Die zweite EP dieser Band aus Austin, die möglicherweise zu 75% aus rein imaginären Mitgliedern bestehen mag, strapaziert genau die richtigen Schmerz- und Genusspunkte im Nervensystem mit diesen drei wunderschön brennenden Mülltonnen aus primitivem, rohem Drei-Akkord Garage- und Fuzz Punk, der sich gerade eben ausreichend dement benimmt um anspruchsvolle Genießer von so Scheiß á la Buck Biloxi, ISIS oder Giorgio Murderer wunschlos glücklich zu hinterlassen.
Lasst euch nicht vom ziemlich standardmäßigen Surf Rock des Openers täuschen, denn was darauf folgt ist um einiges Spannender: Zwei mühelos schreddernde Garage Punk-Perlen mit einem leichten ’77er Einschlag, innen gefüllt mit griffigen Hooks und eine Oberfläche reich an melodisch funkelnden Texturen. Insgesamt erinnert mich das ein gutes Stück an frühe Vaguess oder das absolut freidrehende Wild Rose-Demo von 2017.
Es gefiel mir schon sehr was ich auf der netten Split EP hörte, die das Duo (?) Jimsobbins aus Providence, Rhode Island, nun ja… in erster Linie mit sich selbst unter dem Alias Cindy veröffentlicht hatte. Diese neue digitale Single bringt mehr vom gleichen guten Scheiß. Den Anfang macht eine rundum kompetente Nerves-Coverversion, gefolgt von einem eigenen Song dessen quirliger Vibe sich etwa in der Nähe von so Krempel wie R.M.F.C., Billiam, Gonk, Shrudd, Music for Microwaves oder Liquid Lunch verorten lässt.
Auch wenn ich es immer noch nicht fertig gebracht habe, mich tiefer in die etwas einschüchternd massive Diskografie von Monda aus Totowa, New Jersey reinzuwühlen, muss ich ihnen dennoch zugute halten im Laufe dieses Jahres einen kräftigen Eindruck hinterlassen zu haben als eine sich konstant wandelnde und ruhelose kreative Gewalt. Wo die im Frühling erschienene LP Stiff Jumbo amtlich abgespackt seine schrille Fahne in den Wind hängte in der Form von kurzen Blitzen aus melodoischem Lärm und VIII in Sommer dann die klanglichen Parameter deutlich entpannte zu einer klassicheren Indie Rock-Ästhetik, begibt sich der neueste Langspieler in weiten Teilen in vergleichsweise, nu ja… benebelte Sphären würde ich mal sagen. Das ist ein ausgesprochen wolliges, ausgefranstes Bündel aus DIY-mäßigen Space-/Acid Punk-Exzentrizitäten, die in keinem Moment den kreativen Trieb, die menschliche Wärme, Neugier und Verwunderung verbergen kann hinter einer, zugegeben, ziemlich bekifften Fassade. Einerseits erinnert mich das stark an so Zeug wie Mononegatives, späte Useless Eaters, Pow! und einige der stärker Motorik-verschwurbelten Inkarnationen von The(e) O(h)Sees, wobei dann andererseits aber Songs wie I Alwys Have It Till I Need It, Chronic Embarrassment und Creek Time wiederum die gleichen melodischen oldschool Indie Rock- und Fuzz Punk-Qualitäten transportieren, die schon die beiden Vorgänger durchzogen.
Wo die durchschnittliche Band des 12XU-kompatiblen Spektrums doch eher dazu tendiert, ausgefeilter und feingeistiger zu werden bis sie anfängt zu saugen, scheinen The Unfit aus Seattle genau den umgekehrten Weg einzuschlagen und immer simpler und primitiver zu klingen bis sie vermutlich auch irgendwann ziemlich saugen werden. Aber aktuell sind sie davon noch weit entfernt und der Scheiß entfaltet seine Wirkung ganz vortrefflich, auch wenn – oder auch gerade weil – ihre fuzzigen Garage- und Post Punk-Tunes stellenweise auf ein geradezu Feedtime-mäßiges Level an monoton-repetitiver simplizität heruntergekocht werden.