Kudzu – Defeated

Das zweite Album des Duos aus Springfield, Missouri gefällt mir auf Anhieb sehr gut, rollt einen Sound aus Synthpop/-punk aus, der in jeder Menge Goth und was-auch-immer-für-ein-Wave (Sorry, hier enden meine Genre-Kompetenzen. RRRHund, übernehmen sie!) getränkt ist. Das Songmaterial ist überwiegend recht einfach gestrickt, der Klangteppich dafür reich an noisigen Texturen. Mehr braucht es auch gar nicht, das Ding fluppt sehr ordentlich. Das definitive Popsong-Highlight When You Were Mine lehnt sich mit seinen starken Shoegaze-Vibes dann aber doch noch vorsichtig aus dem Fenster.



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Gad Whip – In A Room

Die neue EP der britischen Experimentalband fällt mal wieder wunderbar aus dem Rahmen mit ihrem weitgehend ungemütlichen, sperrigen Sound, der unter anderem Vergleiche zu The Fall, frühen Sleaford Mods oder Swell Maps provoziert, der außerdem einen vagen No Wave-Einfluss, einen Hauch von Kraut und Psychedelia nicht verbergen kann. Dieser krude Klangteppich stellt ein absolut passendes Vehikel für die giftigen Rants von Sänger Pete Davies dar, in denen er eindeutige Ansagen über das Zeitgeschehen und die grimmige Realität vor der eigenen Haustür in ausgesprochen surreal anmutende Lyrik verpackt.


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Bruised – Bruised

Eine vorzüglich abgehende Mixtur aus Post-, Garage Punk und ein bisschen Noise findet sich auf dem ersten Tape dieser Band aus Chicago wieder. Besonders angetan bin ich vom definitiven Highlight Satisfying Texture, das einen ausgeprägten Geruch von Pink Flag-meets-Youth Of America absondert.



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Room 101 One Man Band – Room 101 One Man Band

Room 101 One Man Band ist das Projekt eines gewissen Robert (Roburt?) Reynolds aus New Orleans, der hiermit nach einigen EPs seinen ersten (mehr-oder-weniger-)Langspieler abliefert. Darauf gibt’s ganz wunderbar abgefuckten Krawall zu hören, der auf ausgesprochen schräge Art und Weise zwischen Garage, Math- & Noise Rock, Post Punk und Hardcore rumspackt. Das klingt öfter mal nach Big Black in einer verdrehten Garage-Parallelwelt, nach dem irren Noisecore von Soupcans oder Vulture Shit. Aus diversen Dokus und mehr oder weniger bekannten Filmen zusammengeklaute Visuals werden gleich mitgeliefert.



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Hexdebt – Bitch Rising

Wumms. Mit diesem Quartett aus Melbourne ist in Zukunft sicher noch zu rechnen. Ihre erste EP macht jedenfalls schon richtig Lust auf mehr von ihrem schön kantigen, fuzzverliebten Postpunk, den Kanadiern Lié nicht ganz unähnlich.

Kommissars – Kommissars

Das erste Tape der Kommissars aus Sudbury, Kanada macht mit durchweg kompetentem Post Punk schon mal ordentlich gespannt auf die zukünftige Entwicklung der Band. Über den Gitarren schwebt hier öfter mal ein subtiler Sonic Youth-Vibe, ansonsten erinnern mich die fünf abwechslungsreichen Songs stellenweise mal an frühe Protomartyr, Sarcasm, Rank/Xerox oder Marbled Eye.


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Sodium Beast – Night Club Tonite

Ein starkes zweites Tape hat die New Yorker Band da vorgelegt, ein massiver Qualitätssprung im Vergleich zum eher mauen Vorgänger. Noise Rock mit exquisitem Vorschub und einem sehr postpunkigen Unterbau gibt es zu hören, der sich gut ins Umfeld aktueller Bands wie Tunic, Dasher, USA Nails oder Batpiss einfügt.


