Gustave Tiger - At The Idyll's End

gustave tiger
Die letz­tes Jahr er­schie­ne­ne EP Mit­an­ni Ma­res die­ser Ka­pel­le aus Bu­da­pest ließ ja schon ge­spannt auf­hor­chen, aber je­nes klei­ne Be­ben konn­te mich in keins­ter Wei­se vor­be­rei­ten auf die­sen Erd­rutsch von ei­nem at­mo­sphä­risch dich­ten Al­bum. Oh­ne Scheiß, beim ers­ten Hör­durch­gang fiel mir von den ers­ten Tak­ten an die Kinn­la­de mal so­was von auf den Bo­den. Und ich bin wirk­lich nicht mehr so leicht zu be­ein­dru­cken.

Es ist ein Al­bum der schein­ba­ren Wi­der­sprü­che. Se­mi-sin­fo­ni­sche Chor­ge­sän­ge und new-agi­ges Ge­schwur­bel tref­fen auf Blast­beats, Noi­se­at­ta­cken und selbst für ei­nen über­ra­schen­den Blä­ser­ein­satz ist hier Platz. Über wei­te Stre­cken zieht sich ein ge­wis­ser Go­thic-Vi­be durch die Songs, aber auch ein Psy­che­de­li­sches Blues­riff kann da mal als Song­fun­da­ment her­hal­ten. An je­der Ecke pas­siert hier ir­gend et­was span­nen­des, aber nicht nur das. Am En­de hat das auf Al­b­um­län­ge al­les Hand und Fuß. Selbst in den kon­ven­tio­nel­le­ren Mo­men­ten kön­nen sie mit drü­cken­dem Post­core über­zeu­gen, der stel­len­wei­se et­was an White Lung er­in­nert. Au­ßer­dem durch­zieht das gan­ze Al­bum ei­ne un­glaub­lich trau­ri­ge wie auch epi­sche At­mo­sphä­re, ei­ne sur­rea­le An­ders­welt­lich­keit wie ich sie schon lan­ge nicht mehr ge­hört ha­be, erst recht nicht auf ei­ner Art Pun­k­al­bum.

Gust­ave Ti­ger ha­ben hier ein ziem­lich un­ver­gleich­li­ches Stück Mu­sik er­schaf­fen und man kann nur hof­fen, dass sie da­mit auch au­ßer­halb der un­ga­ri­schen Lan­des­gren­zen die Be­ach­tung be­kom­men, die sie sich red­lich ver­dient ha­ben. Ich bin da mal ver­hal­ten op­ti­mis­tisch.

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Furrow - Dear Hunter

furrow
Schö­ne Vor­ab­sin­gle mit zwei Songs vom für Au­gust an­ge­kün­dig­ten Lang­spie­ler die­ser höchst ei­gen­wil­li­gen Band aus San Die­go. Könn­te man zur Not als psy­che­de­lisch-an­ge­krau­te­ten Post­punk ein­ord­nen. Die kru­de aber den­noch hym­ni­sche A-Sei­te er­weckt er­freu­li­che As­so­zia­tio­nen zu den Aus­tra­li­ern Blank Re­alm.

Ex-Cult - Midnight Passenger

ex-cult
Ex-Cult aus Mem­phis knüp­fen mit ih­rem zwei­ten Al­bum ge­nau da an, wo ihr letz­tes vor zwei Jah­ren auf­ge­hört hat. Mit ei­ner et­was kla­re­ren, tigh­te­ren Pro­duk­ti­on und ge­ne­rell et­was aus­ge­reif­ter und viel­sei­ti­ger, über­zeu­gen sie auch die­ses mal mit ih­rer ex­plo­si­ven Mi­schung aus Pro­to-, Post-, Noi­se- und Ga­ra­gen­punk.

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The Two Koreas - LP Winner EP

The Two Koreas
The Two Ko­reas aus To­ron­to hau­en ei­ne sehr stim­mi­ge EP raus, die im bes­ten Sinn­ne an In­die­rock-, Noi­se und Post­pun­k/-core Klas­si­ker der spä­ten 80er/​frühen 90er er­in­nert, in den ers­ten drei Songs vor al­lem an So­nic Youth und The Fall, aber auch an Les Sa­vy Fav oder die bri­ti­schen Art­pun­ker Ika­ra Colt. Der Raus­schmei­ßer klingt dann eher so als hät­te man die re­lax­te Me­lo­die­se­lig­keit von Pa­ve­ment mit den un­ge­stü­men Krach­at­ta­cken frü­her Di­no­saur Jr. in ei­nen Topf ge­wor­fen.

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Gazar Strips - Sparkling

gazar strips
So­nic Ma­sa­la Re­cords, die Zwei­te, ist er­neut ein Voll­tref­fer. Dies­mal kom­men die Ga­zar Strips aus Bris­bane in den Ge­nuss ei­ner Vi­nyl­ver­öf­fent­li­chung mit da­zu­ge­hö­ri­ger Pu­bli­ci­ty. Die spie­len düs­te­ren Post­punk mit deut­li­chem Go­th-Ein­schlag; ge­nau ge­nom­men ori­en­tiert sich das gan­ze wie­der mal an den ganz ty­pi­schen Vor­bil­dern, al­so Cu­re, Bau­haus, Joy Di­vi­si­on, aber das in­ter­es­siert mich in die­sem Fall nicht die Boh­ne. Ga­zar Strips lie­fern hier näm­lich Qua­li­tät, ge­ben sich trei­bend, ein­gän­gig und kom­pro­miss­los zu­gleich. Ganz oh­ne Wohl­fühl­op­ti­on.

