12XU Radio (die Show) kommt unter die Axt.

Jopp. 12XU Radio wird zumindest vorübergehend auf Eis gelegt. Weil es einfach zu viel wird. Aber jetzt mal von Anfang an:

Normal versuche ich, mein Privatleben aus dem Blog raus zu halten. Jetzt mache ich da mal eine Ausnahme um die Lage zu erklären. Ich hab schon seit längerer Zeit mit einer psychischen Erkrankung zu schaffen. Ich will jetzt kein Mitleid dafür, es ist einfach nur wie es ist. Das hat unter anderem zur Folge, dass ich einfach weniger belastbar bin als andere Menschen, extra-viel Schlaf brauche um zu funktionieren, schnell erschöpft bin. An manchen Tagen will mein kaputtes Gehirn auch einfach gar nicht funktionieren, ich kann mich kaum auf etwas fokussieren und brauche gar nicht erst versuchen, irgendwas auf die Reihe zu bekommen. Einen gewöhnlichen Job als Broterwerb kann man gerade auch knicken – ich arbeite derzeit in einer Behindertenwerkstatt für Menschen mit Seelischen Erkrankungen. Da kann ich ohne Leistungsdruck arbeiten, bin nach Feierabend aber dennoch vollkommen ausgepowert.

Eine Zeit lang ging das noch ganz gut, mich nebenbei um’s Blog zu kümmern und die monatliche Radioshow an den Start zu bringen. Mit der Zeit stellte es sich für mich aber als immer schwieriger da, beides zu schaffen. Die Show zu produzieren verschlingt immer ein ganzes Wochenende. Zeit, die mir dann für das Blog fehlt und einen Rückstand erzeugt, den ich erstmal wieder aufholen muss. Abgesehen davon dass manchmal, wie gesagt, mein Denkapparat nicht mitspielt und ich dann viel weniger geschafft bekomme als ich mir vorgenommen hab.

Die Radioshow fühlt sich inzwischen mehr nach Arbeit an als nach Spaß. Die letzten paar Sendungen hab ich nur noch mit großer Mühe und etwas Verspätung fertig bekommen. Eigentlich wäre jetzt wieder Produktion angesagt, aber mir wurde gestern klar, dass das nicht so weiter geht; dass ich mich damit nur kaputter mache als ich es eh schon bin. Daher meine Entscheidung, die Show aufzugeben. Stattdessen hab ich mich auf die Couch gesetzt und nach längerer Zeit mal wieder ’nen Film geschaut, wozu ich heute viel zu selten komme. Hat sich sehr gut angefühlt, einfach mal nichts zu tun.

Daher will ich das auch gar nicht so negativ sehen, sondern freue mich viel mehr auf die gewonnene Zeit, in der ich mal wieder für mich selbst da sein kann. Darauf, dass ich das Blog wieder zuverlässiger und mit weniger Stress machen kann. Ich bedanke mich bei allen die zugehört haben, bei den Sendern die 12XU Radio ausgestrahlt haben und den beiden Syndication-Plattformen Starzz.de und Radiosendungen.com für ihren Einsatz, ein Syndication-Netzwerk für kleine und große (Web-)Radios aufzubauen.

Die Laut.fm-Station wird natürlich weiterhin von mir betreut und wenn’s mich doch noch mal in den Fingern juckt, lade ich vielleicht mal das eine oder andere Mixtape hoch. Und wer weiß, vielleicht werde ich auch die Show zur passenden Zeit wieder reaktivieren. Aber erstmal brauche ich jetzt etwas Luft zum Atmen.

What is this shit called Scheiße?

Keine Ahnung, aber ab nächste Woche gibt’s auch was davon im Trust. Da wird dann auch in Zukunft noch der eine oder andere Gedankenfurz von mir zu lesen sein. Also support your local Bahnhofsbuchhandel. Oder besser Plattenladen, wenn es in eurer Gegend einen vernünftigen davon gibt.

Ein kleines Statusupdate

Aus der Tatsache, dass ich diesen Post verfasse könnt ihr ja schon erahnen, dass ich mich jetzt nicht wie geplant im Krankenhaus befinde. Daher erstmal die gute Nachricht, dass es hier in ein paar Tagen wieder weiter geht.

