vielleicht ihren Sound ein bisschen begradigt haben und ein wenig von ihren frühen fuzzy Garage- und Hot Snakes-mäßigen Postcore-Vibes gegen etwas von einer Oi!- oder klassischen 80er Punk- und Hardcore-Ästhetik eingetauscht haben. Was aber nach wie vor eine Konstante in ihrer bisherigen Diskografie ist, ist ihr geschicktes Händchen für einfach gestrickte aber strukturell tragfähige Songkonstrukte, die sich in eingängigen und durchweg gekonnt den Hintern versohlenden Punkattacken entladen. So auch auf dieser Platte, die stark anfängt und von da an nur besser wird, weil die Band hier einiges von ihrem infektiösesten Material für die zweite Hälfte aufhebt. Wie gehabt höchstes Pflichtprogramm für Bewunderer von so Bands wie Ascot Stabber, Beast Fiend, Crisis Man oder Wymyns Prysyn, um nur ein paar zu nennen.

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Social Ills – Never Recover

Da ist eine auffällig ökonomische, bodenständige Qualität am Werk auf der Debüt-EP dieser Band aus Portland, auf der sie uns sechs hochbrennbare Cocktails aus '80er-Style Punk und Hardcore mit nur dem leisesten Hauch eines aktuellen Garage Punk-Zusatzes servieren. Alles davon ziehen die Jungs mit schlafwandlerischer Leichtigkeit und reichlich Klasse ab in einem unendlichen Fluss aus simplen, eingängigen Hooks.

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Dust Collector – Dust Collector

Hardcore Punk aus Los Angeles, der mehr als genug bezaubernde Tricks aus dem Ärmel schüttelt und dabei auch noch ordentlich Fleisch auf den musikalischen Knochen hat um den Hörer jederzeit bei der Stange zu halten. Eine gute Menge frischer und kreativer Klang-Stimuli werden da also ablgeliefert, aber gleichsam der Hörer auch zur willenlosen Unterwerfung bearbeitet mit einer unnachgiebigen und saumäßig tighten Abrissbirne von einer Performance, die einfach keine Gefangenen nimmt. Aua das tat weh. Bitte mehr davon!

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Centipede – Bad Trip

Hier ist mal wieder so eine vage Hardcore-verwandte Seltsamkeit von einer Band aus Athens, Georgia, deren Musik einen Bogen spannt zwischen stockfinsterem mitt-'80er Hardcore und Sludge-verseuchtem '90er AmRep-style Noise Rock sowie den diversen Proto-Phasen, die dem letzteren Genre vorausgingen. Insbesondere sehe ich mich stark an die '80er LoFi-Noiserocker Drunks With Guns erinnert aber auch die obligatorischen Flipper- und No Trend-Referenzen passen hier wie Arsch auf Eimer, wohingegen sich in den flotteren Hardcoreparts ein gelegentlicher oldschool Death Rock-Vibe einschleicht. Das ist mal sowas von meine Baustelle!

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Family Dog – Familial God

Family Dog aus Nashville, Tennessee liefern mehr von ihrem aufregenden Irrsinn auf ihrer zweiten EP in Form von Garage- und Noise-versifftem Hardcore Punk, der eine tollwütige, entfesselte Performance mit einem unersättlichen kreativen Drang vereint und dieser gewissen Aura von Gefahr und Unvorhersehbarkeit, die eine Hardcoreplatte heutzutage einfach braucht um mich bei der Stange zu halten. Diese fünf Songs transportieren das zuhauf und jedes mal wenn du denkst du wüsstest wie diese EP sich abspielen wird, dauert es nicht länger als ein paar Takte bevor die Band eine scharfe Kurve zu einem ganz unerwarteten Ort nimmt.

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Pill Mill – Pill Mill

Es gibt nichts schlimmeres als mittelmäßige Hardcorebands, der Fluch meiner traurigen Existenz. Was wollte ich jetzt noch mal sagen? Hab ich vergessen. Wie auch immer, die neue Pill Mill EP gehört definitiv nicht in die Kategorie. Was relativ oldschooligen Hardcore Punk angeht, haben diese acht Songs in nur etwas über acht Minuten jeden Thrill und Luxus an Bord den man sich wünschen kann - nicht nur schießt hier eine komplett entgleiste Performance mit unnachgiebiger Wucht ganz glorreich über's Ziel hinaus, sondern der Scheiß ist auch vollgepackt mit saumaßig eingängigen Hooks und einer Fülle von unerwarteten Wendungen und verrückten Einfällen.

