Verspannungskassette #1
Pi$$er - Pi$$er
Fried Egg - Confidence
Vidro - Råttan
Golpe - Non Piegarti
D7Y - Þú Ert Ekki Til
Urin - Brak Sygnałów
Nosferatu - Applications of Reason
Impulso - Vento Statico
Church Clothes - 20Q
Policy - Drowned
Speck - Bruce G
The Resource Network - Superiority Complex
WHMIS - Blue Lite
Electric Chair - Old Man
Armor - Nos
Hate Preachers - Bile of Progress
Antibodies - TV Guide
Jobby - Civic Duty
Cement Shoes - Me No Have No Brain
Verspannungskassette #1
Glue - Opportunist
Bootlicker - Nuclear Family
Martyrs - No
Grimly Forming - In The Sticks / Regurgitation
Kaleidoscope - Feedback Systems
Bad Breeding - Brave New Church
Law - Garbage Values
Ill Globo - Mirabella
G.U.N. - Self Erase
Mack Enemy - False Alarm
Zhukov - Stupid Cycle
Dollhouse - Summer Love
Brain Itch - Tension
Cereal Killer - Your Punk Scene Can….It
Felchers - Kiss The Ring
Launcher - Gene Simmons
Crisis Man - The Myth Of Moderation
Akne - Ak Ak Ak Ak
Pink Guitars - The Hand

Ey Gro­schi, warum denn jetzt 'ne Kas­sette? Fängst du jetzt auch noch mit die­ser Hip­ster­scheiße an?

Ja, genau. Das passt auch viel bes­ser zu mei­nem Bart.

Aber jetzt mal ganz im Ernst: Warum???

Weil gerade ein­fach Bock drauf hab, seit lan­gem mal wie­der Mix­tapes auf ech­tem Tape auf­zu­neh­men. Und weil es heute noch geht. Und irgend­wann viel­leicht nicht mehr

Aber wird gerade nicht eh schon reich­lich Wir­bel um Tapes gemacht? Schall­plat­ten sind ja auch nicht ver­schwun­den, son­dern sind seit Jah­ren ein wach­sen­der Markt.

Jau, aber zwi­schen Vinyl und Kas­sette sind die Grund­vor­aus­set­zun­gen etwas unter­schied­lich. Lass mich mal etwas aus­ho­len…

In der Tat läuft par­al­lel zum Vinyl- gerade auch ein bemer­kens­wer­ter Kas­set­ten­boom. Gerade in der Punk- und Indie-Szene. Der Grund liegt eigent­lich auf der Hand: Bands wol­len gerne etwas auf dem Merch-Tisch lie­gen haben. Vinyl ist für viele wegen der hohen Kos­ten für Mas­te­ring und Gal­va­nik finan­zi­ell außer Reich­weite oder ein zu gro­ßes Risiko. Du musst ent­we­der eine ordent­li­che Auf­lage los­wer­den oder bei einer klei­ne­ren Auf­lage mäch­tige Preise ver­lan­gen, damit sich das rech­net. Kas­set­ten hin­ge­gen las­sen sich auch in einer win­zi­gen Auf­lage für wenig Geld ent­we­der selbst dupli­zie­ren, oder von Dienst­leis­tern dupli­zie­ren las­sen - das finan­zi­elle Gewicht fällt ent­spre­chend mini­mal aus. Und CD-Rs wären als Alter­na­tive ja auch nicht beson­ders sexy.

Auch in einer ande­ren Hin­sicht sähe es eigent­lich ganz gut aus für die alte Kas­sette. Denn nach­dem der letzte Mas­sen-Her­stel­ler - ACME in China - die Pro­duk­tion ein­ge­stellt hat (deren ganz ordent­li­ches Band­ma­te­rial war in der jüngs­ten Inkar­na­tion der Maxell UR drin, von wel­cher der­zeit offen­bar noch mas­sive Lager­be­stände exis­tie­ren und für wenig Geld abver­kauft wer­den) gibt es inzwi­schen wie­der drei Her­stel­ler, die Ferro-Band für Kas­set­ten pro­du­zie­ren. Das wären ATR Magne­tics in Frank­reich, RTM Fox und Natio­nal Audio Com­pany in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Das scheint sich wie­der zu loh­nen, weil beson­ders von Sei­ten der Dupli­zie­rer­werke Nach­frage besteht.

Okay, okay. Und wo ist denn jetzt der Haken?