Die schlechtere Nachricht ist, dass die OP nur verschoben ist. Und dass sie voraussichtlich ein ganz schönes Massaker wird, so dass ich anschließend erstmal 1-2 Tage auf der Intensivstation verweilen werde. Geht also mal davon aus, dass es im späten Februar zu einer etwas längeren Auszeit kommen wird.

Das alte Scheißjahr

Ja, ich weiß. Das kommt jetzt mal ordentlich spät. Und eigentlich wollte ich schon länger mal ein ausführliches Update zum Stand der Dinge in Sachen 12XU vom Stapel lassen, aber ehrlich gesagt fehlt mir derzeit sowohl die Zeit als auch die Geduld dazu. Deshalb werde ich hier einfach mal im Schnelldurchlauf ein paar Eindrücke, Infos, Bits and Pieces los.

First things first:

Das Musikjahr 2017.

Ich musste mir zum Jahresende viel Geheule anhören über ein sehr schwaches Jahr 2017. In der Tat hat letztes Jahr niemand eine musikalische Revolution im Rock’n’Roll ausgelöst, aber mal ehrlich: Wann ist das denn zum letzten mal passiert? Punk und Noise und Whatever-Core bewegen sich im gemächlichen Tempo weiter, aber sie bewegen sich. Überall auf der Welt sind tendenziell eher kleine, aber intakte Musikszenen am Start und ich kann mich nicht über mangelnde Qualität beschweren. Überhaupt ist mir – zumindest was die Musik angeht – noch kein schlechtes Jahr begegnet. Man muss nur die Augen aufhalten und selbst nach dem guten Zeug wühlen.

Und genau da liegt glaube ich der Hund begraben. Die etablierten Magazine interessieren sich halt nicht mehr für Lärm, Punkt. Viele der 12XU-relevanten Blogs haben mit der Zeit dicht gemacht und es ist schon etwas erschreckend, wie schnell einstmals abenteuerlustige Magazine á la Pitchfork und Impose den Bach runtergegangen sind und ihrer ursprünglichen Leserschaft den Rücken zugewandt haben. Klar kann man da den Eindruck bekommen, dass in den Kellern und Proberäumen nicht mehr viel geht. Neue Musik zu entdecken fühlt sich auch für mich immer mehr nach Arbeit an, weil niemand mehr dabei hilft, die Veröffentlichungsflut vorzufiltern. Und jetzt kommt mir nicht mit Fakebook, Shitter und anderen Konzernen, die das ganze Web zu verschlucken drohen. Ich hab ehrlich die Schnauze voll davon und überlege ernsthaft, im Laufe des Jahres alle Accounts zu löschen. Das ist zwar irgendwie auch scheiße, weil mir da ein sehr zentraler Kommunikationskanal verloren geht. Aber irgendwer muss ja mal den Anfang machen. Ich hab prinzipiell ja nix gegen Soziale Netzwerke. Wie wär’s, wenn alle einfach mal auf Diaspora umsatteln? Da muss man sich nicht von ätzenden Konzernen ins Bier pissen lassen.

Aber ich komme vom Thema ab: Die Musik.
Ich mach hier jetzt keine Bestenliste, das halte ich eh für Murks. Musik zu ranken ist immer wie Äpfel mit Mikrochips zu vergleichen. Stattdessen hab ich einfach mal ohne den Anspruch auf Vollständigkeit ein paar Veröffentlichungen rausgepickt, die bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Kann durchaus sein, dass irgendwo noch etwas vom Vorjahr dabei ist. Ich check das jetzt nicht einzeln ab, ok? Auch die Kategorisierung ist grundsätzlich ja immer Bullshit und liegt außerdem im Auge des Betrachters. Viel will ich dazu auch nicht schreiben, ihr müsst schon selbst auf die Links klicken.

Okay, here goes…

In einer eigenen Liga spielen derzeit die zunehmend gottgleichen Protomartyr, die einfach jedes bisschen Aufmerksamkeit verdient haben, das ihnen inzwischen auch entgegen gebracht wird. Nuff said.

