Shrudd aus Louiseville, Kentucky sind schon ein paar Jahre unterwegs aber sind erst kürzlich auf kreatives Gold gestoßen mit den Bizarro und Microbiome EPs im letzten Jahr, wobei erstere sich eher mit Hardcore-verwandtem Lärm befasste und letztere stärker in der Garage-/Synthpunk-Ecke verankert war – eine Ästhetik, die auch auf der neuesten EP dominiert und auf welcher sie die stilistischen Schräg- und Verschrobenheiten noch mal deutlich erhöhen. Das Ergebnis hat eine stärkere Eggpunk-Energie und lässt mich gleichermaßen an Bands wie Prison Affair, Victor, Set-Top Box oder Paulo Vicious denken wie auch an gegenwärtige Acts aus der Synth-/Elektropunk-Ecke á la Isotope Soap, Freak Genes, Spyroids und Powerplant.
Ich fand es ein bisschen schwierig, mich für die letzten paar von den zunehmend bruchstückhaften, ungezügelt jammigen EPs dieser Band aus Portland rund um Honey Bucket-Frontmann Matt Radosevich zu erwärmen. Mit ihrer ersten richtigen LP-Veröffentlichung meinen sie es aber ganz offensichtlich ernst und kommen mit ihrem fokussiertesten Brocken Musik seit einer ganzen Weile daher. Weniger ist mehr scheint hier die Devise zu lauten und bricht sich Bahn in fünf ausufernden, gleichermaßen monotonen und verspielten (nahezu-) Ein-Akkord-Wundern, in denen an Stelle von Melodien die Texturen und Rhythmen als tragende Elemente herhalten müssen. In der Tat ist das genau die Art von Minimalismus, die frühe The Fall im direkten Vergleich wie Progressive Rock wirken lassen. Paradoxerweise für eine Platte, die sich so wenig um herkömmliche Vorstellungen darüber schert was einen „Song“ ausmacht, hat das ganze einen durchweg unerwartet positiven Vibe in den vermutlich beschwingtesten dreißig Minuten abstrakt-experimenteller Art Punk-Klangkunst, die wir diesen Sommer zu hören bekommen.
Ein verdammtes Dream Team der gegenwärtigen Eggpunk-Welle macht gemeinsame Sache auf dieser neuen Split-EP in Form zweier Bands, die jeweils schon ihre ganz eigenen, unauslöschbaren Spuren in der Szene hinterlassen haben. Ich meine, ganz ohne Scheiß lässt sich plausibel argumentieren, dass beide Bands im Grunde ihre eigenen Egg-Subgenres aus der Taufe gehoben haben. Und was diese Platte angeht: Wie zu erwarten ist das nicht weniger als ein Killerbündel mit ausschließlich Hits unter der Haube!
Hier ist noch mal so ein Qualitätsartefakt des schlaumeierigen Garage-/Post Punk-Hybridgenres, das hier nichts allzu neues oder bahnbrechendes einbringt aber mit wohlkonstruierten Seltsamkeiten entzückt. Genau die richtige Dosis Unberechenbarkeit trifft auf eine Fülle an super-eingängigen Hooks. All das rückt den Krempel grob in die Nachbarschaft von so Bands wie, sagen wir mal, gedrosselten Uranium Club, Vintage Crop, Dumb, Aborted Tortoise, Lithics oder Pinch Points.