Peter Muffin und die Heilsarmee - Nasenbluten gegen Deutschland

Peter Muffin

Deutsch­spra­chi­ger Post­punk ist für mich im­mer so ei­ne zwie­späl­ti­ge An­ge­le­gen­heit. Für je­de wirk­lich ei­gen­stän­di­ge und gu­te Band á la Hu­man Ab­fall oder Ban­que Al­le­man­de fin­det man je­weils ge­fühl­te hun­tert mal rou­ti­nier­te Gen­re-Stan­dard­kost, un­in­spi­rier­tes Ma­len nach Zah­len. Da­zu kom­men noch­mal so vie­le Ba­by­fon-Mit­schnit­te aus der Post­punk-Krab­bel­grup­pe, bei de­nen die Be­tei­lig­ten zwar of­fen­sicht­lich Spaß hat­ten. Die El­tern wer­den ganz stolz. Al­le nicht hor­mo­nell be­ein­träch­tig­ten Per­so­nen kli­cken je­doch schnell auf den Un­sub­scri­be-But­ten an­ge­sichts der be­vor­ste­hen­den Ba­by­fo­to-Show.
In die Rich­tung gin­gen auch die bis­he­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen des Stutt­gar­ter So­lo­pro­jekts Pe­ter Muf­fin. Nun gut, der Bur­sche ist ja auch noch nicht so lan­ge voll­jäh­rig. Auf sei­nem neu­es­ten, schnell und dre­ckig pro­du­zier­ten Al­bum weiß er aber mit aus­ge­zeich­net ab­ge­fuck­ten Ga­ra­gen­post­punk zu über­zeu­gen, den man in so gut, ran­zig, ge­stört und ro­ckend hier­zu­lan­de eher sel­ten vor­fin­det. Das wird nicht zu­letzt der Tat­sa­che zu ver­dan­ken sein, dass der Bub hier ei­ne Band mit or­dent­lich Feu­er unter'm Arsch um sich ge­schaart hat. Die Heils­ar­mee ver­eint ein paar üb­li­che Ver­däch­ti­ge aus dem Stutt­gar­ter Um­feld, die un­ter an­de­rem an Ka­ri­es und Die Ner­ven ei­ne ge­wis­se Mit­schuld tra­gen.


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Cigüeña - Neptuno

ciguena

Me­lo­di­scher und doch räu­di­ger In­die­krach von ei­nem Duo aus Va­len­cia, Spa­ni­en. Man stel­le sich vor, die me­lo­di­sche­ren Ten­den­zen von Mis­si­on of Bur­ma und So­nic Youth wä­ren ver­se­hent­lich in den 90er Post- und Emo­core-Bot­tich ge­fal­len. Die Plat­te gibt's für lau bei Band­camp.



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Jonly Bonly - Put Together

jonly bonly

Das an­de­re 12XU hat mal wie­der zu­ge­schla­gen. Jon­ly Bon­ly aus Aus­tin spie­len un­wi­der­steh­li­chen Power­pop mit ei­ner Schip­pe Post­punk. Un­über­seh­bar ist da­bei der Ein­fluss von Wire (duh!) und Wi­pers. Des­wei­te­ren klin­gen sie in et­wa so als hät­te man je­ne mit Un­der­to­nes, The Jam und Mo­dern Lo­vers ver­schmol­zen. Gei­ler Scheiß!


Al­bum Stream gibt's lei­der nicht. :-|
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Roberta Bondar - Caustic

roberta bondar

Die Neu­ro­lo­gin Ro­ber­ta Bondar, klärt mich Wi­ki­pe­dia auf, war die ers­te ka­na­di­sche As­tro­nau­tin und ge­hör­te 1992 zur Crew der Mis­si­on STS-42.
Die Band Ro­ber­ta Bondar ist die ers­te nach der As­tro­nau­tin Ro­ber­ta Bondar be­nann­te Band aus Ot­ta­wa und spielt ein Noi­selas­ti­ges et­was, dass sich auf­grund sei­ner Viel­sei­tig­keit ei­ner en­ge­ren Gen­re­zu­ord­nung ent­zieht. Ir­gend­wo zwi­schen Post­punk, Noi­sero­ck/-pop, Shoe­ga­ze-Ge­döns und ab­ge­spa­ce­ten Dro­nes mit ei­ner Schip­pe voll Kraut.