Post Punk
Wirklich aus den Socken gehauen – und das auf ziemlich unterschiedliche Weise – haben mich letztes Jahr die Platten von Negative Space, Italia 90 und Behavior. Besonders letztere möchte ich euch noch mal ganz besonders ans Herz legen, denn es ist echt kriminell, wie wenig diese – zugegeben, recht sperrige – Platte bisher beachtet wurde. Außerdem gab es unter anderem noch unverschämt starke Alben von Institute, Shit Giver, Sievehead, Death Stuff und Dasher.

Power Pop, Melodischer Indierock & Noise Pop
Absolute Nachholpflicht besteht für alle, die die neuen Platten von Bed Wettin‘ Bad Boys, Michael Beach oder Lost Ballons noch nicht begutachtet haben. Außerdem gab’s da noch exzellentes Zeug u.a. von Monster Treasure, Landlines, Molly, Milked, Pardoner.

Garage Punk
Wirklich gut in die Scheiße haben 2017 Jackson Reid Briggs und seine Heaters mit gleich zwei verdammt geilen Alben gehauen (#1, #2). Müsste ich mich für ein Garagen-Lieblingsalbum entscheiden, dann würden wohl die wunderbar schrägen Wireheads und ihr bislang stärkstes Album den goldenen Arschtritt mit Exotenbonus bekommen. Der unermüdliche Connie Voltaire (Neo Neos, etc.) hat mich auch mal wieder mit einer ganzen Reihe von Kurzspielern desorientiert. Und dann waren da zum Beispiel noch: David Nance, The Cowboy, Vaguess, Wild Rose, Plax.

Hardcore Punk
Hardcore ist ja generell nicht so meine Kernkompetenz, aber Arse und ROHT haben mir ganz ordentlich in die Klöten getreten. Außerdem brachten Anxiety und Acrylics mit Nachdruck meine Zehenspitzen zum wippen.

Noise Rock / Postcore
Starkes Zeug gab’s – neben vielen anderen Bands – von Idles, Meat Wave, Lardo, Pile, Piles, Tunic.

So, und das kratzt noch nicht mal an der Oberfläche. 2017 war genau so gut wie jedes andere Jahr. Außer dass halt alles scheiße war, aber das wisst ihr ja selbst.

Das Blog

Hmm, joa. War ein schwieriges Jahr, in dem sowohl mein Zeit- als auch mein Finanzbudget empfindlich zusammengeschrumpft ist und ich mich zwischenzeitlich schon fragen musste, ob ich die Kosten für das Betreiben eines Blogs mit angeschlossenem Radio (90% des Geldes geht dabei für digitale Musikkäufe drauf) überhaupt noch wuppen kann. Es wird sehr eng, aber es geht gerade eben noch. Außerdem wird die Situation mittelfristig wohl auch nicht viel schlechter werden.

Zwei mal hab ich dem Blog ein neues Aussehen verpasst, dabei zwei Themes verschlissen, nach dem zweiten Anlauf war ich zufrieden. Von Blogs erwartet man heutzutage ja scheinbar, dass sie alle knallbunt und überladen aussehen und generell fast unbenutzbar sind. Da wird es inzwischen schon schwierig, ein technisch zeitgemäßes, minimalistisch aussehendes und dennoch anpassungsfähiges Theme im klassischen Bloglayout zu finden. Am Ende hab ich mal etwas Geld für das eigentlich viel zu komplexe Divi Theme ausgegeben und sozusagen die Fliege mit ’nem Amboss erschlagen. Die Fliege ist jetzt tot. Trotzdem wird es Zeit, dass ich mir mal ein paar grundlegende PHP-Kenntnisse zulege.

Die Leserzahlen stagnieren. Was will man auch erwarten in Zeiten, in denen vom Blogsterben schon gar nicht mehr geredet wird, weil Musikblogs inzwischen weitläufig als totes Medium gesehen werden. Ich glaube es sind jetzt einfach ein paar Jahre, durch die man sich halt durchbeißen muss und in denen eigentlich alle Medien von gewaltigen Umbrüchen geschüttelt und bedroht sind. Ich mach einfach weiter. 12XU ist das kleine bisschen DIY das ich drauf habe und ich hatte eh nie vor, die großen Massen zu erreichen.

