Monster Treasure - II

Das De­büt­al­bum der Band aus dem Ka­li­for­ni­schen Stock­ton vor drei Jah­ren war ja schon ei­ne sehr, sehr hö­rens­wer­te An­ge­le­gen­heit, aber was das Trio auf Al­bum Num­mer zwei ab­lie­fert ist pu­re Fuzz-/Noi­se­pop-Per­fek­ti­on, die sich in zehn ta­del­lo­sen Song­per­len wie Ho­nig über den Hö­rer er­gießt, da­bei aber auch or­dent­lich auf den Putz haut. Der Sound weißt Ähn­lich­kei­ten zu den auf dem glei­chen La­bel ver­öf­fent­li­chen­den Lon­do­nern Slow­coa­ches auf, wird aber noch um deut­li­che Shoe­ga­ze-Ein­flüs­se ver­fei­nert. Die me­lo­di­sche Fi­nes­se von Chap­ter­house trifft auf Swer­ve­dri­vers un­be­ding­ten Wil­len zum ro­cken­den Lärm. Wi­der­stand zweck­los.



Al­bum-Stream →

93millionmilesfromthesun - Victory Is Ours

Die Shoe­ga­zer aus dem bri­ti­schen Don­cas­ter sind jetzt auch schon ein gu­tes Jahr­zehnt ak­tiv und war­um sie an die­ser Stel­le bis­her noch nicht auf­ge­taucht sind, kann ich mir im nach­hin­ein auch nicht so ganz er­klä­ren. Be­züg­lich ih­rer neu­es­ten EP (ei­gent­lich schon ein Al­bum, ge­mes­sen an der Spiel­zeit) gibt es je­den­falls kei­ne Aus­re­de mehr, denn die­sen den vier Songs stimmt ein­fach al­les. Die Plat­te ge­hört zu den run­des­ten, kom­pak­tes­ten Stü­cken an tra­di­tio­nel­lem Shoe­ga­ze, die ich die­ses Jahr zu hö­ren be­kam.


Al­bum-Stream →

ViewMaster - Alternative Classics

Wow Bob, wow. Auf ein­mal lag ganz un­schein­bar der Link zu die­sem von vor­ne bis hin­ten gei­len Tape zwi­schen den Emails von "Band die glaubt nach ei­ner viel bes­se­ren Band zu klin­gen" und "Band die ver­sucht dem In­die-Trend der Stun­de zu ent­spre­chen". Es sind Ein­rei­chun­gen wie die­se, für die es sich den­noch lohnt, sich der Mas­se an völ­lig fehl­ge­lei­te­ten Prom­o­an­fra­gen aus­zu­set­zen.

View­Mas­ter kom­men aus Van­cou­ver und al­le Band­mit­glie­der spie­len oder spiel­ten be­reits in di­ver­sen lo­ka­len Ka­pel­len, von de­nen mir bis­her kei­ne ein­zi­ge be­kannt war. Vor gut an­dert­halb Jah­ren erst ge­grün­det, kann das Trio schon ei­nen gänz­lich aus­ge­reif­ten Sound und ta­del­lo­ses Song­ma­te­ri­al vor­wei­sen (wer selbst nach­voll­zie­hen will, wie krass und ra­pi­de sich ih­re Mu­sik ent­wi­ckelt hat, kann ja mal in ihr al­tes De­mo rein­hö­ren…). Dar­in trifft vor­züg­lich drü­cken­der So­nic Youth-Noi­se auf ei­ne Ver­schmel­zung von früh-90er In­die-/Al­ter­na­ti­ve Rock und Shoe­ga­ze, wie man sie einst­mals von Swer­ve­dri­ver oder frü­hen Ca­the­ri­ne Wheel zu hö­ren be­kam. Hin­zu kom­men noch deut­li­che Post­punk-Ein­flüs­se und das al­les stützt sich auf aus­nahms­los star­ke, fast schon kri­mi­nell grif­fi­ge Songs. In der Ge­gen­wart kann man au­ßer­dem ei­ne ent­fern­te Ver­wandt­schaft zu Bands wie et­wa Die! Die! Die!, Pi­les, Fist Ci­ty oder Ne­ver Young fest­stel­len.


