Sallow Pillow – Wince Meat

Die ausgezeichnete Debüt-EP von Sallow Pillow aus Liverpool besticht durch geradlinig effektiven Garage Punk mit leichten Surfeinflüssen im Stile etwa von Black Lips, frühem Ty Segall oder Debate Club, einem durchgängigem Gun Club vibe sowie einer gewissen Postpunk-Kante, die etwa an Luxury oder skandinavische Acts wie Holograms und RA erinnert. Wenn sie dann in Wear Out The Rope noch ein paar Americana-Einflüsse ausrollen, komm ich um einen Vaguess-Vergleich nicht herum.

Album-Stream →

Acrylics – Sinking In

Nach einigen saustarken EPs haben Acrylics aus Santa Rosa, Kalifornien sich zwei Jahre Zeit genommen für ihren ersten Langspieler, der sich - kein bisschen überraschend - auch gleich als ihr vielseitigster und reifster Brocken Lärm herausstellt. Ihr ambitionierter, aber durchweg stimmiger Stilmix bewegt sich in einem perfekten Dreieck zwischen düsterem Post Punk á la Criminal Code, dem derben Hardcorepunk von Bands wie Cülo, Hate Preachers oder Impulso und dem smartem Postcore von Ivy oder Bad Breeding.

Album-Stream →

Yammerer – Reality Escape Resort

Zwei Vorabtracks haben schon ordentliche Erwartungen geschürt für die Debüt-EP dieser vermutlich britischen Band und auch der Rest der EP zeigt, dass hier nicht zuviel versprochen wurde. Es breitet sich ein ruheloser Klangteppich aus Garage Punk mit für Genreverhältnisse ungewöhnlichem Breitwandfeeling aus, ein bisschen als träfen jüngste Uranium Club auf Radio Birdman und Modern Lovers - ergänzt um einige MX-80-mäßige Verschrobenheiten. Der epische Rauswerfer Seasons 13-31 hat sich außerdem sicher noch ein paar Scheiben bei den Wipers, insbesondere bei Youth Of America, abgeschnitten.

Album-Stream →

Kumusta – Kumusta #1

Vorzuglicher Scheiß aus Rouen, Frankreich. Kumusta kommen mit einer spaßigen Mischung um die Ecke, die einen straffen Bogen spannt von Noise Rock und -core, über Post Punk/-core bis hin zu einem Hauch von Garagepunk. Man stelle sich zum Beispiel in manchen Momenten eine Verschmelzung aus gedrosselten Bad Breeding und Criminal Code vor. In anderen Augenblicken hat es ein bisschen was von den australischen Postcore-Hausnummern Batpiss und Bench Press.

Album-Stream →

Big Bite – Trinity

Das Langespieldebüt von Big Bite aus Seattle im letzten Jahr war schon eine sehr willkommene Anomalie und der Nachfolger kommt nicht weniger brilliant rüber, haucht erneut einer schnörkellos rockenden 90er Schule irgendwo zwischen Indie-/Alternative Rock und ein bisschen Shoegaze neues Leben ein. Sugar, Polvo und Swervedriver kommen dabei an alten Bands in den Sinn; Pardoner, frühe Ovlov, Milked oder Dead Soft wären halbwegs geeignete Vergleiche aus der Gegenwart. Häufiger als zuvor werden hier außerdem ein paar psychedelische Momente ausgerollt und im Endspurt kommt noch ein gewisser Postpunk-Faktor der Marke Teenanger oder Constant Mongrel zur Geltung.

Album-Stream →

Plataforma – La Equitativa

Erneut haut eine Band aus Barcelona überzeugend in die Scheiße. Plataforma macht das in Form eines maximal DIY-mäßigen Sounds im Umfeld von Dark-/Post Punk und einer gesunden Dosis Goth. Crisis kommen da mal wieder in den Sinn, frühe 2010er Kopenhagen-Schule á la Lower und Iceage oder auch jüngere Acts wie Disjoy stehen dem nicht allzu fern.

Album-Stream →

Girls In Synthesis – Arterial Movements 7″

Nachdem die letzte EP von Girls In Synthesis nicht so richtig meinen Nerv treffen wollte, sind die Londoner auf dem neuesten Kurzspieler wieder voll in ihrem Element. Wie gehabt agieren sie dabei stets auf der Schwelle zwischen Noise Rock und Post Punk, bewegen sich damit durchaus in der Nachbarschaft von Bands wie z.B. USA Nails, Tunic und John (timestwo). Das definitive Highlight hier ist Smarting mit seinem stark Big Black-mäßigen Gitarrengeschrubbe.

Lux – New Day

Lux aus Barcelona können bereits ein Demo und einen vielversprechenden Langspieler vorweisen, aber auf ihrer aktuellen EP kommt ihr Sound mal so richtig in die Gänge. Da treffen einige der exzentrischeren Strömungen des 80er Post- und Hardcorepunk wie etwa Man Sized Action und The Proletariat auf markante Goth/Deathpunk-Basslines, aber auch an aktuellere Bands wie Street Eater oder das Cowpunkwunder Murderer darf man sich erinnert fühlen.

Album-Stream →

Dee Bee Rich – Demo

Nach einem stark Synth-lastigen Tape vor gar nicht so langer Zeit gibt's auch schon 'nen kleinen Nachschlag von dem Typen der scheinbar auch in so ziemlich jeder anderen Berliner Band seine Finger drin hat. Diesmal stärker Gitarrenbetont, was den Sound mehr so Richtung Garage verschiebt und ein bisschen vom frühen Erik Nervous-Vibe hat.

Italia 90 – III

Auch wenn in den letzten Jahren deutlich mehr Rummel um andere britische Bands aus ihrem musikalischem Spektrum gemacht wurde, verkörpert kaum eine Band so sehr die Seele und DIY-Attitüde der Szene und einen nachdrücklichen Appell an das verdrängte, schlechte Gewissen einer Gesellschaft wie die Londoner Art-/Postpunk-Formation Italia 90. Es ist langsam echt mal an der Zeit, dass mehr Leute auf sie aufmerksam werden. Wie gehabt höre ich hier vor allem Echos alter britischer Post Punk Hausnummern wie Crisis, Membranes, Swell Maps und frühe Mekons raus. Gleichzeitig baut die Band ihr Klangspektrum aber weiter aus. Wenn Punkbands einen auf langsam machen, endet das meistens in einem schrecklichen Unfall. Aber erstaunlicher Weise sind die zwei langsamsten und leisesten Momente die eindeutigen Highlights dieser EP. In Open Vains kollidiert dabei die milde Darbietung mit einer markerschütternden Anklage, was in dieser Kombination ein wenig an aktuelle Protomartyr erinnern mag. Der Rausschmeißer Against The Wall hat hingegen einen gewissen psychedelischen Unterton mit Wire so anno Chairs Missing gemein.

Album-Stream →