Demo Rally – Volumen 1

Hochwertiger Stoff mal wieder vom zuverlässigen spanischen Spezialisten für eigenwilligen Post Punk, Flexidiscos. Auf ihrer Debüt-LP beschwört die Band aus Valencia, Spanien einen mehr als beachtlichen Sturm herauf aus schlauem, verwinkeltem, jedoch niemals ermüdend wirkendem Lärm, die ein bisschen so rüberkommt wie eine Verschmelzung der No Wave-igen Noise Rock / Post Punk-Abstraktionen von Spray Paint mit einer ganzen Reihe verwandter Genre-Grenzgänger wie etwa die gewundenen, ineinander greifenden Garage Punk-Grooves von Uranium Club, Reality Group und Vintage Crop einerseits, aber auch den exzentrischen Post Punk-Konstrukten von so Bands wie Rolex, Knowso, Meal, Exit Group, frühen Marbled Eye und Patti. Das alles fühlt sich dabe viel weniger bemüht und eingängiger an als man so erwarten würde, vorangetrieben mit unaufhaltsamem Drive, ökonomisch und punktgenau konzentriert angewandter Energie.

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Narkose – Überleben Koexistenz

Ein kleines Paradox, diese berliner Band, die hier einerseits eins der am meisten „Berlin“ klingenden Alben seit langem abgeliefert hat, für die ich dann aber doch keine so wirklich passende Entsprechung in jüngerer Zeit finde. Der beste Vergleich, der mir da einfällt wären wohl Hyäne und ihre zwei saustarken EPs plus eine ebenbürtige LP, die sie zwischen 2016-2018 von der Leine gelassen haben, wenngleich das Zeug hier sich hier aber noch ein ganzes Stück roher, oldschooliger, primitiver anfühlt, stärker verankert in einem ’80er Punk- und Hardcore-Hintergrund. Trotz all dem würde ich mal sagen dass Freunde von so Bands wie Die Verlierer, Kalte Hand, Maske, Pigeon and Gesture auch dieser Platte bestimmt nicht abgeneigt sind, denn irgendein roter Faden, so vage und undefiniert er auch sein mag, zieht sich durch alle davon.

*edit*
In der langjährigen Tradition dass ich manchmal einfach schlecht informiertes, dummes Gewäsch schreibe, stellt sich heraus, dass die Band mal so gar nicht aus Berlin kommt (nur das Label) sondern nicht weit von meiner eigenen Haustür irgendwo im Ruhrpott. Na kein Wunder dass die so angepisst sind. Es bleibt spannend: Was wird mein nächster Griff ins Klo? Stay tuned!

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Exwhite – Balkan Tour Tape

Wer die (nichtsdestotrotz ausgezeichnete) letzte LP von Exwhite aus Leipzig und Berlin ein bisschen zu aufgeräumt, konventionell und sauber produziert fand, den wird diese neue Kassette sicher wieder versöhnen, denn das ist eine wunderbar hyperaktiv lärmende, göttliche Schweinerei angerichtet von einer Band, die ihren kreativen Launen freien Lauf lässt in dreißig chaotischen Minuten aus „found-sound“-Interludes, krudem Humor und reichlich amtlichen Bangern inmitten dieses Durcheinanders, das wieder in etwa den verspulten Level erreicht auf einer Höhe mit ihrer schwer zu toppenden 2022er Estray LP.

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The War Goes On – Death Wish

Über diese Kopenhagener Band bin ich bisher noch nicht gestolpert, obwohl es die jetzt offenbar schon seit so anderthalb Jahrzehnten gibt. Vom ersten Moment an versprüht ihre dritte LP einen seltsam vertrauten Vibe aber bei genauerem Hinschauen passiert da auch mehr unter der Haube als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Die leichten Folk- und Cowpunk-Anleihen des Openers rufen etwa den folkigen Post Punk von Dead Finks und Optic Nerve oder die nervösen Garage Punk-Zuckungen von Hank Wood and the Hammerheads ins Gedächtnis. Insgesamt würde ich aber sagen, konsolidiert ihr Sound daraufhin mehr zu einer Ästhetik auf dem Grat zwischen geradlinigem, melodischem Punk Rock und ungleich düsteren Post Punk-Tendenten, auf die eine oder andere Art nicht unähnlich zu Bands wie Xetas, Red Dons, späteren Naked Raygun, Warp Lines, Dead Years und Telecult wirkt. Darüber hinaus passiert hier auch einiges an sehr netter, Leatherface-mäßiger Gitarrenarbeit und eine Melancholie, die ein wenig an The Misanthropes und frühe The Estranged erinnert.

