Cruciflys – The Became What They Beheld

Nicht furchtbar schwer zu beschreiben was die Band aus Atlanta da auf ihrer Debüt-LP veranstaltet, deren Titel genau so gut A Crass Discharge of Rudimentary Peni lauten könnte, aber wenngleich das alles ausgesprochen spezifisch und geradeaus klingt, ziehen Cruciflys diesen Scheiß in durch und durch überzeugender Manier ab mit reichlich Intelligenz und Variation in ihren Songstrukturen, die die sich einerseits weitgehend in den üblichen Parametern ihres gewählten Rahmens aus frühem Hardcore, 1st gen Anarcho Punk und Death Rock bewegen, sich dabei aber niemals wiederholen und ein ungewöhnlich großes Maß an frischer Energie und unerwarteten Wendungen aus den jahrzehntealten Genre-Tropes herausholt. Alles an dieser Platte operiert auf einem Level meilenweit über'm Durschschnitt was oldschoolige Genre-Flashbacks angeht.

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Yankee Bastard – Senogun / U.A.V. – U.A.V.

Das '24er Fucking USA Tape der Band aus Richmond, Virginia zeigte bereits die frühen Zeichen von etwas gutem, aber erst auf ihrer neuen EP via Sex Fiend Abomination entfalten sich die Qualitäten voll, die sich zuvor schon andeuteten und was die Band hier verzapft klingt für mich wie ein frischer Windhauch in einem bodenlosen Ozean von ziemlich oldschool agierenden Bands, die irgendwie alles dransetzen um möglichst schnell und hart zu spielen aber mich letztendlich nur jedes mal von neuem Langweilen mit ihren ultra-generischen, schmerzhaft einfallslosen Songs und Arrangements. Yankee Bastard verweigern sich diesem alten Spiel des Hardcore-Konformismus, nicht indem sie hier etwas grundlegend neues erfinden, sondern einfach indem sie jederzeit ein grundlegendes Level an Kreativität und Abenteuerlust anwenden, das im Punk eingentlich selbstverständlich sein sollte - jeder Song hier wird durch irgendeine Seltsamkeit, eine fixe Idee oder einen Blitz von melodischer Brillianz aufgewertet. So soll es sein, Musik kann und darf grimmig und angepisst sein und zugleich dennoch Spaß machen. Und meine Fresse, so schwer wie es nötig ist, dass Punk die hässliche Wahrheit spricht, so sehr müssen wir auch irgendeine Freude und Vergnügen daraus ziehen in Zeiten, in denen die täglichen Nachrichten alleine schon mehr als genug sind, um in einem persönlichen Strudel der Verzweilflung zu versinken. Man sagt ein Kernfeature des Faschismus sei das komplette versagen der kollektiven Vorstellungskraft und genau deshalb erwarte ich von Punkrock umso mehr ein gewisses mindestmaß an Fantasie. Wer das nicht hat, verschwendet meine Zeit und Aufmerksamkeit und ich lese stattdessen lieber mehr von den deprimierenden Nachrichten, denn wenigstens muss ich mir dazu üblicherweise keine blutleere, geschmacksneutrale Musik anhören.

Bevor ich es vergesse, da kam ja gleich noch eine arschtretende Ladung aus definitiv nicht langweiligem Hardcore Punk am gleichen Tag raus, aus der gleichen Stadt und auf dem gleichen Label. Darauf brillieren U.A.V. dank einer garagigen und KBD-mäßigen Basis für ihrem unprätentiösen Oldschool-Sound, einer fuzzlastigen und wandlungsfähigen Qualität in der Gitarrenarbeit und einer so wuderbar entgleisten wie auch angepissten Performance des Sängers. Es braucht eigentlich so wenig, um aus dem Genre-Durchschnitt herauszustechen. Eine gute Idee oder zwei, ein gesundes Minimum an Aufmerksamkeit für Songs und Arrangements... und das ist warum ich in Sachen Hardcore heutzutage ein paar Ansprüche hege. Ist davon nichts am Start, interessiert es mich auch kein bisschen wie schnell und hart ihr euren DIN-genormten Borecore spielt und wie mega Punk ihr dabei ausseht. Keine Geduld mehr übrig für sowas.

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Gunner – Reality Soldier

Diese Band aus Perth, Australien, bestehend unter anderem aus Mitgliedern von Semtex 87, stellt das bereits ziemlich wuchtige Schaffen jener Vorgängerband noch mal locker in den Schatten in Sachen überwältigender Lärmattacke, eine maximal giftige Wetterfront verpackt in eine dicke Schicht aus Noise, Feedback und Distortion, Dreck, Öl und Ruß. Wer aber genauer hinhört, dem offebart sich darunter ein ungeahnt reichhaltiger Kern voller Nuancen und Details, die das hier zu einem ausgesprochen lohnenden Unterfangen machen das fraglos auf einem höheren Level agiert als irgendeine beliebige Hard-/Noisecore-Veröffentlichung.

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Excited To Die – Sick Til Death

Mehr exzellenter Hardcorescheiß von einer Band aus Dartmouth, Nova Scotia, Kanada und was ich mal als ihre bislang ansprechendste Veröffentlichung bezeichnen möchte. Darauf vermischen sie etwas von einer klassischen '80er Hardcoreattacke mit reichlich garagigen Hooks, '77er Melodien und der rohen Energie der KBD-ära. So ungefähr würde ich es mir vorstellen wenn so puristische Garagenacts wie Jacket Burner, Buck Biloxi oder Bart And The Brats eine Hardcore-Platte aufnähmen.

