Nur wenige Wochen nach ihrem Debüt nimmt die zweite EP vom neuen Synth Punk-Projekt des Beta Máximo-Typen die Fäden genau da wieder da auf, wo der Vorgänger aufhörte und dennoch sind da ein paar nette Überraschungen und Experimente an Bord, die wir bisher so noch nicht von ihm gehört haben wie etwa die luftigen Synth-Polyrhytmen in den Strophen von El Fin De Los Dias, die SYT von ihrer nebulösesten, ungreifbarsten Seite zeigen, nur um dann im Chorus nahtlos in einen ihrer unmittelbar eingängigsten Momente überzugehen.
Ich konnte mich nicht so ganz erwärmen für die letztjährige Debüt-LP dieser Band, die zu ihren Mitgliedern unter anderem auch Chris Natividad von Marbled Eye und Public Interest zählt, denn jene kam mir in weiten Teilen doch einfach noch etwas zu nebelig, überstrapaziert und unterentwickelt rüber in einer Ära in welcher diese Attribute doch fast schon das bestimmende Symptom für den etwas traurigen, weitgehend ideenlosen Zustand der jüngsten Welle von Shoegaze-Bands geworden sind. Nun, auf ihrer neuesten EP trifft das glücklicherweise so gar nicht mehr zu, auf welcher sie die Kanten ihres Sounds ordentlich geschärft und die strukturelle Integrität ihres Sounds empfindlich verstärkt haben. Hab ich vorhin Shoegaze gesagt? Jau, in der Tat. Mit dem verträumten bis kantigen Post Punk von Marbled Eye hat das hier bestenfalls sekundär etwas gemeinsam. Vielmehr channeln Blue Zero hier eine gewissen Strömung vom ausgesprochen geradlinig und direkt agierenden Ende des alten Shoegaze-Spektrums, bezüglich dessen mir in erster Linie so Bands wie Swervedriver, Bailterspace, Pale Saints and frühe Ride in den Sinn kommen.
Nachdem ihre vorherige LP, wenngleich auch schon verdammt gut, zweitweise noch ein bisschen klang wie stereotypischer Berliner Post Punk auf Autopilot, erweitert ihr zweites (oder auch ihr drittes, je nachdem welche Spielzeit man persönlich als eine LP definiert) Album ganz beachtlich ihre stilistische Bandbreite und fühlt sich im direkten Vergleich durchweg sorgfältiger konstruiert und durchdacht an, eine Klangarchitektur die Funktion und Ausdruck balanciert und ihren Teil dazu beiträgt, die reptetitiven Grooves mit einer fieberhaften Dringlichkeit aufzuladen. Dennoch erinnert das bei alldem nach wie vor an einen bunten Strauß anderer Berliner Bands wie etwa Pigeon, Pretty Hurts, Glaas, Diät, Clock of Time oder Exit Group.
Vom ersten Moment an versprüht die Debüt-EP dieser Band aus Eugene, Oregon einen gewissen Vibe, der mich an eine Reihe von kurzlebigen Bands in Spektrum von so melodischem wie auch lärmigem Punkrock in den frühen 2010ern wie Milk Music, Fins und Darma Dogs erinnert aber auch ein paar ungleich jüngere Erscheinungen wie Jolana Star und Psychic Dogs, die neues Leben in einen zeitlosen Sound aus unterschwellig Post Punk-angehauchten eingängigen Punksongs, die der klassischen Homestead-, SST- und Touch & Go-Ära tribut zollen. Jetzt darf man also auch Liquid Cross dazu zählen, aber obendrein schwingt hier auch noch ein beachtenswerter Hauch von frühen Protomartyr, insbesondere ihrer zweiten und dritten LP mit, nicht zuletzt auch aufgrund der Stimme des Sängers, die eine ähnlich überdrüssige und melancholische Qualität channelt wie der Protomartyr-Frontmann Joe Casey.
