Times Beach - Raw Pop

times beach
Räu­di­gen Pop ver­spre­chen Times Be­ach aus St. Lou­is im Al­bum­ti­tel und be­hal­ten Recht. Das ist nicht die Art von Pop, die wie Ho­nig aus den Laut­spre­chern si­fft. Das ist die Art von Pop, zu des­sen Schön­heit man erst mal durch­drin­gen muss, durch dich­te La­gen aus Sta­chel­draht, Dreck und Tau­ben­schiss. Das er­in­nert zeit­wei­se an die jün­ge­re In­die­rock-Ver­gan­gen­heit wie et­wa frü­he Wav­ves und die De­büt­al­ben von Ma­le Bon­d­ing oder Rat Co­lum­ns. Et­was of­fen­sicht­li­che­re Klas­si­ker wie Hüs­ker Dü oder Di­no­saur Jr könn­te man auch an­füh­ren oder ak­tu­el­le Noi­se­pop-Bands wie et­wa Jo­an­na Gru­e­so­me. Geht run­ter wie lau­war­mes Karls­kro­ne-Pils.


Wei­ter­le­sen & Al­bum Stream →

Finished - Their Is No God

finished
Pfffff­tgrmm­m­m­m­pfffh… was zum… Fuck, was für'n groß­ar­ti­ges Co­ver! Seit über 50 Jah­ren wird im Rock'n'Roll von ge­wis­sen Bands und Tei­len des Pu­bli­kums voll­ends iro­nie­frei ei­ne so ät­zen­de und kli­schee­haf­te, wie auch ge­ra­de­zu ab­sur­de Hy­per­mas­ku­lini­tät ab­ge­fei­ert, und erst jetzt traut sich je­mand, die­ser Spa­cken­kul­tur mal an­ge­mes­sen den Spie­gel vor­zu­hal­ten und sie halb­wegs rea­li­täts­ge­treu durch den Ka­kao zu zie­hen. Wenn's dann ei­ni­gen über­sen­si­blen Zeit­ge­nos­sen, ge­prägt von chro­ni­scher Angst vor dem ei­ge­nen Ge­ni­tal, äs­the­tisch ge­gen den Strich geht: um­so bes­ser. Der Ti­tel mag dann gleich noch zum ge­pfleg­ten Schwanz­ver­gleich zu pro­vo­zie­ren: Nee, dei­ner ist kein Gott, hier guck mal. Mei­ne Ei­er sind die di­cke­ren.
Die Mu­sik ist in ge­wis­ser Wei­se pas­send da­zu. Denn ganz un­sub­til und hem­mungs­los wer­den hier die Bret­ter ge­schrubbt, die fel­le Mas­siert und die Sai­ten ge­schrap­pelt. Wun­der­schö­ner Noi­sero­ck/-punk, der's Freun­den von Bands wie Soupcans oder Vul­tu­re Shit ganz vor­züg­lich be­sor­gen wird.

Wei­ter­wich­sen & Al­bum-Stream →

Silver Screams - Creep Joint Scratch

silver screams
Schön ein­gän­gig vor sich hin­riff­en­der Punk­rock aus Bos­ton, der auf der mu­si­ka­li­schen Land­kar­te ir­gend­wo in der Nä­he von Ra­dio Bird­man oder Wi­pers plat­ziert und ge­le­gent­lich auch noch Platz hat für leicht Fu­ga­zi-es­ke Fi­gu­ren und an Hüs­ker Dü er­in­nern­de Har­mo­nien. Drückt bei mir ge­nau die rich­ti­gen Knöp­fe.

Wei­ter­le­sen & Al­bum-Stream →

Watery Love - Decorative Feeding

watery love
Grob­mo­to­ri­scher, zeit­wei­se mo­no­ton vor sich hin schred­dern­der Ga­ra­gen- und Noi­se­punk aus Phil­adel­phia, wie er kru­der kaum geht. Trotz­dem un­er­war­tet mit­rei­ßend und ein­gän­gig, wenn man so­was ab kann. Könn­te Freun­den von so un­ter­schied­li­chen Bands wie Soupcans, De­st­ruc­tion Unit, Stran­ge At­trac­tor oder Ex-Cult gut ge­fal­len.