Ganz ein­fach: es gibt der­zeit nur noch einen ein­zi­gen Her­stel­ler von Kas­set­ten­lauf­wer­ken. Und die sind ein­fach das bil­ligste vom bil­ligs­ten und tau­gen nicht viel. Jupp, vom 20€-Kratzwürfel bis hin zum aktu­el­len 500€ Tas­cam-Modell steckt in jedem neu erhält­li­chen Gerät eine Vari­ante des berüch­tigt-bil­li­gen Tana­shin-Lauf­werks. Es baut ein­fach nie­mand mehr brauch­bare Hard­ware.

In Sachen Vinyl kann ich mich hin­ge­gen an keine Zeit erin­nern, in der nicht ordent­li­che Plat­ten­spie­ler sowohl für mode­ra­tes als auch für rich­tig viel Geld erhält­lich gewe­sen wären. Es ist ja auch kein gro­ßes Wun­der. Ein Plat­ten­spie­ler ist ein recht unkom­pli­zier­ter Mecha­nis­mus, den man zur Not in jeder Hob­by­werk­statt zusam­men­klop­pen kann und solange irgend­wer noch Nadeln und Ton­ab­neh­mer fer­tigt, ist da wenig zu befürch­ten.

Ein Kas­set­ten­lauf­werk ist da schon etwas fili­gra­nere Mecha­nik. Nicht dass es für eine Hand­voll Inge­nieure ein Pro­blem wäre, da was neues zu bauen. Das machen die mit links. Aber vor­aus­sicht­lich wird das nie­mand tun. Ich bezweifle stark, dass dafür eine aus­rei­chende Nach­frage besteht, dass sich der Ent­wick­lungs­auf­wand lohnt und die Hard­ware sich erschwing­lich bauen ließe. Die ein­zige plau­si­ble Hoff­nung wäre da, dass halt Tana­shin sei­nen eige­nen Mecha­nis­mus mal ordent­lich im Detail auf­motzt und in einer höher­wer­ti­gen Ver­sion ver­füg­bar macht. Ich würde dar­auf aber kein Geld ver­wet­ten…

Wer heute was ver­nünf­ti­ges haben will, der ist eigent­lich am bes­ten bera­ten, sich ein soli­des Gerät aus den 90ern güns­tig bei Ebay oder auf'm Floh­markt zu schie­ßen, Lauf­werk, Köpfe und Potis zu rei­ni­gen, die Rie­men und je nach Was­ser­stand auch ein paar Kon­den­sa­to­ren aus­zu­tau­schen. Die meis­ten Geräte ohne mecha­ni­schen Defekt lau­fen danach wie neu.
Es ist ein­fach die ein­zige ver­nünf­tige Option im Moment, alte Hard­ware so lange am lau­fen zu hal­ten, wie es die Lang­le­big­keit der Kom­po­nen­ten und die Lage mit den Ersatz­tei­len erlaubt.

Aber damit die aktu­elle Kas­set­ten­welle lang­fris­tig Bestand hat, müsste auf Dauer halt auch wie­der pas­sa­ble, neu­wer­tige Abspiel­hard­ware ver­füg­bar sein. Solange das nicht pas­siert, sehe ich lang­fris­tig eher dünne Luft für die Kas­sette.

Da machst du dir aber ganz schön viele Gedan­ken um ein ver­al­te­tes For­mat…

Ja, irgend­wie schon. Und ganz ehr­lich gesagt kann ich auch ganz gut auf die vor­be­spiel­ten Tapes ver­zich­ten, die heute auf gefühlt jedem zwei­ten Band­camp-Pro­fil und so ziem­lich jedem Kon­zert wie­der feil­ge­bo­ten wer­den.

Was ich aber wirk­lich ver­misse ist die alte Mix­tape-Kul­tur. In Zei­ten, in denen die meis­ten Men­schen schein­bar kein Pro­blem damit haben, sich die Musik weit­ge­hend von Algo­rith­men füt­tern zu las­sen, ver­spüre ich doch etwas Weh­mut nach dem alten Brauch, sich ein paar Stun­den Zeit zu neh­men und den Kopf drü­ber zu zer­bre­chen, wie ich diese 60 oder 90 Minu­ten auf mög­lichst anspre­chende und schlüs­sige Art und Weise mit Musik auf­fülle.

Jetzt gerade ist glaube ich eine gute Zeit, das mal wie­der auf­zu­grei­fen. Und hier ist der erste Anlauf, die alten Instinkte neu zu schär­fen. Dies­mal mit beson­ders hohem Ener­gie­le­vel. C-60, Type I, no Dub­bley. Und furcht­lose Pegel für das gewisse Sah­ne­häub­chen an LoFi-Knarz. Das bes­ser klin­gende Lo-Fi in ver­schie­de­nen Geschmacks­rich­tun­gen gibt's übri­gens bei archive.org.