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Die Musikresteverschicklichkeit (Die Wirklichkeit - Alles Nur Psyche)

die wirklichkeit
Auch 'n gu­ter Stunt: Ein­fach mal dei­ne Freun­de wei­ter­emp­feh­len. Bei ge­nau ei­ner Re­ak­ti­on auf die Ak­ti­on vor gut ei­ner Wo­che fiel die Aus­wahl na­tür­lich eher leicht. Und da ju­belt mir doch tat­säch­lich so'n Typ mit of­fen­sicht­li­chen Con­nec­tions zu ei­nem mit­tel­be­kann­ten On­line­ma­ga­zin und räum­li­chen Con­nec­tions zu So­lin­gen die ers­te Ver­öf­fent­li­chung der dort an­säs­si­gen Post­pun­ker Die Wirk­lich­keit un­ter. Re­spekt vor so viel lo­ka­lem Sze­ne­sup­port… oder spielt der Scherz­keks gu­te Mann da et­wa auch selbst mit? ;-)
Das ist wohl­be­merkt nicht das ers­te mal, dass je­mand mir die­se Band na­he legt. War­um mein Des­in­ter­es­se bis­her? Nun ja, wo ge­ho­belt wird fal­len halt Spä­ne, und wenn man sich all­wö­chent­lich durch hun­der­te von größ­ten­teils über­flüs­si­gen Re­lea­ses schnell durch­wühlt, über­sieht man halt auch das ei­ne oder an­de­re Ju­wel.
Im Fal­le von Die Wirk­lich­keit lag das wohl an mei­ner vor­schnel­len As­so­zia­ti­on mit der mo­men­tan so ge­hyp­ten Wel­le deut­scher Post­punk­bands á la Mes­ser oder Die Ner­ven, wel­che ich kei­nes­wegs schlecht fin­de, aber auch nicht den Me­di­en­wir­bel wert; ab­ge­se­hen vom Al­lein­stel­lungs­merk­mal (na­ja…) nicht ganz dum­mer deut­scher Tex­te hal­te ich je­ne le­dig­lich für ganz or­dent­li­chen Gen­re­durch­schnitt.
Aber jetzt kann ich mich na­tür­lich nicht mehr da raus­re­den, mir end­lich mal Zeit für die Plat­te zu neh­men. Und Über­ra­schung: Ich kann ihr so ei­ni­ges ab­ge­win­nen. Die Ver­glei­che zu be­sag­ten Bands hin­ken doch ge­wal­tig, Al­les nur Psy­che ist weit ent­fernt von 08/15-Gen­re­kost. Der Pool aus dem sie zu schöp­fen schei­nen geht näm­lich bei wei­ten über die üb­li­chen Ver­däch­ti­gen des Post­punk­ka­nons hin­aus und er­streckt sich un­ter an­de­rem auch in Rich­tung al­ter In­die­schramm­ler von Pa­ve­ment über So­nic Youth bis hin zu The Fall. Und die ab­wech­selnd mal eher kryp­tisch ver­schwur­bel­ten, mal ge­ra­de­zu schmerz­haft über­deut­li­chen Tex­te ma­chen sie zu so­was wie den Blum­feld des deut­schen Post­punks, de­ren Früh­pha­se sie auch Mu­si­ka­lisch nicht ganz fern ste­hen. Die sind dann aber auch der ein­zi­ge Kri­tik­punkt, der hier und da mei­ne Be­geis­te­rung et­was bremst. An ei­ni­gen Stel­len bräuch­ten Ly­rics und Ge­sang ein­fach noch et­was Fein­schliff.
Nichts des­to trotz, ein aus­ge­zeich­ne­tes De­büt, mei­len­weit über "Nicht schlecht für ei­ne deut­sche Band", das un­glaub­lich Lust auf zu­künf­ti­ge Schand­ta­ten macht.


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Cadaver Em Transe - Cadaver Em Transe

cadaver em transe

Stock­düs­te­ren, kom­pro­miss­lo­sen Post­punk-Kra­wall ge­ben Ca­da­ver Em Tran­se aus São Pau­lo von sich. Das gan­ze kommt sehr old­schoo­lig rü­ber, mit star­kem Ver­dacht auf Hard­core-Wur­zeln und Go­th-Af­fi­ni­tät. Ge­le­gent­lich ver­su­chen sie sich auch mal an char­mant ka­put­tem Eng­lisch. Das er­in­nert ab und an mal an Cri­mi­nal Code oder die Bri­ten Au­to­bahn, ist aber ei­gen­stän­dig ge­nug um nicht im ak­tu­el­len Über­an­ge­bot an gen­re­ver­wand­ten Bands un­ter­zu­ge­hen. Und nix mit Ko­pen­ha­gen-Na­me­drop­ping dies­mal.


