Die Postpunk-Formation aus Bloomington, Indiana um Schlagzeugerin/Vokalistin Kylee Kimbrough hat sich im letzten Jahr aufgelöst und spielte ihren letzten Gig in Atlanta. Ein Mitschnitt davon ist nun bei Chunklet Industries erschienen, was an sich ja mal nichts weltbewegendes wäre. Aber diese Live-EP unterscheidet sich von den meisten Artgenossen, weil es sich mit Ausnahme des letzte Tracks durchweg um neues, bislang unveröffentlichtes Material handelt. Präsentiert in einer Klangästhetik, die ich mal als guten Bootleg-Sound bezeichnen würde. Subtile Details haben da natürlich keinen Platz, aber der brachialen Wucht dieser Band wird er dafür umso mehr gerecht.
Hier gibt's mal wieder eine Erweiterung des geographischen Horizontes im Hause 12XU. Und was für eine verdammt hochwertige Erweiterung! Diese drei Grrrls aus der litauischen Hauptstadt Vilnius produzieren auf ihrer Debüt-EP in jeder Hinsicht kompetenten Postcore von exzellenter Durchschlagkraft, der trotz seiner für Genreverhältnisse recht hohen Rifflastigkeit einen weiten Bogen um eingefahrene Hardcore-Stilmuster macht und dabei mit abwechslungsreichen Songstrukturen glänzt. Obendrein sind die Lyrics in ihrer Landessprache gesungen, was ich persönlich ja immer als eine willkommene Abwechslung empfinde.
Auch Album Nummer zwei der Band aus Coburg, Australien liefert wieder astreine Qualität. Weiterhin behält die Band gekonnt die Balance zwischen den Eckpunkten Garage Punk, Postcore und Noise Rock. Tempomäßig geht es diesmal etwas entspannter zu, dafür haben die Songs und Arrangements einen deutlich erkennbaren Feinschliff erfahren und wiederholt kommt so ein spezieller Vibe auf, der an eine leicht gedrosselte Variante der Hot Snakes denken lässt.
Cutie aus New York konnten mich ja schon mal vor einem Jahr mit ihrer ersten EP und einem Arschtritt aus Noise Rock, Fuzz Punk und etwas Postcore vollends zu überzeugen. Auf dem erneut selbstbetitelten Nachfolger schickt die Band in gewohnter Manier zehneinhalb Songs in ziemlich genau zehn Minuten auf die Reise und hat dabei noch mal einiges an Druck und Fahrtwind zugelegt, klingt nun ein bisschen wie 'ne Kreuzung aus Tunic, Mclusky und einer kleinen Dosis Drive Like Jehu/Hot Snakes.
...und gleich noch mal so eine Spätzünderband. Schlappe sieben Jahre nach der letzten Platte haben die Instrumental-Postcore-/Mathrock-Veteranen aus Atlanta ihren vierten Langspieler am Start. Ehrlich gesagt hatte ich die Band nie so wirklich auf dem Schirm. Bei der nachträglichen Begutachtung ihrer früheren Alben fällt mir jedoch auf, wie sehr diese aus heutiger Sicht nach einem Produkt ihrer Zeit klingen. Gerade als das Mathrock-Genre seinen Exzess aus ungeraden Takten und überladenen Strukturen etwas zu sehr auf die Spitze trieb und nur Minuten später in seinem eigenen Arsch aus vorhersehbarer Komplexität-um-ihrer-selbst-Willen stecken blieb. Umso erstaunlicher ist, wie wenig das auf der neuen LP der Fall ist - die neuen Songs machen einen durchweg sehr zeitlosen Eindruck. Die Strukturen und Arrangements klingen deutlich entschlackt und aufgeräumt, haben mehr Hand und Fuß als je zuvor, während eine ebenso schnörkellose wie auch klare Produktion eine saumäßig tighte Band einfängt, die über die Jahre nichts von ihrer Spielfreude eingebüßt hat.
Das Szenebollwerk Sorry State Records aus Raleigh, North Carolina macht einen auf Flex Your Head und haut eine ambitionierte Compilation in Form einer Doppel-LP raus, die in satten 49 Songs von 19 Bands als Momentaufnahme der örtlichen Punkszene verstanden werden will. Wenn auch tendenziell das räudig oldschoolige Hardcoregedöns in mal mehr, mal weniger origineller Daseinsform dominiert, kann man sich kaum über mangelnde Vielfalt beklagen - American Idylls klingt wie ein Rundumschlag von so ziemlich vielem, was auch dieses Blog antreibt, und das auf überwiegend sehr starkem bis grandiosem Niveau. Einige Bands, die hier schon mal vorgekommen sind und andere, die ich besser mal im Auge behalte. Keine Zweitverwertung, sondern zu 100% exklusives Material wurde hier verbraten. Vielleicht die essenzielle Punkcompilation in diesem Jahr.
Ziemlich coolen Scheiß auf der Schwelle zwischen Garagepunk und Post Punk/-core hauen uns The Hammer Party aus Huntsville, Texas vor den Latz. Als etwas bemühte Vergleiche würden mir mal Hot Snakes und deren Nachfolgeband Obits, frühere Teenanger oder Wymyns Prysyn einfallen. Außerdem könnte man stellenweise einen leichten Wipers-Einfluss vermuten und die starken Surf-Tendenzen bei der Gitarrenarbeit fügen dem Krempel eine angenehmst eigenwillige Note hinzu.
Nach einigen verdammt arschtretenden EPs legt die Band aus Richmond, Virginia ihren nicht weniger potenten ersten Langspieler nach. Der löst zum wiederholten mal Glücksgefühle aus mit ihrer ziemlich schrägen und alles andere als keimfreien Mischung aus Hard- und Postcore, Sludge, einer guten Portion Noise und einer rustikal-garagigen Oberfläche.
Nachdem die Noiserocker aus Winnipeg in den letzten Jahren schon mit der einen oder anderen EP beachtlich viel Staub aufgewirbelt haben, erweist sich erwartungsgemäß auch ihr erster Langspieler als ein kompromissloser, wuchtiger Schredder par excellence.
Bei dieser Band aus Graz haben Leute von Catholic Guilt und Imposition Man ihre Finger im Spiel. Im direkten Vergleich mit letztgenannten gehen Red Gaze aber etwas konventioneller und oldschooliger, jedoch kein bisschen weniger gekonnt zur Sache, bewegen sich irgendwo auf der Schwelle von Postpunk und -core. Das schlägt in etwa den Bogen von aktuellen Bands wie Diät, Institute, Pretty Hurts oder frühen Sievehead hin zu den Grenzgebieten des mid-80s Punk und Hardcore; unter anderem meine ich ein paar unterschwellige Echos von The Proletariat, Angry Red Planet oder späteren Effigies zu vernehmen.