Taker – Taker

Irgendwie habe ich diese nette kleine EP einer Band aus Buffalo, New York wohl komplett übersehen, als sie bereits im Dezember erschienen ist. Die beginnt jedenfall mit mehr so einer Art Oi!-meets-Ramonescore-Vibe aber latscht sich dann komfortabel ein in ein Paar Stiefel aus melancholischem, powerpoppigem Garage Punk mit deutlichen Echos etwa von Red Dons, Radioactivity, Marked Men, Cheap Whine, Bad Sports, Sonic Avenues, Steve Adamyk Band oder den Franzosen Telecult – und ihr wisst alle, dass ich so einem Unterfangen niemals widerstehen kann.

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Delta Van Diel – Significant Ultra

Manche Bands machen meinen unbezahlten Job als Blogger ziemlich einfach, wie etwa diese Londoner. Die Sache ist nämlich, nu ja… Band existiert weil Typ mag Suicide, so einfach verhält sich das. Und jetzt wo Alan Vega schon fast ein volles Jahrzehnt nicht mehr unter uns weilt, breche ich dankbar das Brot mit jedem kompetenten Ersatzpriester, der das unheilige Feuer am brennen hält. Und was jene angeht, kann man sicher schlechteres wählen als diese rundum adäquate Gedenkzeremonie.

Game Set Match – Hang Out With You / Mundane

Gleich noch so eine hochklassige 2-Track-Single kommt hier mit dem Debüt von Game Set Match aus Sydney und brilliert in einer relativ oldschooligen Machart von primitivem und geradeaus gehendem Garage Punk, der Erinnerungen weckt an so Bands wie Eddy Current Suppression Ring, The UV Race, frühe Teenanger, The Abandos, Sauna Youth oder Manatees.

American Muscle – Rocker, Roller, Killer

Wurde ihr zu Beginn des vergangenen Jahres veröffentlichtes Demo noch überschattet vom majestätischen Irrsinn des ultraspackigen Openers Don’t Tussle With The Muscle, liefert die neueste EP der Band aus Minneapolis ein weitaus stärkeres Gesamtpaket ab in der Form von drei überaus ’77-infizierten Garage Punk-Ausrastern die so simpel und primitiv sind wie es eben noch geht aber dennoch perfekt funktional bleiben als dumme kleine Rock’n’Roll-Tunes – man tut hier nur das absolut notwendigste, aber das absolut richtig!

Wesley & The Boys – Rock & Roll Ruined My Life

Nach einer ehrlich gesagt noch nicht so furchtbar spannenden Debüt-LP in ’22 und zwei zunehmend vielversprechenden EPs in ’23-’24, fügt sich nun für die Band aus Nashville, Tennessee alles scheinbar ganz natürlich zusammen auf ihrer zweiten LP, auf welcher ihre Vision zu guter Letzt einen messerscharfen Fokus findet und die Sterne genau richtig stehen damit ihre kraftvolle Mid-Fi-Produktion ihre Magie wirken kann – alles erscheint irgendwie ein bisschen falsch hier auf genau die richtige Art und resultiert in mehr als nur ein bisschen von ’nem KBD-Feel. Auch wenn ihr Sound sich nach wie vor sehr einfach als oldschooliger Garage Punk mit ’77- und Proto Punk-Einflüssen beschreiben lässt, beackern sie hier stilistisch doch ein durchaus vielfältiges Spektrum. Die leicht psychedelischen Untertöne des Openers Somebody Help Me geben so einen Vibe ab zwischen Useless Eaters, Pow! und Spits, während ich bei Full Time Asshole noch eine gute Ladung Sick Thoughts als Vergleich hinzufügen würde. Das bereits als absolutes Highlight der ’23er EP bekannte Jail Again hat eine postpunkige Qualität zu eigen, die mehr als nur ein bisschen an Cruelster erinnert. Fight On The Internet hat einige ernstzunehmende Detroit und NY Proto Punk-Energie unter der Haube und Spy ist vermutlich das am ehesten kontemporär klingende Stück auf der LP mit seinen Synth-Veredelten catchy Hooks und einem Klangmix irgendwo zwischen Mononegatives und aktuellen Strange Attractor, würde ich mal sagen. Letztere würden sich auch gut als Vergleich eignen für den einfach gestrickten aber perfekten ’60s-mäßigen Garage-Klumpen namens Giving. Ich könnte jetzt so weiter quasseln aber ihr habt es längst kapiert: Das ist ein teuflischer Spaß von einem Garage Punk-Album, erstaunlich abwechslungsreich und doch immer ihrer eigenen Vision treu, relativ Oldschool aber immer Spannend und in Bewegung.

