In einer schon recht guten Woche was weit über’m Durchschnitt spielenden Hardcore Punk angeht, ist die hier echt das Sahnehäubchen wenn ihr mich fragt. Nicht dass uns die digitale Single Plastic Disease im letzten Jahr nicht vorgewarnt hätte, was da auf uns zu kommt… Das ist derbe kreativer, freidrehender Scheiß, der mich an einige der abgehobeneren Acts der letzten zwei Jahrzehnte aus dem Artcore, Hard- und Weirdcore-Sektor erinnert wie unter anderem Big Bopper, Patti, Rolex, Brandy, Mystic Inane, Beast Fiend, Cutie, Fugitive Bubble, Septic Yanks oder Liquid Assets um nur ein paar davon zu nennen. Ich brauch bringend mehr von dem Scheiß!
Der Sound dieser Garage Punk-Dampframme aus New Orleans hat inzwischen schon ein paar Phasen und Metamorphosen durchlaufen und hat auch erneut wieder ordentlich an den Parametern geschraubt für ihre neueste EP, die – wenngleich immer noch erkennbar dem gleichen Geist entsprungen – weitgehend das Klangkostüm eines NWOBHM-infizierten Hardcore- und Motörpunk-Geschwindigkeitsrausches annimmt, insbesondere im ersten und letzten Song, wohingegen der in der Mitte etwas näher nach den paar solo aufgenommenen Singles und Demos aus dem letzten Jahr klingt, aber gestählt durch eine saumäßig tighte, volle Bandperformance. Der Rausschmeißer Socialized – ebenfalls zuvor bekannt als einer der erwähnten 2025er Demosongs – hat dabei eine so starke Evolution durchlaufen, dass man abgesehen von den weitgehend noch intakten Lyrics eigentlich nicht mehr von dem selben Song sprechen kann.
Skelett sind eine neue Band bestehend aus Leuten aus Leipzig, Kiel und Halle. Gleich vom Start weg gerate ich in Versuchung, ihren Sound als eine Variante der Berliner Benzin zu beschreiben, die sich im Vergleich aber voll und ganz auf deren Hardcore-Elemente stützt. Ebenso mag man aber auch Gemeinsamkeiten mit solchen US-Bands wie Vexx, Judy & The Jerks, Fugitive Bubble, Dregs, Warp oder Skin Tags erkennen, wenngleich Skelett dabei in einem roheren Spektrum aus subtil thrashigem Mittachtziger-Hardcore operieren mit einem leichten Hauch von NWOBHM-mäßigem Riffing in so Songs wie Bloodstained, wobei sie diesen Sound mit einerm unermüdlichen Strom von ultraeingängigen Hooks und hellen Einfällen aufladen, der mich jederzeit auf den Zehenspizten hält. Das ist der Sound einer nur auf den ersten Blick sehr oldschooligen Band, die eine klare Vision verfolgt und jene in einer beeindruckend selbstbewusten, hyper-fokussierten Kraftanwendung zu materialisieren versteht.
Eine Band aus Fort Collins, Colorado liefert sechs Schläge aus ordentlich rohem Hardcore Punk ab, dessen rustikale Klangästhetik aber niemals über das eingängige Garage Punk-Fundament des ganzen hinwegzutäuschen vermag, die überall verstreuten, smarten Postcore-Obertöne und eine Vielfalt an Überraschungen, kompositorischen Tricks und Marotten, die sie hier aus dem Ärmel schütteln. Eine Platte die auf den ersten Blick dummer erscheint als sie ist und ihr wisst dass ich eine Schwäche für solche Dinge hab.
Die Band aus Tampa, Florida hatte Ende letzten Jahres schon ein ausgesprochen nettes Demo raus und auch ihre neueste EP lässt wenig Zweifel daran, dass sie es ernst meinen mit diesen sechs frischen Attacken aus fuchsteufelswildem Hardcore Punk, gebaut auf einem stabilen Fundament aus fuzzigem, KBD-mäßigen Garage Punk. Die wie ein gebissener Hund herausgekläfften Vocals channeln dabei fast schon den Wahnsinn der klassischen Lumpy & The Dumpers- und Fried E/M-Ära, von welcher sich deren primärer Akteur wie’s scheint gerne distanzieren möchte… aber so lange ich lebe wird das nicht passieren. Einmal ein Lumpy, immer ein Lumpy.
