Googelt man nach dieser Platte stößt man überwiegend auf gebrauchte Mobiltelefone, natürlich in ausgezeichnetem Zustand. Aber zumindest kann man in Erfahrung bringen dass Cellphone aus Toronto kommen und dass ihre neue Platte auf Telephone Explosion erschienen ist, dem geschmackssicheren Label das uns unter anderem die Teenanger-Alben beschert hat. Die Musik sitzt ziemlich zwischen allen Stühlen. Kraftvoller Punkrock mit deutlichen metallischen Unter- und Obertönen, wavigen Synth-Einwürfen und ein ganz klein wenig abgespaceter Psychedelia. Als wenn Destruction Unit die bunten Pillen ausgegangen wären. Das ganze dann mit Bad Brains und Devo in einen Topf geworfen, oder was auch immer. Macht euch selbst ‘nen Reim drauf. Schönes Ding.
Per email kam hier gerade das Demo dieser Berliner Band reingeflattert und das hat’s in sich. Wahnsinnig vorwärts drückender Punkrock mit Elementen aus der Noise- Post- und Emocore-Ecke. Das klingt zuerst in etwa so als hätte man frühe Iceage-Platten oder die erste Lower EP mit melodischem 90er (Emo-)Punk á la Samiam verquickt. In anderen Momenten erinnert’s mal an Noisepunker wie Vulture Shit oder Soupcans, an den dissonanten Postcore von Rites Of Spring oder aktuelle Genre-Grenzgänger wie Criminal Code. Geiles Zeug, von dem man hoffentlich in Zukunft noch mehr zu hören kriegt.
Schnörkelloser und supereingängiger Garagenpunk/Powerpop aus Paris. Sieben unmittelbare Hits mit ganz viel 77er Melodieseligkeit und ein paar Birdman-esken Hooks im Gepäck.
Ex-Breathers aus Tallahassee fabrizieren wunderbaren Krach aus straightem, rockendem Hardcorepunk ohne neumodischen Schnickschnack, vor allem aber ohne jegliche Genretypischen Komplexe und Scheuklappen, der sich selbst nicht so verdammt ernst nimmt und größtenteils dem Versuch einer genaueren Genreeinordnung entzieht. Manchmal mit angehängter Post-Kutsche und Ausflügen in Richtung Noiserock. Zwölf Songs in weniger als zwölf Minuten, in denen trotzdem mehr spannendes passiert als in der ganzen Diskografie so mancher durchschnittlicheren Band.
Mama aus Chicago fabrizieren melodischen Punkrock mit unglaublicher Hookdichte und spaßigem Energielevel. Elemente aus dem Powerpop und Glamrock der mittleren Siebziger á la Cheap Trick und Big Star treffen auf treibendes wie simples 77er Punkgedöns, aber auch Replacements und die späte Phase von Hüsker Dü scheinen ab und an mal durch.
Ausgezeichnetes Punkgedöns aus Portland. Schnörkellos gekonnter Hardcore Punk, der aber eher an Bad Brains und den etwas quergedachten Früh- bis Mittachziger Dischord-Krempel erinnert. Ein gewisser Garagenappeal veredelt das Ganze dann zu einer der seltenen Platten, die das uralte Genre mal wieder ziemlich frisch daherkommen lassen.
Sowohl energetischer als auch schrammelfreudiger Indie-/Punkrock mit melancholischer Grundstimmung aus Buffalo, New York. Als Referenzen fallen mir erstaunlicherweise vor allem britische Bands ein wie etwa Male Bonding, Playlongue oder Omi Palone. Aber auch an frühere Wavves kann man sich erinnert fühlen.
Die großartigen Woolen Men aus Portland schmeißen mal wieder eine EP raus, die sie komplett an einem Nachmittag aufgenommen und gemischt haben. Dabei setzen sie die Marschrichtung der im Frühling erschienenen Quick Trips EP fort. Also keine psychedelisch angehauchten Garagenjams mehr wie sie einen Großteil des (nach wie vor sehr empfehlenswerten) ersten Albums ausmachen. Stattdessen konzentrieren sie sich voll und ganz auf die melodisch-euphorischen Punk-/Powerpophymnen mit immer noch vorhandenem Garagenfaktor. Und schütteln dabei einige ihrer bisher stärksten Songs aus dem Ärmel.
Melodischer und doch räudiger Indiekrach von einem Duo aus Valencia, Spanien. Man stelle sich vor, die melodischeren Tendenzen von Mission of Burma und Sonic Youth wären versehentlich in den 90er Post- und Emocore-Bottich gefallen. Die Platte gibt’s für lau bei Bandcamp.
Hübsche Splitveröffentlichung anlässlich einer zu diesem Zeitpunkt bereits beendeten UK-Tour der beiden Bands. Die geben jeweils zwei neue Kostproben von ihrem Fuzzigen Indie-/Punkrock zum besten. Dann fordern sie zu einem gepflegten Cover-Duell auf, bei dem sie sich jeweils an einem Klassiker von Wire die Zähne ausbeißen. Dabei stellen sich beide Bands nicht blöd an, aber ich finde Feature haben da eine halbe Nasenlänge Vorsprung. :-)