Nun, es hat in etwa ein Jahr länger gedauert als versprochen, aber besser spät als nie ist hier eine neue LP von dem Stockholmer Synth Punk-Bollwerk Isotope Soap, das jetzt auch schon grob seit einem Jahrzehnt sein eigenes Ding dreht. Die müssen uns jetzt auch nichts mehr beweisen und liefern einfach ganz routiniert eine weitere Sammlung brillianter, abgespaceter Garage Punk-Feinkost ab, durchsetzt mit den von der Band gewohnten Devo-ismen und eingerahmt von ein paar John Carpenter-mäßigen Instrumentals, die dann noch ihr Übriges tun um die epischen Qualitäten dieses Albums zu unterstreichen.
Diese Band aus Cleveland, Ohio verwebt so kompakte wie einfach gestrickte Perlen des moderat abgespaceten, eierigen Garage- und Synth Punk zu einem ausgesprochen schicken Gesamtpaket aus melodischem Delirium, das mich an einen recht farbenfrohen Strauß von Bands á la Metdog, The Gobs, SGATV, Sex Mex, Hyperdog, Beta Máximo oder Apero erinnert und der Scheiß hier muss diese Vergleiche mal ganz und gar nicht scheuen, guter Stoff.
Sex Mex waren eine echte Konstante in den letzten paar Jahren und eine Bank, wenn es um einfach gestrickten, melodischen Fuzz- und Garage Punk geht, der sich nicht weit aus dem Fenster seiner zeitbewährten Gewinnerformel hinauslehnt aber auch noch nie enttäuscht hat, immer auf Kurs gehalten von der Qualität des Songmaterials und zweifellos handelt es sich bei der neuesten EP um eins der stärksten Bündel, die sie bislang auf uns losgelassen haben - erneut ein schnörkelloser Leckerbissen des Synth-veredelten, euphorischen Garage Pop.
Über die letzten paar Jahre haben Shrudd aus Loiseville, Kentucky zuverlässig mit jeder neuen Veröffentlichung die eigene Messlatte ein Stück höher gelegt aber ich würde mal sagen, dass ihr erster Langspieler jetzt noch mal in einer ganz anderen Liga spielt, ein bemerkenswerter Sprung vorwärts von allem was zuvor von der Band kam. Nachdem ihr bisheriges Werk sich durch eine Reihe verschiedener Subgenres plünderte, aber dabei fast immer eine gewisse Eggpunk-Qualität beinhaltete, bewegt sich die Band hier deutlich davon weg und der Opener M.M.I.T.L. hat da noch die größte Ähnlichkeit mit diesem gewissen Ghoulies-Vibe, bevor Stagnant als erster Vorbote einer dunkleren, stark psychedelischen Richtung mit Spuren etwa von Useless Eaters, Pow!, Electric Prawns 2 und Mononegatives fungiert. So richtig kommen jene Tendenzen dann aber in Fahrt mit den leicht Powerplant-mäßigen vibes von Bodies. EMT hingegen hat einen klassisch bluesigen, subtil Cowpunk-mäßigen Einschlag, gefolgt von Gift, welcher in den vollen abgespaceten Acid Punk-Overdrive geht. Und so ähnlich geht es weiter, wie die Band hier mit fast jedem Song ihren Klanghorizont ein Stück erweitert - ein weiteres Beispiel einer Band die aufwächst und von ihren bescheidenen Eggpunk-Wurzeln zu neuen Horizonten aufbricht, was Ex-Lumpy Martin Meyer mit Sicherheit stolz und glücklich machen wird. Und mich auch, denn der Scheiß ist einfach verdammt gut.
Das neue, ganz den Synth-Sounds gewidtmete Projekt Sonic Youth Of Today des Beta Máximo-Typen hat schon wieder alle Anzeichen dafür, ein ähnlich produktives Unterfangen zu werden wie das alte Ding. EP Nummer drei tritt die Sache los mit einer netten Coverversion der größten Fake-Punk-Nummer aller Zeiten und wohl auch eines der essenziellen Eggpunk-Urtexte, Village People's Food Fight, aber der wirkliche Speck sind hier die eigenen Songs, die schlicht und einfach Synth Punk in Bestform sind, so antriebsstark und pulsierend wie auch unwiderstehlich in ihrer catchyness und mit der unverwechselbaren Handschrift ihres Schöpfers.