Die 2023er Mini-LP dieser Australier war ja schon ein randvolles Fass des ziemlich abgedrehten Dungeon- und Fantasy-vernarrten Spaßes und ihr neuester Langspieler ist sogar ein noch mal stärkeres Paket von Schädelspalter-Tunes aus Elementen von Garage-, Synth- und Post Punk, der gleich vom Start weg mit einem deutlichen Flavor von älterer Useless Eaters- und Ausmuteants-Action verzückt im Opener Pillager, dann erweitert um einen Hauch von Psych-/Acid Punk á la Pow! in Moneyman, während Big Hat - eins von zwei hier vertretenen Überbleibseln der 2021er Mammon Machine EP - einen starken Strange Attractor-Vibe versprüht und Dopaminer glaubhaft als ein ausgesprochen starker Why Bother?-Song durchgehen könnte. Desweiteren denke ich mal dass auch Freunde von solchen Dungeon-lastigen Chaoten wie Curta'n Wall oder den Osloer Eggpunks Molbo sich mit dieser Platte einen ordentlichen neuen Kick verpassen können.
Die Eggpunk-Überformation aus Nashville, Tennessee ist zurück mit einer zweiten LP. Die entpuppt sich dann als eine gar nicht so radikale Abweichung von ihrem bisherigen Schaffen, wie es die stampfenden Elektro-Beats des Preview-Tracks Worldwide zuerst suggerieren mochten. Nach dem Kulturschock der ersten LP, auf der sie sich in unnachgibiger Hardcore-Intensität durch das Material der frühen EPs schmetterten, ist ihr neustes Baby in Teilen sogar eine unerwartete Rückbesinnung auf die verspielten und abwechslungsreichen Experimente ihres frühen Schaffens. Wie schon auf dem Vorgänger hat man einige Songs zuvor schon mal in der einen oder anderen Form gehört wie etwa in Subdivision, das uns erstmals vor gut drei Jahren auf der Town Topic 7" begegnete und die Beatles-Coverversion Come Together, die sogar noch weiter zurückgeht und ursprünglich 2021 auf der G.T.R.R.C. III-Compilation erschien - beide davon haben hier aber eine gründliche Generalüberholung erfahren und das gilt auch für die meisten anderen zuvor gehörten Songs hier. Was soll ich sagen, die Platte ist erneut ein absolut glorreicher Freakout aus quirlig-eingängigem Lärm von den Tellerrändern des Garage- und Post Punk, dem scheinbar niemals die Ideen ausgehen.
Zwei Jahre nach ihrer superspaßigen Debüt-EP hat Philadelphia's reinlichste Band endlich ihren ersten Langspieler fertig geputzt und der legt noch mal ordentlich einen drauf in Sachen chaotischer Energie ihres abgehackten Art Punks, der komfortabel zwischen den Wischmops sitzt von dissonantem, oldschooligem No Wave-Lärm, dem schrägen Artcore der frühen Minutemen aber auch reichlich jüngeren Phänmenen, wie etwa dem klugscheißerischen Art Punk von Patti, Reality Group und Brandy oder auch etwas stärker Richtung Postcore gehenden Acts á la Cutie, Mystic Inane und Rolex. Ich muss schon sagen, ihr mathematisch verwinkelter Sound macht einen sehr ordentlichen Job darin, die Herausforderung zu vertonen die sich meinem ADHS-gefickten und vermutlich auch leicht autistischen Gehirn beim Ordnung halten in der eigenen Wohnhöhle stellt... und dabei lassen sie es klingen als wäre das die spannendste Aktivität der Welt.
Die dritte LP dieser Band aus Melbourne hat fünf neue Ausbrüche von Post Punk für uns auf Lager, die ich jetzt nicht unbedingt als sonderlich überraschend oder innovativ beschreiben würde, aber die durchweg die Basics überdurchschnittlich gut auf der Reihe haben, kompetent und schlau konzipiert und ausgeführt sind und eine filigrane Balance halten zwischen kaltem und klinischem, dissonentem Konflikt und ungleich wärmeren, melodischen Auflösungen in ihrem selbstbewussten und unerwartet variablen Songwriting. In verschiedenen Aspekten und Momenten erinnert mich das unter anderem an so Bands wie Girls In Synthesis, Corker, Criminal Code, Rank/Xerox, Negative Space, Shepparton Airplane, Batpiss oder Bench Press.
Diese Woche war eine Woche der kleineren (aber wohlbemerkt ausgezeichneten) Releases und ich bin sowieso mal wieder im Verzug mit dem Bloggen, daher mach ich es mir mal einfach hier und verpacke den Krempel in einem einzigen Post, okay?