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Havana Syndrome – Kill Your Brain

Eine saftige Sprengladung von Synth-veredeltem in-your-face Hardcore- und Garage Punk, der in einem Akt von seliger Renitenz den Karren geradeaus in den Abgrund fährt. Das ist was uns auf dem Debüt-Tape von Havana Syndrome aus Buffalo, New York begegnet. Einerseits hat das etwas von dieser entgleisten Lumpy And The Dumpers-Energie und einer schnörkellosen Attacke nicht unähnlich zu jenem Feed/Zhoop/Brundle/Djinn/Nightman/etc-Typen, aber ebenfalls fühle ich mich an eine ganze Tüte von variabel Egg-mäßigen Bands erinnert wie etwa Quitter aus Baltimore, die Italiener The Bad Plug, die griechische Eggpunk-Seuche Μπριτζολιτσεσ und außerdem ist da unbestreitbar auch ein Hauch von frühen Skull Cult oder Research Reactor Corp. mit im Spiel.

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Memory Ward – Memory Ward

Wenn du so wie ich einfach nicht über die Großartigkeit der Stunted Youth-Songs auf ihrer durchweg das Genre transzendierenden Split-LP mit Save Our Children hinwegkommst, dann gibt es gute Neuigkeiten, denn diese Debüt-EP von Memory Ward aus Phoenix, Arizona schlägt in eine durchaus ähnliche Kerbe des kunstvoll unberechenbaren Hardcore Punks, der sich aktiv den irgendwie doch sehr mittelmäßigen Standards widersetzt, die im Genre doch leider vorherrschen. Gut, vielleicht kommen Memory Ward (noch?) nicht ganz an die Abenteuerlust und subtile melodische Brillianz von Stunted Youth heran, aber alle Grundzutaten sind vorhanden und machen eine ausgesprochen gute Figur - die exzentrischen Songstrukturen, der kantige Kreissägen-Gitarrensound der wie entrückt über einer entfesselt-chaotischen Performance schwebt... das ist hochwertiger Scheiß! Nicht zufrieden damit, einfach nur hart und schnell zu spielen, haben diese Leute ein ordentliches Bündel echter musikalischer Einfälle in ihren Songs, was sie für sich genommen schon von 99% aller Hardcore-Acts abhebt.

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Imploders – Targeted For Termination

Fuck yeah es gibt eine neue Imploders-Platte zu bestaunen, die wie gewohnt so ziemlich frei von Überraschungen aber auch frei von Enttäuschungen ist. Wie zuvor scheint sich ihr sound zu 99% auf Hardcore-Tropes und -Versatzstücke zu Stützen die allerspätestens... sagen wir mal so 1983, bereits fest zum Genre-Vokabular gehörten. Der Scheiß funktioniert weil die Band aus Toronto nach wie vor etwas davon verstehen, ausgesprochen eingängige und robust gebaute Tunes aus dem Ärmel zu zaubern, sicher ins Ziel gehämmert von einer explosiven Präzisionsattacke.

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Save Our Children / Stunted Youth – Split

Nicht weniger als ein plausibler Anwärter für die Hardcore-Platte des Jahres 2025 kommt zu uns vom in Milwaukee ansässigen Label Unlawful Assembly in Form einer neuen Split-LP von zwei Bands aus Austin, Texas, die beide bereits einige Wellen geschlagen haben mit jeweils ausgezeichneten Debüt-Tapes auf dem lokalen Label Sound Grotesca zwischen 2021 und '22. Beide Bands operieren dabei klar auf der roheren Seite des Hardcore Punk-Spektrums und erfinden hier das Rad zwar nicht neu, aber laden dafür lang bewährte Zutaten der Noise-lastigen alten Hardcore-Schule mit einer selten gewordenen Aura von Gefahr und Unvorhersehbarkeit auf. Gleich vom Start weg stechen die Tunes von Save Our Children hervor als unendlich ausgefeilter, erfinderischer und überhaupt in einer ganz anderen Liga als die Masse von milde Thrash-infizierten Hardcorebands und auch die grimmige Gesamtästhetik kann dabei nicht über die musikalische Abenteuerlust und Verspieltheit dieser Songs hinwegtäuschen. Wenn du jetzt dachtest, das ginge ja schon ganz schön über den Aufwand einer durchschnittlichen Hardcore-Veröffentlichung hinaus, dann warte mal bis du die Stunted Youth-Seite hörst, die hier den leicht metallischen Beigeschmack der S.O.C.-Tracks gegen einen stärker garagigen Flair austauschen und eine Fülle von subtil melodischen Schnörkeln in ihren Songs, gekoppelt mit einem Weltklasse-Einsatz an hyperaktivem Geschredder und tonnenweise unerwarteter Catchyness in einem halsbrecherischen Geschwindigkeitsrausch. Das ist der perfekte Sturm von sowohl kreativer als auch primitiv-roher Energien wie ich sie doch gerne öfter hören würde in einem Genre-Umfeld, der sich viel zu oft leider mit der möglichst normgerechten Reproduktion etablierter Muster und Konventionen zufrieden gibt.

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