Neue Eggpunk-Ware erster Güte kommt zu uns von Ein-Mann-Band/Schlafzimmerprojekt Walter Ego aus Aschaffenburg. Wenngleich der Scheiß sich auch klar auch die eine oder andere Scheibe bei etablierten und vertrauten Klangterrorristen á la Prision Affair, Billiam, Beer, Set-Top Box oder Nuts abgeschnitten hat, trifft er dabei aber gleichsam mit jedem Versuch voll ins Schwarze mit einer fachmännisch eingepegelten Mid-Fi-Ästhetik, die geschickt Garagenknusper mit Eggpunk-Sonderlichkeiten balanciert und obendrein sind Race The Alps und insbesondere Forevermore (In The Dungeon) schon jetzt nicht weniger als zertifizierte Instant-Genreklassiker.
Die letztjährige Debüt-LP dieser Band aus Raleigh, North Carolina hatte bereits einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und ihre neueste EP, die uns über den lokalen Genre-Giganten Sorry State Records erreicht, schlägt weiterhin in eine ähnliche Kerbe, aber es lassen sich auch graduelle Anpassungen feststellen. So fühlt sich die gesamte Klangästhetik etwas weniger grimmig an als sie es auf der LP noch war, nicht zuletzt auch dank quietschender Spielzeugkeyboard-Vibes und einer Fülle reichlich verschrobener ideen, die hier ein ausgezeichnetes Gegengewicht zu ihrer klanglichen Abrissbirne zwischen den Welten von Noise Rock und Synth Punk abgeben, die mich erneut an so einige Bands der Sorte Isotope Soap, Broken Prayer, Powerplant, Kerozine oder Beef denken lässt.
Eine saftige Sprengladung von Synth-veredeltem in-your-face Hardcore- und Garage Punk, der in einem Akt von seliger Renitenz den Karren geradeaus in den Abgrund fährt. Das ist was uns auf dem Debüt-Tape von Havana Syndrome aus Buffalo, New York begegnet. Einerseits hat das etwas von dieser entgleisten Lumpy And The Dumpers-Energie und einer schnörkellosen Attacke nicht unähnlich zu jenem Feed/Zhoop/Brundle/Djinn/Nightman/etc-Typen, aber ebenfalls fühle ich mich an eine ganze Tüte von variabel Egg-mäßigen Bands erinnert wie etwa Quitter aus Baltimore, die Italiener The Bad Plug, die griechische Eggpunk-Seuche Μπριτζολιτσεσ und außerdem ist da unbestreitbar auch ein Hauch von frühen Skull Cult oder Research Reactor Corp. mit im Spiel.
Nur wenige Wochen nach ihrem Debüt nimmt die zweite EP vom neuen Synth Punk-Projekt des Beta Máximo-Typen die Fäden genau da wieder da auf, wo der Vorgänger aufhörte und dennoch sind da ein paar nette Überraschungen und Experimente an Bord, die wir bisher so noch nicht von ihm gehört haben wie etwa die luftigen Synth-Polyrhytmen in den Strophen von El Fin De Los Dias, die SYT von ihrer nebulösesten, ungreifbarsten Seite zeigen, nur um dann im Chorus nahtlos in einen ihrer unmittelbar eingängigsten Momente überzugehen.
Die 2023er Mini-LP dieser Australier war ja schon ein randvolles Fass des ziemlich abgedrehten Dungeon- und Fantasy-vernarrten Spaßes und ihr neuester Langspieler ist sogar ein noch mal stärkeres Paket von Schädelspalter-Tunes aus Elementen von Garage-, Synth- und Post Punk, der gleich vom Start weg mit einem deutlichen Flavor von älterer Useless Eaters- und Ausmuteants-Action verzückt im Opener Pillager, dann erweitert um einen Hauch von Psych-/Acid Punk á la Pow! in Moneyman, während Big Hat - eins von zwei hier vertretenen Überbleibseln der 2021er Mammon Machine EP - einen starken Strange Attractor-Vibe versprüht und Dopaminer glaubhaft als ein ausgesprochen starker Why Bother?-Song durchgehen könnte. Desweiteren denke ich mal dass auch Freunde von solchen Dungeon-lastigen Chaoten wie Curta'n Wall oder den Osloer Eggpunks Molbo sich mit dieser Platte einen ordentlichen neuen Kick verpassen können.