Ein reiner Quell der Garage-befeuerten Hardcore-Glückseligkeit, abgeliefert von einer Band die vielleicht aus Long Beach, Kalifornien kommt oder vielleicht auch nicht. Der Scheiß hält eine einwandfreie Balance zwischen dumm geradeaus bretternder oldschool Energie und den diversen Macken und Verschrobenheiten jüngerer Hardcore-Phänomene, was sie auf der Genrelandkarte in guter Gesellschaft zu gegenwärtigen Sorgenkindern der Marke Mystic Inane, Launcher, Fried E/M, Modern Needs oder Liquid Assets lokalisiert.
Eine äußerst appetitanregende erste EP einer Band aus London, die einen etwas schwammig einzuordnenden, halbwegs rauen aber auch eingängigen Stilmix spielen, im groben so 60% Garage Punk und 40% Postcore, was insgesamt an eine eher diffuse Ansammlung von Bands erinnert zu denen unter anderem etwa The Abandos, Obits, Golden Pelicans, Mass Lines, Dumb Punts und Ascot Stabber gehören.
Diese Band aus Barcelona spielt so eine gewisse Brauart des Post Punk - die melodisch-eingängige, von der man gerade in jüngerer Zeit etwas wenig gehört hat - und ich würde mal sagen die klingen dabei nach einem recht bunten Cluster aus einschlägigen Hausnummern á la Nightwatchers. Sievehead, Red Dons, Criminal Code und frühen The Estranged. Ab und an streckt man seine Fühler auch mal in Richtung Hardcore aus und dann kommen mir spontan mal die Acrylics in den Sinn.
Diese Band aus Philadelphia bringt Generationen von Punks zusammen, zählt zu seinen Mitgliedern Chuck Meehan von den Hardcore-Dinosauriern YDI, neben Mitgliedern jüngerer Bands wie Blank Spell, Haldol und DeStructos. Ihre erste EP explodiert dem Hörer unvermittelt ins Gesicht mit seinen achteinhalb Salven des unvorhersehbaren, chaotischen und Noise-infizierten Hard-/Post-/Weirdcore, der sich grob im Spektrum dessen bewegt, was man in jüngerer Zeit etwa von Bands wie Kaleidoscope, Daydream oder Fugitive Bubble zu hören bekam.
Meine liebe Güte, ist das mal ein göttlicher Batzen aus oldschooligem Postcore von genau der Machart, die uns Sesselfurzern mittleren Alters in höhere Sphären zu transportieren vermag - ausgeklügelt ohne dabei im eigenen Arsch zu versinken und dabei mit einem Gespür für Melodien, das alte Volcano Suns, Moving Targets und Mission Of Burma heraufbeschwört. Die viertelstündige Suite, mit der sie das Album eröffnen, erinnert mich hingegen stark an Dragoon, den monumentalen Opener von Bitch Magnet's zweiten und letzten Album Ben Hur. Ansonsten regiert hier mit das beste aus dem 90er Dischord-Universum mit reichlich Anklängen etwa an Autoclave, Bluetip, Hoover, Crownhate Ruin, Kerosene 454, frühe Jawbox… hier wird nicht gekleckert. Und klar, ein paar Spuren von Fugazi sind natürlich auch enthalten - ich würde jedoch sagen, dass jene hier keineswegs der primäre Einfluss sind. Das alles ziehen Hungry Man mit Leichtigkeit durch, ohne wie ein dröges Plagiat zu klingen - sondern viel mehr wie eine Band, die zu ihren Einflüssen steht und dennoch ihre eigene Stimme findet, um in die Gegenwart zu sprechen.
Spektakuläres erstes Dokument einer Band aus Kopenhagen, die hier einen recht unkonventionellen Mix aus Post Punk, Hard- und Postcore spielt mit einem seltenen Sinn für Melodie und einem stark psychedelischen, fast schon Shoegaze-mäßigen Unterton. Außerdem, mit Blick auf die Kopenhagener Szene, geht es kaum anders als hier auch leise Echos der frühen Iceage und Lower zu registrieren.
Eine neue Tunic Platte, ein weiterer Tritt in die Weichteile. Nachdem zuletzt die Compilation Exhaling noch mal ihre bisherigen Singles und EPs aufgewärmt hat, nimmt die Band auf ihrem zweiten "richtigen" Album die Fäden einfach genau da wieder auf wo sie zuletzt liegen geblieben sind und erweitern ihre Klangpalette nur sehr zaghaft. Auf Albumlänge kann das schon mal etwas repetitiv wirken, so dass man sich ab und an mal wundert: "Hab ich diesen Song nicht gerade schon mal gehört?" Ist aber reine Korinthenscheißerei. So lange die Typen ihr Lärmwerkzeug weiterhin mit so einer Überzeugung und überwältigenden (un-)Wucht zur Anwendung bringen, bin ich schon mehr als glücklich.
Eine Band aus Melbourne zeichnet auf ihrer Debüt-EP für fünf abwechslungsreiche Einschläge irgendwo im Spektrum von Hard-/Post-/Noisecore verantwortlich, die mir mit ihrer gleichermaßen derben wie auch ausgeklügelten Wucht so Kapellen wie etwa Dollhouse, Cement Shoes oder Vexx ins Gedächtnis rufen.
Das Londoner Postcore-/Noise Rock-Duo überzeugt ein weiteres mal mit blanker Durchschlagkraft gekoppelt mit kühler Präzision, wobei jede einzelne Sprengladung auf ihrem zweiten Album ein minimales Rezept für den maximalen Schaden anzuwenden versteht. Essenzielles Programm für Freunde etwa von Tunic, USA Nails, Metz oder Death Panels.
Um hier überhaupt mal ein bisschen was geregelt zu kriegen, verbrate ich jetzt mal ganze drei Krawallbands in einem Post. Zuerst mal wären da fünf durchaus spaßige Iterationen der unkonventionellen Lärmerei auf der EP von Deodorant aus Chicago, die bereits 2018 schon eimal mit einem sehr netten kleinen Album auf Not Normal Tapes auffielen. Auf dem neuesten Kurzspieler wird ein recht weites Feld abgedeckt von oldschool Hard- und Postcore-Weirdos der Marke Saccharine Trust, Beefeater, Really Red oder frühe Minutemen, zu jüngeren Bands á la Optic Nerve, Mystic Inane abgerundet mit ein paar subtilen Cowpunk-Vibes etwa in King Samo. Wenn das jetzt alles etwas zu viel für dein kleines Hirn zum verarbeiten ist, dann magst du vielleicht den viel geradlinigeren Lärm aus leicht garage-kontaminiertem Oldschool-Gekloppe den Vorzug geben, wie es Dye aus Kansas auf einer neuen EP präsentieren. Oder aber das klingt dir nach zu viel Spaß und du bevorzugst etwas mehr Tod und Verzweiflung in deinem Punkrock? Dann hätte ich da was für dich von Urn aus Dallas, deren Sound in etwa so dunkel und trüb daher kommt wie verbrannter, abgestandener Kaffee… abstoßend und vitalisierend zugleich.