Fangen wir an mit leckerem neuem Hardcorezeug von den Silo Kids aus Hattiesburg, Mississippi, die auf ihrem neuesten Tape erneut den Ruf ihrer unscheinbaren kleinen Stadt untermauern als eine derzeitige Hochburg des einfallsreichen und verschrobenen Hardcore Punk, der sich weigert allzu sehr nach den etablierten Regeln und Mustern zu spielen.
Bei Power Pants aus Winchester, Virginia weiß man hingegen schon recht genau was man von einer neuen Veröffentlichung zu erwarten hat und außerdem, dass die nächste davon auch nicht lange auf sich warten lassen wird (auch ihre letzte Cassingle CS5 ist noch keinen Monat alt). Die neue PP11 EP erklimmt aber doch tatsächlich noch mal ein neues Level für die Band in einer Discografie, die hier und da schon mal etwas redundant klingen mag. Nicht dass sich hier fundamental etwas geändert hätte in ihrem melodischen Garage Punk-Sound, aber das hier sind ohne Frage einige der kräftigsten und rundesten Tunes ihres bisherigen Schaffens.
Scrawlers aus Tacoma, Washington schlagen dann in eine durchaus verwandte - wenngleich auch viel rohere und Fuzz-getränkte - Kerbe von einfach gestrickten und super-effektivem Garage Punk, zu dem etwa Freunde von S.B.F., Kid Chrome, Gobs oder Robbie Thunder mit Sicherheit zustimmend abnicken werden.
Thyroids aus Dallas, Texas sind jetzt auch schon eine ganze Weile unterwegs aber haben erst im laufenden Jahrzehnt mal so richtig Fahrt aufgenommen mit einem Sound, der immer unberechenbarer zu werden scheint und sich einer klaren Einordnung verweigert. Mehr als je zuvor trifft das auch auf ihre neueste 2-Track-Single zu, auf welcher Elemente von Garage- und Synth Punk, Noise Rock und -Pop sowie einer Prise Eggpunk aufeinander treffen und äußerst belebende chemische Reaktionen auslösen.
Zu guter Letzt wäre dann auch noch eine neue Snarewaves EP zu erwähnen. Die hat etwas über anderthalb frische Minuten von ihrer patentierten Elektropunk-Formel an Bord, die so verblüffend einfach wie auch abgefahren und ziemlich eigenständig in der aktuellen Landschaft daher kommt und obwohl man jetzt eigentlich denken sollte, dass der Krempel irgendwann mit dem Gesetz der sinkenden Erträge kollidieren muss, macht mich bisher jede neue Veröffentlichung nur hungrig aud noch mehr von dem guten Scheiß.
Ich war noch nicht so ganz überzeugt von der Vorabsingle Hariry Man mit ihren bluesigen Hard-/Dad Rock-Vibes aber verdammt, wird diese neue LP der Band aus Moffat Beach, Australien mal nicht nur mit jedem Song stärker (obendrein funktioniert Hairy Man auch viel besser im Album-Kontext als auf sich alleine gestellt), sondern hat auch mitunter einiges von ihrem stärksten Material an Bord. Die folgenden Songs Beef und Fire haben ordentlich was von einem oldschool Useless Eaters oder Pow!-Feel, während Out Of Touch dann graduell den psychedelischen Nebelfaktor erhöht wie wir es so am ähnlichsten bisher auf ihrer vorangegangenen Perspex LP gehört haben, bevor sich im ersten Teil von Hell letztendlich die Schleusentore der überfließenden, catchy-as-fuck Garage Punk-/Fuzz Pop-Glückseligkeit öffnen wie sie es früher oder später ganz unfehlbar auf jeder Electric Prawns 2-Platte tun. Der zweite Zirkel der Hölle (oder handelt es sich eigentlich um zwei Songs, beide Hell betitelt?) schleppt all das genannte mit und verbindet es mit einem leicht campy angehauchten Goth-Unterton nicht unähnlich zu jüngeren Power Plant-Veröffentlichungen. Weitere nennenswerte Highlights sind der Knall aus ultraklassischem Aussie-Rock'n'Roll namens Piece Of Me und der gleichermaßen melodische wie auch Blues-getränkte Bubbelgum-Vibe von Waste. Alles zusammen mag ganz plausibel mal als ihre beste Platte bisher durchgehen. Wer hätte es gedacht, es ist stellt sich selbst für diese Band als gar nicht die schlechteste Idee heraus, eine LP von gewöhnlicher Laufzeit aufzunehmen.