Noch ein drittes mal Postcore für heute. Dieser kommt von einer Band aus Larisa, Griechenland und ihr erster Langspieler ist zur ersten Hälfte auf Englisch, zur zweiten in ihrer Muttersprache gesungen. Wieder drängt sich hier der Vergleich zu Drive Like Jehu auf, aber ebenso zu Jawbox und Girls Against Boys.
Gleich noch mal exzellentes Zeug aus dem Postcore-/Noise Rock-Spektrum. Der erste Langspieler der Cryptorips aus Dartmouth, Kanada (deren erste EP es hier auch schon mal zu bestaunen gab) macht mir die Arbeit relativ leicht: Das klingt alles sehr nach einer Kombination von Metz und alten Hot Snakes/Drive Like Jehu, dazu gibt es dann aber noch ein paar melodische 90er Indierock-Momente. Altbewährt und sehr, sehr gut.
Exhalants aus Austin, Texas machten im letzten Herbst mit ihrem Demo schon ordentlich gespannt auf das weitere Schaffen der Band. Über Self Sabotage Records ist nun ihr Debütalbum zu bekommen und das weiß erneut zu überzeugen mit seinem Noise Rock und Postcore, der irgendwo zwischen den Klangwelten von 90er AmRep und Touch & Go agiert.
Ich hatte ja meine Vorbehalte, aber auf dem zweiten Album der gerade ziemlich gehypten Band aus Bristol kommt ihre unverschämt vorwärts schiebende Mischung aus Postpunk/-core und Noise Rock keineswegs verwässert rüber, sondern Idles klingen hier einfach noch viel mehr nach sich selbst als schon auf ihrem grandiosen Debüt. Das gleiche gilt für den Gesang von Frontmann Joe Talbot, der dem vormals noch etwas im Zaum gehaltenen inneren Springteufel ungezügelt freien Lauf lässt. Wie ein endlos agitierter (oder man könnte auch sagen: unglaublich britischer) Seelenverwandter von Protomartyr's Joe Casey spuckt er hässliche Realitäten auf den Boden, die aus seinem Mund wie sinistere Abzählreime klingen. Und zwar von der Sorte, an deren Ende unvermeidlich jemand weinend nach Hause läuft. Eine passende Untermalung für's neue Zeitalter der Bullies.
Little Ugly Girls aus Hobart, Australien (Tasmanien) bestehen bereits seit den ganz frühen Neunzigern und haben lokal schon lange den Status einer Punklegende, waren international bislang aber gänzlich unbekannt. Das sollte sich jetzt ändern, denn knapp drei Jahrzehnte nach der Bandgründung kamen sie doch tatsächlich mal auf die Idee, ihr Debütalbum aufzunehmen. Was sich darauf findet ist der helle Wahnsinn, eine musikalisch auf die Essenz heruntergekochte Mischung aus ebenso zeitlosem wie auch explosivem Postcore und Noise Rock.
Nachdem die Band aus Oakland mit der Fun Limbo EP im letzten Jahr ihr bislang derbstes Artefakt abgeliefert hat, kommt jetzt ein zweites Album hinterher, das nicht nur alle Tendenzen des bisherigen Outputs vereint, sondern auch das Klangspektrum noch deutlich erweitert. Die Hüsker Dü-artigen Melodien der ersten EP sind wieder vermehrt am Start, so wie auch der erbarmungslos sägende Weirdo Hardcore. Darüber hinaus bewegen sich die Songs dann noch zwischen Momenten von energischem Garagepunk, beherzt zubeißendem Sludge-/Noise Rock und einem Anflug von verquerem Post Punk. Ein unvorhersehbares rundum-sorglos-Paket also, bei dem sie sich keine nennenswerten Fehltritte leisten.
Wow. Das ist ja mal eine Platte die ich nicht so richtig einordnen kann. Gleichermaßen angepisstes wie auch unberechenbares Zeug irgendwo zwischen Noise, Post Punk, Hard- und Postcore, das jederzeit ein paar Dellen und einen ordentlichen Dachschaden aufweist, dennoch keineswegs sperrig, sondern ausgesprochen zugänglich rüber kommt. Mir fällt spontan kein auch nur halbwegs treffender Vergleich ein und das ist an sich schon mal eine stolze Leistung.
Irgendwann mal als so was wie die etwas derberen, kanadischen White Lung durchgegangen, hat sich das Trio aus Vancouver über zwei Alben zu einer ganz eigenen auditiven Gewalt entwickelt und gefällt mir inzwischen weitaus besser als was das offensichtliche Vorbild zuletzt so verzapft hat. Mit ihrem dritten Album hat die Band kürzlich ihr wohl wütendstes Stück Lärm abgeliefert, das die bisherige Rezeptur eher graduell verfeinert. Dafür geht ihr Sound im Umfeld von Post Punk, Noise und Postcore jetzt aber mit einer ungeahnt kompromisslosen Wucht und Entschlossenheit in die Offensive, welche die bereits sehr ungemütlichen Vorgänger noch mal locker in den Schatten stellt.
Klangen Small Gods aus Basingstoke, England auf ihrer ersten EP (damals nannte sich die Band noch LUAU) noch sehr nach Hot Snakes und Obits, strampeln sie sich auf dem Nachfolger weitgehend frei von diesem Vergleich. Mir gefällt das ganze sehr gut mit einem deutlich vielseitigeren und melodischeren Ansatz, den das Songmaterial problemlos zu tragen vermag. Das bekommt hier mal eine ausgeprägte Noiserock-Kante verpasst, tendiert an anderer Stelle mal etwas in richtung 90er Dischord Sound und sogar für Surf-Einflüsse ist da Platz. Da wird ein unerwartetes Maß an kreativer Energie freigesetzt, das sehr gespannt auf das weitere Schaffen der Band macht.
Kraftvoll vorwärts schreitender und unerwartet melodischer Postcore aus Seattle, der gleichermaßen im Mid- und Uptempo, nicht zuletzt aufgrund von durchweg hochwertigen Songfundamenten, zu überzeugen weiß. Du Beginn fühlte ich mich etwas an den fuzzigen Post Punk von Plax oder The Cowboy erinnert, auf Albumlänge aber eher an den eingängigen Postcore von Meat Wave, Bloody Gears oder Bench Press. Klasse Debüt!