Stray Dogs To Good Homes – Demos Of The Album I’m Gonna Release Maybe

Hier kommt noch mal ein halbes Tetrapak des eierigen Garage-/Synth Punks auf uns zu in Form dieses charmanten Häufchens von Demoaufnahmen einer Band aus Melbourne, von denen, so geht das Gerücht um, auch schon amtlicher produzierte Aufnahmen existieren sollen, die wir dann hoffentlich bald zu hören bekommen. Wie schon auf ihrer ersten EP im Frühjahr, wird auch dieser Scheiß das Genre nicht neu definieren aber liefert dennoch eine reichhaltige Ladung infektiöser Songs ab, die sich weitgehend an die Spezifikationen und Tropes des kontemporären Garage-/Eggpunk halten und dabei im Vergleich zum Debüt noch mal deutlich zugelegt haben in Sachen Konsistenz uns schierer Catchyness.

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Pill Time – Extended Release

Hier haben wir eine absolut knorke kleine Debüt-EP von einer Band aus Cleveland, Ohio. Die entzückt darauf mit einem ziemlich wandlungsfähigen Ansatz an Garage Punk, der einerseits ein bisschen von einer ’77er Note hat – nicht ohne Grund ist der Opener eine ziemlich steile Coverversion eines Black Randy and the Metrosquad-Songs – im weiteren Verlauf sich aber ausgeht wie eine gemischte Wundertüte aus Punk-Projektilen erster Güte mit einer schwankenden Menge von KBD- und Devo-fizierung, was in unterschiedlichen Momenten auch an einen farbenfrohen Strauß an aktuellen Bands erinnern mag wie etwa Tyvek, Skull Cult, Jean Mignon, Parquet Curts, Sick Thoughts und D. Sablu.

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Public Body – Finger Food

Ich muss eingestehen dass ich nach einer ausgesprochen starken 2019er Debüt-EP meine Schwierigkeiten hatte, mich für die nachfolgenden EPs und insbesondere die 2023er Big Mess LP dieser Band aus Brighton zu erwärmen, die mir einfach etwas zu rigide auf die populäre Standardformel des hippen britischen Post Punk-Chic abzuzielen schien mit den üblichen verräterischen Anzeichen wie einem etwas zu glatten Produktionsstil, einem Übermaß an polyrhythmischen Gitarrenleads und Appregios, fadem Gen Z zähle-jede-silbe Sprechgesang (der Scheiß wird nicht gut altern, sag ich euch) – also schlicht gesagt, nicht den originellsten Grundzutaten dieser Tage. Der neue Langspieler ist dagegen mal ein ganz anderes Kaliber, auf dem sich die Band ihre ursprüngliche Kante zurückerobert und eine stellenweise fast schon Postcore- und Noise Rock-mäßige Energie zu Songs zusammenfließen lässt, die organisch und rund wirken anstatt erzwungen zusammengetüftelt und zu Tode quantisiert in einer Pro Tools-Postproduktionshölle. Nein, das hier ist klar der Sound einer fähigen Band, die von irgendwas (Anlässe gibt’s ja reichlich) aus ihrer Komfortzone herausgesprengt wurde, ein lebender, pulsierender Organismus, wuchtig vorangetrieben von gerechter Wut während das Songmaterial fraglos das am sorgfältigsten aufgebaute und ausbalancierte ist, was die Band bisher von sich gelassen hat – besonders hervorzuheben ist, wie nahtlos sich die Synths in den Sound integrieren und verankern auf dieser Platte, die mich neben vielen anderen an so vielfältige Bands wie Beef, Dr. Sure’s Unusual Practice, Broken Prayer, Wristwatch and Patti erinnert.

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Elvis 2 – Thank You Very Much

Drei unglaubliche (und auch hier noch einmal vertretene) Tracks, die über die letzten anderthalb Jahre verteilt tröpfchenweise auf Bandcamp angesickert kamen, machten schon ausgesprochen hungrig auf mehr von dieser Band aus Melbourne und ich freue mich mitteilen zu dürfen dass ihre erste (mini-) LP den hohen Erwartungen mehr als gerecht wird. Was Steröid mit dem Metal der ’80er Jahre tun, das zelebrieren Elvis 2 in ähnlicher Form mit ’70er Hard- und Southern Rock plus verwandten Dad Rock-Vibes und transformiert den ganzen Salat in eine nur geringfügig Eierpunkige, maximal Fuzz-verseuchte Ästhetik aus ultraeingängigem Garage Punk und Power Pop mit einem ungewönlichen Händchen für infektiöse Gitarrenleads – eine unaufhaltsame Welle aus mitreißenden Riffs, widerstandsfähigen Hooks und hartnäckigen Ohrwürmern, die auf eine unwahrscheinliche Art einige der Tugenden von, sagen wir mal, den frühen Sheer Mag EPs mit jüngeren Garage Punk-Zeiterscheinungen á la Satanic Togas verbindet.

