Choke Boy – Chalk

Die Band kommt aus Dortmund, macht aber keine Musik für die Neunziger (jaja, alte Säcke werden sich erinnern…). Wohl eher für die späten Nuller und frühen 2010er – ein sehr geradliniger, eher Melodie-getriebener Post Punk-Sound, wie man ihn damals besonders von The Estranged, teilweise auch von Criminal Code zu hören bekam und wovon Aspekte gelegentlich auch in jüngeren Jahren von Bands wie Anxious Living, VR Sex oder Ufosekte wieder aufgegriffen wurden. Das ist jetzt sicher nicht die Spitze der Originalität und kann über die Laufzeit der sechs Songs schon etwas eintönig werden. Andererseits ist aber ganz klar schon ein grundsolides Fundament vorhanden, von dem ausgehend man in Zukunft sicher noch expandieren, erforschen und elaborieren wird.

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Meal – Jimmy

Das irgendwo in New York / New Jersey umtriebige Label State Champion Records hat mal wieder eine geile Kassette für uns auf Lager von einer Band aus Helsinki, die darauf einen voll ausgeformten Sound generiert, der nach so viel gutem Zeug klingt dass ich gar nicht so recht weiß, wo ich anfangen soll. Zum Einstieg hat das etwas von einer Fusion aus etwas dunklerem Post Punk etwa der Rank/Xerox- oder Pigeon-Machart und Richtung Art Punk schielenden Garage- und Post Punk-Acts der Sorte Patti, Lithics, Reality Group, Vintage Crop oder Yammerer. In den mittleren zwei Songs macht sich dann ein relaxterer Vibe mit leichter Indie Rock-Tendenz breit, was z.B. an Gotobeds, Sleepies, Tape/Off oder B-Boys erinnern mag und im Rausschmeißer-Song Plastic Marine finden beide Tendenzen dann zur perfekten Symbiose zusammen.

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Optic Nerve – In A Fast Car Waving Goodbye

Die neueste EP der Band aus Sydney knüpft nahtlos an die Großartigkeit ihres Debüts von 2019 an und lässt erneut einen dichten Wirbel aus Post Punk und -core vom Stapel, der gleichermaßen Inspiration aus den eigenwilligeren Ecken der 80er Szene á la Saccharine Trust, Really Red oder Man Sized Action zu schöpfen scheint wie aus dem Folk- und Cowpunk von Angst, aber auch ein deutlicher Hot Snakes-Fahrtwind kommt einem da entgegen.

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Big Bopper – Introducing Big Bopper

Puh.. wer auch immer dieses Album gemischt und/oder gemastert hat muss geradezu taub sein. Ich bin ja einiges an klanglichen Extremen gewohnt und lasse normal immer die Finger von den Klangreglern, aber hier passiert es mir zum ersten mal, dass ich eine Veröffentlichung nicht ertrage ohne brutal die Höhen runter zu drehen. Unter Umständen mag das physische Tape diesbezüglich weniger schmerzhaft sein als die digitale Veröffentlichung.

Davon abgesehen tritt das hier aber ordentlich Arsch. Keine Ahnung warum das bei mir so lange gedauert hat – ich bin mir sicher, über dieses Ding schon mal gestolpert zu sein, aber irgendwie brauchte mein kaputtes Gehirn nochmal eine Erinnerung in Form einer erneuten (nur digitalen?) Veröffentlichung bei Goodbye Boozy um die Qualitäten der Texaner zu registrieren. Die spielen jedenfalle einen ziemlich wilden, schwer vorhersehbaren Mischling mit Elementen aus Garage Punk, Noise Rock, Post Punk und Postcore, den man je nach Laune mal mit Patti, Rolex, Cutie, Mystic Inane or Brandy vergleichen mag.

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TVO – Fall In A Pit

Eine weitere Hammer-EP von TVO aus Philadelphia. Diesesmal wird der Garagenfaktor deutlich hochgefahren, ohne den Hunger der Band nach oldschooligem proto-noise rock und -sludge zu vernachlässigen. Man stelle sich eine seltsame Mischung aus den New Yorkern Cutie und australischen Garagenbands wie Mini Skirt, Pist Idiots vor, welche dann seitwärts mit altem Krawall vom Schlage U-Men, Scientists, X (Sydney, nicht L.A.) kollidiert und vielleicht auch noch einem leisen Hauch von Mudhoney.

