Knowso aus Cleveland, Ohio gehören klar zu den eigenwilligsten und einprägsamsten Bands der vergangenen paar Jahre. Auch ihr neuester Langspieler zeigt sie in ausgesprochen starker Verfassung. Ihre Verschmelzung aus Post Punk, Noise- und Math Rock ist genau so verschroben und wunderlich wie auch tight, rigide und kantig, kombiniert eine scheinbar sehr methodisch-mathematische herangehensweise mit einem Ausmaß an Spaß und Catchyness, wie man es in diesem Genre-Umfeld eher nicht erwarten würde. Diese Band dreht nach wie vor so ziemlich ihr eigenes Ding, aber wenn Vergleiche unbedingt sein müssen, dann bieten sich unter anderem so Bands wie Brandy, Landowner und Big Bopper an, oder vielleicht auch Nag in ihren etwas zugänglicheren Momenten.
Das Trio Luggage aus Chicago hat sich über die vergangenen acht Jahre als ein echtes Bollwerk bewiesen des unverfroren exzentrischen, dissonanten und sperrigen Noise Rock, Postcore und Math Rock, den sie typischerweise zu einem Kriechtempo herunter drosseln. Mit der Zeit sind sie nur noch kompromissloser geworden, eine Entwicklung die jetzt in ihrem neuesten unförmigen Klumpen von einer LP gipfelt – erneut ein Ausbruch von schwerverdaulichem Lärm, der stark in der Schuld von so Bands wie Slint, Tar und Shellac steht. Wenn ich einen aktuelleren Vergleich wählen müsste, wären wohl auch Behavior (insbesondere ihr spektakuläres zweites Album Bitter Bitter) eine taugliche Referenz.
Garage Punk trifft auf Math Rock trifft auf Psychedelia trifft auf Postcore auf diesem atemlosen neuen Tape einer Band aus Minneapolis. Über dessen Laufzeit kann man sich unter anderem an so unterschiedliche Bands wie Reality Group, Uranium Club, Yammerer, Big Bopper, Patti, Ex-Cult, Rolex, Shark Toys oder Sauna Youth erinnert fühlen und sogar einen unterschwelligen 90er Dischord Vibe á la Jawbox, Faraquet und Medications bilde ich mir da ein wahrzunehmen.
Das Ding hier ist jetzt nicht mehr wirklich neu – letzten Herbst von der Band selbstveröffentlicht – aber es hat erst mal eine Tape-Veröffentlichung auf dem Leipziger Label U-Bac gebraucht bevor ich die wirklichen Qualitäten dieses Albums erkannt habe. Im Nachhinein sind jene wirklich keine Überraschung, sind hier doch Leute der polnischen Post-/Art-/Math Punk-Bollwerke Ukryte Zalety Systemu und Kurws mit am Werk. Das verspricht ein ganz wunderbares, schlaues und strukturiertes Chaos erster Güte und die Platte liefert genau das im Überfluss, erinnert dabei neben den erwähnten Bands auch mal ein bisschen an Spray Paint, Lithics oder gar einen Anflug von Faraquet oder Swell Maps!
Eine wunderschön altmodische 7″ einer Band aus Leeds, die darauf einen Sound zwischen den groben Koordinaten von Math Rock, Postcore und Noise Rock kreiert und eindeutig dem Dischord-Sound der 90er bis 00er Jahre Tribut zollt – und insbesondere auch Bands wie etwa Jawbox, Autoclave, Hoover, Lungfish oder Q and not U.
Sieht nicht so aus als ob diesen Texanern in absehbarer Zeit die Songs ausgehen werden, immerhin haben die gerade ihren zweiten Langspieler innerhalb von nur wenigen Monaten abgeliefert – dankenswerter Weise diesmal in einer etwas weniger Tinnitus-induzierenden Abmischung. Ansonsten wird hier nahtlos an das glorreiche Chaos angeknüpft das Big Bopper mit dem Vorgänger etabliert haben. Jenes besteht etwa zu etwa gleichen Teilen aus Post- und Garage Punk, Noise- und Math Rock, hat dabei unter anderem vage Ähnlichkeiten zu Patti, Rolex, Cutie, Mystic Inane oder Brandy plus ein paar Krümeln früher Minutemen.
Ein echter Leckerbissen von einer Band aus Kyoto! LLRR machen Post Punk, der sich gleichermaßen catchy und kantig gibt. Häufig tanzbar, manchmal mit Mathrock-Strukturen spielend, in anderen Momenten ausgesprochen oldschool No Wave-funky. Eine bombenfeste Rhythmussektion rollt den idealen Klangteppich aus, auf dem sich die widerspenstigen und doch manchmal unerwartet melodischen Eruptionen vom Gitarristen Yuzuru Sano und hypnotische Vocals von Minami Yokota ausbreiten können, welche oft so integral in das rhythmische Fundament verwoben sind wie man es selten von aktuellen Bands hört.
Auf dem zweiten Langspieler schraubt das Noise Rock-/Postcore-Trio den Energielevel noch mal beträchtlich höher, ohne dabei an der Präzisionsarbeit, den ausgefeilten Strukturen und Arrangements zu verlieren, die bereits ihr Debütalbum auszeichneten. Besonders in der ersten Hälfte ist dabei ein deutlicher Jawbox- und Bastro-Vibe am Werk. Früher hätte ich gesagt, dass Ralph Schaarschmidt mit seinen alten und neuen Bands zum besten aus der hiesigen Noiserock-Szene gehören, aber inzwischen bin ich der Meinung dass auch weltweit nur wenige Bands auf ihrem Level unterwegs sind.
Für eine Band, die bisher nur eine 7″ auf dem Buckel hat, erstaunt die Reife des Sounds, der sich auf dem Debütalbum von Shifting aus Dublin entfaltet – nicht weniger als eine voll ausgeformte, vielseitige und einfallsreiche Vision von Noise Rock, Postcore und Math Rock, die sich klar von klassichen Acts der 90er und frühen 00er Jahre wie Unwound, Bastro, Chavez, Frodus, frühen Shellac beeinflusst zeigt, dabei dennoch problemlos auf eigenen Beinen steht. In der gegenwärtigen Genrelandschaft könnte man außerdem noch Multicult als halbwegs passenden Vergleich nennen.
Das dritte Album von Luggage aus Chicago knüpft nahtlos am Vorgänger an, macht sogar noch einen etwas konsequenteren Eindruck. Passend und unüberhörbar bei Electrical Audio aufgenommen, breitet sich ein spröder bis zähflüssiger Sound zwischen Noise- und Math Rock, Post- und Slowcore aus, der überwiegend nach vergangenen Zeiten in Chicago klingt. Oder abwechselnd mal nach geradlinigeren Shellac, gedrosselten Tar, viel lauteren Slint und noch tristeren Codeine.