Wei­ter­le­sen & Al­bum-Stream (Spo­ti­fy)

Nowhere - Cancer

nowhere
Wie vor­ges­tern im Fall Hys­te­re­se ha­ben wir es hier schon wie­der mit ei­ner deut­schen in Deutsch­land an­säs­si­gen Band (die drei Neu­see­län­der haben's sich der­zeit in Ber­lin ge­müt­lich ge­macht) zu tun, die dem al­ten lang­sam in­kon­ti­nent wer­den­den Arsch­loch na­mens Punk­rock nicht nur dank her­vor­ra­gen­der Song­wri­ting-Qua­li­tä­ten noch­mal et­was Le­ben ein­zu­hau­chen ver­mag, son­dern dem gan­zen auch noch ih­ren ganz ei­ge­nen per­sön­li­chen Stem­pel auf­zu­drü­cken weiß. Das er­in­nert mich mehr als ein­mal an die groß­ar­ti­gen Lea­ther­face in ih­ren der­be­ren Mo­men­ten, aber auch ei­ne aus­ge­präg­te blue­sig-coun­try­fi­zier­te Kan­te ist vor­han­den, die sie nicht un­be­dingt mu­si­ka­lisch, aber doch im Geis­te et­was nä­her an The Gun Club rückt.


Wei­ter­le­sen & Al­bum-Stream

Champion Lover - Champion Lover

champion lover
Die­se Noi­se­punk-Com­bo aus To­ron­to lärmt ein biss­chen so als hät­ten die Nach­barn von METZ ih­re ato­na­len Be­stra­fungs­riffs durch ei­ne gu­te Do­sis doo­mi­gen Rock'n'Roll á la De­st­ruc­tion Unit er­setzt. Geht nach vor­ne wie Sau, ist da­bei aber eben auch durch­aus ei­gän­gig und un­ter der rau­hen Ober­flä­che ver­birgt sich so die ei­ne oder an­de­re Me­lo­die, die ei­nem nicht mehr aus dem Kopf will. Auch So­nic Youth-ar­ti­ge Har­mo­nien und Noi­se­at­ta­cken sind mit an Bord, an­ge­rei­chert um sub­ti­le Psych-Ein­flüs­se. Die der­zei­ti­ge Wel­le düs­te­rer Post­punk-Ka­pel­len wie et­wa Lower wä­ren auch kein ganz fal­scher Ver­gleich.


Wei­ter­le­sen & Al­bum-Stream

Hysterese - Hysterese

hysterese
Her­vor­ra­gen­des Punk­ge­döns der schnör­kel­lo­sen und me­lo­di­schen Mach­art von die­ser Band aus Tü­bin­gen, der be­stimmt das Rad nicht neu er­fin­det, ei­nem da­für aber auf der­art ho­hem Ni­veau zehn vor­wärts stür­men­de, ein­gän­gi­ge Hym­nen um die Oh­ren haut, dass jeg­li­che Kri­tik ver­schämt in der ge­ball­ten Faust da­hin­sie­chen muss. Könn­te Freun­de ak­tu­el­ler Kra­wall­ma­cher wie et­wa Au­tis­tic Youth sehr glück­lich ma­chen. Die Plat­te über­zeugt von vorn bis hin­ten oh­ne nen­nens­wer­te Schwach­punk­te. Er­in­nert ihr euch noch an Punk­rock? So geht das rich­tig.


Wei­ter­le­sen & Al­bum-Stream

The Elsinores - Dreams Of Youth

elsinores
Post­punk-Trio aus Lex­ing­ton, Ken­tu­cky. Mu­si­ka­lish ir­gend­wo zwi­schen sä­gen­dem aber me­lo­di­schem Punk­rock und der et­was der­be­ren Sei­te des Shoe­ga­ze-Kos­mos zu ver­or­ten. Stell dir 'ne Mi­schung aus Swer­ve­dri­ver und Hüs­ker Dü vor, das käm dem schon halb­wegs na­he. Aber auch der düs­te­re Post­pun­k/-core von ak­tu­el­len Bands wie Cri­mi­nal Code oder The Est­ran­ged ist nicht so weit ab da­von.


