Als die Mail mit dem Bandcamp-Link zu dieser EP reinkam, ließ mich die Einordnung als Screamo erstmal schlimmes erwarten, dann war aber doch alles ganz anders als erwartet. Vielmehr erinnert mich die Musik dieser hamburger Band an die kurze Phase um die Jahrtausendwende als sich Genres wie (Post-)Hardcore, Noise, Doom, Prog und experimenteller Metal so nahe kamen und gegenseitig beeinflussten wie selten davor oder danach. Entsprechend erinnert mich das dann auch an so unterschiedliche Bands wie etwa ältere Neurosis und Mastodon oder die düster und langsam deherwalzenden Momente von Converge oder Envy. Die deutschsprachigen Lyrics haben es auch in sich. Alle vier Songs beschäftigen sich mit der unbequemen Thematik von gesellschaftlich toleriertem Sexismus und Rape Culture, legen sehr treffend die Mechanismen und Gedanken offen, mit denen die Täter Akzeptanz und Legitimierung für ihr Handeln suchen. Ein wichtiger Beitrag auch in einer Musiksparte, die sich gerne politisch progressiv gibt, in der Praxis dann aber oft doch als ein weiterer stumpfer bis hypermaskuliner Männerklub entpuppt. Tolle Platte, von einer Band die man im Auge behalten sollte.
Toller Kurzspieler einer Band aus Dartmouth in der kanadischen Provinz Nova Scotia. Alte AmRep-Schule trifft auf Hot Snakes-artiges Geschredder und morpht von da aus gekonnt in oldschoolige Emocore-Parts.
Diese New Yorker Band schleudert einen metallverstärkten Bastard aus Hardcorepunk, Noiserock und Postcore. Könnte man als eine todernste, Metal-infizierte Variante von Dawn Of Humans beschreiben.
New Alaska aus Stourbridge in den englischen Midlands ließen mich schon vor knapp zwei Jahren anlässlich ihrer EP The Memoir Sings aufhorchen. Auf ihrem ersten Langspieler verfeinern sie ihre Rezeptur zu einem etwas reiferen, eigenständigeren Sound. Immernoch fühlt man sich in vielen Momenten an Rites Of Spring, Dag Nasty, Hot Snakes oder Jawbox erinnert, aber zunehmend kommen auch noiserockige Gitarrentexturen und Math-Rhythmen zum Vorschein und sorgen für eine neu gewonnene Vielschichtigkeit.
Mass Lines kommen aus Canterbury, Kent im Südosten Englands. Auf ihrer ersten EP gibt es druckvollen Lärm mit gewissen Ähnlichkeiten zu Hot Snakes oder Obits, also Postpunk mit garagigen Riffs und Licks, plus etwas Noiserock-Gehobel. Altbewährt aber effektiv.
Diese Band aus Austin beackert ein klassisches Gemisch aus Postcore und Noiserock. Das hält genau die richtige Balance zwischen Komplexität und Wucht, wandelt dabei etwa auf den Spuren von Drive Like Jehu und auch ein wenig Fugazi im Abrockmodus.
Das erste, vor knapp drei Jahren erschienene Album von So Stressed aus Sacramento war noch eine ganz vorzüglich chaotische Baustelle, die irgendwo zwischen melodischem aber druckvollem Indierock, Emocore-Anleihen, derbem Noiserock und purem Krach oszillierte. Mit der neuen Platte haben sie sich jetzt mal für eine deutlichere Marschrichtung entschieden: eine unglaubliche kompakte, drückende und ausgefeilte Mischung aus Noiserock und Postcore. Freunde von Greys und ähnlichen Kalibern werden sicher einigen Gefallen dran finden.
Auf Bandcamp und bei den einschlägigen Downloadtankstellen ist die Platte außerhalb der USA nicht zu bekommen. Aber im Shop von Captured Tracks gibt’s das Teil in fast jedem erdenklichen Flüssigformat, außerdem als CD, LP, Kassette, 8track, Schellack, Notenheft, Floppy Disk, Lochkarte, Drehorgelwalze…
Hui, No Hands aus Toronto schlagen auf ihrem neuen Kurzspieler eine etwas unerwartete Richtung ein. Raus sind die klassischen Hardcore-Elemente und der Noiserock, dafür tritt der Postcore ganz in den Vordergrund und zwar in einer langsam vor sich her schlurfenden Gestalt. Steht ihnen gut.
Pale Heads aus Melbourne schmettern sehr gekonnt eine abwechslungsreuche Melange, bestehend aus Noiserock und Postcore der späten 80er bis mittleren 90er und ein wenig Postpunk, der eher aus der Gegenwart zu kommen scheint, garniert mit ein paar straighten Punkrockern und tonnenweise Highlights.
Geradliniger Postcore aus Seattle. Erinnert mich regelmäßig an Bands wie Jawbox, Bluetip, Smart Went Crazy oder Hot Snakes. In der aktuellen Musiklandschaft könnte man noch parallelen zu Constant Lovers ziehen.