By the way…
Heute rufe ich den Start Your Own Fucking Music Blog Day aus. Also los, macht. Ich will eure Blogs lesen!

Und das bringt mich zum Thema…

Die Blogs der anderen

Wie gesagt, ziemlicher Kahlschlag. Ich freue mich aber sehr, dass Manierenversagen wieder am Start ist. Ack! Ack! Ack! hat mich regelmäßig zum lachen, nachdenken, mit den Augen rollen und gute Musik hören gebracht. Und die RRRSoundZ-Crew ist nach wie vor ein hochgeschätzter subkultureller Gegenpol zu meiner doch sehr gitarrenlastigen Ausrichtung.
International hat sich auch nicht so viel getan, aber immer noch finde ich regelmäßig gutes Zeug z.B. bei Gimme Tinnitus, iamtheleastmachiavellian, The Mad Mackerel, Heartbreaking Bravery, Dusted & Social.

12XU Radio

Vielleicht haben es nicht so viele mitgekriegt, aber den 12xu Radiostream habe ich neulich mal ordentlich generalüberholt. Vorausgesetzt es ist gerade kein Strom- oder Internet-Ausfall, wird das Zeug jetzt nicht mehr vom Laut.fm-Server ausgespielt sondern kommt aus meinen eigenen vier Wänden. Der ganze Krempel läuft auf einem Odroid XU4 (sozusagen ein Raspberry Pi mit mehr Wumms), die Musik liegt auf einer externen Festplatte und möglich macht’s die Skript-basierte, freie Streamautomations-Software Liquidsoap.

Nicht nur ist das Musikprogramm – derzeit grob eingeteilt in Neuheiten, Classics und alles andere aus dem 12XU-Archiv – jetzt anders gewichtet; es gibt auch endlich vernünftige Übergänge. Hat langes Schrauben an den Skripten gebraucht bis das nach meinen Vorstellungen funktionierte, aber ich finde jetzt kann sich das echt hören lassen. Es klingt endlich mehr nach einem Radio als nach einer Playlist. Geblieben sind leider die ätzenden Werbeblöcke und da ich mir auch in absehbarer Zeit keine eigene Gema/GVL-Lizenz leisten kann, muss das wohl auch so bleiben. Sorry.
Des weiteren bin ich gerade dabei, das bisher etwas kümmerliche Klassiker-Archiv ordentlich aufzubohren und es wird in Zukunft mehr, vielseitigeren und durchaus auch obskureren old shit zu hören geben. Also hört ruhig mal rein!

Die monatliche Radioshow zu produzieren macht mir immer noch richtig Spaß, ist aber auch jedes mal ein ganz schöner Kraftakt, nach dem ich erst mal einen Tag Ruhe brauche.

Das Syndication-Gedöns läuft auch langsam aber sicher an. Derzeit läuft die Show auf vier anderen Stationen. Zuerst dachte ich den Scheiß will keiner haben. Aber nach und nach kommen die Buchungen rein, vermutlich hat die junge Syndication-Plattform Radiosendungen.com auch noch nicht so den Bekanntheitsgrad. Das wird aber noch. Die 12XU-Show ist da ja auch ein ziemlicher Exot.
Falls noch wer Bock hat den Krempel auszustrahlen, möge er sich einfach bei mir melden.

…und 2018?

Wird vorraussichtlich genau so ein deprimierendes Drecksjahr wie das alte. Ziemlich bald wird mir mal der Hals aufgemacht und mindestens 3/4 meiner Schilddrüse rausgepuhlt. Also nicht wundern, wenn hier zwischenzeitlich mal wieder etwas Funkstille einkehrt. Mit etwas Glück bin ich danach wieder etwas besser zu gebrauchen und krieg auch das Blog leichter gewuppt. Irgendwie kriegen wir 2018 schon rum.

Bildungsfernsehen!