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Teenanger - E P L P

teenanger

Die Ga­ra­gen­post­pun­ker Teen­an­ger aus To­ron­to le­gen ein recht zü­gi­ges Ar­beits­tem­po vor. Ziem­lich ganau ein Jahr nach dem aus­ge­zeich­ne­ten Sin­gles Don't $ell ha­ben sie jetzt ih­re ak­tu­el­le LP, EP oder EPL oder watt auch im­mer für'n Dings am Start. Und ge­nau wie schon auf dem Vor­gän­ger kann man hier wie­der ei­ne gra­du­el­le Ver­fei­ne­rung der Re­zep­tu­ren be­ob­ach­ten. Der Noi­se ist wei­ter in den Hin­ter­grund ge­tre­ten und ein bes­ser ka­na­li­sier­ter En­er­gie­haus­halt er­laubt es ih­nen die Fü­ße öf­ter mal vom Gas- und Fuz­z­pe­dal zu las­sen, oh­ne da­bei an Druck ein­zu­bü­ßen.


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Mannequin Pussy - Gypsy Pervert

mannequin pussy

Lass uns mal über Mu­schis re­den. Mu­mu-Core ist schwer an­ge­sagt letz­ter Zeit. Da gab es zum Bei­spiel ei­nen Mu­s­chi­auf­stand, des­sen Prot­ago­nis­tin­nen für ein kei­nes Ständ­chen an ei­nem un­ge­wohn­ten Ort in den Knast gin­gen. Ei­ne an­de­re ih­rer Art be­haup­te­te spä­ter von sich, ein gar per­fek­tes Mie­ze­kätz­chen zu sein. Selbst­re­dend sind nicht al­le Mu­schis gleich. Bei erst­ge­nann­ter hink­te doch die mu­si­ka­li­sche Re­le­vanz emp­find­lich hin­ter der po­li­ti­schen her. Die an­de­re stell­te sich nach dem ers­ten Schock doch eher als ei­ne muf­fi­ge Bri­se hy­per­ven­ti­lier­ter hei­ßer Luft her­aus. Nichts des­to trotz, mit Mu­schi muss man der­zeit rech­nen.
Dies­mal al­so ei­ne Schau­fens­ter­mu­schi. Ge­fällt mir um län­gen bes­ser. Das Trio kommt aus New York, ein Mit­glied (mit-Glied, ha­ha!) hat gar kei­ne Mu­schi und Ti­ny En­gi­nes (sie­he auch letz­ter Post) hat ge­ra­de ihr ur­sprüng­lich als Tape er­schie­ne­nes De­büt­al­bum wie­der­ver­öf­fent­licht. Das ist aus­ge­zeich­ne­ter und recht viel­sei­ti­ger Krach, der ir­gend­wo zwi­schen Noi­se­pop, Post- und Ga­ra­gen­punk os­zil­liert. Ich schreib jetzt bes­ser nicht wei­ter, be­vor sich das hier zu ei­nem Mu­schi­touret­te aus­wächst. Mu­schi, Mu­schi, Mu­schi.



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Xetas - Silence /​ The Knives

xetas

Auch auf Austin's 12XU Re­cords er­schien die­ses sie­ben­zöl­li­ge Dings der eben­falls dort be­hei­ma­te­ten Xe­tas. Der ers­te Track klingt so et­was nach Saints mit ei­nem deut­li­chen Schlen­ker in Rich­tung Post­core/-punk. Die Flip klingt dann mehr als hät­ten letz­te­re sich ein biss­chen X an Bord ge­holt. So­wohl die Ka­li­for­ni­er als auch die Aus­tra­li­schen X, passt bei­des ir­gend­wie. Dass das in der mu­si­ka­li­schen Time­li­ne nicht wirk­lich zu­sam­men­geht ist mir schon klar…


Und als klei­ner Bo­nus sei noch die­ser hübsch der­be Re­mix er­wähnt:

Di­gi­tal gibt's das gan­ze nach mei­nem Wis­sen (lei­der) nur bei iTu­nes.

Thank you, Ur­ban­kill!