Cult Crime aus Toronto fielen bereits ausgesprochen positiv auf mit einem Demo und einer 7″ in ’23 und ’24. Ihr Langspieldebüt hält sich jetzt erneut weitgehend an die bewährte Formel und liefert neun schnörkellos geradeaus gehende Garage Punk-Geschosse ab die gleichermaßen in den Klangparametern der ’77er Ära wie auch im frühen Hardcore Punk verankert scheinen und ich bin mir ziemlich sicher dass hier unter anderem auch ihr Stiefellecker von so Bands wie Sick Thoughts, Bart And The Brats, Jean Mignon und Hood Rats Gefallen dran finden werdet.
Silicon Heartbeat sind schon seit einigen Jahren eine konstante Präsenz an der Peripherie des 12XU-relevanten Klangspektrums und dennoch, so scheint es, habe ich sie bisher noch mit keinem Blogpost gewürdigt (sie sind euch jedoch mit Sicherheit schon auf der einen oder anderen Verspannungskassette begegnet). Das gehört natürlich sofort korrigiert und ihre neueste EP ist der perfekte Anlass dazu, hält jene doch nicht nur einige ihrer stärksten Songs bisher parat, sonden profitiert zusätzlich von dem Produktions-Zauber des Garage-Alleskönners Erik Nervous, die hier für reichlich Druck und Kontur sorgt in ihrem geringfügig Spits-beeinflussten, eingängigen und psychedelischen Sound aus Synth- und Garage Punk. Ich hoffe mal es ist – dem Titel zum Trotz – nicht das letzte, was wir von Silicon Heartbeat zu hören bekommen.
Was für eine schicke kleine Anomalie, die zweite EP von Forklift Rodeo aus Chicago. Darauf verquirlen sie einige Ladungen von wunderbar kaputtem Cowpunk mit leichten Spuren von klassischen, AmRep/Touch&Go-mäßigem Noise Rock und Postcore und zeitweilig auch einer gewissen Eggpunk-Qualität, wobei ich aber eher an frühe Skull Cult denke als an die inzwischen geringfügig kodifiziertere, aktuelle Welle des gepflegten Lo-Fi-Wahnsinns. Apropos Lo-Fi… das ist diese Platte definitiv nicht und die polierten Produktionswerte bewirken einen ungewohnten Glanz und eine klangliche Tranzparenz für ihre unvorhersehbaren, verworrenen Songkonstrukte, die es tatsächlich auch gar nicht nötig hätten, sich hinter einem schützenden Schleier aus Lärm und Dreck zu verstecken.
Für unsere wöchentliche Dosis des ausgesprochen toten Eggpunks zeichnet eine Band irgendwo aus Pennsylvania verantwortlich. Jene fiel bereits positiv auf mit einem 2023er Demo sowie einer Split-EP mit RONi im letzten Jahr und liefert auf ihrem neuesten Tape ihr kräftigstes und ansprechendstes Material soweit ab mit einem durchaus vertrauten Vibe so á la Beer, Raya, Winky Frown, Midgee, Goblin Daycare oder Pringue.
Punter aus Melbourne zeichneten bereits für ein starkes Demo und eine brilliante 2023er EP verantwortlich, aber wenn du glaubst viel besser könnte es nicht werden, dann halt dich jetzt gut fest! Aufbauend auf der schon vertrauten Mischung aus gelegentlich Metal-infiziertem, wunderbar schmierigem Hardcore- und Garage Punk á la Polute, Cheap Heat, Cement Shoes oder Cülo, nicht vor epischen Gitarrensolos zurückschreckend und mit weiteren Ähnlichkeiten etwa zu Postcore-Acts wie Dollhouse, Flea Collar und der Melancholie, dem überlebensgroßen Drama von Pist Idiots und Split System, sind das dreizehn perfekt kalkulierte Präzisionsschläge, jeder davon leitet gekonnt ein solides Drama in seinen Lauf, um im dritten Akt unfehlbar in Flammen aufzugehen. Jau, diese Ausbrüche des Jet-getriebenem Rock’n’Roll sind bombenfest verankert in einem Fundament von ultrasolider Songkonstruktion, viel smarter und aufwändiger als man es auf den ersten Blick vermuten würde und gewürzt mit einer Fülle von unerwarteten Schnörkeln und Stilblüten die dennoch niemals den Bogen zu überspannen drohen. Selbst die extravaganteren Akzenze wie der Einsatz von Orgel, Dudelsack, ja sogar einem epischen Saxophon-Solo im abschließenden Track It Aint Pretty, verfehlen nie ihre Wirkung.