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Lipups – 7ep2

Die dritte EP der Band aus Tokyo (auf Bandcamp für einen sehr, nun ja… japanischen, also recht gesalzenen Preis zu bekommen) gefällt mal wieder mit einem sehr verspielten Sound, der sich zu gleichen Teilen aus Garage- und Postpunk speist. Könnte man z.B. als eine postpunkigere Version von Reality Group oder eine garagelastigere inkarnation von Marbled Eye bezeichnen.

Sleepies – Melt To You

Die New Yorker Sleepies lassen mal wider was von sich hören in Form eines ziemlich blauen Kurzspiel-Tapes. Ihre wuderbar fluffige Mischung aus Indie Rock und Postpunk, die man inzwischen schon fast wieder als oldschoolig bezeichnen könnte, hat über die Jahre kein bisschen von ihrem Charme eingebüßt.


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Protomartyr – Relatives In Descent

Als ich das zweite Album Under Color Of Official Right von Protomartyr aus Detroit zum ersten mal zu hören bekam, traf mich ihre Musik ganz unvorbereitet. Der recht ordentliche Vorgänger No Passion All Technique gefiel mir schon nicht schlecht, ließ aber nicht annähernd erahnen, was für Höhen die Band später noch erklimmen würde. Plötzlich war da also diese angepisste Giftspritze von einer Platte, getragen von den außergewöhnlich einfallsreichen Arrangements einer Band, die mit allen Mitteln daran arbeitet, die Konventionen des Postpunk-Genres zu überwinden. Und ein perfekter Klangteppich für die von Joe Casey in einer Mischung aus Wut und Resignation vorgetragenen Vocals, die nicht selten in scharfzüngige Rants ausarteten. Viel besser kann zeitgemäßer Post Punk doch kaum werden.

Dachte ich. Und dann kam The Agent Intellect. Ein vor Ambition berstendes Album, das den Fokus stärker nach außen, auf das Weltgeschehen richtete und dessen Grundstimmung von tiefer Melancholie und Weltschmerz zu einem losen Konzeptalbum von epischen Ausmaßen kanalisiert wurde. Ein eindringliches Statement über die universellen Abgründe der menschlichen Existenz in einem Umfeld, das zunehmend den Verstand und jegliche Vernunft hinter sich lässt. Ich ging zu dem Zeitpunkt davon aus, dass Protomartyr damit ihren kreativen Zenit erreicht hatten.

Seither sind knapp zwei Jahre vergangen, deren Ereignisse sich in ihrer geballten Wucht anfühlen als wäre die Menschheit bereitwillig und vor Freude johlend in einen Pool aus Scheiße gesprungen. Man kann’s auch nicht mehr ignorieren, der Gestank ist einfach zu penetrant und allgegenwärtig. Nun ist besagte Scheiße ja auch der Brennstoff für die Musik von Protomartyr, das Potenzial für ein ordentliches Feuer ist also gegeben.

Und was für ein prächtiges Feuer sie hier veranstalten! Wie schon beim letzten mal, als ich dachte, Protomartyr könnten da kaum noch einen draufsetzen, übertrifft sich die Band ein weiteres mal selbst. Die diversen Ereignisse sind natürlich nicht spurlos an Joe Casey vorbei gegangen. Direkter als je zuvor nehmen seine Lyrics Bezug auf das Zeitgeschehen, spiegeln mit deutlichen Worten und ausdrucksstarken Bildern die allgemeine Befindlichkeit, das Chaos, den Zerfall, die Verwirrung einer Welt wieder, die ihre bedrückendste existenzielle Krise seit langer Zeit durchlebt. Dazu passend schlägt auch die Musik zunehmend getragene, nachdenkliche Töne an. Mit abermals gesteigertem emotionalen Punch. Keine Frage, Protomartyr fahren mal wieder ganz beachtliches Drama auf. Dass das funktioniert, ist ihrem bis dato besten, sorgfältig konstruierten Songmaterial von beeindruckener dramaturgischer Finesse geschuldet. Die Platte ist eine verblüffende, niederschmetternde, spektakuläre Abfahrt. Und Protomartyr sind die wichtigste Band der letzten Jahre. Punkt.



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