Al­bum-Stream →

Magic Shoppe - High Goodbye

Pas­send zum Beaches Al­bum ist hier gleich noch mal gu­tes Zeug im Span­nungs­feld von Shoe­ga­ze und Psych. Ma­gic Shop­pe sind jetzt ja auch schon so ei­ni­ge Jah­re ak­tiv und ih­rer ak­tu­el­len EP hört man das zwei­fel­los an. Der Sound den sie dar­auf kre­ieren kommt rou­ti­niert, druck­voll und selbst­be­wusst rü­ber.

Al­bum-Stream →

Beaches - Second Of Spring

Bei dem Psych­ga­ze-Quin­tett aus Mel­bourne ti­cken die Uh­ren frag­los et­was lang­sa­mer, hat die Band so­eben doch mit ach und krach noch die Dead­line ge­kriegt, um ihr drit­tes Al­bum in­ner­halb ei­nes Jahr­zehnts zu ver­öf­fent­li­chen. Das passt aber auch per­fekt zu ih­rer Mu­sik, die sich ger­ne sehr viel Zeit lässt, um nicht zu sa­gen: Mei­ne Ge­duld stra­pa­ziert. Aber es lohnt sich, bei der Sa­che zu blei­ben.

In ih­rer Hei­mat schon lan­ge ei­ne Haus­num­mer (ih­re ers­ten bei­den Al­ben wa­ren je­weils für den Aus­tra­li­an Mu­sic Pri­ze no­mi­miert…), wur­den die fünf Mu­si­ke­rin­nen an­läss­lich ih­res zwei­ten Al­bums im Som­mer 2013 auch in­ter­na­tio­nal im et­was grö­ße­ren Rah­men be­merkt. Die Be­tei­li­gung von Neu!-Veteran Mi­cha­el Ro­ther, der die Plat­te nicht nur pro­du­zier­te, son­dern auch die ei­ne oder an­de­re Gi­tar­ren­spur bei­steu­er­te, hat si­cher auch et­was da­zu bei­getra­gen.

Jetzt mel­den sich Beaches al­so mit ih­rem drit­ten Lang­spie­ler zu­rück und über­zeu­gen auch oh­ne ein­schlä­gi­ges Na­me­drop­ping mit ei­nem mo­nu­men­ta­len, aus­ufern­den Bro­cken von ei­nem Al­bum. Und oh­ne Fra­ge sind 75 Mi­nu­ten Mu­sik schon ganz schön viel des Gu­ten. Zu­min­dest in der mir vor­lie­gen­den di­gi­ta­len Form hät­te es der Plat­te durch­aus gut ge­tan, die Lauf­zeit mal um ein gro­bes Drit­tel her­un­ter zu stut­zen.

Den­ke ich aber an die Ver­öf­fent­li­chungs­form als Dop­pel-LP, für wel­che die­se Track­list ganz of­fen­sicht­lich ge­dacht ist, er­gibt das Gan­ze schon et­was mehr Sinn in Form von vier lo­se ge­kop­pel­ten Sui­ten. In der ers­ten Hälf­te do­mi­nie­ren da­bei ganz klar die stär­ker psy­che­de­lisch-spa­ci­gen Klän­ge (für mich der "schwie­ri­ge­re" Teil des Al­bums), wäh­rend sich der zwei­te Teil et­was son­ni­ger gibt mit ei­nem stär­ke­ren Shoe­ga­ze- und Dream­pop-An­teil, um dann in ei­nem kos­misch-krau­ti­gen Jam als Raus­schmei­ßer zu mün­den. Wenn ihr euch al­so nicht si­cher seid: Schall­plat­te ist hier das Mit­tel der Wahl. Das muss auch ein über­zeug­ter Di­gi­tal­mensch wie ich an­er­ken­nen. Und trotz al­ler Län­gen, die sich beim Ge­nuss an ei­nem Stück er­ge­ben: Wenn Beaches in der Zo­ne sind, dann so rich­tig. Und un­be­streit­bar an vor­ders­ter Front in ih­rem Gen­re-Spek­trum.