Wei­ter­le­sen & Al­bum-Stream

Geronimo! - Cheap Trick

geromino
Die­se Wo­che wol­len die hoch­ka­rä­ti­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen ein­fach nicht ab­rei­ßen. Heu­te dran: Der neu­es­te Streich ei­ner Band aus Chi­ca­go, er­schie­nen auf dem Qua­li­täts­la­bel Ex­plo­ding in Sound, ist vor­züg­li­cher Post­core, der stark an 90er Di­schord-Bands wie et­wa Lung­fi­sh, Shud­der Think oder Blue­tip er­in­nert, aber auch der zeit­gleich statt­ge­fun­de­ne Noi­se­rock von Je­sus Li­z­ard oder Cha­vez hat wohl deut­li­che Spu­ren hin­ter­las­sen. Das gan­ze be­wegt sich aber we­ni­ger auf der ver­kopft-ver­track­ten Sei­te, son­dern be­ackert die ex­plo­siv ro­cken­den Fa­cet­ten je­nes Gen­re­pools und ent­hält auch ei­ni­ge wasch­ech­te pun­ki­ge In­die­rock-Hym­nen, so wie sie sel­ten ge­wor­den sind. Das fügt sich auch ganz gut in ei­ne Rei­he mit ak­tu­el­len La­bal­ma­tes wie et­wa Grass is Green, Ovlov oder Krill. Toll.


Wei­ter­le­sen & Al­bum-Stream →

Gustave Tiger - At The Idyll's End

gustave tiger
Die letz­tes Jahr er­schie­ne­ne EP Mit­an­ni Ma­res die­ser Ka­pel­le aus Bu­da­pest ließ ja schon ge­spannt auf­hor­chen, aber je­nes klei­ne Be­ben konn­te mich in keins­ter Wei­se vor­be­rei­ten auf die­sen Erd­rutsch von ei­nem at­mo­sphä­risch dich­ten Al­bum. Oh­ne Scheiß, beim ers­ten Hör­durch­gang fiel mir von den ers­ten Tak­ten an die Kinn­la­de mal so­was von auf den Bo­den. Und ich bin wirk­lich nicht mehr so leicht zu be­ein­dru­cken.

Es ist ein Al­bum der schein­ba­ren Wi­der­sprü­che. Se­mi-sin­fo­ni­sche Chor­ge­sän­ge und new-agi­ges Ge­schwur­bel tref­fen auf Blast­beats, Noi­se­at­ta­cken und selbst für ei­nen über­ra­schen­den Blä­ser­ein­satz ist hier Platz. Über wei­te Stre­cken zieht sich ein ge­wis­ser Go­thic-Vi­be durch die Songs, aber auch ein Psy­che­de­li­sches Blues­riff kann da mal als Song­fun­da­ment her­hal­ten. An je­der Ecke pas­siert hier ir­gend et­was span­nen­des, aber nicht nur das. Am En­de hat das auf Al­b­um­län­ge al­les Hand und Fuß. Selbst in den kon­ven­tio­nel­le­ren Mo­men­ten kön­nen sie mit drü­cken­dem Post­core über­zeu­gen, der stel­len­wei­se et­was an White Lung er­in­nert. Au­ßer­dem durch­zieht das gan­ze Al­bum ei­ne un­glaub­lich trau­ri­ge wie auch epi­sche At­mo­sphä­re, ei­ne sur­rea­le An­ders­welt­lich­keit wie ich sie schon lan­ge nicht mehr ge­hört ha­be, erst recht nicht auf ei­ner Art Pun­k­al­bum.

Gust­ave Ti­ger ha­ben hier ein ziem­lich un­ver­gleich­li­ches Stück Mu­sik er­schaf­fen und man kann nur hof­fen, dass sie da­mit auch au­ßer­halb der un­ga­ri­schen Lan­des­gren­zen die Be­ach­tung be­kom­men, die sie sich red­lich ver­dient ha­ben. Ich bin da mal ver­hal­ten op­ti­mis­tisch.

Wei­ter­le­sen & Al­bum-Stream →