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Human Abfall - Tanztee von unten

human abfall
Deutsch­spra­chi­ger Noi­se-/Post­punk von ei­ner in Stutt­gart und Ber­lin an­säs­sig­an Band, der sich an­ge­neh­mer Wei­se mal nie­man­dem an­bie­dert. We­der der va­ge al­ter­na­ti­ven Mu­sik­pres­se auf der Su­che nach der neu­es­ten ly­risch wie mu­si­ka­lisch ge­mä­ßig­ten Punk­ka­pel­le mit ei­nem gut­aus­se­hen­den, selt­sam vor sich hin­rap­pen­den Sän­ger. Noch den spie­ßi­gen deut­schen Un­ter­grund­sze­nen und ih­ren blas­sen Bands, die sich strikt an eta­blier­te Punk/​HC Gen­re­kon­ven­tio­nen hal­ten und dir an­hand der im­mer glei­chen ab­ge­dro­sche­nen Phra­sen vor­plär­ren, war­um ihr Welt­bild bes­ser ist als deins.
Die Plat­te von Hu­man Ab­fall kommt ei­nem in die­sem Um­feld ent­ge­gen wie ei­ne er­fri­schen­de Bri­se, trotz des aus­ge­präg­ten Mo­der­ge­ruchs den Mu­sik und Ly­rics hier ab­son­dern.

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Nitch - Atwa EP

nitch
Schon wie­der et­was sau­mä­ßig hö­rens­wer­tes as Spa­ni­en. Nitch aus Bar­ce­lo­na spie­len ein sehr ein­gän­gi­ges und doch un­ge­stüm lär­men­des Post­punk­ge­döns, im­mer auf der Schwel­le zum Shoe­ga­ze­ge­schwur­bel au­ßer­dem mit ein­deu­ti­gen An­lei­hen von Grunge­ge­plär­re und Noi­se­ge­schrab­bel. Passt su­per rein in die­ses Blog­ge­schwa­fel.

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BAÑOS y BAÑOS - Singles Going Broke

banos y banos
We­nig In­fos gibt's zu die­ser Band aus Den­ton, Te­xas. Sie spie­len ein mo­no­to­nes wie auch ex­plo­siv groo­ven­des Ge­misch, das man zu glei­chen Tei­len im Noi­se­rock, im Post­punk und Ga­ra­gen­rock ver­or­ten könn­te. Al­so ge­nau die Art von stu­pi­dem Krach, an­läss­lich des­sen mei­ne ko­gni­ti­ven Fä­hig­kei­ten schon nach dem ers­ten Takt ra­pi­de nach­las­sen und al­le dann noch ak­ti­ven Syn­ap­sen ei­nen Zu­stand de­bi­ler Glück­se­lig­keit aus­lö­sen.

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The Carbonators - Super Sonic

carbonators
Wun­der­schön ka­put­ter und zer­fah­re­ner Post­punk mit deut­li­chen Kraut­ein­flüs­sen, nach­läs­sig ge­spielt von ei­nem Hau­fen de­ge­ne­rier­ter Spa­cken aus dem bri­ti­schen Croy­don. Stich­wort Kraut: Man er­zahlt sich, sie sei­en auch schon mal ge­mein­sam mit Da­mo Su­zu­ki auf ei­ner Büh­ne ge­sich­tet wor­den. Bei al­len Schräg­hei­ten ha­ben sie aber trotz­dem ein aus­ge­präg­tes Ge­spür für en­gän­gi­ge Pop­me­lo­dien, die sie dann na­tür­lich auch so­fort wie­der best­mög­lich aus­ein­an­der neh­men, be­vor es zu nor­mal und lang­wei­lig wer­den kann.

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Protomartyr - Under Color Of Official Right

protomartyr
Nach dem lezt­jäh­ri­gen Bro­cken "No Pas­si­on All Tech­ni­que", der ge­ra­de we­gen sei­ner kom­pro­miss­lo­sen Zer­fah­ren­heit über­zeu­gen konn­te, fin­den Pro­tomar­tyr aus De­troit hier end­lich zu ih­rem ei­ge­nen Sound. Das steht ei­ner­seits den düs­te­ren Klan­g­ent­wür­fen der ak­tu­el­len Ko­pen­ha­ge­ner Sze­ne na­he, aber auch klas­si­sche­re Kan­di­da­ten wie The Fall schei­nen durch und leicht dub­bi­ge Un­ter­tö­ne fal­len beim auf­merk­sa­men Hö­ren auf. Da­zu durch­zieht ei­ne neu ge­won­ne­ne Me­lo­diö­si­tät das Al­bum, das den­noch an al­len Ecken und En­den sei­nen Beiß­re­flex be­weist.
Bis­her war die­ses Jahr ein ech­ter Jung­brun­nen für den zu­letzt et­was ver­schla­fen wir­ken­den Post­punk und Un­der Co­lor Of Of­fi­cial Right ist ein wei­ter her­aus­ra­gen­der Bei­trag in den mo­der­nen Gen­re-Ka­non. Viel­leicht der bes­te, den wir die­ses Jahr zu hö­ren krie­gen, aber das ha­be ich die­ses Jahr auch schon mehr­fach ge­dacht. Und jetzt wo es end­lich ei­nen of­fi­zi­el­len Re­lease­ter­min für's Lower-Al­bum gibt, mag ich mich erst recht nicht vor­zei­tig auf et­was fest­na­geln.