Al­bum-Stream →

Pardoner - Uncontrollable Salvation

Mei­ne Fres­se, was ist denn die­se Wo­che los? Mit dem De­büt­al­bum von Par­do­ner aus San Fran­cis­co ist auch schon wie­der die nächs­te Ham­mer­plat­te am Start. Den ei­gen­wil­li­gen Lärm, der ei­nem dar­auf ent­ge­genn springt, könn­te man als ei­ne Ver­schmel­zung vom In­die Rock und Post­core der al­ten 90er Schu­le, Noi­se Pop und Fuz­z­punk be­schrei­ben, an­ge­rei­chert um deut­li­che Spu­ren von Post Punk und Shoe­ga­ze. Selbst ge­ben die Jungs Pol­vo als ih­ren wich­tigs­ten Ein­fluss an und das ist auch nicht ganz von der Hand zu wei­sen. Ich den­ke da­bei aber eher an jün­ge­re Bands wie Ovlov, Hap­py Di­ving, Ne­ver Young und The Go­to­beds; au­ßer­dem fin­de ich An­klän­ge an Swer­ve­dri­ver und ein klei­nes biss­chen Slint wie­der. Aber al­len Ver­glei­chen zum Trotz muss man ih­nen doch zu­ge­ste­hen, ih­re durch­aus ei­ge­ne Ni­sche ge­fun­den zu ha­ben. Und das Song­ma­te­ri­al: Durch­weg hoch­wer­tig. Ei­ne von An­fang bis En­de saustar­ke Plat­te, die sich kei­nen ein­zi­gen Fehl­tritt leis­tet.



Al­bum-Stream →

Ozean - Ozean

Ei­ne ver­ges­se­ne Shoe­ga­ze-Per­le, auf­ge­nom­men im Jahr 1992 und jetzt zum ers­ten mal auf Moon Sounds Re­cords ver­öf­fent­licht. Weil die Mas­ter Tapes ver­lo­ren ge­gan­gen sind, wur­den die Songs für die Ver­öf­fent­li­chung von ei­ner Kas­set­te run­ter­ge­kratzt. Zahl­rei­che Dro­pouts un­ter­strei­chen die­sen Fakt, ma­xi­mie­ren aber auch den spe­zi­el­len Charme ei­nes ar­chäo­lo­gi­schen Fund­stücks. Der hör­ba­re Zahn der Zeit trägt nur noch wei­ter zur Au­then­ti­zi­tät der drei Songs bei.

VLLY - Seedling 7"

Shoe­ga­ze der sel­ten ge­wor­de­nen Sor­te gibt es auf der De­büt-7" von Seed­ling aus Se­at­tle zu hö­ren. Sol­chen, den man man auch im Wach­zu­stand ge­nie­ßen kann gibt auf des A-Sei­te be­stau­nen, mit or­dent­li­chem Druck und ei­ner Schip­pe vol­ler Noi­se . Die B-Sei­te hin­ge­gen kriecht lang­sam und ver­träumt vor­wärts, oh­ne da­bei in schläf­ri­ger Be­lie­big­keit zu ver­sin­ken. Auch im Schleich­mo­dus hat ihr Sound nicht nur Tex­tur, son­dern auch Pro­fil.

Secret Shine - There Is Only Now

Ei­gent­lich mag ich ja Shoe­ga­ze, sehr ger­ne so­gar. Aber ir­gend­wie ver­mag mich aus der ak­tu­el­len Ge­nera­ti­on von Bands die­ses Gen­res we­nig zu be­geis­tern. Ich kann nicht zu hun­dert Pro­zent be­nen­nen, war­um das so ist.