Gerade wird mal wieder ein ganz schöner Marketingwirbel um hochauflösendes Audio gemacht. Der ganze unwissenschaftliche Bullshit, der da regelmäßig verbreitet wird, bringt mich jedesmal zum kotzen. Wie zum Beispiel aus dem Hause Pitchfork, die gerade nicht zum ersten mal einen vortrefflich unfundierten Artikel zum Thema gebracht haben, der eine ausgewogene Berichterstattung vortäuscht, aber dann doch kräftig die Werbetrommel zückt. „Du brauchst nur das super teure Equipment, dann hörst du den Unterschied“. Von der Bedeutung des Bestätigungsfehlers haben die natürlich nie gehört. Ganz zu schweigen davon, warum ein ABX-Test nötig ist, um so etwas festzustellen.

Downloadshops, Streamingdienste und Hardwarehersteller möchten natürlich gerne extra für Hi-Res Audio bezahlt werden, obwohl die zusätzlichen Vertriebskosten (ein wenig Bandbreite und Speicherplatz) minimal sind. Und das Sahnehäubchen auf dem ganzen Scheißhaufen setzt dann die Firma Meridian, die versucht ihr (im Gegensatz zum freien FLAC) proprietäres Format MQA als Quasi-Standard zu etablieren. Das funktioniert dann natürlich nur mit extra lizenzierter Hard- oder Software. Was, ihr dachtet mit einmal draufzahlen kommt ihr davon?

Ich halte es deshalb gerade mal wieder für notwendig, dieses kleine Stück Audio-Grundbildung zu posten. Diese zwanzig Minuten können euch vielleicht mal eine Menge Geld sparen. Denn wer die Grundlagen versteht, lässt sich nicht so leicht über den Tisch ziehen.

Erst Hype Machine. Jetzt The Quietus. Morgen 12XU?

Nee, keine Angst. So schnell geht eure least trusted voice in music nicht unter. Aber um mich herum sehe ich die halbwegs relevanten Blogs und Magazine in beunruhigend hoher Frequenz wegpurzeln. Vorbei sind die Zeiten, in denen es ein fließendes Spektrum gab. Von kleinen, werbefreien Liebhaberblogs wie diesem hier, in die eine gewisse Menge Geld reingesteckt wird ohne dass das Projekt jemals einen Pfennig abwirft. (Nein, ich beschwere mich nicht. Das hab ich selbst so gewählt.) Über mittelgroße Publikationen, die zumindest ihre Kosten decken und evtl einen Nebenverdienst darstellen – bis hin zu den großen (weniger als) 1%, die mindestens eine Person ernähren, manchmal auch mehrere in Voll- oder Teilzeit angestellte Autoren bezahlen können.

Alle drei Gattungen sehe ich derzeit als gefährdet an. Vor allem fällt mir auf, dass die Luft bei den mittelgroßen Projekten echt dünn wird.

Das Problem dahinter ist so alt wie das Web. Wir sind es schon lange nicht mehr gewohnt, für gute Dinge im Web Geld zu bezahlen. Man kann es sich ja nicht mal aussuchen. Ob Facebook, Google, Youtube oder Soundcloud (Bandcamp ist da mal eine lobenswerte Ausnahme…): Alle diese Projekte konnten ihre Marktdominanz nur erreichen, weil sie unentgeltlich (keineswegs kostenlos) zu benutzen sind. Einen bezahlten Dienst anzubieten ist gar keine Option. Man wird immer gegen den Konkurrenten verlieren, der sich durch Werbung oder durch Sammlung und Verkauf von Nutzerdaten finanziert.

Von Anfang an waren also alle größeren Web-Projekte auf die Finanzierung durch Werbung angewiesen. Ich könnte endlos darüber kotzen, aber das ist die traurige Wahrheit. Und zumindest für ein paar wenige Player hat das Modell funktioniert. Der Haken ist nämlich: von einem kleinen Goldrausch um die erste Dotcom-Blase abgesehen, wirft Werbung gar nicht so viel Profit ab. Man musste als Blog oder Zine auch früher schon eine wuchtige Masse an Lesern erreichen, um davon ernsthaft Gehälter zahlen zu können. Pitchfork kann das. Die digitalen Überbleibsel der alten Musikpresse auch – mit einem brutal geschrumpften Gesamtbudget. Hype Machine und The Quietus dürften da ein ziemlicher Grenzfall sein, aber auch die konnten sich lange Zeit über Wasser halten.