Alles was diese Londoner bisher angefasst haben war schon von Anfang an überragend und das hat sich auch auf ihrem neuesten Langspieler nicht geändert, auch wenn sie seitdem vielleicht ihren Sound ein bisschen begradigt haben und ein wenig von ihren frühen fuzzy Garage- und Hot Snakes-mäßigen Postcore-Vibes gegen etwas von einer Oi!- oder klassischen 80er Punk- und Hardcore-Ästhetik eingetauscht haben. Was aber nach wie vor eine Konstante in ihrer bisherigen Diskografie ist, ist ihr geschicktes Händchen für einfach gestrickte aber strukturell tragfähige Songkonstrukte, die sich in eingängigen und durchweg gekonnt den Hintern versohlenden Punkattacken entladen. So auch auf dieser Platte, die stark anfängt und von da an nur besser wird, weil die Band hier einiges von ihrem infektiösesten Material für die zweite Hälfte aufhebt. Wie gehabt höchstes Pflichtprogramm für Bewunderer von so Bands wie Ascot Stabber, Beast Fiend, Crisis Man oder Wymyns Prysyn, um nur ein paar zu nennen.
Da ist eine auffällig ökonomische, bodenständige Qualität am Werk auf der Debüt-EP dieser Band aus Portland, auf der sie uns sechs hochbrennbare Cocktails aus ’80er-Style Punk und Hardcore mit nur dem leisesten Hauch eines aktuellen Garage Punk-Zusatzes servieren. Alles davon ziehen die Jungs mit schlafwandlerischer Leichtigkeit und reichlich Klasse ab in einem unendlichen Fluss aus simplen, eingängigen Hooks.
Hardcore Punk aus Los Angeles, der mehr als genug bezaubernde Tricks aus dem Ärmel schüttelt und dabei auch noch ordentlich Fleisch auf den musikalischen Knochen hat um den Hörer jederzeit bei der Stange zu halten. Eine gute Menge frischer und kreativer Klang-Stimuli werden da also ablgeliefert, aber gleichsam der Hörer auch zur willenlosen Unterwerfung bearbeitet mit einer unnachgiebigen und saumäßig tighten Abrissbirne von einer Performance, die einfach keine Gefangenen nimmt. Aua das tat weh. Bitte mehr davon!
Hier ist mal wieder so eine vage Hardcore-verwandte Seltsamkeit von einer Band aus Athens, Georgia, deren Musik einen Bogen spannt zwischen stockfinsterem mitt-’80er Hardcore und Sludge-verseuchtem ’90er AmRep-style Noise Rock sowie den diversen Proto-Phasen, die dem letzteren Genre vorausgingen. Insbesondere sehe ich mich stark an die ’80er LoFi-Noiserocker Drunks With Guns erinnert aber auch die obligatorischen Flipper- und No Trend-Referenzen passen hier wie Arsch auf Eimer, wohingegen sich in den flotteren Hardcoreparts ein gelegentlicher oldschool Death Rock-Vibe einschleicht. Das ist mal sowas von meine Baustelle!
Family Dog aus Nashville, Tennessee liefern mehr von ihrem aufregenden Irrsinn auf ihrer zweiten EP in Form von Garage- und Noise-versifftem Hardcore Punk, der eine tollwütige, entfesselte Performance mit einem unersättlichen kreativen Drang vereint und dieser gewissen Aura von Gefahr und Unvorhersehbarkeit, die eine Hardcoreplatte heutzutage einfach braucht um mich bei der Stange zu halten. Diese fünf Songs transportieren das zuhauf und jedes mal wenn du denkst du wüsstest wie diese EP sich abspielen wird, dauert es nicht länger als ein paar Takte bevor die Band eine scharfe Kurve zu einem ganz unerwarteten Ort nimmt.