Teil mei­nes Pro­blems mit ak­tu­el­lem Shoe­ga­ze liegt wohl dar­in be­grün­det, dass der Zeit­geist eher zu­guns­ten von pop­pi­gen und lei­sen bis kaum wahr­nehm­ba­ren Dream­pop-Klän­gen aus­schlägt. Lärm ist ge­ra­de nicht an­ge­sagt. Ent­spre­chend dre­hen sich die mu­si­ka­li­schen Ein­flüs­se und der Dis­kurs in den ein­schlä­gig be­kann­ten Mu­sik­ma­ga­zi­nen der­zeit vor al­lem um die mir per­sön­lich voll­kom­men am Arsch vor­bei­ge­hen­den Slow­di­ve, die die­ses mu­si­ka­li­sche Nichts per­fek­tio­niert hat­ten.

Ei­ne an­de­re Er­klä­rung drängt sich mir auf, wenn ich mal wie­der ein paar mei­ner per­sön­li­chen Gen­re-Fa­vo­ri­ten von al­ten Bands wie Chap­ter­house, Ri­de, Li­lys, Swer­ve­dri­ver oder Pa­le Saints aus der Mot­ten­kis­te ho­le. Dann fällt mir auf, das je­de die­ser Bands ein aus­ge­zeich­ne­tes Ge­spür für zeit­lo­se (Power-)Popsongs hat­te. Mal sehr aus­for­mu­liert, mal eher va­ge und mi­ni­ma­lis­tisch, aber im­mer ein funk­ti­ons­tüch­ti­ges und sehr ef­fek­ti­ves Grund­ge­rüst um die Ar­ran­ge­ments der Bands zu tra­gen. Das geht mei­nes Er­ach­tens dem über­wie­gen­den Teil ak­tu­el­ler Shoe­ga­zer voll­kom­men ab und vie­le da­von tä­ten gut dar­an, sich et­was auf die­se al­ten Tu­gen­den zu be­sin­nen, an­statt end­los ir­gend­was an ih­ren Ef­fekt­boards zu op­ti­mie­ren.

Das ak­tu­el­le Al­bum von Se­cret Shi­ne (Ja, ich weiß. Ganz so neu ist das nicht mehr.) il­lus­triert das mal wie­der bes­tens und zeigt, wie so was rich­tig geht. Die Band aus Bris­tol wur­de 1991 ge­grün­det, kam da­mit et­was ver­spä­tet in der Sze­ne an und hat im Lau­fe der frü­hen Neun­zi­ger ein Al­bum und 'ne Hand­voll 7"s auf dem da­mals wich­ti­gen La­bel Sa­rah Re­cords ver­öf­fent­licht. Da­mals ei­ne von vie­len Bands, die nichts bahn­bre­chend neu­es fa­bri­zier­ten, aber für ei­nen kon­stan­ten Strom an grund­so­li­dem Shoe­ga­ze sorg­ten.

In der heu­ti­gen Land­schaft strahlt ih­re neue Plat­te da­für um­so mehr. Das Song­ma­te­ri­al wür­de ich mal als "öko­no­misch" be­zeich­nen; auf das We­sent­li­che re­du­ziert und kei­ne No­te zu viel, aber im­mer ge­nug um den Songs ein kla­res Pro­fil zu ver­pas­sen, sie nicht in der Be­lie­big­keit ver­sin­ken zu las­sen. Auch die Pro­duk­ti­on der Plat­te trifft den Na­gel auf den Kopf. Klar, druck­voll und viel­schich­tig, so wie vie­le der lieb­ge­won­ne­nen Klas­si­ker. So muss das.



Al­bum-Stream →

Traumatológia - Traumatológia

Hin­ter dem Pro­jekt Trau­ma­toló­gia ver­birgt sich der So­lo­künst­ler Zol­tán Sind­hu. So wie der sich zwi­schen den Wel­ten von New York und Bu­da­pest be­wegt, be­wegt sich eben­so auch die Mu­sik auf sei­ner De­büt-EP zwi­schen den Wel­ten von Noi­se, Am­bi­ent, Psy­che­de­lic, In­dus­tri­al, Dro­ne und Dream­pop plus ei­nem Hauch von Shoe­ga­ze und Post­rock. Die­se viel­fäl­ti­gen Ein­flüs­se ver­men­gen sich dar­auf zu ei­ner durch und un­wirk­li­chen, alb­traum­haf­ten At­mo­sphä­re.


Al­bum-Stream →