Fünf neue, wunderbare Unfälle gibt’s auf der aktuellen EP der neuseeländischen Avantgarde-Punks, deren kühner Dilettantismus mir immer wieder von neuem die Kinnlade gen Boden fallen lässt. Subtil ist das nicht, aber dafür laut und abgefuckt. Etwa so als hätten sich frühe Half Japanese mal ein Stimmgerät gekauft. Was will man denn mehr?
Eine sehr gelungene Splitscheibe zweier Bands, die jeweils irgendwo zwischen den Eckpfeilern Noise, Post Punk und ein wenig Garagezeug agieren. Dass Nag aus Decatur, Georgia ordentlich die Scheiße lostreten können, haben sie ja schon mit mehreren EPs bewiesen. Gänzlich unbekannt waren mir hingegen Lip aus Baltimore, die ihrem Krawall eine dezent psychedelischen Note verpassen. Eine überaus erfreuliche Überraschung.
Hochpotenter Scheiß, was dieses Trio aus Minneapolis auf ihrem bereits dritten Langspieler veranstaltet. Melodische Fragmente und shoegazige Texturen kollidieren mit dissonantem Lärm. Wuchtig nach vorne gehender Post Punk á la Lié, Death Stuff, Shit Giver oder Dasher trifft auf den Fuzz Punk/Noise Pop etwa von Slowcoaches oder UV-TV, Noise Rock der Marke USA Nails oder Batpiss. Unvorhersehbar, eigenwillig und doch erstaunlich homogen, absolut eigenständig kommt diese wilde Mixtur rüber.
Straight nach vorne gehendes (Post-)Punkgedöns auf dem zweiten Langspieler der Band aus San Sebastián, Spanien. Das erinnert mal an eine trübseligere Variante der Red Dons, Short Days oder Telecult, im Tempo gedrosselte Nervosas, an The Estranged oder einen Hauch von Criminal Code.
Auf ihrem neuesten Kurzspieler beweist die Post Punk/Goth/Dark Punk-Formation aus Philadelphia einmal mehr, dass sie in ihrem Genre-Umfeld ganz vorne dabei ist. Besonders herausstechend sind diesmal die etwas getrageneren Highlights Bull’s Blood und Golden Calf. Was bei weniger guten Bands meistens eher einschläfernd wirkt, entfaltet hier seine volle Wirkung und zeigt ein starkes Wachstum in seinem sauber konstruierten Songwriting.
Das ausgezeichnete zweite Album der Post-/Artpunker aus Portland ist noch gar nicht so richtig verarbeitet, da schiebt die Band auch schon einen neuen Siebenzöller hinterher, der mit Leichtigkeit an dessen Brillianz anknüpft.
Derzeit kann man sagen, dass gefühlte 80% aller guten Bands aus dem Post-, Garagepunk und Hardcore-Spektrum früher oder später im Katalog von Erste Theke Tonträger auftauchen. Jetzt sind Patti aus Oakland an der Reihe, die vor nicht allzu langer Zeit ja schon mit ihrer ersten EP sehr zu gefallen wussten. Auch der neueste Kurzspieler der Band hält was er verspricht. An ihrem hyperaktiven und reichlich angeschrägten Postpunk hab ich mich noch lange nicht sattgehört.
Eine digitale Single der Band aus Sudbury, Ontario. Die zwei neuen Postpunk-Kracher darauf knüpfen nahtlos an das hohe Niveau der ersten beiden EPs an.
Nachdem die Band aus Oakland mit der Fun Limbo EP im letzten Jahr ihr bislang derbstes Artefakt abgeliefert hat, kommt jetzt ein zweites Album hinterher, das nicht nur alle Tendenzen des bisherigen Outputs vereint, sondern auch das Klangspektrum noch deutlich erweitert. Die Hüsker Dü-artigen Melodien der ersten EP sind wieder vermehrt am Start, so wie auch der erbarmungslos sägende Weirdo Hardcore. Darüber hinaus bewegen sich die Songs dann noch zwischen Momenten von energischem Garagepunk, beherzt zubeißendem Sludge-/Noise Rock und einem Anflug von verquerem Post Punk. Ein unvorhersehbares rundum-sorglos-Paket also, bei dem sie sich keine nennenswerten Fehltritte leisten.
Die experimentelle Postpunk-Formation irgendwo aus England ist an dieser Stelle ja schon mit der einen oder anderen EP aufgeschlagen. Mit ihrem aktuellen Langspieler hieven Gad Whip ihren eigenwilligen Sound aber auf ein ganz anderes Level, verwirklichen zunehmend das den früheren Veröffentlichungen innewohnende Potenzial. Es ist gleichermaßen ihre zugänglichste wie auch ihre unvorhersehbarste Platte bislang, deren ureigene Vision des vertonten Unbahagens immer für eine betrübliche Überraschung gut ist. Ein ungeschönter Blick auf die hässliche Gegenwart vor der eigenen Haustür und ein holperiger Trip in eine ungewisse Zukunft. Das bricht sich auch abermals Bahn in den ruhelosen Rants von Frontmann Pete Davies. Ungehaltener und aufgewühlter als je zuvor ergießt sich ein ungefilterter Bewusstseinsstrom über den Hörer, der Inhaltlich durchweg vom Zerfall geprägt ist. Wiederkehrende Bilder von dahinrottender Infrastruktur sind nur ein Spiegel von politischen, sozialen, medialen und moralischen Realitäten, die hier genauso ungeschminkt zum Ausdruck kommen. Post Internet Blues reaktiviert die Wut im Bauch und hinterlässt einen Kloß im Hals wie es noch keine andere Platte aus dem 12XU-kompatiblen Spektrum in diesem Jahr geschafft hat.