Und jetzt hat’s geknallt. Der digitale Anzeigenmarkt konzentriert sich mehr als je zuvor auf die beiden Web-Giganten Facebook und Google. Die beiden Unternehmen haben einfach die effektivsten Tricks und Methoden, ihre User zum Klick auf eine Anzeige zu manipulieren. Deshalb können sie auch noch vergleichsweise stolze Geldbeträge für ihre Dienstleistungen verlangen. Der Rest des Marktes ist praktisch weggebrochen. Bis zu 90% der Werbeeinnahmen sind vielen mittelgroßen Publikationen verloren gegangen. Und die großen? Vermutlich sind die auch betroffen. Der Verkauf von Pitchfork an Conde Nast ist in diesem Licht vielleicht verständlicher. Die Verantwortlichen haben womöglich schon geahnt, dass ihre Bude langfristig untergeht. Also besser den Krempel verkaufen, so lange er noch etwas wert ist. Für das Mittelfeld stellt sich jetzt die Frage: Auf volle Kanne Ausverkauf setzen? Den Laden dicht machen? Oder die Operation auf ein wirtschaftliches Minimum herunterfahren und auf Finanzierung durch Spenden hoffen? Das perverse an der Situation: Gerade Facebook hat seinen Erfolg überwiegend auf dem Content (argh! Jetzt hab ich das Wort gesagt…) von Fremdpublikationen gebaut.

Für einige etablierte Läden ist die Marschrichtung eindeutig. Pitchfork und Impose z.B kann man Inhaltlich kaum wieder erkennen. Von einer eigenwilligen, gerne auch mal bewusst kontroversen Publikation für Fans eines halbwegs weit gefassten, aber dennoch klar definierten Genrespektrums, hat sich vor allem Pitchfork innerhalb weniger Jahre zu einer hyperaktiven Schleuder von Promi-Gossip und Clickbait-Headlines gewandelt. Statt sich der Erschließung von Musikszenen außerhalb eines „sicheren“ und vorhersehbaren Corporate Indie-Sumpfes zu widmen, wird die Aufmerksamkeit auf einschlägig bekannte Gesichter gerichtet, die eigentlich schon genug davon bekommen. Zieht halt mehr Leute.

Am anderen Ende der Skala hat die Advertising-Apokalypse zuletzt zwei Bastionen der unabhängigen Musikberichterstattung erwischt. Hype Machine hat dabei noch die Kurve gekriegt. Der wichtige Blog-Aggregator kann auf den finanziellen Support von derzeit ca. 3500 Unterstützern bauen. Damit sind die Kosten und Gehälter gedeckt. Jetzt hängt The Quietus in den Seilen. Wenn keine ausreichenden Spenden zusammen kommen, muss das Magazin mit dem grausigen Layout und hochwertigem Inhalt noch dieses Jahr dicht machen. Das ist besonders traurig. Denn auch wenn die musikalische Ausrichtung nicht immer meinen Nerv trifft, ist The Quietus doch eine der wenigen größeren Publikationen, die sich bislang nicht dem wirtschaftlichen Druck gebeugt und ihre Inhalte auf Massenwirkung optimiert haben. Und ich halte es immer noch für unglaublich wertvoll, dass gute Autoren sich ganz der Dokumentation und Analyse des aktuellen Musikgeschehens widmen, dass sie außerdem vernünftig davon leben können. Weil sie das einfach besser können als ich. 12XU ist schon cool, aber ich bin kein Musikjournalist. In meinen Augen schreibe ich deshalb auch keine „Artikel“ oder „Reviews“. Ich kann und will nur auf ein paar gute Bands aufmerksam machen. Blogs wie dieses können keinen professionellen Journalismus ersetzen.

