Mal wieder ein sauberer Release von den Postpunkern Italia 90 aus London. Die A-Seite Borderline präsentiert ihren Sound in seiner bislang kompaktesten, eingängigsten Form mit einem Hauch von Gotobeds, Sleepies oder B-Boys. Wenn ihr mich fragt ist hier aber die düstere B-Seite Declare die eigentliche Hauptattraktion, die sich ein bisschen nach einer (stark gereiften) Rückbesinnung auf den kantigen Minimalismus und die starken Swell Maps- und Membranes-Vibes ihrer ersten EP anfühlt.
Einen schönen Aufstand tritt da eine Band aus Philadelphia los, zu gleichen Teilen Garage Punk und Noise Rock und animiert vom Geist diverser Klassiker in der Grauzone von oldschool (Post-)Punk und (Proto-)Noise Rock. Die ersten Töne mögen ein bisschen an Brainiac erinnern, aber vor allem ist es Zeug aus den 80ern wie U-Men, X (AUS), Flipper, Feedtime, No Trend… soger ein leichter Unterton von frühen Minutemen kommt zwischenzeitlich vor. An gegenwärtigen Bands fallen mir dann spontan noch Cutie und Patti ein.
Dieses Duo aus Sydney und London trifft bereits auf Anhieb alle Nägel auf den Kopf mit so ehrlichen wie eindringlichen Lyrics und einem Sound nicht ganz unähnlich zu jüngeren britischen DIY-Erscheinungen wie Silicone Values und Suburban Homes, wobei Nasty Party ihre deutlichen Television Personalities-Vibes aber mit einer guten Ladung Buzzcocks-Drive ausbalancieren. Außerdem kommen mir dabei noch Proto Idiot und Freak Genes in den Sinn.
Ich weiß nur gutes zu sagen über diese Split 7″ zweier australischer Bands. Last Quokka’s Seite wartet mit zwei ihrer bislang besten Songs auf und dem bereits vertrauten Sound aus Postcore mit Garage-Boost sowie Momenten von Hot Snakes und frühen Jawbox, ebenso auch von gegenwärtigen Bands wie Video, Bad Breeding und Ascot Stabber.
Von False Cobra höre ich hier zum ersten mal. Mancher der genannten Vergleiche mag auch auf ihre zwei Songs zutreffen, aber insgesamt liegt bei ihnen das Gewicht deutlicher auf Seite von Garage und klassischem Punkzeugs – ein Fitzelchen von The Ruts oder X (L.A.) ist da an Bord, aber auch mit The Living Eyes, Mini Skirt oder frühen Teenanger gibt es Gemeinsamkeiten.
Mit ihrem zweiten Langspieler haben sich Waste Man aus New Orleans fast komplett von dem Hardcore-Faktor gelöst, der auf ihrem saustarken 2018er Tape A New Type Of Worry noch alles zusammen hielt. Was nicht heißen soll, dass ihre neueste LP weniger spannend wäre, ganz im Gegenteil: Das hier ist ihr bislang ehrgeizigster und gleichermaßen reifster Output geworden. Eine unvorhersehbare Abfahrt, die auf dem Weg mal bei so Schlaumeier-Garage Punk á la Vintage Crop, Dumb und Uranium Club aneckt, von dort einen Bogen über Art Punk der Sorte Lithics oder Patti, hin zu modernem Post Punk der Public Eye-, Gotobeds- und Bambara-Schule aufspannt. Gleichzeitig strahlt das ganze aber auch noch ein paar oldschooligere Vibes ab – leichte Echos von Wire und Saccharine Trust sind dabei am deutlichsten auszumachen.
Das ist jetzt schon der zweite saustarke Release aus Mexiko für diese Woche. Zugegeben, die Platte hat jetzt schon ein paar Monate auf dem Buckel aber nichts desto trotz… da drüben braut sich doch irgendwas zusammen. Das Debütalbum dieser Band ist eine starke Koffeinspritze aus elektrisch angetriebenem Vollgas-geradeaus-style Garage Punk mit leichten Ähnlichkeiten zu Bands wie S.B.F., Kid Chrome oder Arse. Mal eher noisy, mal melodisch, immer schön catchy und energisch.
Das Demo von 2019 war schon eine sehr respektable Sprengladung des durchdachten Lärms und auf die neue EP der New Yorker trifft das noch umso mehr zu, dank einer vergleichsweise ausgefeilten Produktion, die ihr Klangwerk aus einer Grauzone zwischen Hardcore, Post Punk und Postcore in genau das rechte Licht rückt, sauber die Balance zwischen kantigem Dreck und blanker Wucht hält. Das ganze Ding schwemmt mir einen recht vielseitigen Klumpen an Bands ins Gedächtnis wie etwa Mystic Inane, Hot Snakes, Wymyns Prysyn, Launcher, Cement Shoes oder Liquid Assets.
DWP ist das aktuelle Soloprojekt von Sloane Flashman, der sich in der Vergangenheit auch bei der Postpunk-Formation Nail Polish an der Gitarre zu schaffen machte. Wer bereits mit deren experimentellem, No-Wave inspiriertem Krach vertraut ist, ahnt sicher schon, dass es auch auf dieser EP wieder etwas abenteuerlicher zugeht. Innerhalb von acht abstrakten, monotonen Skizzen entfaltet sich hier eine experimentelle Art Punk-Klanglandschaft, die – neben vielen anderen Dingen – scheinbar zu gleichen Teilen Einflüsse von Suicide, Wire und Glenn Branca in sich aufgesogen hat.
Wieder mal eine tolle EP von Germ House, einem Soloprojekt von Justin Hubbard aus Rhode Island, der zufällig auch bei Far Corners seine Finger im Spiel hat. Die drei neuen Songs strahlen erneut den vertrauten Lo-Fi Charme aus und decken eine Bandbreite ab, die von kantigem Post Punk – welcher sicher ein paar Einflüsse bei The Fall oder Desperate Bicycles aufgesogen hat – hin zu klassischem Garage Rock und gegenwärtigem Garage Punk reicht. Gleichzeitig offenbart das ganze aber auch ein paradoxes Ohrwurmpotenzial und einen verspielten Vibe, der mich an The Woolen Men denken lässt.
Diese Band aus Melbourne war schon mal früher unterwegs, und zwar war das irgendwann in den 90ern mit einem Sound, den man eher als den typischen, leicht emofizierten Postcore-Style jener Zeit beschreiben kann mit Echos von Chavez, Slint und Polvo. Ihre ersten neuen Songs in einem Vierteljahrhundert sind dagegen aber alles andere als ein nostalgischer Neuaufguss ihrer alten Tricks. Stattdessen präsentieren sie einen rundum erneuerten Postpunk-Sound, der klar in der Gegenwart zuhause ist und sich gut zwischen Bands wie Sleepies, Gotobeds oder Drahla mischt, dabei gleichzeitig aber auch recht zeitlos und gereift im besten Sinne klingt, was ab und an auch mal leichte Moving Targets oder Volcano Suns-Vibes wachruft.