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Curta’n Wall – Georgie and the Dragon

Das kalifornische Label Grime Stone Records war schon lange seiner Zeit voraus mit seinen tendenziell eher quirligen Blackened- und Dungeon Punk-Veröffentlichungen und auch wenn die musikalischen Qualitäten der vertretenen Bands und Projekte nicht immer ganz mit ihrer Ambition Schritt halten konnten, hat die Schmiede zwischen all dem charmanten Gerümpel doch auch ein paar unbestreitbare junge Genreklassiker von so Bands wie Bloody Keep und Drýsildjöfull zu verantworten. Die neueste Kassette von Curta’n Wall wäre dann auch mal wieder ein starker Anwärter für letztere Kategorie als ein Musterbeispiel für die verschroben Egg-mäßige aber gleichermaßen auch sehr traditionell im Dungeon Synth-verwurzelte Seite des Genre-Spektrums. Einige der stärksten Songs in ihrer bereits durchaus mächtigen Diskografie bilden hier eine ultrasolide Basis für die verrückten Eskapaden der Band, die aber gleichzeitig einige der – manchmal im unerträglichen Maße – käsigsten Aspekte ihres Sounds gerade eben genug an der Leine halten um für mich einen gewissen Sweet Spot zu treffen. Wo viel von ihrem früherem Werk mehr vom Gimmick als von der Substanz lebte, hat sich ihr Style auf dieser Platte letztendlich doch mal eine gesunde Speckschicht um die vormals etwas nackten Knochen herum wachsen lassen.

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Meng Zhu Meng – Social Reintegration Demos 1 & 2

Eine Sache die ich ja absolut zum verlieben finde an der aktuellen Eggpunk-Explosion ist, zu was für einer verdammt internationalen Angelegenheit das alles mit der Zeit herangewachsen ist. Neuester Datenpunkt dafür wäre zum Beispiel diese Band aus Chengdu, China, die einen sehr verspielten, Synth-lastigen Beitrag zum Genre kreiert auf ihren zwei Demos, was durchaus mal gewisse Ähnlichkeiten haben kann etwa zu den Italienern Prison Affair, Beer aus den Vereinigten Staaten, den Ukrainern Завірюга, Goblin Daycare aus der Türkei, Paulo Vicious aus Israel, den australischen Überfliegern The Gobs, den hiesigen Egg Idiot und Cool Sorcery aus Brasilien, um nur eine Handvoll zu nennen.

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Johnny Skin – Johnny Skin

Vom neuesten Bündel an Releases auf Inscrutable Records hat ja mal klar die Evinspragg-Platte die meiste Aufmerksamkeit abbekommen – teils aus durchaus gerechtfertigten Gründen, teils aus eher ärgerlichem Drama-induziertem Anlass. Aber wenn ich ehrlich sein soll beißt jene Platte dann doch etwas mehr ab als sie zu schlucken vermag und versandet nach ihrem spektakulären Start mehr oder weniger auf halber Strecke. Nein, mich zieht es dann doch eher zu den anderen beiden Veröffentlichungen des Labels, zu denen auch das Langspieldebüt von Johnny Skin gehört. Der kreiert darauf eine verträumte und supereingängige Melange, welche die überlebensgroße Melancholie und Sehnsucht von ’50er-’60er Bubblegum Pop-Balladen in eine minimalistische Ästhetik aus vintage elektronischen LoFi-Drumbeats und Synths transportiert, die fraglos unvermeidliche Vergleiche zu Suicide und Métal Urbain hervorrufen wird, im stetigen Wechsel mit ungleich lärmigeren und dissonant No Wave-igen Nummern, die mehr mit so alten Synth Punk-Pionieren á la Primitive Calculators und Nervous Gender gemein haben und mit dem experimentell-psychedelischen Krach etwa von Theoretical Girls, Chrome oder MX-80.

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Gerber and the Babies – Gerber and the Babies

Erneut eine absolut arschtretende Kassette auf Painters Tapes von noch so einer Detroiter Garagenband, die hier mit einer ausgesprochen feinen Variante des kontemporären Garage- und Synth Punk brilliert, welche – hat man erstmal durch das ultra-käsige Intro überlebt – gar nicht mal so niedlich klingt und viel düsterer als erwartet mit einer ausgeprägten Post Punk-Kante in so Songs wie Paranoia und dabei aber dennoch einem ordentlichen Maß an stilistischer Flexibilität, was an verschiedenen Stellen mal nach so unterschiedlichen Bands klingen mag wie etwa S.B.F., Ghoulies, Spits, Stalins Of Sound, Kid Chrome, Lost Sounds, Mind Spiders, Sex Mex, Exit Mould, The Gobs, Broken Prayer und Kerozine.

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The Bad Plug – Macho Man

Die Band aus Mailand, Italien hat bereits ein paar Wellen in der Garage Punk-Szene verursacht mit einem konstanten Getröpfel von Singles und EPs seit 2022, aber mit ihrer neuesten EP rotieren sie erstmals mit optimaler Kraftübertragung und straffen die relativ stumpfe Gewalt der vergangenen Veröffentlichungen zu einer weitaus kompakteren, windschnittigen Vision. Ihre durchschlagende Legierung aus Garage- und Synth Punk hält dabei eine superstabile Balance zwischen Catchyness, unnachgiebigem Vorschub und lässt dabei noch reichlich Raum für Experimente und Seltsamkeiten, insbesondere wäre dabei der Titelsong hervorzuheben, eine vollkommen entgleiste Coverversion jener alten Village People-Socke, deren klang-gewordener Wahnsinn mich ein kleines bisschen an das frühere Schaffen von Skull Cult erinnert.

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Snarewaves – Str8 From The Basement

Eine neue kurzspielende Dosis des klanggewordenen Wahnsins kommt hier mal wieder von dieser Ein-Mann-Band aus Lansing, Michigan und wer hätte es gedacht: Es ist erneut eine ganz entzückende Attacke aus chaotischem Synth-/Elektro-/Sample Punk der so stark durch den LoFi-Fleischwolf gedreht wurde, dass ich etwa im Opening Track nicht so genau weiß ob ich da jetzt eine Gitarre höre oder einen ramponierten Synth. Hochwertiges Futter also für Freunde von ähnlich verstörenden Geräuschen im Fahrwasser von Beef, ISS, Heavy Metal, Klint, Spyroids, R. Clown oder Kerozine.

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