Stuttgart ist wohl nicht nur die neue Heimstatt des deutschen Postpunk, auch in Sachen Noiserock tut sich da was. Buzz Rodeo spielen eine sehr ausgefeilte und variable Variante davon, mit Schlenkern Richtung Postcore und -punk. Da schauen hier und da mal Drive Like Jehu, Bitch Magnet, Chavez oder frühe Slint um die Ecke, manchmal hört man ein kleines bisschen Shellac oder Fugazi dahertrapsen, an Spätachtziger-Sonic Youth erinnernde Gitarrenlinien und etwas 90er BluNoise-Schule sind auch öfter mal präsent. Aktuell werden Freunde von Greys oder Geronimo sicher gefallen daran finden. Starkes Debüt.
Eine Londoner Postcore-Band mit leichten, komplett unpeinlichen Emocore-Einflüssen und einem guten Händchen für ergreifende Melodien, die einen nicht umschmeicheln, sondern am Kragen packen. So könnte man sie eine deutlich Melancholischere Variante von Drive Like Jehu und Hot Snakes vorstellen.
Eine Band aus Oakland, die hervorragend den Bogen schlägt vom Dischord-Postcore/Proto-Emocore der mittleren bis späten Achtziger über melodischen aber schummrigen Postpunk á la The Estranged hin zu aktuellen Genre-Grenzgängern wie etwa White Lung oder Criminal Code. Obendrein mit durchweg überzeugendem Songmaterial.
Eine erstaunlich effektive Mixtur aus Postcore der modernen und Postpunk der altmodischen Machart haben Black Baron auf ihrem ersten Langspieler konserviert. Das ist von einer melancholischen Grundstimmung und einer Gitarrenarbeit durchzogen, die mich manchmal eher Genre-untypisch an Wipers oder Leatherface erinnert. Innerhalb des Postpunk-Spektrums haben sie sich damit jedenfalls ihre eigene kleine Nische gefunden. Als entfernte Verwandte könnte man Parallelen zu Criminal Code, Creative Adult oder Autobahn ziehen.
Noiserock aus Reno im Bundesstaat Nevada, der sowohl äußerst raubeinig als auch intelligent, ausgefeilt und sehr Abwechslungsreich daherkommt. Das erinnert manchmal das an die markante Rhythmik von Jawbox oder an melodisches Quicksand-Geriffe, aber auch die üblichen Verdächtigen aus dem 90er Amphetamine Reptile-Gehege hört man raus. Dazu noch einige Schlenker in Richtung Hard- und Postcore und auch ein bluesiger Sludgerock-Ausflug ist mit dabei. Alles auf hohem Niveau.
Die zuletzt hier vorgestellten Gerda sind offenbar nicht die einzige Arschtretende Noiserock-Band aus Italien. Das Trio UT aus Genua spielt eine absolut oldschoolige und zeitlose, leicht Math-lastige Variante davon, so etwa Drive Like Jehu meets frühe Shellac oder Big Black. Und auch ein bisschen 90er/00er Dischord-Krempel. Die sträflich unterbewerteten Faraquet lassen grüßen…
Das New Yorker Lärmtrio Clean Girls spielt durchweg grandiosen wie auch vielschichtigen Noiserock mit metallischer Tendenz. Durchsetzt von Postcore-, Math-, Sludge- und Postrock-Versatzstücken, können letztere auch mal nahtlos in eine derbe Blastbeat-Attacke morphen und trotzdem wirkt alles wie aus einem Guss.
Gerda aus dem italienischen Jesi sind offenbar schon zwei Jahrzehnte am Werk, ohne dass ich davon jemals was mitgekriegt hätte. Ihr aktuelles Album klingt dann auch angemessen gereift und selbstsicher. Sehr kompromissloser, im Spannungsfeld aus (kontrolliertem) Chaos und höchster Konzentration agierender Noiserock mit deutlichen Anklängen an die derberen Vertreter des Math-, Postcore und überhaupt Post-Whatever der Jahrtausendwende.
Wuchtige EP dieser Band aus Leeds, bei der unter anderem der Bassist von Broken Arm mitmischt. Perspex Flesh setzen ganz eindeutigung auf Lärmüberwältigung und fahren gut damit. Gekonnt und ohne mit den Wimpern zu zucken verquicken sie verschiedene Generationen von derbem Hard- und Postcore mit schummrigem Postpunk.
Wenn der spezielle Sound dieser Band aus Atlanta dem einen oder anderen seltsam bekannt vorkommt, dann liegt’s vermutlich daran, dass hier zwei Drittel von Wymyns Prysyn mit am Werk sind. Das Ganze klingt dann auch in etwa so wie ein ungewaschener, Punk-/HC-fixierter Ableger davon.