Nach ihrer schon durchweg beachtenswerten, noch deutlich Egg-mäßiger klingenden 2023er EP kommt diese Band aus Reading, Pennsylvania jetzt aber mal so richtig in die Gänge mit ihrem ersten Langspieler und einem Sound, der konstant auf der Grenze zwischen Garage- und Hardcore Punk balanciert ohne dabei das Rad neu erfinden zu wollen – diese Songs halten sich recht treu an etablierte, simple Garage-Formeln aber verdammt, machen die mal alles richtig dabei! Was so dumme wie spaßige Rock’n’Roll-Rifforgien angeht, holen die hier mal so ziemlich das Optimum aus den vorhandenen Mitteln.
Die Debüt-EP dieser Band aus Portland ist stilistisch eine ziemlich gemischte, aber durchweg brilliante Tüte. Die ersten zwei Songs gehen in die Richtung von verwinkeltem Garage- und Post Punk, der eine delikate Balance hält zwischen dissonanten Texturen und supereingängigen Hooks wie man es so ähnlich schon von so Bands wie Reality Group, Print Head, frühen R.M.F.C., Exit Group and Beef gehört hat. Technology Discriminates Against The Poor klingt daraufhin ein bisschen nach einer krautigen Variante von Spray Paint kombiniert mit dem spacigen Garage Punk von Mononegatives oder späten Useless Eaters. False Reality erinnert mich am stärksten an den nicht weniger abgespaceten Garagenlärm von Pow!, während Identity einen catchy-quirligen Minimalismus so á la Busted Head Racket oder Daughter Bat and The Lip Stings versprüht. Beat Struggle taucht dann ganz ein in die motorisch-krautigen Vibes bevor die EP ihren angemessen wertigen Abschluss verpasst bekommt mit einer gelungenen Coverversion der alten Niederländer Ivy Green und den walzenden Grooves des Synth Punk-Schwelbrandes Conflict Driven Entertainment.
Ich poste ja eher selten solche Compilations hier weil, ganz ehrlich, die meisten davon doch eine eher durchwachsene Angelegenheit darstellen, aber für diese hier mache ich doch gerne mal eine Ausnahme, wurde sie doch kuratiert von niemand geringerem als see/saw’s Evan Minsker und wie daraus im Vorfeld schon zu erwarten war, it das hier qualitativ doch einige Stockwerke über der durchschnittlichen „Schickt mir euren unveröffentlichten Krempel für einen guten Zweck“-Compilation zu verorten, mit einer ultradicht geschichteten Tracklist die sich liest wie ein who is who des aktuellen, internationalen Punkuntergrunds. Das, sowie die Tatsache dass deine 10$-oder-mehr-Spende jenen zugute kommt, die in der Feuerkatastrophe von Los Angeles ihr Hab und Gut und Dach über’m Kopf verloren haben. Klingt nach ’nem Deal, oder?
Der Nachfolger zum noch ziemlich inkonsistenten, etwas halbgaren 2022er Album dieser Band aus Richmond, Virginia ist im Vergleich mal ein ganz anderes Biest – ein hochentflammbares kleines Paket aus auschließlich zertifizierten Hits, die teilsweise auch im vergangenen Jahrzehnt ganz gut aufgehoben wären – Rearview zum Beispiel klingt ein bisschen nach einer Fusion aus dem melodischen Punkrock von Swearin‘ mit der Melancholie von Royal Headache. Die Platte zelebriert diesen Trick wiederholt und mit Würde, fest verankert in hochklassigem Songwriting-Handwerk, einer tighten, ultra-fokussierten Performance und nicht zuletzt den beseelten Vocals von Katie Bowles, die hier ohne viel Mühe so eine Art von Siouxsie-vs-Debbie-Schtick durchzieht an dem sich schon so viele Sängerinnen vor ihr versucht aber nicht immer mit Ruhm bekleckert haben. Ihr kauf ich das ab!
Hey, habt ihr alle schon gehört vom tragischen Tod des Eggpunk? Ja sicher, habt ihr, aber es scheint dass Butter Swamp aus Appalachia, Virginia das Memo noch nicht bekommen haben. Ey ihr, habt ihr es nicht gehört? Es schickt sich seit letzter Woche nicht mehr für Punks, solche Musik zu machen! Ach je, ich schätze mal unser Ex-Lumpy wird sich dann doch noch etwas länger mit den Zombies seiner eigenen fernen Vergangenheit arrangieren müssen und diese EP wird er dann vermutlich nicht so toll finden. Aber was mich angeht… ich mag meinen Punk am liebsten schön tot und verrottet. Möge er noch tausend Tode sterben, so lange ich noch atme!