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Winky Frown – ;(iii

Ihr habt alle noch zu wenig Ehrfurcht erwiesen vor der mächtigen zwinkernden Schmollfresse! Auf ihrer iii-ten EP treibt die Band aus Ottawa, Ontario erneut einen musikalischen Aufwand, der weit über das hinausgeht, was man von einer durchschnittlichen Eggpunk-Platte zu erwarten hätte. Ist es ihre stärkste bisher? Ihre schwächste? Ich hab keine Ahnung und es ist mir auch scheißegal, denn saumäßig gut ist bisher alles gewesen, was die so abliefern. Wie gewohnt, eine unheimlich kreative EP von der Band. Schwer zu empfehlen für Fans von: Winky Frown. Und auch alle anderen, die mein dummes Gewäsch hier lesen.

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Raya – Malas Noticias

Das dritte Kurzform-Artefakt der Band aus Madrid ist ihr stärkstes bisher würde ich mal sagen und liefert zwei explosive neue Ladungen von etwas, das man ganz ohne Not als Eggpunk bezeichnen kann, wie er im Buche steht und in einer Reihe mit so Bands wie Beta Máximo, Beer, Pringue, Prison Affair, Möney, Goblin Daycare und Hugayz. Aber so sehr die Ästhetik hier auch vordefiniert scheint, bringen Raya doch genug eingene Substanz zum Klingen um auf eigenen Beinen zu stehen. Niebla ist hier das wahre Highlight, das sich traut etwas beherzter auf die Zwölf zu hauen und in etwas dunklere Abgründe hinein zu schauen als wir es von der durchschnittlichen Genre-Veröffentlichung gewohnt sind in Form einer perfekten Post Punk-Miniatur.

Split System – On The Edge / On The Loose

Eine neue Split System-Veröffentlichung ist ja immer schon ein großes Ereignis hier in der 12XU-Zentrale, auch wenn es sich „nur“ um eine weitere 7″ handelt, denn obwohl mir die LPs der Band durchweg als der substanziellere Zweig ihres Schaffens erscheinen und mehr Raum für eine ausgefeiltere Songarchitektur und einen starken Sinn für Melancholie lassen, sind ihre Kurzform-Artefakte auf keinen Fall zu unterschätzen, präsentieren typischerweise eine geradlinigere Variante ihres Handwerks, die einfach nur abrocken möchte und zweifellos am besten auf einem solchen Siebenzöller funktioniert. Auch hier hält die Band es einfach. Die A-Seite On The Edge ist eine unaufhaltsame Dampfwalze von einem Song, konstruiert um ein ultra-simples Rock’n’Roll-Riff das kaum altmodischer sein könnte und sich leicht als reichlich redundanter Genre-Standard abtun ließe, wäre da nicht diese unnachgiebig energische und saumäßig tighte Performance der Band und das immerzu brilliante Gebell vom Frontmann Jackson Reid Briggs – in gleichen Maßen trotzig und verwundbar, ganz klar von Herzen kommend, transportiert das eine Dringlichkeit, ohne die der Song gar nicht funktionieren könnte. Ähnlich einfach gestrickt und effektiv ist dann On The Loose, ein deutlich flotterer und ausgesprochen spaßiger Track, der hier als perfektes Gegengewicht dieses kleine Kraftpaket ausbalanciert.

Möney – Hegemony

Möney aus Bristol haben ’nen Moment gebraucht um als Band zu sich selbst zu finden, aber nachdem ihr 2023er Demo durchaus vielversprechend klang und das Split-Tape mit SPRGRS von stetigem Fortschritt zeugte, fügt sich zu guter letzt alles perfekt zusammen auf ihrer neuesten EP dank ihres ausgereiftesten Songmaterials bislang in ihrer ausgesprochen psychedelischen, Post Punk-lastigen Herangehensweise an zeitgenössichen Eggpunk, die man hier ins beste Licht zu setzen vermag mit einer ordentlich fluppenden Performance und einer vergleichsweise glitzernden Produktion. Ich würde mal sagen damit katapultiert sich die Band erstmals in die Erwachsenen-Liga des Genres und das in einer Sub-Nische, die ihnen relativ zu eigen erscheint. Ungeachtet dessen würde ich aber auch mal behaupten, dass der Krempel auf Bewunderer von so Acts wie Molbo, Prison Affair, Winky Frown, Electric Prawns 2 und Beta Máximo magisch anziehend wirken sollte.

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Cosme – Demo No. 3

Der Sound dieser Band aus Ciudad López Mateos, Mexiko bleibt auch auf ihrem dritten Demo eine ausgesprochen eigenartige Mischung, selbst im von sich aus schon durchweg farbenfrohen Kontext der gegenwärtigen Eggpunk-Szene und fühlt sich dabei ein bisschen an wie ein Flashback zu den melodischeren Auswüchsen des Punk Rock-Spektrums der mittleren bis späten ’80er – frühen Pop Punk-Artefakten, die noch nicht ihre rohe Energie aufgegeben hatten und hier jetzt eine schön angefuzzte LoFi-Spezialbehandlung verpasst bekommen, angereichert um eine maßvolle Dosis charmanter Synth-Action zu einem unwiderstehlichen, melodischen Zuckerrausch.

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