Puritans – Puritans

Rund vier Jahre nach ihrem letzten Lebenszeichen bekommen wir recht überraschend einen neuen Kurzspieler der Band aus Vancouver vorgesetzt, die im Jahre 2016/17 mit einer makelloses EP überzeugte, gefolgt von einem etwas enttäuschenden, unausgegorenen Nachfolger. Die vier neuen Songs präsentieren sie hingegen wieder ganz in ihrem Element, alternierend zwischen zwei energischen Lärmeruptionen und einem getrageneren, melancholischen Doppelpack, das ein bisschen mehr Geduld einfordert um sich dann aber ganz vorzüglich zu entfalten. Wie schon zuvor erinnert mich das an eine etwas melancholischere, unaufgeregte und melodische Inkarnation von Rank/Xerox, Sarcasm oder Sievehead.

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Skeleton Glove – Skeleton Glove

Die Berliner waren mir bisher von einer Handvoll Demos bekannt, die allesamt mehr oder weniger an den schäbigen Produktionswerten krankten. Umso schöner deshalb, sie jetzt mal in einem Sound zu hören, der ihrer schieren Wucht gerecht wird. Das Resultat ist mindestens so gut wie ich es vermutet hätte – ihre ultra-räudige Mischung aus Post- und Hardcorepunk mit Anleihen von Death Rock und Garage schlägt zuverlässig genau da ein wo es wehtut.

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LLRR – < = >

Ein echter Leckerbissen von einer Band aus Kyoto! LLRR machen Post Punk, der sich gleichermaßen catchy und kantig gibt. Häufig tanzbar, manchmal mit Mathrock-Strukturen spielend, in anderen Momenten ausgesprochen oldschool No Wave-funky. Eine bombenfeste Rhythmussektion rollt den idealen Klangteppich aus, auf dem sich die widerspenstigen und doch manchmal unerwartet melodischen Eruptionen vom Gitarristen Yuzuru Sano und hypnotische Vocals von Minami Yokota ausbreiten können, welche oft so integral in das rhythmische Fundament verwoben sind wie man es selten von aktuellen Bands hört.

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Off Peak Arson – Off Peak Arson

Whoa, was für eine exzellente Debüt-EP hat da eine Band aus Memphis, Tennessee abgeliefert! Der Opener hat was von Drive Like Jehu und Hot Snakes im kreativen Overdrive-Modus, außerdem auch etwas Meat Wave, Mystic Inane, Tunic und Wymyns Prysyn an Bord. Als nächstes wird dann mal direkt zwei Gänge runter geschaltet mit einer Postpunk-Nummer, in der ein pulsierender Beat mit einer ordentlichen Ladung Flying Nun-Psychedelia kollidiert sowie einem gewissen Sauna Youth Vibe. Letzterer durchdringt auch die zwei darauf folgenden Garage Punk-Knaller mit Anflügen von Ex-Cult, frühen Teenanger oder Dumb Punts, wobei der Sound graduell in einen an Gotobeds, Sleepies oder B-Boys erinnernden Post Punk und Indie Rock-Sound morpht… nur um mitten im Rausschmeißer Warm Satellite erneut seine Gestalt zu verwandeln und die Platte mit einem Swervedriver-artigen Slow Jam zu beschließen. Ohne Scheiß, diese Platte leistet sich einfach keine einzige Schwäche!

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During – Birds of Juneau /​ Big Farmer

Chunklet Industries haut mal wieder die Scheiße kaputt mit dieser Debüt-7″ einer Noise Rock- / Post Punk-Supergroup, eine geradezu unheilige Dreieinigkeit bestehend aus Mitgliedern von Spray Paint, Wilful Boys und Brandy. Ihr Sound beinhaltet deutliche Anleihen von allen drei genannten Bands ohne dabei allzu vorhersehbar zu klingen. Die A-Seite versprüht in der Tat diesen gewissen Spray Paint-Vibe während der zweite Track sich etwas stärker in Richtung der anderen beiden Bands rauslehnt. Desweiteren wird uns auch schon ein Langspieler für den Herbst versprochen, also haltet mal ein Auge drauf!