Also werft in der Zwischenzeit ruhig mal etwas Kleingeld in Richtung der Magazine, die ihr lest. Langfristig müssen wir überlegen, ob das nicht besser die Normalität werden sollte. Dass Szenen und Communities ihre Medien wieder selbst finanzieren. Damit sie unabhängig bleiben. Außerdem ist Werbung eh scheiße und eigentlich gar nicht mit dem Geist der Musik vereinbar, für die unser Herz schlägt…

Intermission

Ich muss hier etwas persönlichen Scheiß auf die Reihe kriegen, deshalb legt 12XU jetzt mal eine kurze Pause ein. In spätestens 1-2 Wochen geht’s hier wieder weiter.
In der Zwischenzeit könnt ihr ja mal ’n paar andere gute Blogs auschecken.

Digitalscheiß für Musiknerds Teil 2: Wireless Audioplayer zum Selbstbauen

Im ersten Teil dieser Reihe habe ich mich darüber ausgelassen, wie man ein digitales Musikarchiv im Rahmen eines vollwertigen Media Centers wohnzimmertauglich machen kann.
Jetzt will ich hier noch eine etwas schlankere und kostengünstigere Lösung vorstellen: Einen kleinen Wireless Audioplayer, der seit geraumer Zeit meine Küche beschallt und in sachen Preis, Klang und Vielseitigkeit den teuren Komplettlösungen von Herstellern wie Sonos gehörig in den Arsch tritt. (mehr …)

Digitalscheiß für Musiknerds Teil 1: Computer gehören ins Büro.

Ich bin Digitalmensch und hab das Sammeln physischer Tonträger schon vor Jahren aufgegeben. Schon als die ersten mp3-encoder sich breit machten war ich begeistert von den Möglichkeiten, den digitale Audiofiles bieten.

Auch wenn‘s damals noch wenige glauben wollten, die einzigen Hindernisse, die damals noch der Revolution im Weg standen waren der begrenzte Speicherplatz und die mickrigen Downloadraten. Heute wissen wir es natürlich besser und die Digitalisierung der Medien ist schon lange Realität.

So zur Mitte der Nullerjahre kam ich dann einmal in massive Geldnot und hab meine komplette Plattensammlung an glückliche Sammler verscherbelt, die jetzt hoffentlich viel Spaß damit haben.
Seitdem bin ich nur noch digital unterwegs und schaue nicht zurück. Auch wenn ich den Reiz von Vinyl als ehemaliger Sammler noch immer nachvollzhiehen kann (aber wohlbemerkt den von Vinyl-Fanatikern verbreiteten Audio-Mythen keinen Glauben schenke), bin ich heute froh, diesen Schritt schon früh gegangen zu sein. Allein schon wenn ich darüber nachdenke, wie viel mehr mein Musikkonsum mich heute kosten würde, wenn ich immer noch einen großteil der Platten aus Übersee bestellen müsste…

Hier will ich jetzt mal darüber reden, wie man ein digitales Musikarchiv Wohnzimmertauglich machen kann, bzw. wie ich das selbst gelöst habe. In diesem Artikel geht es jetzt um ein vollwertiges Media Center mit besonderem Fokus auf Musikwidergabe, in einem seperaten Post werde ich dann bald noch zwei schlanke Lösungen für einen reinen Audioplayer vorstellen.

In den Nullerjahren kam meine Musik wie bei den meisten Leuten zu der Zeit aus dem PC oder Laptop. Das war damals ja auch fast die einzige vernünftige Lösung. Die Hardware für Media Center war noch kostspielig, die Software relativ unausgereift und fertige Medienspieler für zuhause kaum zu gebrauchen. Und wenn eh schon ein PC 24/7 im eigenen WG- oder Jugendzimmer vor sich hin rasselte war auch nicht so wirklich der Bedarf für zusätzliche Hardware da.

Was aber, wenn man seine Musik und Filme auch im Wohnzimmer, in der Küche oder im Schlafzimmer parat haben will, wo ein ausgewachsener PC einfach zu viel Platz wegnimt und unnötig Krach macht? Ein Laptop passt da schon besser rein, aber immer in langes Kabel zum Verstärker zu legen finde ich auch mal eher suboptimal und wenn ich einfach Musik genießen will, ist es auch doof immer den Rechner zu booten und den Audioplayer zu öffnen.

Hier (Trommelwirbel…) betreten Mediacenter die Bühne. (mehr …)