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Rude Television – Disconnect

Keine unangenehmen Überraschungen hier, die neueste EP der Band aus West Palm Beach, Florida ist erneut ein kräftiges Geschoss aus catchy Egg-mäßiger Garage Punk-Exzellenz und eine alternativlose Maßnahme für Freunde von ählichem Scheiß á la Gee Tee, Erik Nervous, Set-Top Box, Satanic Togas, Power Pants oder Tommy Cossack & The Degenerators. Rat Bastard wird als zukünftiger Genre-Klassiker in die Geschichte eingehen, wenn ihr mich fragt. Aber mich fragt ja keiner.

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Solderer – Normal Style

Wie ein perfektes Pendant zur zeitgleich erschienenen Demo Rally-LP über die ich heute auch noch etwas posten werde, liefert das Langspieldebüt dieser Band aus Leeds aus dem späten Sommer – jetzt als Tape wiederveröffentlicht vom französischen Label Discos Peroquébien – mehr vom exzellent lärmigen, No Wave-igen Post Punk, dessen mögliche Einflüsse irgendwo pendeln zwischen so Akteuren des dissonanten Chaos‘ wie Spray Paint, Brandy, Rolex, Lumpy and the Dumpers, Cutie und Soupcans, wobei vergleichsweise langsamere und disziplinierte Tracks wie etwa Bog witch sogar ein bisschen von einer klassischen ’90er Chicago-Style Math-/Postcore-Energie ausstrahlen.

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Titanium Exposé – Disorders

Das Debüt-Tape auf Goodbye Boozy von dieser Band aus Haarlem, Niederlande ist ausgezeichneter Nachschub an Egg-mäßigem, unwuchtigem Garage Punk-Chaos, das in etwa so klingt wie Synth-Infizierte Uranium Club in den etwas straffer strukturierten Songs, während in anderen Momenten ein Level an schrulliger Kreativität erreicht wird auf einer Höhe mit so schweren Fällen wie Checkpoint, Pressure Pin, Liquid Face, Skull Cult und Belly Jelly.

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Winky Frown – ;(ii

Wie schon auf ihrer ersten EP lädt die Band aus Ottawa, Ontario hier einen flotten Batzen von schrulligen Eggpunk-Tunes ab, die auf den ersten Blick recht sauber in die etablierte Genre-Schablone passen gemeinsam mit so Bands wie Clarko, Prison Affair, Beer, Beta Maximo und Smirk als offensichtliche Vergleiche. Bei aufmerksamer Betrachtung, enthüllen sich aber auch ungleich tiefer gehende Qualitäten, die nicht zuletzt so einigem erstklassigen Songhandwerk, reichlich eingängigen Hooks und einer Fülle von schrägen Einfällen geschuldet sind. Diese Band trotzt erfolgreich ihrer eigenen Gewichtsklasse mit tonnenweise musikalischer Substanz als fester Anker für die verschrobene Ästhetik, mit deutlich mehr Aufwand unter der Haube als man es für ein übliches Egg-Artefakt für nötig halten würde.

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X2000 – Gótico Tropical

Passte die 2020er Debüt-EP dieser Spanisch singenden, schwedischen Band noch etwas zu perfekt in die Hardcore- und Death Rock-getränkte „Dark Punk“-Schiene des vergangenen Jahrzehnts, zeugte das Split Tape mit Islands essentiellen Genre-Stüztpfeilern Dauðyflin schon von einem stetigen Wachstum. Mit ihrer neuesten EP würde ich jetzt mal sagen, dass sie hier erstmals ihr volles Potenzial entfalten und gleichzeitig anfangen, die Limitierungen ihres doch ziemlich restriktiven Genres zu Transzendieren mit einerm Bündel neuer Songs, die nicht unbedingt etwas neues erfinden, aber die grundlegenden Parameter des Genres zu absoluter Perfektion arrangieren und feintunen, zu einer Reihe von so makel- wie auch atemlosen Abgründen aus Tod und Verderben, die dennoch von Anfang bis Ende die Spannung und mein Interesse zu halten vermögen – eine Qualität, die in dieser spezifischen Nische doch etwas selten geworden ist.

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Hyperdog – Tales From The Mountain

Hyperdog aus Linz, Österreich tummeln sich jetzt schon eine Zeit lang auf meinem Radar anlässlich einer sehr netten Debüt-EP und zwei gar nicht so lausigen Demos im Laufe der letzten zwei Jahre, wobei ihre Formel aber noch nie so gut aufging wie auf dieser neuen Kassette via Goodbye Boozy Records. Fuzziger Garage Punk ist das, mit stellenweise uncharakteristisch relaxten Tempos und einer glitzernd psychedelischen Oberfläche, die mich unter anderem sehr stark an die satten Noise Pop-Farbexplosionen von Beta Máximo erinnern.