Commander Keen – Dying In The South

Wenn ich mir jede Woche meinen Weg durch das Dickicht an Musikeinreichungen schlage, fühlt sich das meistens mehr nach unbezahlter Arbeit an als nach Spaß. Am Ende lohnt es sich aber doch, wenn mir ab und an eine solche Perle unterkommt wie der zweite Langspieler von Commander Keen aus dem Städtchen Cookeville, Tennessee. Unterschätze nie die Kleinstadtpunks!
Nicht nur sind die Typen nach einem Helden meiner Kindheit benannt, auch in musikalischer Hinsicht liegen wir absolut auf einer Wellenlänge. So viel liebgewonnenes aus der jüngeren wie auch uralten Vergangenheit spült meine Assoziationsmaschine da an die Oberfläche. Beginnend mit dem energischen Postcore von Drive Like Jehu, dem Fuzz Punk von California X oder Happy Diving, Noisepop á la No Age, Playlounge oder den unvermeidlichen Japandroids. Ihre Songs pendeln außerdem zwischen der hymnischen Euphorie etwa von Beach Slang oder Needles//Pins und der Melancholie von Milk Music. Haben die Qualitäten des arschtretend-melodischen Postpunks von Piles oder Die! Die! Die! und gelegentlich scheint sogar eine leise Ahnung von Quicksand oder Leatherface durch.
Das alles wurde hochkompakt in zehn über jeden Zweifel erhabenen Songs verkapselt, deren Gehalt an hartnäckigen Hooks und Melodien weit oberhalb der empfohlenen Tagesdosis liegt. Davon wird mir aber keineswegs schlecht, ich bekomme nur noch mehr Hunger auf einen zweiten Nachtisch. So. Verdammt. Gut.

Album-Stream →

Defenders – The Dissonance Channel

Eine kompetent dargebotene Mischung aus Postcore und Noise Rock mit vereinzelten Math-Einflüssen vermag auf dem aktuellen Minialbum dieser Band aus Baltimore zu überzeugen, die über weite Strecken einen Mittelweg zwischen Jawbox, frühen Unsane und Helmet beschreitet, dabei aber dank einiger strategisch geschickt platzierter Überraschungen nie langeweile aufkommen lässt.

Milk Bath – Demo

Unverschämt stark, das Demo von Milk Bath aus Oakland. Das klingt in etwa als verschmelze die ungezähmte Wucht jüngerer Postcore-Vertreter á la Bad Breeding, Video, Bloody Gears oder Wymyns Prysyn mit dem nicht weniger gewaltigen Vorschub alter Hot Snakes; obendrein kann man auch noch einen Hauch von kontemporärem Post Punk der Marke Criminal Code raushören. Da will ich unbedingt mehr von!

Album-Stream →

Diffusion – Antodotes To Delusion

Noch ein drittes mal Postcore für heute. Dieser kommt von einer Band aus Larisa, Griechenland und ihr erster Langspieler ist zur ersten Hälfte auf Englisch, zur zweiten in ihrer Muttersprache gesungen. Wieder drängt sich hier der Vergleich zu Drive Like Jehu auf, aber ebenso zu Jawbox und Girls Against Boys.

Album-Stream →

Cryptorips – Shadow Up Gold

Gleich noch mal exzellentes Zeug aus dem Postcore-/Noise Rock-Spektrum. Der erste Langspieler der Cryptorips aus Dartmouth, Kanada (deren erste EP es hier auch schon mal zu bestaunen gab) macht mir die Arbeit relativ leicht: Das klingt alles sehr nach einer Kombination von Metz und alten Hot Snakes/Drive Like Jehu, dazu gibt es dann aber noch ein paar melodische 90er Indierock-Momente. Altbewährt und sehr, sehr gut.

Album-Stream →

Exhalants – Exhalants

Exhalants aus Austin, Texas machten im letzten Herbst mit ihrem Demo schon ordentlich gespannt auf das weitere Schaffen der Band. Über Self Sabotage Records ist nun ihr Debütalbum zu bekommen und das weiß erneut zu überzeugen mit seinem Noise Rock und Postcore, der irgendwo zwischen den Klangwelten von 90er AmRep und Touch & Go agiert.

Album-Stream →

Idles – Joy As An Act Of Resistance

Ich hatte ja meine Vorbehalte, aber auf dem zweiten Album der gerade ziemlich gehypten Band aus Bristol kommt ihre unverschämt vorwärts schiebende Mischung aus Postpunk/-core und Noise Rock keineswegs verwässert rüber, sondern Idles klingen hier einfach noch viel mehr nach sich selbst als schon auf ihrem grandiosen Debüt. Das gleiche gilt für den Gesang von Frontmann Joe Talbot, der dem vormals noch etwas im Zaum gehaltenen inneren Springteufel ungezügelt freien Lauf lässt. Wie ein endlos agitierter (oder man könnte auch sagen: unglaublich britischer) Seelenverwandter von Protomartyr's Joe Casey spuckt er hässliche Realitäten auf den Boden, die aus seinem Mund wie sinistere Abzählreime klingen. Und zwar von der Sorte, an deren Ende unvermeidlich jemand weinend nach Hause läuft. Eine passende Untermalung für's neue Zeitalter der Bullies.

Album-Stream →

Little Ugly Girls – Little Ugly Girls

Little Ugly Girls aus Hobart, Australien (Tasmanien) bestehen bereits seit den ganz frühen Neunzigern und haben lokal schon lange den Status einer Punklegende, waren international bislang aber gänzlich unbekannt. Das sollte sich jetzt ändern, denn knapp drei Jahrzehnte nach der Bandgründung kamen sie doch tatsächlich mal auf die Idee, ihr Debütalbum aufzunehmen. Was sich darauf findet ist der helle Wahnsinn, eine musikalisch auf die Essenz heruntergekochte Mischung aus ebenso zeitlosem wie auch explosivem Postcore und Noise Rock.

Album-Stream →

Nopes – Stapler

Nachdem die Band aus Oakland mit der Fun Limbo EP im letzten Jahr ihr bislang derbstes Artefakt abgeliefert hat, kommt jetzt ein zweites Album hinterher, das nicht nur alle Tendenzen des bisherigen Outputs vereint, sondern auch das Klangspektrum noch deutlich erweitert. Die Hüsker Dü-artigen Melodien der ersten EP sind wieder vermehrt am Start, so wie auch der erbarmungslos sägende Weirdo Hardcore. Darüber hinaus bewegen sich die Songs dann noch zwischen Momenten von energischem Garagepunk, beherzt zubeißendem Sludge-/Noise Rock und einem Anflug von verquerem Post Punk. Ein unvorhersehbares rundum-sorglos-Paket also, bei dem sie sich keine nennenswerten Fehltritte leisten.

Album-Stream →

Waste Man – A New Type Of Worry

Wow. Das ist ja mal eine Platte die ich nicht so richtig einordnen kann. Gleichermaßen angepisstes wie auch unberechenbares Zeug irgendwo zwischen Noise, Post Punk, Hard- und Postcore, das jederzeit ein paar Dellen und einen ordentlichen Dachschaden aufweist, dennoch keineswegs sperrig, sondern ausgesprochen zugänglich rüber kommt. Mir fällt spontan kein auch nur halbwegs treffender Vergleich ein und das ist an sich schon mal eine stolze Leistung.

Album-Stream →