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Underats – Even Scum Can Dream

Qualitätshardcore von einer Band aus Tokyo, die hier Elemente aus früh-'90er Hardcore-Riffing der post-Thrash-Ära (nicht die Website, haha…) mit einer doch sehr speziell japanisch klingenden Melange aus NWOBHM-infiziertem Garage-, Speed- und Motörpunk vermischt… man könnte sagen geradezu pünklich zur neuen Guitar Wolf-Platte um uns daran zu erinnern, auf welchem Flecken der Welt diese spezielle Art von Leckerei jetzt schon seit vielen, vielen Jahren besonders schmackhaft und konsistent zubrereitet wird.

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Neonatals – Dry Brain

In einer schon recht guten Woche was weit über'm Durchschnitt spielenden Hardcore Punk angeht, ist die hier echt das Sahnehäubchen wenn ihr mich fragt. Nicht dass uns die digitale Single Plastic Disease im letzten Jahr nicht vorgewarnt hätte, was da auf uns zu kommt... Das ist derbe kreativer, freidrehender Scheiß, der mich an einige der abgehobeneren Acts der letzten zwei Jahrzehnte aus dem Artcore, Hard- und Weirdcore-Sektor erinnert wie unter anderem Big Bopper, Patti, Rolex, Brandy, Mystic Inane, Beast Fiend, Cutie, Fugitive Bubble, Septic Yanks oder Liquid Assets um nur ein paar davon zu nennen. Ich brauch bringend mehr von dem Scheiß!

D. Sablu – Righteous Light

Der Sound dieser Garage Punk-Dampframme aus New Orleans hat inzwischen schon ein paar Phasen und Metamorphosen durchlaufen und hat auch erneut wieder ordentlich an den Parametern geschraubt für ihre neueste EP, die - wenngleich immer noch erkennbar dem gleichen Geist entsprungen - weitgehend das Klangkostüm eines NWOBHM-infizierten Hardcore- und Motörpunk-Geschwindigkeitsrausches annimmt, insbesondere im ersten und letzten Song, wohingegen der in der Mitte etwas näher nach den paar solo aufgenommenen Singles und Demos aus dem letzten Jahr klingt, aber gestählt durch eine saumäßig tighte, volle Bandperformance. Der Rausschmeißer Socialized - ebenfalls zuvor bekannt als einer der erwähnten 2025er Demosongs - hat dabei eine so starke Evolution durchlaufen, dass man abgesehen von den weitgehend noch intakten Lyrics eigentlich nicht mehr von dem selben Song sprechen kann.

Skelett – Skelett

Skelett sind eine neue Band bestehend aus Leuten aus Leipzig, Kiel und Halle. Gleich vom Start weg gerate ich in Versuchung, ihren Sound als eine Variante der Berliner Benzin zu beschreiben, die sich im Vergleich aber voll und ganz auf deren Hardcore-Elemente stützt. Ebenso mag man aber auch Gemeinsamkeiten mit solchen US-Bands wie Vexx, Judy & The Jerks, Fugitive Bubble, Dregs, Warp oder Skin Tags erkennen, wenngleich Skelett dabei in einem roheren Spektrum aus subtil thrashigem Mittachtziger-Hardcore operieren mit einem leichten Hauch von NWOBHM-mäßigem Riffing in so Songs wie Bloodstained, wobei sie diesen Sound mit einerm unermüdlichen Strom von ultraeingängigen Hooks und hellen Einfällen aufladen, der mich jederzeit auf den Zehenspizten hält. Das ist der Sound einer nur auf den ersten Blick sehr oldschooligen Band, die eine klare Vision verfolgt und jene in einer beeindruckend selbstbewusten, hyper-fokussierten Kraftanwendung zu materialisieren versteht.

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Action Figure – Action Figure

Eine Band aus Fort Collins, Colorado liefert sechs Schläge aus ordentlich rohem Hardcore Punk ab, dessen rustikale Klangästhetik aber niemals über das eingängige Garage Punk-Fundament des ganzen hinwegzutäuschen vermag, die überall verstreuten, smarten Postcore-Obertöne und eine Vielfalt an Überraschungen, kompositorischen Tricks und Marotten, die sie hier aus dem Ärmel schütteln. Eine Platte die auf den ersten Blick dummer erscheint als sie ist und ihr wisst dass ich eine Schwäche für solche Dinge hab.

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Public Error – Internet Blues

Die Band aus Tampa, Florida hatte Ende letzten Jahres schon ein ausgesprochen nettes Demo raus und auch ihre neueste EP lässt wenig Zweifel daran, dass sie es ernst meinen mit diesen sechs frischen Attacken aus fuchsteufelswildem Hardcore Punk, gebaut auf einem stabilen Fundament aus fuzzigem, KBD-mäßigen Garage Punk. Die wie ein gebissener Hund herausgekläfften Vocals channeln dabei fast schon den Wahnsinn der klassischen Lumpy & The Dumpers- und Fried E/M-Ära, von welcher sich deren primärer Akteur wie's scheint gerne distanzieren möchte... aber so lange ich lebe wird das nicht passieren. Einmal ein Lumpy, immer ein Lumpy.

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